Mission haben ergeben, daß ein systematischer Brandstiftungsplan besteht, daß aber> die Urheber und Leiter dieses Planes sich hinter schlichten Arbeitern und Kindern, die sie als ihre Werkzeuge vorschieben, versteckten. — Die russische Regierung hat den meisten Mitgliedern des römisch'katholischen Collegiums in Petersburg ihre besondere Zufriedenheit dadurch zu erkennen gegeben, daß sie ihnen nicht blos hohe Orden verliehen, sondern auch ihre Jahresgehalte bedeutend erhöht hat, so daß sie mit den Zulagen ca. 4000 Silberrubel betragen.
Die Nachrichten über in der Türkei ausgebrochene Unruhen lauten ernsthafter als gewöhnlich. An diejenigen Dinge, die sich in dem wilden Albanien ereignen, darf man allerdings nicht den Maßstab von Vorgängen in civilisirten Ländern legen. Es scheint indessen, als ob diesmal ein wirklicher, nicht unbedenklicher Ausstand im Gange wäre.
Friedberg. Gutem Vernehmen nach ist nunmehr die Eisenbahnlinie Fried' berg-Homburg gesichert und der Bau alsbald bevorstehend. — Auch bezüglich der Linie Alsfeld-Hersfeld, die mit der Bahn Alsfeld-Friedberg in enger Verbindung steht, sollen die Verhandlungen mit einer namhaften Gesellschaft zum Abschluß gediehen sein. (O. A.)
München, 1. August. Wir in den großen Städten können mit Gelassenheit zusehen, aber auf dem platten Lande sind Zustände in Folge der kirchlichen Krisis eingetreten, die jedes Recht ins Gegentheil verkehren und einen Terrorismus der geistlichen Gewalt zur Schau stellen, wie er vor Jahrhunderten bestand. Ein großer Grundbesitzer in der Nähe von Passau, der 43 Dienstboten auf seinem Hose hält, wurde von offener Kanzel herab verleumdet, weil sich die „Abend- zeitung" und die „Passauerin" in seinem Hause fand, seinem Gesinde aber wird bei Verlust ihres Seelenheiles angedroht, den Dienst zu verlassen. In welche Lage war der Mann gebracht, besonders nun zur Erntezeit; in welche Gemüths- flimmung werden die dienenden Stände versetzt, wenn man sie vor solche Alter- nativen stellt? Der Gutsbesitzer stellte gerichtliche Klage; und da der Pfarrer ver- urtheilt ward, so ergriff er die Berufung. Allein noch ehe diese erledigt war, wiederholte er dieselben Injurien, und als der Betroffene sich abermals um Zeugen umsah, da war bereits von Seite des Pfarramts gesorgt dafür, daß „Niemand etwas gehört hatte". Die Autorität des Beamten, das Vertrauen in den Arzt, in den Lehrer, kurz in alle öffentlichen Persönlichkeiten wird vom Landclerus systematisch untergraben, wenn die Betreffenden sich nicht bedingungslos in dessen Dienste geben. Man mag noch so sehr vor allzu radikalem Vorgehen warnen, aber das sind Fälle, die rein moralisch betrachtet, eine Abhülfe fordern, und die bayerische Regierung darf dieselben nicht einfach bei Seite legen, wenn sie nicht etwa dasselbe Schicksal verdienen will. (Nat.-Z.)
München, 2. August. Die klerikalen Blätter sehen „mit Spannung" den Schritten entgegen, welche der Erzbischof von München-Freising gegenüber der NectorSwahl an der hiesigen Universität thun werde, verhehlen sich aber dabei die peinliche Verlegenheit keineswegs, welche dem Erzbischof durch jene Wahl bereitet worden. „Es liegt allerdings — meint die „Landshuter Zeitung" — der Weg, der zu nehmen wäre, scheinbar ganz klar vorgezeichnet da; allein es ist andererseits auch wieder bei dem Betreten desselben die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß die theologische Facultät hiesiger Hochschule leicht dabei so geschädigt werden könne, daß cs einem völligen Zugrundegehen so ziemlich gleichkäme, was wieder dem mit reichlichen Mitteln ausgestattcten Georgianum das nämliche Schicksal bereiten würde, und jene Mittel bald sehnsüchtige Liebhaber finden dürften. Das hochwürdige Ordinariat wird freilich zuletzt doch in die Lage kommen, der unerbittlichen Consequenz seiner früheren Beschlüsse nicht entgehen zu können," — d. h. eS wird die gesummte Universität mit dem Kirchenbann belegen müssen, was denn auch die Heißsporne der Ultramontanen, „Vaterland", „Volksbote" u. dergl., völlig am Platze finden. Das „Vaterland" erinnert nebenbei drohend an das Jahr 1847, wo auch die Universität „an der Spitze der Bewegung marschirte", woraus aber dann das Jahr 1848 gefolgt sei, welches „einem bayerischen König die Krone gekostet habe". (F. I.)
München, 2. August. Das Ministerium des Innern bereitet einen Erlaß vor, in welchem mit Hinweis auf einen Befehl des Königs Max I. sämmt' lichen StaatSdienern die Mitgliedschaft am Freimaurerbunde untersagt wird. (Presse.)
München, 3. August. Die klerikale „Augsburger Postzeitung" glaubt nicht zu irren, wenn sie annimmt, daß Hr. v. Lutz wirklich und endlich auf die Trennung von Kirche und Staat hinsteuere. „Für Hrn. v. Lutz — fährt das citirte Organ wörtlich fort — ist in der That kein anderer Ausweg, als entweder abzudanken, nachdem er einerseits sich zu weit engagirt hat, um mit dem von Hrn. v. Bray befürworteten modus vivendi sich einverstanden erklären zu können, und anderseits die illoyalen mit dem bestehenden Rechte unvereinbaren Begehren der Neuprotestanten nicht gutheißen kann und will — oder durch VerfassungSrevifion Trennung von Kirche und Staat herbeizuführeu, was natürlich jahrelange Vorarbeiten und eine Zweidrlttelmajorität der Kammer erfordert."
Landau, 1- August. Wieder haben wir einen Fall von priesterlicher Intoleranz zu registriren. Heute Vormittag fand die Beerdigung des am vorigen Samstag gestorbenen Gerichtsvollziehers Fischer statt. Die katholische Geistlichkeit verweigerte das kirchliche Begräbniß, weil der Verstorbene in Glaubenssachen liberalen Anschauungen huldigte. Auf Wunsch der Angehörigen hielt der protestantische Decan, Herr Gelbert, am Grabe eine kurze Rede, die ebenso tröstlich für die Hinterbliebenen, als herzerfreuend für die überaus zahlreiche Leichenbegleitung war. Die Rede des Herrn Decans gipfelte in dem schönen christlichen Satze: „Wir sind Alle Gottes Kinder!" (Eilbote.)
Marienwerder, 31. Juli. Das zu Ehren der aus dem Felde zurückge- kehrten Landwehrmänner und Reservisten projectirte Fest ist aus Mangel an Theil- nahme nicht zu Stande gekommen. (Danz. D.)
Aus dem Elsaß, 3. Aug. Die Wahlbctheiligung in Mühlhausen war Null, aber allerdings bei wenig über 700 Stimmen auf etwa, 11,000 Wahlberechtigte winzig genug (mindestens ein Viertel der eingeschriebenen Wähler ist zu einer gültigen Wahl erforderlich). Zu berücksichtigen ist dabei aber immerhin, daß bis zur letzten Stunde Alles aufgeboten wurde, die Wähler von der Urne fern zu halten, und von Seiten der deutschen Verwaltung nicht die aller- mindeste Beeinflussung stattfand. Der bisherige Stadtrath verhielt sich ganz passiv. In einigen Landgemeinden ( 6 ist immer vom Oberrhein die Rede) war die Be. theiligung noch schwächer. D-e Geistlichkeit scheint sich nicht in das Wahlgeschäst gemischt zu haben. Der elsässer Bauer bleibt aber ruhig sitzen, wenn der Pfarrer
nicht ruft. Auch fehlt der ultramontanen Geistlichkeit noch ihr früheres Organ, der „Volksbote von Rixheim", durch welchen sie seit Jahren das Volk gänzlich leitete. Das letztere blieb also diesmal bei den Wahlen völlig im Unklaren, was es thun sollte, und dadurch ist im Grunde die Situation überhaupt unklar. — Aus Pfalzburg erfahren wir, daß in dieser kleinen Festung, die bekanntlich einen langen und hartnäckigen Widerstand geleistet hat (man sagt übrigens dort selbst, daß, wenn das am 9. August 1870 begonnene und am 14. August wiederholte Bombardement noch einige Stunden angedauert hätte, die Uebergabe damals schon wahrscheinlich gewesen wäre), in letzter Zeit sich eine rege Bautätigkeit entwickelt hat, um die Schäden der Beschießung zu repariren, und zwar in Folge des Umstandes, daß die Bewohner ihre Entschädigung jetzt gesichert sehen, indem in den letzten Tagen bereits 120,000 Francs an sie ausgezahlt wurden und man auf die Fortsetzung der Zahlungen bis zur Tilgung des auf 1,300,000 Francs taxirten Gesammtschadens vertraut. Auch an den Wiederaufbau der großen katholischen Kirche wird es bald gehen; die Pläne fertigt der Architekt Matuszinsky in Straßburg.
Paris, 1. August. Das officielle Blatt schreibt: Nach dem Brande von Paris hatten wir der Reihe nach die Explosion von Vincennes und die Unglücks- falle von Nancy und Bourges. Es ist heute festgestellt, daß in Vincennes und Nancy kein Verbrechen vorliegt. Der Gerichtshof von Bourges hat eine Untersuchung angestellt, 58 Personen vernommen, und man darf hoffen, daß das Feuer auch zufällig entstanden ist. Der „Figaro" kündigte gestern an, die Kathedrale von Perigneux, eine der schönsten von Frankreich, sei ein Raub der Flammen gehörten. Diese Nachricht ist erfunden. In Perigneux brannte nur ein Bretterschuppen nieder, den die Eisenhahn.Gesellschaft von Orleans der neuen Gemeinde St. Martin abgetreten hatte, bis ihre neue Kirche fertig ist. Das Feuer, welches durch Unvorsichtigkeit entstanden war, dauerte nur 15 Minuten. Einige Tage vorher meldeten mehrere Blätter, daß die Kathedrale von Tours abgebrannt. Auch das ist nicht wahr. Wir haben des Unglücks genug, ohne daß es nöthig wäre, durch solche Erfindungen unsere Angst zu vermehren und vielleicht die Idee des Verbrechens in verdorbenen Phantasieen hervorzurufen. Wenn die Journale, welche nur von Scandal leben, fortfahren, falsche Nachrichten zu veröffentlichen und Schreck n zu verbreiten, so wird es Noth thun, dem öffentlichen Gefühle gerecht zu werden und sie vor die Justiz zu stellen.
Paris. Die „Liberte" will wissen, daß Thiers vier Hauptgliedern der Rechten, welche ihn aufgefordert, mit der Linken zu brechen und sich der Majorität vollständig anzuschließen, folgende Antwort ertheilt habe: „Meine Herren! Sie wollen sich keine Rechenschaft über die Abstimmung vom 2. Juli ablegen. Die Monarchie ist in Frankreich unmöglich. Der Graf von Chambord hat sie auf- gegeben. Ich thue Ihnen nicht die Beleidigung an, zu glauben, daß Sie auf die Abenteuer des Kaiserreiches zurückkommen wollen. Was die Prinzen von Orleans anvelangt, so habe ich nur Eines zu sagen: Sie haben sie gesehen. Die Linie hat seit fünf Monaten einen politischen Sinn bewiesen, dessen ich sie nicht für fähig gehalten hatte, und der ihr das Recht giebt, an der Regierung des Landes Theil zu nehmen. Meine Herren, ich bin mit ihr!" Die Commission, welche die Handlungen der September - Regierung zu prüfen hat, verlangt auch von dem General Schmitz, Generalstabs-Chef Trochu's, als dieser Gouverneur von Paris war, Ausschlüsse über den 31. October, an welchem Tage sich die Communisten bekanntlich in Besitz des Pariser Stadthauses gesetzt hatten und ein Theil der Regierung in ihre Hände gefallen war. Blanche Costard, welche bekanntlich in dem Bericht über die Contracte, die Magnin abschloß, genannt wurde, hat verlangt, vor der genannten Commission zu erscheinen. Geht dieselbe auf ihr Gesuch ein, so wird es wohl viel Scandal geben.
Marseille, 2. August. Telegramme aus Algier haben in Betreff der Jn- surrcction gute Nachrichten gebracht. Alle Insurgenten im Gebiete von Medjana, welche zum Stamme Mokrani's gehören, haben sich unterworfen. Man hofft, in wenigen Tagen den Aufstand als beendigt ansehen zu können.
Wien, 3. August. Der Aufruf der Wiener Al'.katholiken ist vom besten Erfolge begleitet. Heber tausend Wiener Familien erklärten bereits ihren Anschluß an Vie Altkatholikengemeinde.
Wien, 4. August. Graf Beust trat, im Interesse der österreichischen Besitzer rumänischer Eisenbahn - Obligationen, den Schritten der deutschen Regierung in der Eisenbaynsrage bei. — Die Kaiserzusammenkunft wird zu Ischl statt- sinden.
Nom, 30. Juli. Bei den vielfachen Conflicten, welche zwischen der bürgerlichen Behörde und der Geistlichkeit namentlich auf vermögensrechtlichem Gebiete ausgebrochen sind, ist eine Bekanntmachung des interimistischen Präfecten von Interesse, deren energische Sprache beweist, daß unsere Behörde nicht gesonnen ist, in irgend einer Weise über die ihr gesetzlich zustehenden Befugnisse mit sich markten zu lassen. Die betreffende Bekanntmachung sagt ihrer Hauptsache nach Folgendes: „Den gesetzlichen Bestimmungen zufolge haben nur diejenigen Ehen bürgerliche Geltung, welche vor dem Bürgermeister als Beamten des Staates oder seinem Bevollmächtigten abgeschlossen worden sind. In Folge dessen haben diejenigen heirathsfähigen Mädchen, welche durch das Loos oder irgend welches andere Verfahren ausersehen sind, die Unterstützungen für ihre Ausstattung zu genießen, über welche die verschiedenen Verwaltungen wohlthä'tiger Stiftungen in der Stadt Rom uad der Provinz verfügen, um zum Genüsse dieser Unterstützung zu gelangen, die Bescheinigung beizubringen, daß sie die Bedingungen der bürgerlichen Eheschließung erfüllt haben, mit Ausschluß jedes anderen Zeugnisses. Wenn die Verwaltungen der Wohlthätigkeits-Anstalten sich weigern sollten, jene Unterstützung auf die gesetzliche Bescheinigung hin auszuliefern, oder wenn sie die betreffende Mitgift auf Grund irgend welcher anderen ungesetzlichen Zeugnisse überweisen, so machen sie sich eines Actes der Verachtung der Gesetze und der Aufreizung Anderer zu solcher Verachtung schuldig und nöthigen die Obrigkeit zu scharfen Maßregeln. Die Verwaltungen bleiben persönlich haftbar für jede Summe, welche sie entweder gegen das Gesetz auSgehänbigt oder dem Gesetze zum Trotz auszuhändigen sich geweigert haben." (K. Z.)
London, 2. August. Laut Nachrichten aus Irland ist der Empfang des Prinzen von Wales seit seiner Ankunft ein enthusiastischer. Die Straßen von Dublin sind mit Fahnen und Blumen decorirt.
Constantinopel, 31. Juli. Die „Turquie" wurde wegen ihres heutigen Leitartikels: „Der Islam und der Papst", auf drei Monate suspendirt. (W. Bl.)
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