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r Anzeiger.

Ertchnnt täglich, mu Lu-» nähme Montags.

Expedition: kanzletberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Krr. iso. Sonntag den 6. Anglist 187K.

Bestellungen auf den Gießener Anzeiger & bÄÄXÄau*

gouverneurS in dem Generalgubernialgebäude Sitzung hält und eine sehr rege Thätigkeit entwickelt. Den eifrigen Nachforschungen dieser (Sununtifton ist es bereits gelungen, vier Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren, zu ermitteln, welche der absichtlichen Brandstiftung thcils durch Zeugen, theilS durch ihr eigims Gcständniß überwiesen sind. Die vier jugendlichen Verbrecher, die den untersten Volksschichten angehören und mehrere Fabrcketablissementö in Brand gesteckt haben, behaupten einstimmig, daß sie von ihnen unbekannten Personen zu den Frcvelthaten bcrcdtet

und am Kreuze zu sterven; sein Statthaltcr durfte sich nicht we.gern, ein Krümlein Erde zu beherrschen. Selbst wenn Pius IX. den ganzen Erdkreis beherrschte, so ? eer Abstand zwischen feinen beiden Gewalten noch unermeßlich und das Pontificak würde das Königthum mit der ganzen Höhe des Unendlichcn überragen. Und wenn er weltlich Taufende von Welten beherifchte, würbe der Abstand nicht schwinden... Es scheint fast, als gebe cs kein Frankreich mehr, als sei das cu-.ch Herrn Thiers r rnichtete Frankreich, das Vaterland der Chlodwige, Caroli Magni und vcs heiligen Ludwig, der Vasall des verfluchten Italiens geworden. Aber das ist alles nur Schein und Zufall. Wir werden dereinst erfahren, daß weder der Papst-König, noch Gott, noch Frankreich von der Liste der Lebenden ge­strichen sind."

Abonnenten, welche den Anzeiger bet der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate August und September zu 40 fr.

DasJournal ve Bruxelles" theilt mit, daß eine Versammlung ver Inter- nationalen in Genf gehalten ward, worin 30 Comiles vertreten waren. Es soll beschlossen worden sein, Brüssel, Rom und Madrid zu Versammlungsorten jür die nächsten Operationen zu wählen. Ferner veröffentlicht dasselbe Blakt ein Schrift­stück, welches von dem Ccntralcomite in London an alle Comites ccr Internatio­nalen gerichtet worden. Es lautet: In Erwägung, daß man die berühmten Chefs des französisch.socialen Aufstandes, die glücklicherweise schon durch andere ersetzt sind, die eben so brav dem Tode entgegen gehen werden, wenn die Sache oes Proletariats es fordert, ohne Mitleid erwürgt und ohne Gnade gUövltk hat, befehlen wir allen unseren Mitgliedern aller Länder, den Herd des Hasses und der Rache, den wir gegen die Religion, die Autorität, die Reichen und die Bürger angezündet haben, anzufchürcn. Wir ergreifen diese Gelegenheit, um euch zu sagen, daß die Beruhigung weder in unseren Herzen, noch in unseren Geistern ist, und daß unsere socialen Ideen von dem Proletariat ter ganzen Welt von Tag zu Tag besser gewürdigt werden. Bald werden wir zu heftigen und schrecklichen Explosionen unsere Zuflucht nehmen, die übernehmen wert'; n, dem bestehenden socialen System ein Ende zu machen, indem sie nöihigenfalls mir dem Beile und der Flinte Alles niederschlagen, was jetzt in der bürgerlichen und religiösen Ord­nung aufrecht steht.

Ja Moskau nehmen, nach einem B.iefe derOstsee-Zeitung", die Feuers­brünste in erschreckender Weise überhand und es ist auffallend, daß vorzugsweise Waaeenniederlagin, Fabriketablissements und große Handelsgeschäfte davon be­troffen werden. Dieser Umstand hat den Verdacht erregt, daß die Ursache der täglich größere Dimensionen annehmenden Brandcalamitat böswillige und systema­tische Brandstiftung ist, und daß die in Moskau stark vertretene socialiflische Partei ihre frevelhafte Hand dabei im Spiele hat. Daß auch die Regierung diesen Verdacht hegt, zeigt die Tyatsache, daß sie zur Ermittlung der Brandstifter eine besondere Commission eingesetzt hat, die täglich unter dem Vorsitz des General­

acht Stunden gearbeitet, und die meisten der deutschen Staaten legen ihr.n Bc- muten gleichfalls nur eine achtstündige, ja oft sogar nur eir.e siebenstündige Arbeit osf, da die Büreaustunoen fast durchgängig von 8 bis 3 Uhr anstehen. Sieht man aber selbst von dem horrenden Widerspruch ab, in den sich der gesetzliche Normalarbeitstag zu der Förderin aller Civilisation, zu der wirthschastlichen Frei­heit setzt, so kann die gesetzliche Regulirung Ver Arbeitszeit doch nur für den Groß­betrieb erfolgen, ihre unmittelbare Folge müßte die vollständige Ausrottung des Kleinbürgerthums sein, das sich von jeher als die festeste Stütze staatlicher Ord- uung erwies. Dazu kann und darf aber kein Gesetzgeber die Hand bieten, und teshalb ist es mit dem gesetzlichen Normalarbeitstag für alle Zukunft nichts. Utbrigens wünschen auch die Berliner Maurergesellen, welche heute den Normal- erbeitstag auf ihre Strikefahne schreiben, nichts weniger als die von derNorvd. Allgem. Ztg." in Aussicht gestellte Jnrervention der Regierung; VerSocial- tewokrat" erkläre rund heraus, vaß die zehnstünvige Arbeitszeit nicht ras Endziel der Bewegung, sondern nur Mittel zum Zwecke Ver Lohnerhöhung ist.

t Wir haben sofort bei dem Eintritt des Grafen Hovenwart in das öfter- ikichische Ministerium die Diagnose gestellt, daß die Erstarkung der veursch-nationalen Partei Vie unmittelbare Folge ccr teutschseindlichen Politik vcs Mener Cabinets sein würde. In cer That hat das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Reiche unter Den Deuifch-Oesterreichern in vem Maße feste Wurzeln g.schlagen, als Vie eigentlichen Absichten bcS Ministeriums Hohenwart immer Deut* sicher hervortreten. Den Plan der österreichischen Regierung, Wien zur unmittcl* baren Reichshauptstadt zu erheben, um es vavurch von vem VerbanVe Der Deutschen Provinzen loSzureißen, hat in Wien der Deutsch-nationalen Partei cincn beveutenven . llraftzuwachs gegeben, unv Vie Führer Der Verfaffungspartei, Vie sich bisher sehr reservin gegenüber ter veutichen Partei hielten, in das Lager der Letzteren geführt. Auch aus Ven übrigen Provinzen Deutfch-Oesterreichs stimmen Die Nachrichten darin üoerein, vaß sich jetzt unter den Deutschen eine Rührigkeit entwickelt, welche lkvenfalls an Energie und Nachhaltigkeit der ^genannten nationalen Opposition sicht nachsteht.

Vom Rhein wird in verschievenen Zeitungen gemeldet: Der Erzbischof von Mn hat eine Anzaal ihm ergebener Geistlichen und Laien darüber gehört, ob es uthsam wäre, vor dem Lesen derKölnischen Zeitung' oberhirtlich zu warnen. |8®ei Stimmen sprachen sich für die Opportunität Der Maßregel aus, die Mehr- k iühl war dagegen. In Folge davon ist Die Maßregel aufgeschoben worden.

Die rücksimtSlosen Antipathien, welche Der Herr v. Rothschild während des 1 ganzen litzten Krieges gegen Preußen zur Schau getragen, lassen es als ganz

Wir sind dagegen durchaus anderer Meinung; wir sind der Ansicht, die Gesetz­gebung habe sich ebenso wenig mit Der Normirung Der Arbeitszeit, wie mu Der Feststellung Der Löhne zu befassen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil bei ter kolossalen Verschiedenheit der einzelnen Industrien ein einheitliches Gesetz nach dieser Richtung hin ganz undenkbar ist. DieNorvd. Allgem. Ztg.^ gibt VieS auch selber zu, invem sie den zehnstündigen Normalarbeitstag für Die Baugewerbe, die Feldarbeit, sowie für alle solche Industrien ausschließt, welche wahrend einer bestimmten Jahreszeit durch klimatische und andere Einflüsse zum Stillstand ver- urtheilt sind. Geht man einen Schritt weiter in dieser Untersuchung, so wird man logischerweise zugeben müssen, daß Die zehnstündige Arbeitszeit auch für alle selche Industrien nicht paßt, welche einen ununterbrochenen Betrieb wählend Des

unzweifelhaft erscheinm, vaß vaS Veutfche Generalconsulat in Paris d.esem Chan- «iaiften nicht wieder übertragen werden kann. Jetzt bewirbt sich Herr v. Erlanger Uh diese Stelle. Wie heißt, hat jevoch Die preußische Regierung beschlossen, m Bunvesruth carauf zu Dringen, daß nicht wieder eine Mitglied der haute ßnance iaQI P"is<r Consul bestellt werde. Wahrscheinlich wird sie den Antrag weiter ausoehnen und zwar dahin, Daß in Zukunft an Stelle der unbesoldeten sogen, üoahlconsuln durchw-g Honvrarcvnsuln, V. h. wirkliche und eigentliche StaatSdiener teLn. Für ein Duodezstätlein mag der Nothbehelf mit einem Großhändler als M, vMp w.. iV..h. 8u ouvmyuini vmviu

2 llilarconsul ganz paffend sein, Das große gejammte deutsche Vaterliinv kann aber'worden seien, und auch zur Belohnung ein kleines Geldgeschenk erhalten hätten. Doilliger Weise nur ein ReichSbeamter reprajentiren und in dieser Beziehung wäre^Der Eine nannte als seinen Lerführcr einen Handwerker, ein Anderer einen Sol- jrin Vorgehen Preußens für das nationale Confularwesen jed 'nfalls sehr förderlich, baten, die Beide zur Hast gebracht sind. Die bisherigen Ermittlungen Der Com-

Jurenyaß auch auf Die Franzosen ausgedehnt haben, seitdem man die Menschen- lcck-te auch auf die Kinder Israels übertragen. Wenn-ein Despot, ein Mann des persönlichen Regiments und der Reackion dergleichen gethan und geduldet, so blieb er eben nur in ferner Rolle; wenn aber eine Republik, welche darauf angewiesen ijk, im liberalen Europa auf moralische Eroberungen auszugehen, zu derlei retro­graden Kunststücken ihre Zuflucht nimmt unv ihre Intoleranz hinter kaum ftlch- halligen politischen Motiven verbirgt, so wirst Vas- ein eigenthümlicheS Licht auf den Liberalismus, wie ihn Vie französische Republik von 1871 versteht, Vie noch immer die Devise:Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" im Munde führt.

ImMonde" schreibt rin Herr Seigneur salbungsvolle Tröstungen für Die Ultramontanen. Als Slyiprobe heben wir folgende St.'llen aus:Die katholische Kirche hat einen neuen Beweis von ihrer Götilichkeit gegeben, als sie nicht ver­schmähte, sich zu mindern unv zu ernievrigen biö zu ver weltlichen Regierung nur

Tages und Der Nacht erhe schen, Denn um hier eine regelmäßige Ablösung zu o o

eimöglichen, wird man den Normalarbe-tStag wohl oder übel auf zwölf oder auf leimr Stadt und einiger Provinzen, sie, Die in ihr°em Fluge die Grenzen VeU'clt acht Stunden fcstsetzen müssen. Und warum soll denn gerade Die zehnstündige'ube fliegt. Jesus Christus verschmähte es nicht, auf dem Stroh geboren zu werden «reit Vas Normale sein? In Den amerikanischen Negierungsverkstätten wird nur unv am Kreuze zu sterven; sein Statthaltcr durste sich nicht we.aem, ein Krümlein

5- August. ! In Frankreich ist es so weit gekommen, vaß man selbst ven Ruhm, in reli-

-j- DieNorvveutsche Allgemeine Zeitung" leitartikelte kürzlich über een!Men Dingen Ver humanste, vorqeschritienfte und toleranteste oder gerechteste Staat sogenannten Normalarbeitstag und kam vabei zu dem Resultat, daß die Forderung^: sein, unter Der Republik einbüßen mußte. Die Iuven in Algerien, Venen man einer zehnstündigen Normalarbeitszeit an und für sich eine berechtigte, wenn auch nichts, um erst Die Rechte und Pflichten französifcher Bürger eingeräumf, wie sie ihre für alle Arbeitszweige, namentlich nicht für Vas Baugewerbe und Die Feldarbeit,!Glaubensgenossen in Frankreich seit den Tagen der großen Revolution besessen, anwenvoarc fei, daß trotzdem aber die Gesetz iebung diesem Streben gegenüber sojd tse Juden sehen sich jetzt aufs Neue herausgestoßen aus der bürgerlichen Gemein- lange sich zurückhalten werde, bis die Rechtöüberzcugung des gesam-teu Solfcd'fdwfi u-id wiederum zur Pariastellung verurtheilt, weil die Araber angeblich ihren für Den zehnstündigen Normaiarbe tstag sich klar und bestimmt ausgesprochen habe. Judenhaß auch auf Die Franzosen ausgedehnt Haden, seitdem man die Menschen-