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Vermischtes.

t Berlin, 3. August. Die bisher vornehm ignorirte Wohnungsnolh in Berlin dürfte vielleicht in Folge eines ercessiven Vorfalles, der sich gestern Abend in einer der Hauptverkehrs­adern der nördlichen Vorstadt abspielte, von den Behörden etwas praktischer angefaßt werden, da bei dem anhaltenden Maurerstrike beim nächsten Quartalswechsel so viele Familien obdachlos bleiben werden, daß wohl oder übel Rath geschafft werden muß, wenn nicht noch viel schlimmere Ercesse wie gestern auf der Tagesordnung stehen sollen. Ein Prediger hatte nämlich in dem Hintergebäude seines Hauses, das von der Brunnenstraßc nach der Strelitzerflraße durchgeht, eine Wohnung an eine Wittwe vermiethet, welche sowohl zu Ostern wie zu Johanni den MiethzinS schuldig geblitzten ist, und kurz vor dem 1. Augustrückte," wie der terminus technicus für daS heimliche Ausziehen im abgekürzten Verfahren lautet. So weit wäre alles ganz gut gewesen, denn der Wirth freute sich, auf diese Weise von der lässigen und zänkischen Mietherin befreit zu sein, er sollte aber alsbald die Erfahrung machen, daß zwischenRücken" und WohnungSräumen doch noch ein ganz erheblicher Unterschied ist. 'Die AuSgerückte hatte nämlich ihre Wohnung an noch vier andere Miethöparten veraftermicthet, und Letztere weigerten sich ganz entschieden, die Wohnung zu verlassen, weil, wie sie behaupteten, sie die Miethe schon im Voraus bezahlt hätten. Als der Wirtb gestern Nachmittag energisch die Räumung der Localitätcn verlangte, kam eS zu heftigen Auftritten, und im Nu velbreitcte sich in der dortigen belebten Gegend wie ein Lauffeuer die Nachricht: Der fromme Prediger wolle eine arme Landwehrfamilie ermittiren, trotzdem diese die Miethe bis Michaelis pränumerando bezahlt habe! Diese Mähr genügte begreisticherweise, um den in der nördlichen Vorstadt besonders stark angehäukten Zündstoff bezüglich der Wohnungs­frage zur Hellen Flamme anzufachen und im Umsehn war daS Haus von einer erregten Menge umfluthet, welche durchaus demschurkischen Pfaffen" auf'S Dach steigen wollte. Nach der Ursache deS Streites zwischen Wirth und Miether zu fragen, siel keinem ein es sollte Jemand ermittirt werden, und daS genügte, um gegen den Wirth, der zum Ueberflnß noch ein Prediger und ein Frommer" ist, Partei zu nehmen. Die Revierpolizei suchte den Skandal gleich im Entstehen zu dämpfen, goß damit aber nur Oel in'S Feuer, denn mittlerweile war es Feierabendzeit ge­worden, die Fabrikarbeiter vermehrten den Haufen, und als die Schutzleute eine Attacke ver­suchten, wurden sie mit einem Steinregen empfangen, der sich später auf das Haus richtete, welches heute so narbig wie ein Pockenkranker aussieht. Während diese Scenen in der Brunnen- ftraße spielten, wurde von der Strelitzerstraße aus ein Sturm auf den daselbst das Grundstück einfriedlgenden Zaun unternommen, und drangen von dort aus die Erecdenten schon bis auf den Hof vor , mit der ausgesprochenen Absicht, den Wirth herauszuholen und zu lynchen. In diesem kritischen Augenblick erschien die reitende Schutzmannschaft auf dem Platze und säuberte mit blanker Waffe die Straße. Der angerichtetc Schaden, den natürlich die Commune zu tragen hat, ist gar nicht unbeträchtlich; heute war daS HauS ebenfalls von einer großen MeuschenmWge um­standen, die in großer Erregung gegen den Wirth erplorirte, obwohl der richtige Sachverhalt allgemein bekannt war; schon daS bloße WortExmission" wirkt auf die ärmeren Klassen, wie der rothe Fetzen auf den Stier.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

a. Evangelische Gemeinde.

Ä o p u l i r t e.

Den 30- Juli. Jakob Ferdinand Heinrich Schul, heimathberechtigt in Bieden­kopf und Schlosser in der mechanischen Werkstätte der Main-Weserbahn dabier, des Bürgers und Schlossers, Karl Schul zu Biedenkopf, ehelicher Sohn; und Luise Magdalene Michel, des Ortsbürgers in Rodheim und Schuhmachers dahier, Georg Ernst Heinrich Michel, eheliche Tochter.

Den 3. 21 uguft- Philipp Babel, heimathberechtigt in Romrod und Heizer an der Oberhess. Bahn dahier, des Großh. Steuerpfandmeisters zu Romrod, Wilhelm Babel, ehelicher Sohn; und Marie Wilhelmine Giese von hier.

Getaufte.

Den 30. Juli. Dem Ortsbürger in Beuern und Arbeiter an der Oberhess. Bahn dahier, Kaspar Hansel, ein Sohn, Karl, geboren den 16. Juli.

Denselben. Dem Bürger und Lackirer, Joseph Möhl, ein Sohn, Gustav Emil, geboren den 24. Juni.

Den 31. Juli. Dem Bürger und Lackirer, Joseph Mannberger, ein Sohn, Christian Heinrich Ludwig Philipp, geboren den 25. 3uni.

Denselben. Dem Burger und Schremermetster, Jakob Wacker, Zwtlllngskmder: ein Sohn, Karl Ludwig, und eine Tochter, Margarethe Christiane, geboren den 25. Juni.

Den 3. August. Dem Heizer an der Oberhess. Bahn dahier, Philipp Babel aus Romrod, eine Tochter, Johanna Auguste, geboren den 24. Juni.

Beerdigte.

Den 29. Juli. Christine Marie Wissig, geborene Lein, des Bürgers und Schneidermeisters, Christian Wissig, Ehefrau, alt 54 I. 4 M. 22 T., gestorben den 27. Juli.

Denselben. Ein unehelicher Sohn von auswärts, August, alt 18 T., gestorben den 27. Juli.

Den 30. Juli. Eberhard Dech aus Wieseck, alt 70 I., gestorben den 27. Juni.

Den 1. August. Christian Schmidt aus Ober-Ohmen, alt 20 I., gestorben den 30. Juli.

Denselben. Marie Dorothea Schäfer, geborene Burkhard, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Fuhrmanns, Heinrich Schäfer III.. Wittwe, alt 63 I. 4 M IT., gestorben den 30. Juli.

Denselben. Dorothea Bellof, geborene Rübsamen, des Ortsbürgers in Gleimenhain und Taglöhners dahier, Philipp Bellof, Ehefrau, alt 70 I. 11 M. 7 T«, gestorben den 31. Juli.

Den 2. August. Wilhelm Martin Schwan, Bürger und Schuhmacher dahier, alt 51 I. 22 T-, gestorben den 1. August.

Den 3. August. Heinrich Michel aus Rodheim, Kreis Biedenkopf, alt 54 I-, gestorben den 1. August.

Denselben. Charlotte Bittkow aus Magdeburg, des verstorbenen Schreiner­meisters, Christian Bittkow daselbst, eheliche Tochter, alt 54 I. 11 T., gestorben den 2. August.

b. Katholische Gemeinde.

Nichts angemeldet.

Börsennachrichten.

4. August 1871.

Actien.

Oest. Creditact. 27 51/4 50/o östr. F. St. E. B. 4091/4 Lombard. Bahn 173% Ludwigsh.-Bexbach 184 Maxbahn 1277/a

Bayer. Ostbahn 1301/2

Hess. Ludwigsb.-Act. 1561/4 Rhein-Nahebahn- 4ct. Oberhessen 78Vd

Wechsel.

Amsterdam k. 8. 991/4

Augsburg k. 8. 993/4

Berlin k. 8. 105

Bremen k. 8. 961/4

Brüssel k. 8. 93/8

Hamburg k. 8. 87*/4

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 1177/8

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 93V8

Wien k. 8. 96

ditto m. S.

ditto 1. 8.

Diseonto 31/-2°/o G.

Preuss. 4i/z0/o Oblig. 98% Frankf. 31/2% Obi. 82hg Nass. 41/2° u Obi. 973/4 Kurhess. 4% 90 Gr. Hess. 5% Obi. 102 » n 40/0 951/4 n , 31/2% -

Bayer. 5% 1007/Q

« 41/2 0/0 1jährige 98% n 40/g 1jährige 93

Wörtemb. 41/2°/o Obi. J77/r Baden 41/2°/o Ohl- 0. E. L. 97i/2 Oesterr. Silberrente 57 Papierrente 48^'g 5°/o M. steuerf.

Amerik. Bonds 1881r 9O3/g n 1882r 97

n 1885r 961/2

n n 1887r 963g

Spanier, neuest. 3% 315/a

Prioritäten.

30/0 oster. Stsb.-Prior. 58

3°,0 öst. s. Lombard 731/2

3% Livorneser 33/2

5O/o Toscaner 523/g

5% Elisabcth.-Prior. 78

do. II. Emiss. 831/2

Geldyorten.

Pr. Cassen-Soh. 1 45-451/4

Sachs.

Div. Cassen-A.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 3941

doppelte 9 4042 Holl. fl. lOSt. 9 5557 Ducaten . . 5 3335 20 Frankenst. 9 19 */2201/2 Engi. Sover. 11 4951 Huss. Imper. 9 3840 Dollar in Gold 2 25-26

Anleheiialoose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 67 Nassau 25 fL 40»/g 40/g bayr. Pram.-Anl. 111 Ansbacher 7 11. 11% 40/g badische Loose 109</2 Badische fl. 35 Loose 67</2 Oestr. fl. 250 v. 1854 76i/2 1858r Prioritätsloose 174 1860r Loose 865/g 1864r ff 138 Braunschweiger 18 J/s Stadt Florenz 823/4

Actleu.

Frankf. Bank 138

Frankf. Vereins-Kasse 109

Darmst. Bankaot. 390

Wien Bankactien 735

Galizien 240

Allgemeiner Anzeiger

Besondere Bekanntmachung.

Die Vergebung einer Pfründe nuö, der Löber'schen Stiftung.

3268) Aus der vorbemerkren Stiftung ist wieder eine Unterstützung von 150 ft. jährlich zu vergeben. Es kann dieselbe diesesmal nur einem Wittwer verliehen werden und zwar einem solchen, welcher Handwerker, hier geboren, hier wohnhaft, wahrhaft bedürftig und von unbeschol­tenem Lebenswandel ist.

Verwandte des Stifters haben bei sonst gleichen Verhältnissen den Vorzug vor an­dern Bewerbern.

Zu den Anmeldungen um diese Pfründe wird eine Zeit von 14 Tagen bestimmt.

Gießen, den 1- August 1871.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt.

der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen. Gießen, den 28. Juli 1871.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen- I. V- d. B-:

Felsing, Ir Beigeordneter-

Arbeisversteigerung zu Hauseu.

3286) Mittwoch den 9. August, des Nachmittags um 5 Uhr, sollen auf der Bürgermeisterei Hausen nach­stehende Bauarbeiten durch öffentliche Ver­steigerung in Accord gegeben werden, als: Maurerarbeit, veranschl. zu 22 ft- 10 fr.

Zimmerarbeit, 31 18 ,

Dachdeckerarbeit, 81 48

Schlosserarbeit, ., 81

Weißbinderarbeit, 4 30

Gießen, den 4. August 1871.

In Auftrag: Körner, Bezirksbauaufseher.

Versteigerungen.

Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde.

3192) Montag den 7. August d. I-, von Vormittags 9 Uhr an,

soll in dem Gießener Stadtwalde, Distric- ten Heegstrauch, Unterhag, Waldshutc, Ober­hag und Neuheege, nachverzeichnetcs Holz öffentlich versteigert werden:

I. Brennholz: 2153/4 Stecken Nadel Prügelholz, 733/4 Stockholz,

2279 Wellen Neisholz;

Arbeitsversteigenmg.

3271) Montag den 7. August l. I , von Nachmittags 4 Uhr an,

sollen nachstehende Reparatur-Arbeiten an dem Schulhause dahier öffentlich in Accord

gegeben werden, als:

Maurerarbeit, veranschl. zu 52 ft. 40 fr.

Schreinerarbeit, 54 17

Schlosserarbeit, 21 36

Glaserarbeit, 1 24

Weißbinderarbeit, 88 55

Pflasterarbeit, 8

Rödgen, am 4. August 1871.

Großherzogliche Bürgermeisterei Rödgen.

I n d e r t h a l.

1376

110

3216) Montag den 14. August, Nachmittags 2 Uhr,

werden im vormals Gossi'schen Hause in Gcoß-Linden iän'mtliche zum Betrieb einer

Stangen 31 Eichen-

II Bau-, Werk- und Nutzholz: 80 Nadel-Stämme mit 1271 Cubikfuß, 1024

Die Zusammenkunft ist auf dem Schissen- _ _ _ ,

berger Weg an der Sandkaute. iBleizuckerfabrik gehörigen Apparate und Ge-

Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird 4chästsutensilicn öffentlich versteigert.

Zahlungsfrist bis 1. Jan. 1872 gestattet.! Glebcn, den 31. Juli 1871.

Die Großherzoglichcn Bürgermeistereien 1 M. Pilger.

Wi lfriiH'niniio - Anzeige.

3237) Dienstag den S. werden nachverzeichncte Vorräthe, circa 30,000

800

600

44

50

V <>4

August, Vormittags 10 Uhr, als:

Ctr. Hafer,

Neis,

Crbsen,

Speck,

Graupen,

Faß Spiritus (=1 en. ISO Quart pr. Faß),

im Saafe Mir Harmonie,

gr. Bockenheimerstraße Nr. 9, öffentlich gegen baare Zahlung an den Meistbietenden versteigert.

Frankfurt a. M., im Juli 1871. I. NttttMUUN,

beeidigter Ausrufer.

Die Besichtigung der Vorräthe kann jeder Zeit bis Montag den 7. August, Nach­mittags 6 Uhr, stattfiuden. Nähere Auskunft hierüber wird ertheilt im VcrgantungS- Büreau, Fahrgasse 61.

- fr.

39 fl.

3it

Handarbeit an Gräben und

46

14

30

37

60

1

123

24

Maurerarbeit, veranschl.

Dachdcckcrarbeit,

Schreinerarbeit,

Schlosserarbeit,

Backofenarbeit,

Pumpenarbeit,

Arbeitsvnsteigennig zu Lollar.

3287) Donnerstag den 10. August, des Vormittags um 9 Uhr,

sollen auf dem Rathhause zu Lollar nach stehende Bauarbeiten bind) öffentliche Ver­steigerung in Accord gegeben werden, als

Wegen, veranschlagt zu . 96 Gießen, den 4. August 1871.

In Auftrag: Körner, Bezirfsbauaufseher.

Fettgebotenes.

3275) Am Wallthor Lit. A. Nr. 158 sind Johannisbeeren von ausgezeichneter Qualität, pr. Schoppen 3 fr., zu haben.

3232) Flaschenbier, ä 6 fr., frei in'S Haus geliefert, bei Georg Dörr,

Kirckenplatz.

1443) Gebrauchte Eisenbahnschienen, eiserne Tragbalken, Säulen und fern stige Baugegenstände aus Eisen und Guß empfehlen Flick L Kröll.

3234) Ein fast noch neuer Sessel mit Rohrsitz ist zu verkaufen. Nähere« bei der Exped. d. Bltts.