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Bei Besetzung der Stellen solche unverheirathete Beamte berücksichtigt u. rxetozug mitgemacht

haben und den französischen Gewohnheiten bekannt geworden, auch des Französischen mächtig sind. Sinecuren sollen ote Beamtenstellen im Elsaß und Lothringen nicht sein. Wie man hört, ist ungeordnet worden, daß aus allen deutschen Staaten Beamte an das. neue deutsche Neichslanv abgegeben werden. Das Land soll nicht specifisch preußisch, auch nicht specifisch bayerisch oder württembergisch, sondern streng deutsch werden.

Don der früher verlauteten Idee, bei der Demobilmachung einen Theil der Pferde in Frankreich zu veräußern, soll jetzt gänzlich Abstand genommen sein. Dem Vtrnehmen nach wird der Verkauf der Pferde der aus dem Felde zurück­gekehrten Reserve-Cavallerieregimenter so sehr als nur möglich beschleunigt werden, um hierdurch noch für die Frühjahrsarbeiten der Landwirthschaft einen erhöhten Pferdestand zur Verfügung zu stellen.

Entgegen den bisherigen Annahmen, verlautet heute gerüchtsweise, daß der Statthalter des Kaisers in Elsaß und Lothringen Niemand anders sein wird, als der Kronprinz von Sachsen.

Während die von einer Handvoll Socialisten geleitete Commune in Paris, von welcher die zwei Millionen Einwohner terrorisirt werden, und die National- Versammlung sich gegenseitig beobachten und beide zu warten scheinen, wer den ersten Schuß thun soll, wird die Ausführung der Friedenspräliminarien mit jedem Tage fraglicher. Ein kurzer Aufschub für die Zahlung der ersten Rate der Ent­schädigung wurde nach übereinstimmenden Nachrichten bewilligt. Sollte sich indessen Herausstellen, daß die Pariser Unordnung den Frieden wirklich in Frage stellt, was doch auch der Fall wäre, wenn die Bedingungen desselben nicht erfüllt werden könnten, so würde von deutscher Seite voraussichtlich ein ernstes Wort gesprochen werden, dem im Gegensätze zu den französischen Redewendungen die That zu folgen pflegt. DieProvinzialcorreipondcnz" bestätigt, daß die jüngsten Maßnahmen der deutschen Befehlshaber die französische gesetzmäßige Regierung möglichst zu stützen und zu stärken geeignet waren. Man hat großmüthig über die ungeschickten In­sinuationen der Herren Thiers und Jules Favre gegen die Preußen hinweggesehen. Uno mehr als das. Die Gesandten der französischen Negierung ließen an mehreren Orten in der Landessprache, z. B. in der dänischen zu Kopenhagen, Broschüren erscheinen, welche die Chaudordy'schen falschen Anklagen gegen die deutsche Kriegs- führung wiederholten. Man hat sich allem Anscheine nach mit der Herausgabe einer Gegenbroschüre begnügt, betitelt:Wie die Franzosen Krieg führen!" die in Berlin im Verlage von Karl Duncker erschienen ist. Man wird sich bei uns im Allgemeinen und Wesentlichen an die Thatsachen halten und die Leute reden lassen. Sind ja doch durch die letzten Vorgänge in Paris die Engländer, Belgier und andere Neutrale so gründlich bekehrt, daß die englischen Blätter jetzt nach der Occupation von Paris durch die Deutschen schreien, wie Hirsche nach dem Wasser. Den letzten Telegrammen zufolge hat Herr Thiers, allem Anscheine nach, ernstere Maßregeln wegen des Zusammenziehens ton Truppen ergriffen und er wird hoffent­lich nicht immer, wie in den letzten Tagen, diejenigen Offiziere, die gegen die Emeute marfchiren wollen, abweisen und ihnen kurzweg den Befehl, sich in ihie Garnisonen zu begeben, zugehen lassen.

Was die Pariser Wahlen anbelangt, so sind dieselben in großer Majorität im Sinne der Stadthausregierung ausgefallen, obgleich von denen, welche dieselbe bildeten, nur Wenige gewählt wurden. D:r größte Theil der Leute, welche dre neueCommune" bilden, find unbekannt. Von mehr gemäßigten Leuten mit be­kannteren Namen wurden gewählt: Adam, während der Belagerung eine Zeit lang Präfcct; Tirard, Maire und Repräsentant von Paris; Cheron, Schriftsteller; Dr. Robinet; Desmarest, Advocat; Ranc, Schriftsteller und Polizeidirector unter Gamoetta; Delescluze (vom Reveil); Victor Hugo; de Bouteiller, Schriftsteller. Von bekannten Namen der äußersten Partei, die in der Commune Platz gefunden, find zu nennen: Lefrancais, bekannter Clubredner unter dem Kaijerreich; Amou.oux, Handlungsreisender und bekannter Clubredner; Tridon, Clubredner; Brunel, einer der drei Geueral-Commandanten von Paris, seines Standes nach ein Arbeiter; Raoul Rigault, Student, Freund von Rochefort, nahm an allen Affairen Theil, welche während der letzten Jahre des Kaiserreichs paffirten; Arthur Arnould, Schriftsteller, früher bei der Marseillaise; Jules Allix, Clubredner; Felix Pyat; Gambon, der bekannte Republikaner, befindet sich jetzt in Gefangenschaft in Corstca; Affy, der bekannte Chef der Internationalen; Eudes, der zweite der drei Pariser General-Commandanten; Duval, der dritte derselben, warChef de Claque" im Theater Beaumarchais; Advocat Protot, Verthcidiger des Megy, der 1870 unter dem Kaiserreich einen Polrzeiagenten ermordet hatte; Protot wurde damals, jedoch ungesetzlicher Weise, verhaftet; Dereurt, einer der Geranten der Ex-Marseillaise; Blanqui, der berühmte Verschwörer; Vermorel (rother Schriftsteller, der längere Zeit für Rouher arbeitete); Pascal Grouffet, Mitarbeiter an der Ex-Marseillaise, spielte bekanntlich eine Hauptrolle im Prozeß des Peter Bonaparte, ter den da- mals von diesem Prinzen ermordeten Victor Noir für ihn fordern sollte. So die Hauptleute der neuenCommune de Paris".

Clemcnceau, Maire des 18. Arrondissements von Paris, und seine beiden Adjuncten, I. A. Laffont und Jaclard, haben ein Schreiben an dieMitglieder des Gemeinberaths von Paris" (des neugewählten) gerichtet, worin sie ihre Ent­lassung einreichen. Dasselbe lautet:

Paris, den 27. März 1871.

Bürger! Wir haben die Ehre, Sie zu benachrichtigen, baß wir in Ihre Hände unsere Entlassung als Maire und Adjuncten des 18. Arrondissements der Stadt Paris einreichen. Empfangen Sie, Bürger, unseren brüderlichen Gruß. (Folgen die Unterschriften.)

G^ßen. Von befreundeter Hand wird uns nachstehender Brief eines Sol­daten des Großherzoglich Hessischen 2. Jnfanterie-RegimentS mitgetheilt, den wir unverändert abdrucken, ohne ihn commentiren zu müssen:

"Nun bin ich wieder ganz gesund, die Blattern haben wenigstens mein Gdstcht nicht verunstaltet. Ich bin am 14. Januar von Briare mit meinen -ölattern zu Fuß mitgegangen; ich wollte nicht gefangen sein; noch 15 Camera- den haben es ebenso gemacht. Doch hätte eS uns "nichts genützt, mit der Ba­gage fortzugehen, wenn unser Oberst nieot gewesen wäre. Denn die Bagage, die Relterel und tu Artillerie konnten nicht mehr weiter zurück, ei» ganzes feindliches Bataillon stand hinter uns aufmarschirt. Alles lief untereinander; wir waren eingeschloffen, von allen Selten hörte man schießen. Da entstand plötzlich ein furchtbares Hurrahgeschrei auf der Eisenbahn. Wir sahen unseren Oberst mit

einer Compagnie sich auf dieses feindliche Bataillon stürzen und sahen bald die Franzosen davon laufen. Schnell setzte sich die ganze Colonne in Bewegung und wir Alle kamen glücklich durch. Es war unsere 8. Compagnie, welche diesen Sieg erfochten hatte. Hinter Gien kamen wir erst zu ihr. Alle schrieen Sur- rah! als sie den Oberst sahen.

Darmstadt, 1. April. Wegen des Ablebens Ihrer Majestät der Königin von Schweden und Norwegen und Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Erbgroßherzogin von Mecklenburg-Schwerin, ist beute auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vcm Heutigen bis einschließlich den 14. April verordnet worden.

Berlin, 29. März. Die Zahl derjenigen Patrioten, welche bei vorhan­denem Vermögen und geachteter Lebensstellung bereit sind, vater- und mutterlose Waisen von im nunmehr beendeten Kriege gebliebenen Officieren, Beamten und Mannschaften an Kindesstatt anzunehmen, resp. zu erziehen, hat sich in erfreulicher Weise gemehrt. Die bisher nicht erfolgte Anmeldung solcher Waisen, deren Der- hältniffe ein Eingehen auf diese menschenfreundlichen Anerbieten Wünschenswerth erscheinen lassen, kann bei den, für die Betreffenden nächst erreichbaren Militär- behördcn, oder auch unmittelbar bei dem Kriegsministerium (Abteilung für In- validenwesen) geschehen, und es sollen etwaige Wünsche in Bezug auf DiScretion berücksichtigt werden. Der Reichskanzler hat die Postanstaltcn angewiesen, die Pakete mit Civilkleidern, welche den zur Entlassung kommenden Reservisten und Landwehrmännernaus, der Heimath" durch die Post zugehen, portofrei zu be­fördern, falls dieselben an die Adresse des Truppentheils, bei welchem der Re- servist oder Landwehrmann steht, gerichtet und gekennzeichnet find. Für den Fall, daß die Pakete wegen Mangels solcher Kennzeichnung oder wegen Adressirung an den Empfänger selbst als portopflichtig behandelt worden find, sollen die Postan- stalten des Bestimmungsortes auf Reclamation der Adressaten die Sendungen portofrei aushändigen oder das erhobene Porto zurückerstottm, sobald der Nach­weis geführt worden, daß die Sendungen dem bezeichneten Zwecke gedient haben. Die Erstattung des Porto's wird auch in Betreff derjenigen Pakete mit Civil- kleidern erfolgen, welche bereits nach der zweiten Hälfte des Decembers v. I. abgesandt worden sind. Das Auslegen der Leucht- und Lootsenschiffe auf der Elbe ist eben so wie das Wiederanzünden der Feuer, Auslegung der Seezeichen rc. in den Fahrwassern der Weser angeordnet worden.

Berlin, 31. März. Deutscher Reichstag. Die heutige 8. Plenarsitzung eröffnete Präsident Dr. Simson um 12y4 Uhr mit verschiedenen geschäftlichen Mltiheilungen. Die Plätze im Hause und auf Den Tribünen find sehr zahlreich besetzt; am Tische der Bundeskornmiffäre befinden sich die süddeutschen Minister v. Lutz, v. Pfretzschner, o. Mittnacht und mehrere andere Bevollmächtigte.

Auf der Tagesordnung steht:

1) Wahlprüfungen. Im 7. Düsseldorfer Wahlkreise (Mörs-Rees) haben bei der Wahl des Frhrn. v. Los mehrfache Unregelmäßigkeiten stattgehabt, welche das Wahlresultat tn Frage stellen. Es wird deshalb die Wahl bis zur Be­endigung der cingkleiteten amtlichen Erhebungen beanstandet.

2) Erste Lesung des Gesetzes über die Einführung norddeutscher Bundes- gesetzt in Baiern. Höldcr begrüßt die Vorlage als ein wesentliches Förderungs­mittel nationaler Einheit, kann jedoch nicht umhin, auf die großen Lücken in der baierischen Gesetzgebung Hinzuwelsen, welche noch auszufüllen bleiben, und erbittet sich vom Bundesrathe Auskunft darüber, ob in nächster Zeit schon Abhilfe in dieser Beziehung zu erwarten ist. Bayerischer Bundesbevollmächtigter Minister v. Lutz: Die baierische Regierung werde so schnell als möglich die noch benötyig- ten Bundesgesetze in Baiern einführen, wohin sie vornehmlich rechne die Gesetze über die Wehrpflicht, über die Maß- und Gewichtsordnung unv über die Rinder- pest. Heber ein neues Preßgesetz habe Baiern nicht allein zu entscheiden. Die bäurische Regierung fei jedoch, unbeschadet ihres ernstlichen Wollens für Her­stellung einer gleichartigen Gesetzgebung, weit entfernt von einer orthodoxen Gleich­macherei , und deshalb sehe sie vorläufig davon ab, die Bundesgesetze über die Erwerbsgenossenschaften uno über die vertragsmäßigen Zinsen zu acceptiren. Das Gesetz über die Erwerbsgenossenschaften, wie es jetzt in Baiern besteht, entspreche vollkommen den dortigen Verhältnissen, und das über die vertragsmäßigen Zinsen sei entschiede» besser wie das norddeutsche. Lasker: Keine Parte» im Hause wolle zu Gunsten formaler Einheit die Einführung schlechter Gesetze in die neuen Bundesländer, aber er wünsche, daß dort auch Der Fanatismus particularistischer Gesetzgebung falle unD kein Staat von Der gemeinsamen Arbeit sich zurückziehe, weil er zufälligerweise in einer bestimmten Materie ein besseres Gesetz besitzt, tot: Der Bund. Vor allem müsse man Dahin streben, Daß Die gesammte Gesetzgebung aller Bundesländer unter dem Schutze der Reichsgewalt stehe. Schließlich wünscht Redner die baldigste Einführung Der Bundes-Gewerbeordnung in Baiern, um wenigstens die wicthschaftliche Einheit zur Wahrheit zu machen. Württember- giscber Bundesbevollmächtigter Minister v. Mittnacht. Seine Regierung gedenke schon in nächster Session einen Gesetzentwurf wegen Einführung t:r Gewerbe­ordnung und des Unterstützungswohnsitzgesetzes in Württemberg einzubringen (Bravo!), behalte sich jedoch bezüglich der Rinderpest die Particulargesetzgebung vor. Frhr. v. Stauffenberg fragt, ob das Pensionsgesetz für Offiziere und Militärbeamte Der vormaligen schleswig-holsteinischen Armee in Baiern rückwir- kende Kraft bis zum 1. Juli 1867 erlange? Baierischer Bevollmächtigter Minister v. Pfretzschner: Selbstverständlich, Die Versorgung Der schleswig-holsteini­schen Armee ist eine EhrenschulD GesammtdeutschlanDS. (Bravo!) Dr. Bam­berger warnt vor fanatischer Gleichmacherei. Schulze (Berlin) beDauert, daß Minister v. Lutz so schroff über das norddeutsche Erwerbsgenoffenschaftsgefetz ab- gesprochen habe, denn gerade auf diesem Gebiete sei eine nationale Gesetzgebung dringend nothwendlg. Damit ist die erste Lesung beendet. Die Ueberweisung des Entwurfs an eine Commission zur Vorberathung wird nicht beliebt.

3) Antrag des Adg. Dr. Presch auf Erlaß eines Gesetzes, betreffend Die Erhebung der vom Hausirgewerbe zu entrichtenden Abgaben. Derselbe wird auf Wunsch des Antragstellers von der Tagesordnung abgesetzt.

Schluß 23/4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tagesordnung: Erste und zweite Lesung des Gesetzes über die Abänderung des Bundeshaushaltsetats pro 1871, zweite Lesung Der Ndigirten Bundesverfassung.

Wiesbaden, 30. März. Aus Neapel wird hierher gemeldet, daß Der Her­zog Adolph von Nassau daselbst schwer am Typhus erkrankt sei; es sei jedoch noch Hoffnung auf Besserung vorhanden.

Vandeuvre, 22. März. Die Officiere der hier liegenden fünf Compagnien des großherzoglich hessischen 2. Jnfanterie-Regiments nebst einigen Colonnen- führern feierten heute Den Geburtstag des deutschen Kaisers durch ein gemein­schaftliches Mittagessen. Oberst Kraus rechnete es sich zum besonderen Glück, an

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