lisch? Regierung habe vor 1869 Enfielos-Gewehre an Privatfirmen, nicht aber spater, verkauft und der Stempel „Tower 1870" müsse von Privatsabriken herrühren, welche den Towerstempel aufzudrücken pflegen.
+ Bordeaux, 27. Febr. Die Prinzen des Hauses Orleans haben sich nach Biarritz bcgeb.n. Die Kriegsverwaltung hat die Errichtung von großen Geschütz- Gießereien angeordnet. Die Frankreich durch den Krieg verursachten Kosten betragen bis jetzt 3y2 Milliarden.
4- Bordeaux, 28. Febr. Die öffentliche Sitzung der National-Vcrsamm- lung begann heute um 4y2 Uhr Nachmittags. Inmitten allgemeinen Stillschweigens sagt Thiers: Wir übernahmen die schmerzliche Mission, wir machten alle möglichen Anstrengungen, mit tiefem Bedauern aber müssen wir Ihnen folgenden Gesetzentwurf unterbreiten, wofür wir die Dringlichkeit beantragen:
Artikel 1. Die Nationalversammlung, der Nothwcndigkeit weichend und die Verantwortlichkeit zurückweisend, nimmt die in Versailles am 26. Februar unterzeichneten Friedenspräliminarien an. (Hier verlassen Thiers die Kräfte und er ist genöthigt, den Saal zu verlassen. Barthelemy St. Hilatre setzt die Verlesung fort:) Frankreich verzichtet zu Gunsten Deutschlands auf i/5 von Lothringen, darunter Metz und Tdionville, und auf Elsaß ausschließlich Belsort.
Artikel 2. Frankreich zahlt 5 Milliarden Francs: eine im Jahre 1871 und den Rest in Frist von 3 Jahren.
Artikel 3. Die Räumung des Landes beginnt unmittelbar nach der Ratification des Vertrages, und zwar werden die deutschen Truppen zunächst das Innere von Paris und verschiedene Departements, darunter vorwiegend die west- lichen, räumen. Die Räumung der übrigen Departements erfolgt allmählich nach Zahlung der ersten Milliarde und entsprechend nach Erlegung weiterer Milliarden. Die noch zu zahlenden Summen geben 5 Procent Zinsen, vom RatificationStage beginnend.
Artikel 4. Die Deutschen unterlassen alle Requisitionen in den von ihnen besetzten Departements; jedoch werben selbe aus Kosten Frankreichs unterhalten.
Artikel 5. Den Einwohnern des annectirten Gebietes wird eine Frist gewährt zur Entscheidung, welcher Nationalität sie angehören wollen.
Artikel 6. Die Kriegsgefangenen werden unverweilt zurückgegeben.
Artikel 7. Die Eröffnung eigentlicher Friedens-Unterhandlungen erfolgt in Brüssel nach Ratification dieses Vertrages.
Artikel 8. Die Verwaltung der occupirten Departements wird an französische Beamte übergeben, jedoch stehen dieselben unter den Befehlen der deutschen Corps- Eommandeure.
Artikel 9. Durch gegenwärtigen Vertrag wird jedes Recht auf Häsen oder anderes nicht besetztes Territorium ausgeschlossen.
Artikel 10. Der Vertrag soll zur Ratification der Nationalversammlung unterbreitet werden.
4- Paris, 27. Febr. In einer von Thiers, Favre und Picard unterzeich. neten Proelamation an die Einwohner von Paris heißt es: „Die Regierung beruft sich auf euren Patriotismus und eure Weisheit. Ihr habt das Schicksal von Paris und Frankreich in der Hand; cs hängt von euch ab, sie zu retten oder zu verderben. Nach heldenmüthigem Widerstande hat der Hunger uns gezwungen, die Forts dem siegreichen Feinde auszuliefern. Die Armeen haben sich hinter die Loire zurückgezogen. Die Regierung und die Nationalversammlung waren ge- nölhigt, Unterhandlungen zu eröffnen. Während sechs Tagen haben die Unterhändler das Terrain bestritten, und nachdem sie Alles gelhan, was rnenfch icher
Weise möglich war, um weniger schädigende Bedingungen zu erlangen, haben sie Präliminarien unterzeichnet, welche dec Versammlung unterbreitet werden sollen. Während der Prüfung und Berathung der Präliminarien hätten ohne die Verlängerung des Waffenstillstandes die Feindseligkeiten unnützes Blutvergießen verursacht. Die Verlängerung des Waffenstillstandes konnte nur verlangt werden auf d'e Bedingung einer theilweisen und kurzen Besetzung einiger Quartiere von Paris. Wenn die Convention nicht respectirt wird, so ist der Waffenstillstand gebrochen und Der Feind, bereits Meister der Forts, würde mit offener Gewalt die ganze Stadt einnehmen. Eure Besitzungen, die Meisterwerke und die Monumente, heute noch durch die Convention gesichert, würden aufhören es zu sein. Das Unglück würde ganz Frankreich treffen und die schrecklichen Verwüstungen des Krieges, die bis jetzt die Loire nicht überschritten, würden sich bis an die Pyrenäen ausdehnen. Es ist somit durchaus wahr, daß es sich um das Heil von Paris und Frankreich handelt. Ahmt nicht den Fehler derjenigen nach, welche vor acht Monaten uns nicht glauben wollten, als wir sie beschworen, den Krieg nicht zu unternehmen, welcher so verderblich sein sollte. Die französische Armee, welche Paris mit so vielem Muthe vertheidigt hat, wird das linke Ufer der Seine besetzen und die loyale Ausführung des neuen Waffenstillstandes sichern; die Nationalgarde wird sich mit ihr vereinen, um die Ordnung in den übrigen Stadttheilen aufrecht zu erhalten. Mögen alle die guten Bürger, die sich vor dem Feinde tapfer bewiesen haben, ihr Ansehen wieder geltend machen und die grausame Lage wird beendigt melden durch den Frieden und die Rückkehr der öffentlichen Wohlfahrt."
4- Pans, 28. Febr., Mittags. Die Aufregung dauert in gewissen Fau- bourgs immer fort. Die Proelamation von Thiers hat eine gute Wirkung her- vorgebracht. Alle Blätter, auch die radicalsten, wie z. B. der „Volksracheschrei", rathen zu Ruhe und Würde. Von morgen ab erscheint kein einziges Blatt mehr, bis die Deutschen wieder hinaus sind.
Officielle militärische Nachrichten.
Versailles., den 1. März. Der Kaiserin-Königin in Berlin. Soeben kehre ich von Longchamps zurück, wo ich die Truppen des 6., 11. und 1. bayrischen Corps, 30000 Mann, inspicirte, die zuerst Paris besetzen. Die Truppen sahen vortrefflich aus. Die Avantgarde ist um 8 Uhr eingerückt ohne alle und jede Störung.
Wilhelm.
Versailles., den 1. März. Heute Vormittag 11 Uhr hielten Se. Majestät der Kaiser und König auf der Rennbahn Longchamps am Bois de Boulogne eine Parade über die zum ersten Einmarsch in Paris bestimmten Abtheilungen aller Waffen des 6. und 11. preußischen und 2. bayerischen Armeecorps ab.
Nach dem Vorbeimarsch rückten diese Truppen in der Stärke von 30,000 Mann in Paris ein und bezogen in den Champs-Elysees und daran grenzenden Stadtthcilen Quartiere. Der vom schönsten Wetter begünstigte Einzug in die Hauptstadt wurde durch keinen Zwischenfall gestört. v. Podbielsky.
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachung.
R e i ch s t a g s w a h l e n.
698) Die Wahl zum Reichstag findet im ganzen deutschen Reich
Freitag den 3. Mär; d. I.
statt. Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr des Vormittags und wird um 6 Uhr des Nachmittags geschloffen.
Indem wir dies zur Kenntniß der hiefigen Wähler bringen und zur Betheiligung bei der Wahl an genanntem Tage etnladen, bemerken wir, daß die Abstimmung m vier Wahllokalen, wie folgt, vorgenommen wird, nämlich:
a. lm 1. Wahlbezirk die Einwohner in LH. A. Wahlvorsteher: Bürgermeister Vogt. Stellvertreter: Gemeinderath Han stein. Wahllokal: Nachhalls;
b. un 2. Wahlbezirk die Einwohner in Lit. B. Wahlvorsteher: Gemeinderath Keller. Stellvertreter: Gemeinderath Nicker. Wahllokal: Schulhans in der Schulstraße.
c. im 3. Wahlbezirk die Etnwohner in Lit. C. und E., sowie des Schiffenbergs. ^Wahlvorsteher: Beigeordneter Fel sing. Stellvertreter: Gemeinderath Rosenberg. Wahllokal: Realschulgebäude.
d. im 4. Wahlbezirk die Einwohner in Lit. D. Wahlvorsteher: Gememderalh Bücking. Stellvertreter: Gemeinderath Nagel. Wahllokal: Schulhaus in der Neustadt.
Gießen, den 24. Februar 1871. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Vogt.
Versteigerungen.
691) Donnerstag den 16. März d. I., Nachmittags 2 Uhr,
sollen auf dahiesigem Nathhausc erboerthei- thungshalber die den Peter Pistor's Erben gehörigen Immobilien: Flur Nr. QJUftr.
i/?vU.7v 11 Hofraithe, auf d^e Bach,
Vst 3 Hofraum, Miststätte das,
V771
to) 13 Grabgarten daselbst,
82 /
26/ioo 159 Acker, zehntfrei, in den
Günthersgräben, gibt 36 kr. Rente,
m/uj 398 Acker, zehntfrei, am Heegstrauch, stößt auf die Aecker, 3,/ho 312 Ack.r, zehnifrei, am Erd
kauter Weg bis an den Giü- ninger Pfad, । ibt 453/4 fr. Rente,
80/35U'3g,s 210 Wiese, zehntfrci, hinter dem Waldbrunnen, gibt 34 kr. Rente,
unter den bei der Versteigerung befanut gemacht werdenden Bedingungen, meistbietend versteigert werden.
Bemerkt wird, daß in der Hofraithe seit längeren Jahren eine frequente Wäscherei betrieben wird, welche mit übernommen werden kann; ebenso kann in derselben Gerberei und Färbbrei betrieben werden.
Gießen, den 1. März 1871.
In Auftrag: _________Semmler, Ortsgerichtsmann.
Brodlieferung.
685) Montag den 6. März d. I., Vormittags 11 Uhr, wird die Lieferung des Brodes für die Garnison Gießen einichließlich der NriegSgesan- genen, auf das H. Quartal d. I mittelst Soumission vergeben.
Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Büreau der Garnisonverwaltung in der Zeughaus-Easerne zur Einsicht offen.
Gießen, den 1. März 1871.
.Kalbfleisch, Stabsquartiermeister.
Hofiversteiqerunq.
687) Montag den 6- Mär, l. I., Vormittags 9 Uhr,
sollen in dem Marieustifthwalde, District Sandacker, am Wege von Lich nach Ron- nenroth, am Heu weg anfangend :
37 Stecken Kiefern-Prügelholz,
231/? ., „ Stockholz,
1225 Stuck „ Wellen,
18 „ „ Stämme von 7 bis 8
Boll Durchmesser und 50 Fuß Länge, 500 Stück Kiefern-Stangen von 2'2 bis
5 Zoll Durchmesser und 35 bis 50 Fuß Länge,
versteigert werden
Lich, den 1. März 1871.
Winhet m.
FeitgevotcuVs.
690) 100 Ctr. Dickwurzcln und 40 Ctr. Heu sind zu verkaufen bet
Friedrich Heß, im Löbei'ichen Hof in der Neustadt.
658) Ananas. eingemachte, Ana- nas-Symp (ui Bowlen), sowie Ili- schof-, Carilinal- und frlaiweiit- essenz, Pnnsckessenz, Malaga, Madeira empfiehlt hiermit bestens __Ed. Lind, Kirchenplatz.
h63) Gute Moselweine empfehlen Gebrüder S cbw a n.
681) Sehr guten Limburger Lrafe, Prima-Qualität, das Pfund zu 18 fr., empfiehlt G g. Sch mehl, am Brand.
665) Täglich frische Milch bei __________H. E Iughardt, Marktplatz
1307 Dttlftr. Acker auf der Warth, gegenüber Prof. Ihering's Garten, 900 „ Acker am Krosdorfer Weg,
371 „ Acker am Wismarer Weg,
bei der Wollspinnerei, mit Klee besä amt, seither von Müller Weimar mnegehabt, in bestem Zustande, sind auf 4 Jahre zu verpachten.
(657) H. Becker, Nene Anlage.


