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opfern, welche unser Land seit Jahren aus unserem Anschluß an den deutschen Zollverein schöpft. Sie wollenum jeden Preis" unsere Selbstständigkeit, d. h. ihre Privilegien, wahren. Uno dennoch sind die Vortheile, die uns der deutsche Zollverein bietet, die einzigen, welche für uns greifbar und allgemein sind. Die Blüthe unserer vorzüglichsten Industrien ist daraus hcrvorgegangen und ohne die­selben waren wir längst schon ruinirt. Das Land beginnt, gottlob! dieses klarer rinzusehen, und trotz der Aufhetzereien desLuxemburger Wort", des Lieblings von Robert Maeaire, giebt sich bereits ein Umschwung der öffentlichen Meinung zu Gunsten Deutschlands bei uns kund. Das Land scheint zu fühlen, welchem Abgrund gewisse Leute es in ihrem Egoismus zudrängen; man stutzt, und noch eine kleine Weile, und man wird die entgegengesetzte Richtung einschlagen."

Wir wissen nicht, was in hoben Regionen über Luxemburg beschlossen ist; aber wünschenswerth wäre es gewiß, wenn über das Schicksal des Ländchens bei dem hoffentlich bevorstehenden Friedensschlüsse entschieden würde. Jetzt schwebt das Ländchen, kaum 47 Quadratmeilen und 200,000 Einwohner, mit seinereuropäi­schen Souveränetat" in der Lust. Der König von Holland und alle Holländer wollen es gern los sein. Wenn man dem jetzigen Besitzer, dessen Haus es 1815 als Privatentschädigung bekam, ein leidliches Stück Geld bietet, so ist es zu ha­ben. Und wir hoffen, daß es dazu kommt. Luxemburg ist in Folge des Krieges von 1866 gleichsam zufällig von Deutschland abgerissen worden und Vie Wieder­vereinigung «st dringend zu wünschen im Interesse der Luxemburger selbst. Vom deutschen Zollverein können und wollen sie nicht lcSgcrissen sein, und ehe neue eigene holländische Secundogenitur daraus zu bilden, das widerstrebt doch allzu­sehr der Richtung der Zeit. Jetzt ist die Sache leichter wie zu jeder anderen Zeit ins Werk zu setzen, da Frankreichs Zustimmung zu haben ist. Und wenn Preußen Luxemburg mit den erst theilweise geschleiften Festungswerken erhält, so wird es um so eher im Stande fein, jene Gebursforderungen an Frankreich zu begrenzen, welche die hauptsächlichste Schwierigkeit beim Abschlüsse des Frie- dens bilden.

DerKöln. Ztg." wird aus London vom 26. Januar geschrieben:Die in den Spalten derTimes" ans Licht getretene Behauptung, daß die Kaiserin der Franzosen mit voller Zustimmung ihres Gemahls dem Grasen Bismarck ihre Einwilligung zu den von ihm geforderten Bedingungen ertheilt habe, macht hier nicht geringes Aufsehen. Ziemlich allgemein wird dieselbe der norddeutschen Bot- schäft zugeschrieben, und mit großer Spannung erwartet man die weitere Entwick­lung der Dinge. Gleichzeitig erscheint aber auch die mysteriöse Persönlichkeit, welche bereits unmittelbar vor dem Falle von Metz und bei Bourbaki's abenteuer­licher Reise nach London eine Rolle gespielt und sich später unter dem Namen Regnier demaskirt hat, wieder vor dem Publikum. Aus Versailles schreist der Eorrefpondent des Manchester Guardian unter dem 20.: Herr Regnier ist gegen­wärtig in Versailles und hatte gestern eine Zusammenkunft mit dem Grafen BtS- marck, bei der Alles glatt von Statten ging bis gegen Ende, wo der Kanzler verlangte, Regnier solle im Namen einer Partei verhandeln. Herr N. man erinnert sich, daß bei der früheren Jutrigue der große Unbekannte sich hinter den Buchstaben N. verbarg weigirte sich dessen und erklärte, der Friede solle von keiner Partei, sondern von der Nation gezeichnet werden, die nachher sich eine be­liebige RegierungSsorm auswählen könne. Graf B smarck schien geneigt, zu ge­statten, daß Herr N. die Sache auf diesem Wege versuche. Die neue Regierung sollte den Titel führenGouvernement Prooisoire de t'Existence Nationale", mit dem Wahlspruchpour arriver au but. Derselbe Eorrefpondent fügt sodann einen Brief Regniers an den Grafen Bismarck bei, in welchem der erstere unter dem 19. December v. I. anfragt, ob er von seinem früheren Geleitscheine Gebrauch machen und nach Versailles kommen dürfe, um zu erfahren, was Frankreich als Preis dem Sieger zu leisten habe. Es wird weiterhin angedeutet, der Plan, um den es sich handle, laufe darauf hinaus, in einem von den Preußen zu räumenden französischen Gebietstheile eine Kundgebung zu Gunsten des Friedens zu veran­lassen, der sich bald ganz Frankreich anschließen werde. In Erwiderung dieses Gesuches wurde von dem Grafen Hatzfeld Herrn Regnier mitgetheilt, es stehe feiner Reife nach Versailles nichts im Wege, doch werde er sich cort zunächst über feine Plane näher zu erklären haben, da in seinem Biese Verschiedenes dunkel sei. Unter dem 21. giebt der Berichterstatrer des Manchester Guardian einigkS Nähere über die Unterredung Regnier'S mit dem Grafen B s uarck: Der Kanzler zeigte mit dem Finger auf eine Karte und bemerkte:Hier steht v. Werder, dort Manteuffel, der mit starken Schritten heran rückt. Zwischen Beiden befindet sich Bourbaki, der in wenigen Togen gefangen fein wird, wie Ihr Kaiser bei Sedan. Paris fällt in ein paar Tagen, eine Armee von 300,000 Mann wird alsdann frei zur Unterwerfung von ganz Frankreich. Ich muß daher eine Partei haben, mit der ich abschließen kann. Auf Unterhandlungen mit der Nation kann ich mich nicht einlassen." So ungefähr äußerte sich der Graf und verhieß den Plan Reg- nier's, einen Streifen von hundert Quadratmeilen an der belgischen Grenze zu neutralisiren, in günstige Erwägung zu ziehen, wenn eine Partei die Leitung üb.r- nehmen wolle. Als Herr Regnier nichts von einer Partei wissen wollte und erklärte, es würde Selbstmord für jede Partei fein, wollte sie verbuchen, Frieden zu machen, wurde Bismarck zornig und verabschiedete ihn in ziemlich kurz ange­bundener We se. Als Regnier sein Hotel erreichte, war er nicht sonderlich erbaut, dort zwei Polizeibeamte vorzufinden. Am 20. suchte er den Grafen Hatz'eld auf, der von der Polizei nichts w.ssen wollte und die Besorgung von R-gnier's Tele- grammen üb rnahm. Nach den letzt.n Nachrichten scheint es möglich, daß der Graf Herrn Regnier gestattet, seinen Plan zur Ausführung zu bringen. (Wir geben diese Geschichte wieder, ohne derselben irgend ein Gewicht beizulegen. Der Manchester Guardian ist durchaus nicht zuverlässig in seinen französischen Nach­richten.)

Eine interessante Enthüllung über die Politik der früheren päpstlichen Ne­gierung steht in den nächsten Tagen bevor. Herr Nicodemo Bianchi, einer der bekanntesten Geschicheeforlcher Italiens, welcher in der letzten Zeit umfassende Studien in den römischen Archiven anstellte, hat nämlich authentische Documente vorgifunden, welche den unwiderlegbaren Beweis liefern, daß die Behauptung des Eardinals Antonelli, welche dieser kürzlich in einer Note aufstellte, nie mit Eavour unterhandelt zu haben, unwahr ist, und daß im Gegernheile ganz practische Unter« Handlungen zwischen dem Eardinal Antonelli und dem Grafen Eavour noch nach dem Jahre 1859 stattfanden, welche Unterhandlungen sich nur in Folge der maß­losen Forderungen der päpstlichen Curie zerschlugen. Wie ein Eorrefpondent des . Jribl." aus ganz verläßlicher Quelle erfährt, handelte es sich um nichts Geringeres, als um die Hufe und Mitwirkung des päpstlichen Stuhles für die Erweroung V netienö, und Cardinal Antonelli weigerte sich durchaus nicht, dem damals eoneordatscligen Qesterreich gehörig am Zeuge zu flicken und an dessen Vertreibung aus Italien mitzuarbeiten, nur tat er sich für diesen Liebesdienst ein

so hohes Honorar aus, daß Gras Cavour dasselbe zu zahlen nicht in der Lage oder Stimmung war.

Die beiderseits anerkannten Unterhändler des sauberen Handels waren der bekannte Abbate Passaglio päpstlicherseits und ein gewisser Adoocat Dx. Panaeleoni (nicht zu verwechseln mit dem Feldpater Garibaldi's Fra Pantaleone) italienischer­seits, doch waren noch mehrere andere Personen in das Geheimniß eingeweiht.

Diese, ein großes Licht auf die zwischen dem Grafen Eavour und der päpst­lichen Curie geführten Verhandlungen werfenden Dementis, werden gleich nach der Rückkehr des Herrn Bianchi nach Rom veröffentlicht werden, und Herr Nicodemo Bianchi selbst legt denselben einen so großen Werth bei, daß er sie noch vor der Herausgabe seines 8. Bandes derDocumentirten Geschichte der italienischen Di­plomatie" veröffentlichen wird.

Der Schade, den die Ueberschwemmung in Rom brachte, ist für nicht Wenige der Anlaß zu einer geheimen Wohlhäbigkeit geworden, da die Unterstützung-- Commission behufs des Schadenersatzes über so viele Mittel zu bestimmen hat, daß sie selber um die rechte Verwendung in Verlegenheit ist. Denn da ist keine größere Stadt in Italien, die nicht eine beträchtliche Summe hergesandt hätte. Oie Zahl der vom Municipium als durch das Unglück völlig verarmt mit Obdach und Nahrung zu versehenden Personen beträgt noch 814, und 286 theilweise. Diese unverhofft gute Wendung dcr Dinge hat die Municipaljunta in die Ver­suchung geführt, die für die Festlichkeiten beim Einzug des Königs bestimmten, auf Wunsch deffelbtn aber für die Verunglückten zu verbrauchenden 300,000 Lire nun doch für den ursprünglichen Zweck aufzubewahren, wohl nur, um einige Fest­ordner auch bei der Gelegenheit zu bereichern.

KriegSnachrichten.

Versailles, 30. Jan. Ucber den Hauptinhalt der Capitulation der Forts von Paris wird Folgendes mitgetheilt: Der Waffenstillstand tritt bei Paris sofort ein, in den Departements beginnt derselbe in 3 Tagen und läuft am 19. Februar ab. Eine Demarkationslinie ist festgeletzt, dieselbe durchschneidet die Departements Calvados und Orne, sie laßt in deutscher Occupation die Departements Saxthe, Jndre-et-Loire, Loire-et-Chere, Loire-et-Z)onne und was davon nordöstlich, außer den Departements Pas de Calais und Nord. Die Entscheidung über den Beginn des Waffenstillstandes in den Departements Eote d'or, Doubs und Jura, sowie bei Belfort bleibt vorbehalten, bis dahin nehmen die dortigen Kriegsoperationen einschließlich der Belagerung von Belfort ihren Fortgang. Die Seekräfte sind n den Waffenstillstand mit einbegriffen mit dem Meridian von Dünkirchen als Demarkationslinie. Die zwischen dem Abschluß des Waffenstillstandes und dem Benachrichtigungstermln gemachten Gefangenen und Prisen werden zurückgegeben. Die Wahlen für eine Nationalversammlung, welche sich über den Krieg oder die Friedensbedingungen zu erklären haben soll, werden stattfinven Als ihr Versamm- lungdort ist Bordeaux bestimmt. Sämmtliche Forts von Paris werden sofort übergeben, die Enccinte wird desarmirt, die Linie, die Seetruppen und die Mobil- garden sind kriegsgefangen, außer 12,000 Mann für den inneren Sicherheitsdienst. Die Kriegsgefangenen bleiben während des Waffenstillstandes innerhalb der Thorc der Stadt, ihre Waffen werden ausgeliefert. Die Rat onalgarde und die Gens- d'armerie behalten ihre Waffen für den Sicherheitsdienst. Alle Franctireurcorps sind aufzulösen. -- Deutscherseits ist den französischen Commiffarien die Verpro- oiantirung von Paris möglichst zu erleichtern. Zum Verlassen von Paris ist die Erlaubniß seitens der französischen Behörden und das Visa der deutschen Behör- ren.hig. Die Gemeinde von Paris zahlt als städtische Kontribution den Betrag von 200 Millionen Francs innerhalb 14 Tagen. Oeffentliche Werthe dürfen während der Dauer des Waffenstillstandes nicht entfernt werden. Alle crutschen Kriegsgefangenen sollen sofort gegen eine entsprechende Anzahl französi­scher Gefangener auogewechselt werden; desgleichen die SchiffScapitäne und andere beiderseitige Gefangene vom Civil.

Einem Schreiben der Jnd. Beige vom 22. über die Pariser Vorgänge entnehmen wir Folgendes:Nach einer langen und stürmischen Berathunq über ric Wahl eines neuen Ober-B fehlshabers wurde heute Morgen um 5 Uhr endlich Vinoy zu dief.m Posten ernannt. General Trochu wollte, daß man ihn nnfach abfetze, da er die Unpopularität kennt, die einem unglücklichen General zufällt. Seme Collegen wollten aber aus Sympathie für ihn, daß er die Prä- sidentschaft der Regierung behalte. Diese Rücksicht war nicht am Ort und Hai auch böse Folgen gehabt. Gestern Abend ging es schon in den Clubs sehr stür­misch zu: der Ruf: Zu den Waffen! wurde gehört; ein Volkshaufe war sogar aus der Rue du Temple nach dem Hotel de Ville gezogen, aber Alles blieb bei einigen Zusammenrottungen. So ruhig ging es aber nun heute nicht ab. Eint gtwiffe Anzahl Nationalgarden ging nach dem Hotel de Ville, und ihr Anführer, Dereure, parlamentirte mit Chauday, Adjunct, und Mahias, General-Secretär der Marine, da Niemand von der Regierung anwesend war. Da die Unter­handlungen ohne Resultat blieben, so kam es zu einem Kampf, welchem der Ge­neral Mallrroff mit seinen Truppen ein Ende machte. In Folge dieser Ereignisse entstand große Aufregung, welche neue Unruhen befürchten ließ. In der Nacht hatten die Mrnterer Flourens, M.lliere und andere politische Gefangene aut MazaS befreit. Zu einer Collision mit der Wache kam es nicht, da sich dieselbe von einer falschen Patrouille, der sie das Losungswort abgefordert hatte, über« raschen ließ. Flourens begab sich nach seiner Befreiung mit seinen Anhängern nach der Mairie des 20. Arrondissements, wo er ein Faß Wein und 2000 Brod- Rationen wegnahm. Gegen das Ende des Tages war das Stadthaus vollstän- d'g sicher. Jndeß schlug man auf vielen anderen Punctcn Generalmarsch, unD ungeachtet des Regens gab es noch immer viele Zusammenrottungen." Die Berichte vom 23. besagen nicht, daß die Rübe an diesem Tage weiter gestört wurde. Einer der Hauptanführer der Jnsurrection, Sapia, war im Kampfe ge­fallen. Auf Megy, FlourenS, Blanqui, Delescluze (der intime Freund Lcdru- Rollin'S und Ehef-Redacteur des Reveil), Felix Pyat und Milliere wurde ge* fahndet. Der Capilän des 101. Regiments wurde verhaftet. Die vier Krieg-' gerichte waren bereits in Function. Der General Vinoy hat den ganzen Gme- ralstab erneuert und an den General Schmitz, den bisherigen Generalstabschef, abgesetzt. Derselbe war äußerst unpopulär geworden.

Darmstadt, 30. Jan. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen nachstehendes Telegramm:

Blois, 29. Jan., Vormittags 10 Uhr 20 Min. Der Großherzogliche Lieutenant Carl Ferdinand B-cker aus Offenbach wurde am 28. Januar 1S71

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