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Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition - Canzleiberg 9it. D. Nr. 1.

Preis vierteljährig 1 fl- 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

Nx. 28. Donnerstag den 2. Februar 1871.

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werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch JÖCjtelllltttjeit ullf vCU WlCjJCllCT ^Iljcigvr bei allen Post-Expeditionen und den ^and-Poftboten entgegen genommen.

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Die orientalische Frage

il lange Zeit hindurch der Mittelpunkt der europäisch.n Politik gewesen. Jede in dem europäischen Eoncert eingetretene Verstimmung pflegte in der einen oder dcr anderen der Mächte die Neigung tu ernytfen, den GährungSstoff, dessen Wir- kungen das Gleichgewicht des eurotzKMnk'''Systems bedrohten, nach Osten hin abzulenken. Die Türkei war der leidende Theil im System, und alle kranken Säfte, die irgend einen Punkt des Staatenkörpers belästigten, stossen ihr zu, sie war der beständigen Gefahr ausgesetzt, bei Angelegenheiten, die ihre Inter- essen nicht im mindesten berührten, in unmittelbare Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Als zur Zeit der großen Nevolutionskriege die Eroberungspolitik und die Ländergier in ganz Europa ihre äußersten Orgien feierte, betrachletcn die Nachbar- möchte die Türkei als ein vorzügliches Entichädigung^objcer, an dem sie sich er­holen könnten, wenn sie sich genöthift sahen, einem Nebenbuhler widerwillig eine Erwerbung nach anderer Richtung hin zuzugtst.hen. Grosses lieferten hierin Nuß land und Oesterreich. Aber auch Napoleon war durchaus nicht abgeneigt, feinen Welttheilun Spion zwischen dem Kaiser des Abendlandes und dem Ez.'ren de? Morgenlandes auf Kosten der Türkei zu realisiren.

Zum Glück für das ins Auge gefaßte Tbeilungsobject vermochten aber die betreffenden Mächte sich niemals vollständig über die Bcuteantheile zu verständigen. Allein diesem Umstande verdankte die Türkei in der großen Kriegsperiode am Aus­gange des achtzehnten und im Beginne des neunzehnten Jahrhunderts ihre Ret­tung. Sie ging aus dem großen Völkcrsturme vielfach gedemüthigt und erniedrigt, aber doch ziemlich unverletzt hervor, und immer noch lebensfähig genug, um ihren Herrscher, den Sultan Mahmud, zu dem Versuche zu ermutigendurch eine ge- tvaltsame Reform im orientalischen Style den Staat in eine neue Aera gestriger- ter Kraftentfaltung hinüberzuleiten."

Mahmuds Erfolge im Innern waren von zweifelhaftem Werthe: sie konnten weder den endlichen Triumph des griechischen Ausstandes hindern, noch vermochte die neu organ.sirte Heeresmacht den Krieg gegen Rußland in den Jahren 1828 ur.d 1829 zu einem günstigen Ergebniß zu führen. Die unglücklichen Kämpfe mit dem unbotmäßigen und ehrgeizigen Vasallen Mrhmcd Ali brachten das ge­schwächte Reich vollends an den Rand dcs Verderbens.

Aber inzwischen hatte sich seit dem Abschluß der napoleonischen KriegSperiodc unter den Mächten eine enschieden türkcnfreundlicve Partei gebildet, deren Politik zwar durch die dem griechischen Befreiungskämpfe zugetragenen populären Sym- sathien stark aus dem Eoncept gebracht worden war, die aber nach Beendigung trs griechisch-türkischen Krieges, größtentheils aus Eifersucht gegen Rußland, zu- veilen auch gegen Frankreich, das den Vicekönig von Aegypten in seinen Schutz genommen hatte und zu immer ausschweifenderen Entwürfen ermuthigte, in der Lhat ernstlich an dem Dogma von der Integrität deS türkischen Reiches festhielt urd in der Ausrechthaltung derselben eine der wesentlichsten Bedingungen des euro­päischen Gleichgewichts erblickte.

Soweit war die europäische Politik der Türkei gegenüber gewissermaßen vrganisirt, und aus den Gefahren des vttomanischen Reichs in din zwanz' r Jahren hatte sich eine neue Phase der orientalischen Frage entwickelt. Der Türkei -mährte riese Wendung der Dinge offenbar eine gesteigerte Sicherheit; aber waa ft an Sicherheit gewann, das büßte sie augenscheinlich an Selbstständigkeit ein. Ihr Dasein beruhte auf der Eifersucht dertürkenfreundlichen" gegen die türken- lrindlichen Mächte. Aber ihre Verpflichtungen gegen erstere drückten sie fast auf len Rang eines Elientelstaates herab, was natürlich nicht dazu beitragen konnte, las Ansehen der hohen Piorte den unablässig mit Unabhängigkeitsgedanken sich tragenden christlichen Vasallenstaaten gegenüber zu erhöhen. Der zur Rettung ter Türkei unternommene Kricmkrieg, weit entfernt, der Pforte die Fähigkeit zu freier selbstständiger Bewegung zu verschaffen, vermehrte nur ihre Verpflichtungen gegen die rettenden Bundesgenossen und besiegelte somit ihre SchützlingSstcllung: »an empfand es bald genug, daß die Rettung nicht eben wohlfeil erkauft wor- Im war.

Und volle Sicherheit gewährt doch gegenwärtig selbst dies Verhältniß nicht Das europäische Staatensystem hat in den letzten Jahren so gewaltige Erschüttc- timgen, das Machtverhaltniß ter einzelnen Staaten zu einander so große Um- tcndlungcn erfahren, daß die Eabinette, von näher liegenden Sorgen in Ansprueo -mommen, sich nur ungern durch einen Hilferuf der Pforte daran erinnern lassen, laß es eine orientalische Frage giebt. Dieser Umstand wirkt daraus hin, die b^lidaritat der tütkensreundlichen Machte zu lockern und diiser oder jener den- süb«n die Türkei wieder unter dem bedenklichen Lichte eines Entschädigungsobjectes ttlcheinen zu lassen. Die Rivalität dauert zwar fort, aber daneben taucht schon s'ii Jahren hier und da, wenn auch zunächst noch schüchtern, die Erwägung auf, eb es d'nn nicht möglich sei, sich mit den Rivalen zu verständigen natürlich ßis Kosten de« Schützlings.

Dos scharf blickende Mißtrauen der türkischen Diplomaten hat das längst trennt, und man ist deshalb in Konstantinopel nicht etwa bloß mit diesem oder tnem Eabinette, sondern mit ganz Europa höchlichst unzufrieden. In dem Maße

als das Verlrau.n auf die Wirksamkeit des europäischen Schutzes schwindet, wächst das Mißvergnügen über die mannichfaltigen Unbequem! chkciten und Demüthigungen, die dieser Schutz der türkischen Politik bereitet. Die ehrgeizigen von starkem Selbstvertrauen erfüllten junqtürkischen Staatsmänner wünschen, ihren Staat eine große selbstständige Rolle spielen zu sehen; sie mögen nicht länger im Gefolge dcr englischen oder österreichischen Diplomaten einher'chreiten, es ist ihnen lästig, sich von jedem beliebigen fremden Gesandten schulmeistern und zur Ordnung rufen zu lassen; sie wollen türkische Politik treiben und die Verhältnisse des Reichs zu den einzelnen Mächten nach den Umständen reguliren.

Die Geschichte der letzten 50 Jahre berichtet wiederholt von einzelnen Selbst- ständigkeitSanwandlungcn der türkischen Diplomatie, die jedoch n emols vor der Wucht der Ereignisse lan.-e Stand gehalten haben. Wird es diesmal anders fein ? Undenkbar ist es durchaus nicht. Dos M ßtrauen gegen die europäische Politik ist sehr lebhaft und festgewurzelt, und das lülklsche Selbstvertrauen ist nur allzu- sehr geneigt, sich Illusionen über die Leistunge ähigkcit dtö Staates hinzugeben. Und daß die türkischen Staatsmänner darauf anSgehen, dies Selbstvertrauen in der Bevölkerung auf den höchsten Grad zu steigern, ergiebt sich aus zahlreichen Aeußerungen der osficiosen türkischen Prfsse, die über dies Thema unerschöpf­lich ist. .

Zugle'ch tritt auch und das ist wobl zu brachten in den Vasallen­staaten seit geraumer Zeit ein gewisses Mißtrauen gegen die traditionellen euro­päischen Beschützer hervor. Die Abneigung gegen die türkische Herrschaft ist da- durch keineswegs verwindrrt worden; aber man wünscht mit der Pforte, aus eigne Rechnung und eigne Gefahr sich auseinander zu fetzen, und hat im Allgemeinen eine entschiedene Abneigung dagegen, die schlaffe türkische Suzeränetät mit der an­spruchsvollen Schutzherrlichkeit einer europäischen Großmacht zk vertauschen.

So laufen also die Stimmungen in Konstantinopel und d«n Vasallenstaaten parallel; und man wird wohlthun, bei der Betrachtung der orientalischen Dinge diese Umwandlung der Stimmungen fest im Auge zu behalten.

DerKöln. Ztg." wird aus Luxemburg vom 24. Januar gefchrieben:Es ist für uns Luxemburger eine Lebensfrage, im deutschen Zollverbande zu verbleiben. Hierzu aber wird erfordert, daß wir uns dem deutschen Völkerbunde, der, unter dem NamenDeutsches Ne ch" aufs Neue ins Leben getreten, eng anschließen. Unsere fegenonntrn Patrioten (allerneuesten Datums) wollen dabei unsere Selbst­ständigkeit, unsere Souveränetät gewahrt wissen, obgleich den meisten dieselbe einst sehr gleichgültig ; encsen. Verschiedene Modisicationen sind zu diesem Bchufe aufs Tapet gebracht worden. Bald soll ein m Prinzen aus Deutschland, bald unserem Prinzen-Statthalter die Regierung unseres Landes zugewiesen werden, natürlich auf unsere Kosten. Wer soll bei einem solchen Hof en minialure gewinnen? Das Land gewiß nicht, welches zu den Lasten, die uns der Deutsche Bund auf* erlegt, auch noch die unserer Sonderregicrung zu tragen haben würde, und dürf­ten diese letzteren wohl nicht die leichteren fein. Wo aber ist der Nutzen von einem Schwarm von Hofschranzen und ollem, was sonst zur Errichtung eines neuen Duodezstaates gehört? Aber wir behalten dabei unsere Selbstständigkeit und bleiben ein souveränes Volk. Jawohl! ein weiteres Stäätlein im großen deutschen Staat und dessen Fürstlein weiter nichts ist, als der gehorsame Diener eines höheren Obcrherrn. Da ziehcn wir denn doch vor, gleich unmittelbar von diesem beherrscht zu w»rden. Wir ersparen uns dadurch viele unnöthige Kosten und Mühe. Unsere Selbstständigkeit! Unsere Souveränetät! Was hat uns die­selbe denn wobl bis dato gebracht? Eine allmächtige Priester- und Jesuiten- wirthschast, einen unwissenden Burcaukratismus," eine fremde Eisenbahngesellschast, die bei uns in Politik maci t, unsere Negierung mpftificii t, und Deutschland auf den Hals zu Hetzen sucht, kurz, schallet und waltet, wie es ihr eben gefällt; end­lich ein Nepoten- und Familienklügel-System, bei welchem die Wohlfahrt des Lande», d. b. die höchsten und einflussreichsten Stellen im Staate, fast ausschlicß- lich in die Hand einer gewissen Kaste und derer, die sich vor ibr ducken, gelegt ist. Wer hier äufkvmmen will, hat sich vor Allem recht tief vor der Geistlichkeit zu bücken, denn diese beherrscht daS ganze System. Selbst unsere Negierung hat nur so lange Nuvc und Halt, als sie es dem Elcrus recht macht. Das ganze Schulwesen befindet sich thatsächlich in den Händen des Elenis. Und dennoch ist unser Schulgesetz, das diesen Herren -'llen Vorschub leistet, den Jesuiten noch viel zu liberal. Sie gehen damit um, unser Atbenaum zu ruintren und das im Bau begriffene Niesenconvict unseres Herrn Bischofs zur Hauptlehranstalt unseres Landes zu machen. Unsere Regierung sowohl als unser Prinz-Statthalter sagen von ganzem Herzen Amen dazu. Wo von den Staatösubsidien ein Tbalcr auf die Volksschulen kommt, da kommen zwanzig auf Unseren Viehstand. Und eine solche Wirthsehast mochten unsere Herren Advocaten, Notare, unsere Richter und Geistliche, unsere Franequillons mit Einem Wort, bei uns verewigen! Wolle der Himmel das Land und dos Volk vor einer solchen Permanenz in Gnaden bewahren! Und dabei wollten die patriotische» Herren sogar, wenn's sein müßte, die Vortheile