Beziehung kann uns auch der Antrag von Reichensperger und Genossen nicht ganz befriedigen.
Daß Di** Censur abgeschafft und nicht wieder eingeführt werden soll, giebt dem freien Ausdruck des Gedanttus noch keineswegs die ersordcrliche Sicherheit. Was in Preußen vor allem fo schwer auf der Presse lastet, ist Oer Zeitungsstempel und die Cautionspflicht, unter deren Herrschaft den weniger bemittelten Classen die Möglichkeit benommen ist, ihre politischen Anstchtcn zur Geltung zu bringen. So lange diese beiden Hemmnisse des fruen Meinungsaustausches nicht abgeschafft sind, schweben alle übrigen freien Institutionen mehr oder weniger in der Luft, denn die Freiheit der Presse ist der Gradmesser für die politische Frei, hett, die im Staate herrscht. Bet dem heutigen Bildungszustande der deutschen Nation bedarf e/ eines besonderen Preßgesetzes überhaupt nicht; es genügt vollkommen, wenn olle Beschränkungen der Preßfreiheit aufgehoben und die mittels der Presse verübien Vergehen Kdlglich nach den Bestimmungen des Strafgesetzbuches behandelt werden.
Wenn bei der D.scufsion des Reichenfperger'schen Antrags auch nur das Eine erreicht werden sollte, daß jedwede Präventivpolizei in Bezug auf die Behandlung der Presse abgeschafft wird, so würden unsere Hoffnungen bezüglich der freiheitlichen Entwickelung des deutschen Reiches einstweilen befriedigt sein.
M. Der Gesetzentwurf über die zukünftige Stellung von Elsaß-Lothringcn, von welchem in ^er Presse vielfach die Rede ist, liegt noch keineswegs dem Bun- desrathe vor, sondern wird gegenwärtig innerhalb des preußischen Staatsministc- riumS berathen. Erst wenn die Bcrathung dieses Stadium durchlaufen hat, wird der Entwurf an den Bundesrath gelangen, aus welchem er aller Wahrscheinlichkeit nach amendirt hervorgehen wird, da die noch unverändert fortbestehenden Forderungen BaiernS auf Gebietserweiterung keine sonderlich günstige Bettrthcilung im BundeSrathe finden.
Der Thronsessel, vor welchem Sr. Majestät der Kaiser im Weißen Saale des Berliner Schlosses den ersten deutschen R.ichsttg eröffnete, ist der über 800 Jahre alte Kaiferstuhl der deutschen Kaiser aus sächsischem Stamme. Er war im Dom der ehemals freien Reichsstadt Goslar aufgestellt, bis dieses ausgezeich. nete vaterländische Denkmal im Jahre 1820 nievergerissen und sein Kirchenschatz und beweglicher Inhalt überall hin zerstreut wurde. Aber es gelangte dieses so werthvolle alterthümliche Kunstwerk später in den Besitz des Prinzen Karl. Der Sitz und das Unterteil des Thrones ist aus Sandstein gearbeitet, dagegen sind die Rücken- und Armlehnen aus Erz massiv gegossen. Die Lehnen bilden durchbrochene, phantastisch in einander verschlungene Ranken- und Blumen-Ornamente, wie sie der früh-romanischen Kunst-Epoche des eilftcn Jahrhunderts eigenthüm- ltch sind.
Darmstadt, 29. März. Die „Dossisthe Zeitung" vom 26. d. M. enthält folgenden Artikel:
„Es hat, wie die „Correspondenz Stern" mitthcilt, Aufsehen erregt, daß bei den Präliminarverhandlungen in Versailles ein Vertreter des Großherzogs von Hessen nicht zugegen war, daß man auch nichts von einer hefsifchen Betheiligung an den Unterhandlungen in Brüssel gehört hat. Selbst in Abgeordnetenkreisen unterhält man sich über diese Angelegenheit; man meint sagar, cs werde in Form einer Interpellation an den Reichskanzler die Frage gerichtet werden, warum diese hessische Vertretung in Versailles gefehlt, weshalb Hessen auch in Brüssel seinen wohlthätigen Einfluß auf den Gang der FriedenSvcrhandlungen nicht ausübt. Sollte die Wißbegierdc der Abgeordneten wirklich fo weit getrieben werden, so würbe der Fürst Bismarck einfach antworten können, daß der hessische Kanzler Dalwigk angefragt habe, ob er nach Versailles kommen soll, und daß ihm geantwortet worden ist, das Hauptquartier — Abtheilung Bismarck — habe nichts dagegen, wenn „Jemand" aus Hessen käme und sich an den Präliminarverhandlungen bctheiligte. Dieses eisige „Jemand" ward verstanden."
Die „Darmstädter Zeitung" bemerkt hierzu : Wir sind in der Lage zu erklären, daß diese ganze Erzählung der „Correspondenz Stern" resp. der „Vossischen Zcl- tung" ans der Luft gegriffen ist. Herr Minister von Dalwigk hat niemals angefragt, ob er zu den Prälickinarvcrhandlungen nach Versailles kommen sollte, uNd der Reichskanzler Fürst Bismarck hatte also auch keine Veranlassung, «hm die von der „Correspondenz Stern" untergeschobene Antwort zu ertheilen. Zur Theilnahme an den Versailler Friedensverhandlungen waren nur die süddeutschen Bundesgenossen Preußens im letzten Kriege berufen, nicht aber die Staaten, welche als Mitglieder des Norddeutschen Bundes oder in Folge früher abgeschlossener Militär- conventionen ihre Contingcnte zum nolddeutsch.pr«uß>schen Heere zu stellen batten, wie Sachsen, Hessen, Mecklenburg ic. In die Kategorie von Bundesgenossen im Sinne Bayerns, Württembergs und Baden« gehörten diese Staaten -nicht, und es würde eben deshalb Hessen nie eingefallen sein, eine größere Rücksicht als Sachsen, Mecklenburg, Thüringen rc. zu erwarten.
M. Berlin, 29. März. Deutscher Reichstag. Die heutige sechste Plenarsitzung war wiederum sehr zahlreich vom Hause selbst und auf den Tribünen besetzt. Am Tische des Bundcsraths: Fürst Bismarck, die Minister Delbrück, von Friesen, Hoffmann und mehrere DundeScommiffare.
Präsident Dr. -Simfon eröffnet die Sitzung um i 1/4 Uhr mit verschiedenen geschäftlichen Mitthcilungen, dann tritt das Haus in die Tagesordnung ein. 1) Verlesung der Interpellation der Abgeord. Miquel und Genossen: „Wird der Bau eines neuen Parlameutshauses beabsichtigt? Event, ist noch in der gegenwärtigen Session des Reichstages eine darauf bezügliche Vorlage zu erwarten? — Nachdem Miquel die Anfrage mit kurzen Worten begründet, antwortet Präsid nl Delbrück: Schon feit Jahr und Tag beschäftige sich die Regierung mit der Frage eines neuen Parlamentsgcbäudes, ohne zu einem bestimmten Entschluß zu gelangen. Das Project, auf dem Territorium des Bundeskanzleramtes das neue Gebäude zu erbauen, stieß auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Gestern fei ein neues Project vorgelegt, das auf einem Grundstück an der Königgrä'tzcr-Straße, welches mit dem Bundeskanzleramte in Verbindung gebracht werden kann, ein großartiges Gebäude ins Auge faßt, im Erdgeschoß desselben würden die Restaurationen, die Lese-, ConvcrsationS- rc. Zimmer, im ersten Stock die Wohnung des Präsidenten und der Sitzungssaal, im zweiten Stock die Abtheilungszimmcr rc. untergebracht wer- den, ein großer Garten böte die nöthige Erfrischung. — Prince-Smuh (Anhalt) und v. Unruh (Magdeburg) wünschen die Errichtung eines monumentalen Ge-
bäudes auf dem Grundstück der Artilleriewerkstätte an der Dorotheenstraße, Braun (Gera) fragt, ob es nicht zweckmäßig sei, daß sich der Reichstag vorerst nach einem entsprechenden provisorischen Unteitommen umsehe, da baS jetzt benutzte Lokal durchaus ungenügend fei. Das Herrenhaus würde ungleich mehr berechtigten Anforderungen entsprechen. Weirer bringt Redner zur Sprache, daß die Mitglieder des Reichstages fast sämmtlich mit ihren Gesuchen um Karten zur Tribüne des Weißen Saales bei der Eröffnungssitzung abgewiesen wurden, während solche Karten, freilich zu hohen Preisen, von Händlern auf der Straße in Hülle und Fülle zu haben waren. — Präsident Delbrück erklärt, daß das Bundeskanzleramt über die Tribüne des Weißen Saales nicht zu disponiren habe. — Reichensperger (Crefeld) wünscht, daß das neue ParlamentSaebäude ausschließlich in deutschem Style erbaut wcrve. — von Hoverbeck (Allenstern) meint, besser ein schlichtes Haus, in welchem große Beschlüsse gefaßt werden, als ein Prachtbau, der kleine Beschlüsse zeitigt. — Nachdem noch Dr. Becker und v. Bunsen zur Frage gesprochen, wird die DiScussion geschlossen.
2) Wahiprüsungen. BO der Wahl in Hamburg sind so erhebliche Beeinflussungen versucht worden, oatz das Haus beschließt, sämmtliche drei Wahlen zu beanstanden und die erhobenen Beschwerden dem Bundeskanzler zur Untersuchung zu überweisen. Gleiches geschieht in Betreff der Wahl des Abgeord. Fischer II. in Hannover. — Bei der Wahl des Rittergutsbesitzers v. Watzdorff-Jsenburg im 9. Potsdamer Wahlkreise bat nach Ansicht des Referenten der dritten Abtheilung der Landrath v. Stülpnagel feine Functionen weit überschritten, indem er durch Erlasse im Amtsblatt die Wähler zu beeinflussen suchte. Das Haus spricht eine ernste Rüge über das unberechtigte Verfahren des Landraths v. Stülpnagel aus und beschließt, dies dem Bundeskanzler mitzutheilen. Ein Antrag, die Wahl zu annulliren, wurde abgelehnt.
3) Anträge der Abgeord. Schraps und Gen. und Dr. Biedermann und Gen. wegen Entlassung des Abgeord. Bebel aus der Haft. Die Anträge werden zu- rückgezogen, da bereits anderweit die Freilassung der Braunschweiger Socialisten verfügt worden ist.
4) Dritte Lesung des Freundschasts- rc. Vertrages mit dem Freistaate San Salvador. Derfllbe wird ohne Debatte einstimmig angenommen, dazu ein vom Abgeord. Augspurg gestellter Antrag, dahin gehend, baß im Falle eines Krieges der Contrahenten sämmtliche Angehörige des einen Staates, welche im Gebiete des andern ihren Wohnsitz haben, denselben deibchalten können.
Schluß 23/4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr.
Paris, 28. März. Der „Bien Public" schreibt: „Nach besonderen Mittheilungen, welche wir empfangen, waren Oie diplomatischen Beziehungen unserer auswärtigen Vertreter sehr schwierig geworden und beinahe unterbrochen, in Folge der bedenklichen Parier Ereignisse. Wenn die Assemblee nicht bald Partei ein- nimmt und nicht schnell bandelt, so wird die Abdankung einiger Maires und Pa- riscr Deputirten nicht genügen, um die Schwierigkeiten, welche bestehen, zu überwinden. Der General Faidherbe ist noch nicht angekommen, ober er wird heute erwartet. Der General wurde von dem Chef der Executive berufen. Ein plötzliches Unwohlsein hat feine Ankunft verzögert.
Die Regierung von Versailles beharrt noch immer auf dem festen Standpunkt ihres Rechts. Sic weist jeden Pakt mit dem Comite und seinen Erwählten zurück. Es gibt für sie nur ein Votum, das der Kammer, welches sie veranlassen wird, den Stand der tatsächlichen Dinge anzuerkennen. Wird dieses Votum provocirt werden? Die Nachricht von der Ermordung dcs Präfecten von Etienne bestätigt sich. Der Mörder wurde gleich nach seiner That getödtet. Die Provinz schickt fortwährend Ergebenhcitsadressen an die Regierung von Versailles. Dort ist man heute, was man gestern war. Der Sieg des Comite'S,. die Abstimmung von Paris, die. Begründung der Commune sind nicht im Stande, die Kammer aus ihrer Apathie zu erwecken."
Paris, 28. März. Der „Bien Public" schreibt: „Paris gestern: Niemals haben vielleicht in Paris die Wahlen ruhiger stattgcfunden, als die gestrigen. Am Morgen sah man kaum 100 bis 200 Personen um verschiedene Mairien in Vilette, Bellcville, Montmartre u. s. w. versammelt. Sonst herrschte überall Einsamkeit und Ruhe, Die Stimmzetlelaustheiler gingen in aller Gemächlichkeit vor Den Thiiren Der Sektionen aus unD ab, ihre kleinen Blätter in Der Hand. Niemand zeigte sich. Die zur Bewachung Der Mairien beorderten Nationalgarden gähnen, auf idre Flinten gestützt, oder machen, um sich die Langeweile zu vertreiben, einigt Spaziergänge Den Boulevard entlang. In den Straßen passtren jeden Augenblick Estafetten von allen Graden und Uniformen. Es sind die Sendlinge des Comite'S, welche den Sectionen Befehle ertheilen oder sich über Die Vorgänge unterrichten wollen. — An verschiedencn Punkten sind die Barrikaden theilweife abgetragen und die noch bestehenden werden nicht mehr so fcharf bewacht, wie früher. Dtt Kanonen sind ro«ggefübrt und die SchilDwachen stellen Der Circulation kein Hin- derniß in Den Weg. Die großen Boulevards sind von einer Hunten Menge belebt. Man schwatzt viel, aber beschäftigt sich wenig mit Den Wahlen. Man spricht davon, daß sich Der Herzog von Aumale in Versailles befinde, ein Gerücht, das immer mehr Bestätigung zu finden scheint. Das Wetter ist herrlich. Die Spaziergänger sind guter Laune und scheinen Die traurigen Ereignisse, welche stattgefunden, schon vergessen zu haben. Beim Anblick Der Promenaden und Der Boulevard« möchte man zweifeln, daß wir uns in voller Revolution befinden. Und unterdessen wirft die Sonne ihre warmen Strahlen immer breiter über die Kanonen und Bavonnette an ben Setten aller Plätze. Der Schrecken herrscht noch überall und Die Verhaftungen vermehren sich. Fünf bis sechs Personen, meist Mitglieder des Comite'S, sind gestern wegen irgend eines Motivs verhaftet worden. Es find: Chouteau, Commandant Valligrane, General Du Biffon, Lieut. Colonel Mayer und Bürger Foirier, Adjunct Mottu's. Im Laufe des Abends hatte man noch nichts über die Wahlen erfahren, allein Die Meinung herrschte überall, daß die Wahlenthaltungen beträchtlich wären. Man hatte nicht im Geringsten ein Interesse daran, wer gewählt werden würde. Die Cafe'S waren überfüllt und die Posten ocr Mairien verlassen. Die Abstimmung wurde erst um Mitternacht ge- schloffen. Allein die Menge hatte mehr Verlangen nach Bier, als nach politischen Nachrichten."
Telegraphische Depeschen.
+ München, 29. März. Der Stistsprobst Döllinger gab gestern sein Er- irotDerung«fd)reiben ab. Dasselbe schließt im Wortlaute: „Ich kann mir nicht herbergen, Daß diese Lehren, an Deren Folgen das alte deutsche Reich zu Grunde gegangen, falls sie bei dem katholischen Theile Der deutschen Nation herrschend
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