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Gießen.
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5420) Dienstag den 22. Juni, Nachmittags 4 Uhr, in der Stadtkirche
zum 50jährigen Stiftungsfeste des akademischen Gesangvereins:
Der Messias,
Oratorium von Händel,
unter Leitung des akademischen Musikdirectors, Herrn Mickler, ausgeführt von dem akademischen Gesangverein mit Unterstützung früherer Mitglieder. Das Orchester ist durch Angehörige der Kasseler Hofcapelle verstärkt.
Soli: Sopran: Fräulein Thomae aus Frankfurt; Alt: Fräulein As mann aus Barmen; Tenor: Herr Rüd olph Otto aus Berlin; Baß: Herr Hill aus Schwerin.
Eintrittskarten sind in der Ricker'schen und Ferb er'schen Buchhandlung zu haben: 1 nununerirter Platz.............1 fl. 30 fr.
1 nicht nummerirter Platz im Schiff und auf der ersten Emporbühne..... 1 „ — „
1 Platz auf der zweiten Emporbühne.......— „ 30 „
Der Text ist zu 3 fr. in den genannten Buchhandlungen zu haben.
s HändeFs Messias,
KlavicrausM mit Text,
Preis: 1 fl. 12 fr., ist zu haben in der Musikhandlung von H. Rudolph Wittwe in Gießen-
Wohllungs - Veränderung.
5423) Meinen verehrlichen Kunden hiermit die ergebene Anzeige, däh ich meine seitherige Wohnung verlassen habe und nunmehr in dem von mir erkauften Hause des Herrn C- Caspar in der Katharinengasse wohne.
Philipp Mootz, Schuhmacher.
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Militär-SteUvertretungs-AnstaN
H von Josef Ehrlich, Mainz,
empfiehlt sich den Eltern resp. Vormündern von Militärpflichtigen in Ver- mittlung von Verträgen mit ausgedienten Unteroffizieren und Spielleuten. — Sy Stellvertretung durch Nummertausch.
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Programm
der
am 22. und 23. Juni 1869 in Gießen stattsindenden
sechsuildzwaiizigsten Jühresversammlung
des
Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung im Großherzogthum Hessen.
I Dienstag den 22. Juni.
1) Empfang der ankommenden Gäste im Bahnhof und im Rathhause durch Mitglieder des Fest-Comitö's.
Hierbei wird bemerkt, daß der Universitäts - Musikverein zur Feier seines fünfzigjährigen Stiftungsfestes am 22. Juni Nachmittags von 4 — 7 Uhr das Oratorium von Händel „der Messias" in der Stadtkirche aufführen wird. Die Einlaßkarten sind in den Buchhandlungen einzulösen.
2) Um 7 Uhr Einläuten des Festes.
3) Um 7-/2 Uhr Gesellige Vereinigung im Gasthaufi zum Einhorn und Vorversammlung des Verwaltungsraths und der Abgeordneten der Zweigvereine in dem kleinen Saale daselbst.
Il Mittwoch den 23. Juni.
1) Um 7 Uhr Frühgeläute und Choral vom Thurm.
2) Um 8 Uhr Versammlung bei der Realschule und Festzug nach der Stadtkirche in folgender Ordnung:
a. Die Schule der drei Oberklassen der Stadtschule, die städtischen Lehrer und die Lehrer des Zweigvereins;
b. Die Realschüler und Gymnasiasten mit ihren Lehrern;
c. Der Stadt-, L>chul- und Kirchen-Vorstand;
cl. Die Offiziere und die Militärbeamten;
e. Die Professoren der Universität;
f Der Vorstand des Zweigvereins;
g. Die fungirenden Geistlichen;
Ii. Der Verwaltungsrath und die Abgeordneten der Zweigvereine;
i- Die Abgeordneten auswärtiger Vereine;
le. Die Geistlichen des Zweigvereins mit den übrigen erschienenen Geistlichen;
>. Die fremden Gäste und die Einwohner von Gießen, die sich dem Zuge anschließen wollen.
3) Um 9 Uhr Festgottesdienst in der Stadtkirche, bei welchem Herr Hofdiakonus Ur. Hase aus Weimar predigen wird, und Erstattung des Jahresberichts.
4) Pause bis 11 y2 Uhr.
5) Um 11Vr Uhr Hauptversammlung in der Stadtkirche:
a. Gesang;
b. Eröffnung durch den Präsidenten;
c. Verwendung der Jahreseinnahme;
d. Ansprachen;
e. Schlußgebet, Segen und Gesang.
6) Um 3 Uhr Mittagessen im Zinßer'schen (vormals Busch'schen Garten).
F e u i i
D i e Doppelehe.
Frei aus dem Französischen, von Emma o. Nindorf.
(Fortsetzung.)
Also Ringen nach Vielseitigkeit: Warme für die Träume, Kälte für die Wirklichkeit! Entsage nicht dem Ideale, suche eö aber nur in Dir, nicht außen. In Dir gewinnt es inniges Leben und Wahrheit — außer Dir zerstäubt es, wie der Regenbogen, den die Sonne auf den Wasserstrahl malt. Von außen kommt Dir keine bauernde Befriedigung; nur in Dir quillt der nieverstegende Born. Verkennen dieses tiefen Reichthums, innerer Mangel, traurigstes LooS, Ursache aller unserer Irrungen, die, wie seltsam auch durch das Leben gestaltet, meist nur aus wahrem Herzensheißhunger entspringen!
Während einem Contretanz, Den Helmina ausgeschlagen hatte, bot ihr der Vicomte, wir wollen ihn künftig wieder Robert heißen, den Arm zu einem Gange durch die blühenden Büsche des Gewächshauses, welches an den Tanzsaal stieß. Hier unter Myrlhen- und Lorbeerbäumen, vom Aroma aller Wlt- theile umvuftet, in der südlichen, würzhaften Luft, die ringsum hin und her treibende Menge vergessend: entspann sich ein längeres Gespräch zwischen dem Paare. Graf Ferraud, der ihnen gefolgt war, wich betroffen zurück und maß den Vicomte mit feindlichen Blicken. Um Die Lippen der Gräfin spielte feines Hohnlächeln. Sie staunte nur weniger über Roberts Gewandtheit, als über das Feuer der Begeisterung, den Ausdruck wahren Gefühls., das sich über ihn ergoß. — ____
Acht Tage nach dem Gespräche, das Derville mit ver Gräfin gehabt hatte, an einem schönen Junimorgen, ging das wunderlich getrennte Ehepaar, von den zwei äußersten Polen der Hauptstavt, unter Segel, um sich bei Dem gemeinschaftlichen Anwälte zu begegnen.
Die reichlichen Vorschüsse, welche Derville Dem Obersten Chabert verabfolgt hatte, vergönnten diesem, standesgemäß zu erscheinen. Er kam in einem netten Cabriolet, hatte eine zweckmäßige Perrücke, war in blaues Tuch gekleidet und trug das Großkreuz der Ehrenlegion am Halse. Mit den äußeren anständigen Umgebungen hatte er auch seine ganze militärische Eleganz wieder gewonnen. Er ging hoch aufgerichtet. Glück und Hoffnung schimmerten aus seinen ernsten, räthselhaften Zügen; diese schienen verjüngt, gerundeter. Er sah Dem alten Graumantel so wenig ähnlich, als ein neugeschlagenes Vierzigfrankenstück einem alten Sou. Man mochte in Chabert's Erscheinung gar wohl eines jener edlen Trümmer des alten Heeres erkennen, eine jener Heldengestalten, an denen sich der Vaterlandsruhm in hellen Lichtern bricht; jener Heldengestalten, die ihn vcrgegen- wärtigen, gleich wie ein Stück Spiegelglas, auf das Die Sonne fällt, all ihre Goldstrahlen zurückgibt. Diese alten Krieger sind zugleich GcmälDe und Bücher.
Der Graf sprang mit jugendlicher Gewandtheit aus Dem Wagen, und hatte kaum sein Cabriolet umgewenvet, so fuhr ein schönes, wappenverziertes Coupä vor. Die Gräfin stieg aus, sie war einfach aber vortheilhaft gekleidet. Eine hübsche rosagefütterte Capote, eng geschlossen am Gesichte, verrieth die Umrisse nicht und lieh frischeres Aussehen.
Derville hatte eben noch Zeit gehabt, den Obersten in's Schlafgemach zu verweisen, ehe die Gräfin eintrat. „Gnädige Frau," sagte Der Erstere, „Da ich nicht wußte, ob es Ihnen angenehm ist, Den Grafen von Chabert zu sehen, empfing ich Sie nicht in einem Zimmer." — „Ich bin Ihnen sehr dankbar für Diese Aufmerksamkeit." — „Ich habe ein Protokoll aufgesetzt, das Sie jetzt gleich
l e r s n.
Punkt für Punkt erörtern können. Ich gehe von einer Parthei zur Andern, um Ihre beiderseitigen Ansichten zu ermitteln." —„Lassen Sie hören," sagte Die Gräfin ein wenig ungeDuldig. Derville las:
„Zwischen Den Unterzeichneten
„Herr Hyacinth, Chabert genannt, Graf, Marschall und Großkreuz Der Ehrenlegion, wohnhaft zu Paris in Der Straße Petit banquier einerseits;
Und Der Dame Rosa Chapotel, Gemahlin des besagten Grafen Chabert, geborne ..." —
„Überschlagen wir das, Herr Derville, ohne Umschweife zu den Bedingungen!" — „Gnädige Frau, Der Eingang erklärt mit wenigen Worten Ihre beiderseitige Stellung. Ferner erkennen Sie, durch den Artikel 1, in Gegenwart von drei Zeugen, zwei Notaren und einem Viehhalter, bei dem Ihr Gemahl wohnte — ich habe Ihnen sämmtlich Ihre Angelegenheit vertreten, Sie werden gewissenhaft schweigen; — Sie erkennen, sage ich, in Dem obengenannten In- DiöiDuum Ihren ersten Gemahl, Den Obersten Chabert."
„Durch Den Artikel 2 macht sich Der Graf Chabert, aus Rücksicht für Ihr Glück, verbindlich, von seinen Rechten nur in Den Fällen Gebrauch zu machen, Die das Aktenstück anführt . . . Und diese Fälle," schaltete Derville ein, „beziehen sich einzig und allein auf die Nichterfüllung der in Dieser geheimen Ueber- einkunft enthaltenen Klauseln. Seiner Seits versteht sich Graf Chabert Dazu, Durch vereinte Bemühungen einen Rechtsspruch zu bewirken, Der seinen Tortenschein unD zugleich seine Ehe mit Ihnen null unD nichtig erklärt." —
„Das bchagt mir ganz und gar nicht, Herr Derville. Ich will keinen Prozeß — Sie wissen ja, warum!" —
„Durch den Artikel 3," fuhr Der Adoocat mit unerschütterlichem Gleich- muthe fort; „verpflichten Sie sich, besagtem Grafen Chabert eine lebenslängliche Rente von 80,000 Franken ..." — „Das ist aber ja viel zu viel." — „Können Sie einen billigeren Vergleich finden? — „Vielleicht." — „Was in aller Welt wollen Sie Denn aber, gnädige Frau?" — „Ich will feinen Prozeß, ich will ..." — „daß er gestorben bleibe!" unterbrach sie Derville lebhaft. „Mein Herr, wenn 80,000 Franken Einkünfte erforderlich sind — Dann lieber vor Gericht! . . ." —
„Ja, vor Gericht," rief Der Oberst, Die Thüre öffnenD, mit dumpfem Tone, und stand plötzlich vor seiner Fran, eine Hand in der Weste, Die andere gegen den Boden ausgestreckt, eine Gebärde, der sein Abentheuer schrecklichen Nachdruck verlieh. „Er ist es!" klang es im Innern Der Gräfin. „Viel zu viel!" nahm Der Veteran von Neuem das Wort. „Ich gab Ihnen beinahe eine Million, unD Sie feilschen um mein Unglück! Auch recht! Jetzt will ich Sie, Sie unD Ihr Vermögen. Wir haben Gütergemeinschaft; unsere Ehe ist nicht gelöst. . ." — „Aber dieser Herr Da ist ja nicht Oberst Chabert!" rief Die Gräfin mit erkünsteltem Staunen. „Ah!" entgegnete Der Greis voll tiefer Ironie, „verlangen Sie Beweise? Ich habe Sie aus Dem Palais Royal genommen . . ." Die Gräfin erbleichte unter Der Schminke. Der alte Krieger hielt inne, gerührt von Der Oual einer ehemals glühend geliebten Frau; aber sie warf ihm einen giftigen Blick zu, einen wahren Hyänenblick, so daß jener plötzlich fortfuhr: „sic waren bei der ..." —
„Erlauben Sie, mein Herr," sagte die Gräfin zum Anwälte, „daß ich mich zurückziehe. Ich bin nicht gekommen, um solchen Gräuel anzuhoren." — Sie erhob sich und verließ das Gemach.
(Fortsetzung folgt.)


