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Grund, weshalb ich
rang mit zum Him- sie sich etwas gefaßt
»Jedes einzelne Stück dieses Metalles hat, wie -in M-nfck-nl-ben, in »eifern es eine so große Rolle spielt, keine eigene Geschichte, und böte Dir den Stoff zu -inem sünfactigen Trauerspiele! - Aber wer denkt daran, wenn der Glanz und Klang desselben das Auge und Ohr erfreuen?"
Auch Du soll,es nicht daran denken und Dein seltenes Glück, zu welchem ich Dir von ganzem Herzen gratulire, Dir nicht durch solche Betrachtungen trüben sonst wurde es wahrlich für Dich besser gewesen sein, Du wärest arm geblieben."
Blumenthal trat schweigend an'S Fenster.
In demselben Augenblicke wurde an die Thür geklopft.
„Herein!" rief Herbert,
Ein Portier eines der ersten Gasthäuser des Badeortes trat herein und fragte nach dem Herrn Referendar Blumenthal.
„Der bin ich ich," sagte Der Genannte.
"Im Hotel de Paris auf No. 37 wünscht eine junge Dame Sie ru sprechen und läßt Sie höflichst bitten, sich doch recht bald auf einige Minuten zu ihr hinauf zu bemühen."
Beide Freunde starrten sowohl Den Boten, wie auch sich selbst aeaenseitia verwunderungsvoll an. 9
„Sie irren sich wahrscheinlich in Der Person?" meinte Blumenthal; ich „bin mit meinem Freunde hier erst gestern Abend angekommen und noch gänzlich unbekannt am Orte."
Der Portier erwiederte: „Der Name Des Herrn Referendars Blumenthal, welcher Die Bank gesprengt hat, ist seit einer halben Stunde auf Aller Zungen und Der Herr ReserenDar Blumenthal ist Der von der Dame mir bezeichnete Herr."
„Wissen Sie nicht, wie Die junge Dame heißt?"
„Nein, sie hat mir ihren Namen nicht genannt, unD ich habe vergessen, danach zu fragen. Sie wohnt, wie gesagt, auf No. 37.
„Gut, ich werde kommen; — in spätestens einer Stunde bin ich bet ihr. Wollen öte Der Dame diese Bestellung machen?"
Der Portier verbeugte sich und empfahl sich wieder.
„Nun bleibt mir aber mein Verstand stehen!" nahm Herbert zuerst das Wort, nachdem er mit dem Freunde wieder allein war.
„Mir auch."
„Wir sind hier gewiß und wahrhaftig an einen verzauberten Plan aeratben."
„Das scheint mir auch so."
„Und Du bist ein fabelhafter Glückspilz, Blumenthal! Nicht nur Die Bant sprengst Du, sonDern auch Die Herzen! Du machst Dich in einer Minute zu einem Krösus unD zu einem Gotte! Nun wahrlich! wem sich in Den rechten Arm Frau Fortuna unD in Den linken Arm Venus hängt, dem wird die irdische Pilgerfahrt verteufelt leicht und angenehm gemacht. Ich gratulire von Neuem! Nun aber beeile Dich, Damit Deine schone Unbekannte nicht zu harren braucht. Man muß Damen niemals warten lassen, das ist Der erste GrunDsak eines Cavaliers."
Der Antwort ausweichenD, fragte sie: „Ist es aber nicht indiöcret von Herrn von Herbert gehandelt, Daß er Den Brief Ihnen zur Aufbewahrung übergeben hat?" °
Es blieb dem Referendar nun nichts anders übrig, als der jungen Dame die Entdeckung zu machen, daß er vorhin aus Versehen Des Freundes Rock angezogen habe, em Umstand, Den er nicht für einen Zufall, sondern für eine Fügung Der Vorsehung halten woge, welche die Liebenden wieder lu vereiniarn bestrebt sei. 8 tranigen
Trotz des schrecklichen Ereignisses, welches ihre Seele umnachten und ihr Herz zu erdrücken zu wollen schien, konnte sie bei dieser Auseinandersetzung und Bemerkung doch nicht umhin, zu lächeln.
Sie erwiederte nichts; es war aber in ihren Blickens zu lesen, daß sie gegen jene etwaigen Beschlüsse der Vorsehung nichts einzuwenden habe.
„Und wie steht-es mit dem Finderlohn?" hob Blumenthal nach einer kleinen Pause wieder an. „Ich begnüge mich mit einer Kleinigkeit, mit Der Erlaubniß, Ihnen meinen und — Ihren Freund wieder zuzuführen."
Stürmisch wogte des jungen Mädchens Busen auf und nieder.
„Ja," sagte sie leise, „dieser Finderlohn sei Ihnen gewährt."
„Ich danke Ihnen!" erwiederte Blumenthal, ihr die Hand reichend. „Ich kenne Jemanden, dessen Glück heute nicht minder groß sein wird, als es das meinige ist. In spätestens einer halben Stunde bin ich mit ihm bei Ihnen untV^,nn "oUen wir auch gemeinsam die weitern Schritte in Bezug auf ihren unglücklichen Schwager beraten. Was dessen Verluste an der Bank betrifft, so bin ich durch meinen Gewinn gottlob in Die glückliche Lage versetzt, Ihnen dieselben wieder zu ersetzen." * '
Die Dame wollte Einredungen machen, die aber Blumenthal nickt gelten ließ. Y w
Mit kurzen Worten verabschiedete er sich von ihr und eilte zu seinem Freunde zuruck.
Was sollen wie noch hinzufügen? Unsere Erzählung hat ihr Ende erreicht
„Alte Liebe rostet nicht!"
Das srüheie Verhältnis Herberts zu Laura wurde von neuem angeknüpst__
"Uw er sprengte, wenn auch mcht die Bank, so doch die Rinde seines Herzens- und hinstchtlich der Verbindung des bürgerlichen Referendars Blumenthal mit seiner geliebten Alwine von Scefeldt, hatte deren Oheim und Vormund nichts einzuwenden. Dem reichen Bräutigam seiner Richte bewilligte er deren Sband mit Freuden.
Die Hochzeit beider Paare fand an Einem Tage statt, und zwar am Jahrestage ihrer Reise nach Baden. ’
nid^t ttwa'—*** cin Dozier erschossen haben soll; — es ist doch b , »D"selbe, welcher vor drei Jahren die unschuldige Veranlassung wurde, daß Herr von Herbert sich von mir abwandte," unterbrach sie ihn.
„Entsetzlich!"
„Nicht wahr?"
„Und er war nachher Ihr Schwager geworden?"
„vja, er heirathete meine nun aber auch bereits schon vor zwei Jahren jüngere Schwester Franziska, mit der er bereits in der norddeutschen Stadt Feldheim sich im Stillen verlobt hatte."
„Nun begreife ich Alles!" rief Blumenthal aus; „seine heimlichen Besuche in Ihrem elterlichen Hause —"
„Galten natürlich ihr, meiner Schwester, und sie geschahen ohne Vorwissen meiner Eltern; nur ich allein wußte Darum und hatte Den Liebenden Verschwiegenheit versprochen, so daß ich, ohne meinem Gelübde untreu zu werden, auch gegen Herrn von Herbert keine Silbe Darüber verlauten lassen durfte. Ich will gern einraumen, daß ich mit der Begünstigung jenes Verhältnisses Unrecht that, aber meine Jugend mag dasselbe entschuldigen." V
„Habe ich es nicht gleich gesagt!" - nahm Blumenthal wieder das Wor , — daß mem Freund Herbert von thörichtcr Eifersucht geblendet, -u voreilig geurtheilt unD gehandelt hat?" ’
„Das hat er, Herr Referendar; ich war aber zu lies gekränkt, um auf seinen Absagebrief auch nur cin Wort zu erwicder». Er hätte mich besser kcn- nen sollen, doch — er hat mich nie geliebt!"
, //In diesem Punkte muß ich meinen Freund in Schutz nehmen, mein Kraulern, Denn er hat Sie nicht nur geliebt, sondern er liebt Sie noch'"
„Unmöglich!"
„So gewiß, als auch Sie ihn noch Heben!"
//Ich? — ihn? — Woraus wollen das schließen?"
Blumenthal, Der sich Daran erinnerte, daß er seines Freundes Rock an- gezogen Habe, hatte über diese Verwechselung augenblicklich aufjauchzen mögen.
„Ich glaube mich nicht zu irren," sagte er, indem er den am Waldrande aufgefundenen Brief aus seiner Seitentasche zog.
„Dieser Brief scheint mir ein ziemlich sicherer Beweis für meine Vermu- thung zu sein," setzte er hinzu, ihr denselben mit einem Lächeln vor die Au- gen haltend.
Ihr Gesicht nahm einen eigenthümlichen Ausdruck an.
Hastig ergriff und entfaltet- sie den wieder sorgfältig zusammengelegten Brief, worauf sie errothend in die Worte ausbrach: „Das ist ja einer von meinen Briefen! — ein Brief von ihm!--Um Gottes Willen, Herr
Referendar, wie gelangte derselbe in Ihre Hände?"
„Auf die natürlichste Weise von der Welt; wir fanden ihn heute Morgen bei einem Spaziergang- an jenem Waldrand-, den Sie von hier aus erblicken Aber" — setzte er schelmisch lächelnd hinzu — „ich möchte mir die indiscrew Frage erlauben: wie kam er dort an den Waldrand?"
„Herr Referendar," erwiederte sie mit etwas zitternder Stimme und sich bemühend, ihre volle Fassung und Ruhe wieder zu gewinnen, „ich habe ihn jedenfalls wahrend eines Spazierganges, den ich gestern Dort machte, selbst verloren." 11
„Tragen Sie sich Denn noch immer mit den Briefen meines Freundes Herbert? Können dieselben überhaupt noch irgend einen Werth für Sie haben?— Ich inquirire scharf, mein geehrtes Fräulein, denn ich bin ein Jurist"
„Warum sollte ich es leugnen?" lautete die Antwort, „Herbert's Briefe ind noch immer meine liebste Lectüre."
„Ich habe also mit meiner Behauptung Recht, daß Sie ihn noch lieben?"
„Herr Referendar!" sagte sie vorwurfsfrei und den Brief sorgfältig in ein kleines mit venetianischen Muscheln geschmücktes Kästchen verschließend.
„Nicht wahr, Sie Heben ihn noch?"
Diese halb im Ernst, halb im Scherz gesprochenen Worte Heebert's wur- den auch nur mit halbem Ohr von Blumenthal vernommen, Denn seine Ge- Danfen beschäftigten sich angelegentlichft mit Dem seltsamsten Abenteuer unD verweilten langst bei Der sremoen Dame, deren Reize seine blühende Einbildungskraft mit allen Schönheiten verglich, die jemals sein Auge gesehen.
Mit Ungestüm fuhren seine Arme in den eiligst vom Haken gerissenen Rock, ohne des Irrthums inne zu werden, daß es der des Freundes war; dann nahm er seinen Hut und eilte nach kurzem Abschiede, die Geldsumme dem Freunde zur Verwahrung und Bewachung übergebend, von dannen.
Seinen ^rrthum bemerkte er erst, als er längst vor dem bezeichneten Hotel siand, aber er glaubte die Zeit nicht übrig zu haben, um noch einmal zurückzukehren unD des Freundes Rock zuvor mit dem (einigen wieder zn vertaufchen.
ttnto Herzklopfen stieg er, von Dem Pförtner empfangen und zurecht gewiesen, die stufen Der Treppe hinan unD stand bald vor dem Zimmer, welches die Zahl 37 führte und von der unbekannten Dame bewohnt wurde.
Diefelbe war von stattlichem Wüchse, eine Brünette in blauem Kleide.
Sic trat ihm mit rothgeweinten Augen entgegen unD, indem sie ihn für die Freiheit, die sie sich genommen, um Entschuldigung bot, dankte sie ihm zugleich für die Bereitwilligkeit, mit Der er ihrer Bitte nachgekommen sei.
„Sie müssen mit Recht erstaunt sein, Herr Referendar," fuhr sie fort, „ja, es muß Ihnen außerordentlich sonderbar erscheinen —"
„Daß ich Die Ehre habe, von Ihnen bemerkt und erkannt zu sein," siel Blumenthal ihr in Die Rede; „allerdings, und deswegen muß ich mich beinahe überzeugt halten, daß Sie zufolge Der täuschenden Ähnlichkeit mit einer jungen Dame, Die ich vor etwa vier Jahren in Feldheim in Norddeutschland kennen tu lernen das Vergnügen hatte, mit derselben identisch sind."
„Sie haben ein scharfes Auge und em gutes Gedächtnis Herr Referendar k" „Fräulein Laura! - Himmel! - Also ich habe S
„Wurde ich als ein Ihnen gänzlich fremdes und unbekanntes Mädchen es sonst wohl gewagt haben, Sie zu mir zu bitten?"
„Wer sagte Ihnen aber, daß ich hier in Baden fet ?"
„Das ist seit einer stunde kein Geheimniß mehr. Ihr Name ist in Je- dermann» Munde, denn wie ich hör-, sind Sie ja felbf} veranlaßt worden, den- sctben öffentlich zu nennen. Er drang anch zu meinen Ohren, und da dachte ich m.r ebenfalls, «ie wurden mit dem Herrn Referendar Blumenthal, den ich einst in B. kennen gelernt habe, identisch sein."
„Sie haben sich nicht geirrt, aber mein verehnestes Fräulein, warum diese rothgeweinten Augen, wenn ich mir Die Frage erlauben Darf?"
u P' pcrr Aeferendar, ein entsetzliches Unglück hat mich betroffen, und ich bedarf Ihres Rathes, ^hres Beistandes! Dies ist der ~ mir erlaubte, Sie zu mir zu bitten."
„Mein Gott, was ist Denn geschehen?"
//E'N grenzenloses Unglück, Herr Referendar!"
Sie sing bei Diesen Worten auf's neue zu weinen an, mel gerichteten Augen Die Hände und fuhr dann, nachdem hatte, nach einer kleinen Weile schluchzend fort :
„Mein Schwager, Der frühere Premierlieutenant Wendler, der für ein von verkauftes Gut unweit Heidelberg, wohin ich ihn begleitete, das Kaufgeld in Empfang nahm, hat dasselbe hier heute Morgen an der Bank ver- spielt und Dann — o, Denken Sie nur! — es ist entsetzlich! — sich erschossen!" „Gerechter Gott!" rief Blumenthal, — „Ihr Schwager? Ich habe da-


