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15. November.

Redaction, Druck und Verlag der Brüül'schen Druckerei (Fr. CHr. Pietsch) in Gießen.

gefordert werden. Wegen der Auffindung com- promittirender Papiere wird der verhaftete Lloyd- Capitän Giurcovich dem ordentlichen Gerichte in Zara übergeben.

des Heimathstaates."

Zn der Criroscie ist wenig Aussicht für die frei* willige Unterwerfung vorhanden und wird dieser Theil mit Waffengewalt bezwungen werden muffen. Am 12. um Mitternacht wurden die österreichischen Vor­postenlinien nördlich von Risano von den Insurgen­ten beftig angegriffen. Zwei neu erbaute Batterien eröffneten ein starkes Feuer, worauf die Insurgenten zurückwichen. Graf Auersperg, Genie-Oberst Schrö­der, die Generalstabs-Majore Paco und Kodolitsch und der Artilleriechef haben sich nach Risano begeben zur Besichtigung der neuen transportablen Block­häuser, die auf dem Plateau oberhalb Rilano auf­gebaut werden sollen. AuS der Zupa treffen Maul­thiertreiber ein, die bei der ExpeUtion nach dem Norden verwendet werden sollen. Der Armeetrain ist bereits auf 500 Maulthiere angewachs.n.

DerKarlSr. Ztg." wird aus Wien geschrieben: Die Blätter haben begonnen, die Regierung der Jn- I aügurirung eines förmlichen Schreckenszustandes in Dalmatien zu zeihen; man möchte glauben, der Galgen sei dort in Permanenz erklärt. Ich ver­zeichne zunächst die einfache Thatsache, daß bis jetzt vier Individuen (drei in Cattaro und eins in Bu- dua) standrechtlich verurtheilt und hingerichtet sind, und als einen weiteren Beweis, daß keineswegs daran gedacht wird, gegen den Aufstand eine Politik der Rache zu verfolgen, gedenke ich einer so eben er­lassenen Verfügung, daß in den pacificirtcn Bezirken sofort und nach Thunlichkeit Abhilfe des Schadens zu gewähren fei, welcher durch die militärischer Setts gebotenen Operationen veranlaßt worden. In der That ist in Cattaro auf telegraphischem Wege von Athen der Befehl des Kaisers eingelaufen, gegen die insurgirten Districte in schonendster Weife vorzugehen. Gleiche Weisungen trafen aus Wien ein und ordne- ! ten speciell die Sistirung aller Executionen an. In Folge dessen sind auch die bereits gefällten Toves- urtheile nicht zum Vollzüge gelangt. Der Truppen- commandant Graf Auersperg bereitet eine Proela- mation vor, in welcher vor der Eröffnung des Feld­zuges gegen die Districte von Crivoscie und Dragalr die Insurgenten zur freiwilligen Unterwerfung auf-

Preußen. Berlin, 11. Nov. Es ist in einzeweihten Kreisen die Rede davon, daß die Aufhebung der Sequestration der kurfürstlicken Haus- und Fidetcommlßgutec schon tn der nächsten Zeit bevorstehe. E- soll sich m der letzten 3eit zwi­schen dem König Wilhelm und seinem Getter eine Art An­näherung vollzogen haben, welche die oben angegebene Maß­regel zur nächsten Folge haben dürfte. Nähere Einzelheiten über die geschlossene Versöhnung weiß man vorerst noch nicht; jedoch scheint eS, daß Kurfürst Friedrich Wilhelm, was die politische Seite der Frage betrifft, nicht über ten ©tettinec Vertrag hinauSgegangen ist. Auch ist unS noch nicht als be­stimmt angegeben worden, daß die Angelegenheit zur Zeit schon im königlichen Ministerrath zur Sprache gebracht worden wäre; dennoch glaubt man versichert zu sein, daß die betreffende Regie­rungsvorlage, wonach das Sequestrationsgesetz ausgehoben oder doch febr wesentlich abgeandert werden soll, noch m dieser Land- taaSsession gemacht werden dürfte. An einer Zustimmung der beiden Häuser deS Landtag- zu der GesetzeSabänderung zweifelt man nicht im Geringsten; dagegen ist man sehr darauf gespannt, welche Gründe die Natioualliberalen nunmehr gegen den Seque­ster aufsinden werden, nachdem sie früher für die Maßregel allem ihren Sophismus von sich gegeben haben. Abermals eine lehr lohnende Aufgabe für die Herrn Bennigsen, Miquel, Braun und Genossen! Wir bemerken ausdrücklich, daß unsere Mitthei- lung auf einer Quelle beruht, welche wir zu erproben schon öfter in der Lage gewesen. ..

Berlin, 13. Nov. Die Nachricht eines hiesigen Blattes, cS werde in deu höchsten Kreisen die Frage der ferneren Stel­lung Bismarcks ventilirt, man habe sich für Ausscheiden deö Bundeskanzlers aus dem preußischen Staat-Ministerium ent­schieden, dessen Vorsitz Graf Eulenburg übernehmen solle, wird in bestunterrichteien beteiligten Kreisen als gänzlich anhaltlos bezeichnet. .

Sachsen. Dresden, 12. Nov. Die Aogeordneten- kammer nahm einstimmig den Antrag an, die Regierung möge dahin wirken, daß aus den norddeutschen Strafgesetzen die Todesstrafe und die Strafe des Verlustes deS Adels wegfalle.

Baden. Karlsruhe, 13. Nov. Die erste Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung den von der Abgeordnetenkammer bereits angenommenen Gesetzentwurf über einige Verfassungs­änderungen mit Einstimmigkeit an. Derselbe führt bekanntlich allgemeine, geheime aber indirecte Landtagswahlen ein.

Dänemark. Kovenhageu, 10. Nov. Da- unter dem 10. September erlassene Verbot gegen die Einführung von Hornvieh aus den Ländern des Norddeutschen Bundes ist heute aufgehoben.

Frankreich. Paris, 15. Nov. Gestern fand tn Com­piegne ein Ministerrath.statt. Nach demselben hielt der Kaiser zu Pferd im Park eine Revue über die Regimenter der Zuaven und Garde CarabinierS ab. ,

Italien. Florenz, 13. Nov. DieNaztone" glaubt, daß aus Anlaß der Geburt deS Prinzen von Neapel der Komg eine Amnestie für politische Vergehen und öffentliche Gewalt- thaten erlassen wird, von der jedoch gemeine Verbrecher auS-

dorthin dirigirt, weil man einen Ueberfall befürchtete. Uebrigens scheint man es gleichzeitig noch einmal mit gütlichen Verhandlungen versuchen zu wollen. Der Bezirkshauptmann von Caltaro ist nach Castelnuovo abgeschickt worden, um dort und in den angrenzen- ven Distrikten die Stimmung zu erforschen und mit dorthin beorderten Gemeinveglievern der Umgegend Verhandlungen wegen der Unterwerfung einzuleiten. Wie man terN. fr. Pr." berichtet, scheint nämlich Vic Bevölkerung der dortigen Gegend durch eine ge- , ringe Anzahl von Aufrührern terrorisirt, nn Allge­meinen aber zur Unterwerfung geneigt zu sein. Auch sind der Podesta von Castelnuovo und ein Merkantil- capitän aus Risano mit ParcisicationSvorschlagen m die insurgirten Districte nördlich von Cattaro avge- gangen. In Cattaro, wo sich jetzt das Hauptquar­tier besindet und welches mit Budua wieder duru) eine Telegraphenleitung verbunden ist, sind Verstär­kungen angelangt. Der verhaftete Bürgermeister von i Risano ist dem ordentlichen Gerichte zur Adurther- lung überwiesen worden.

16. November.

ftebt.'1 I

Die Correspondance Jtalienne" vom 4. und 5. V. M. beschäftigt sich in ihren Leitartikeln mit der eventuellen Wahl des Herzogs von Genua zum Könige von Spanien. Sie erinnert, daß die Idee, einen Prinzen von Savoyen auf den spanischen Thron zu rufen, nicht neu sei. Die Krone von Spanien sei dem Hause von Savoyen bereits 1712 zugedacht worden. DieCorrespondenz" benutzt für die Be­sprechung dieser Angelegenheit eine Brochure,welche der jetzige italienische Senator M. Emanuel Martini 1854 in spanischer und französischer Sprache ge­schrieben hat. Der Verfasser, Spanier von Geburt, ist bekannt mit den politischen Angelegenheiten seines Vaterlandes. Daß die Broschüre erst jetzt der Oeffent- lichkeit übergeben ist, dürste nicht zufällig sein. In politischen Kreisen ist man übrigens überzeugt, daß der König sein Bedenken gegen die Annahme des spanischen Thrones durch den Herzog von Genua aufgegeben hat und daß die Regierung diesen Plan | ^^Die^republikanische Partei in Spanien ist wieder um mehrere Cortessitze ärmer geworden, indem gegen vier ihrer Abgeordneten das Urtheil wegen Hochver- ratbs und Aufruhrs ergangen ist. Es besinden sich darunter drei Vertreter von Gerona, von denen zwei, Caymo y Bascos nnd Sunner y Capdevlla, zum Tode verurtheilt sind, der dritte, Tonbto de Ametller, zu lebenslänglicher Verbannung. Ser- raclara, Vertreter von Barcelona, empfing den mil­desten Spruch, auf zwölfjährige Einschließung. Die ' beiden zum Tode Verurtheilten befinden sich glück­

licher Weise auf französischem Boden', so daß Prim und Serrano nicht in die Verlegenheit kommen, die Todesstrafe gegen Leute vollstrecken zu lassen, welche nur einmal das gewagt, was sie selbst mehrmals unternommen haben.

Vom dalmatinischen Kriegsschauplatz liegt wenig Neues von Belang vor. Unweit Castelnuova be­trübten die Insurgenten den Küstenort Bassich, wur­den aber vom KanonenbootMöwe" beschossen; auch wurce von Castelnuovo aus eine Iägerabtheilung

DasArmee-VerordnungS-Blatt" reröffenilicht den Vertrag mit Baden, betreffend die Einführung der gegenseitigen militärischen Freizügigkeit, sowie die mit ter Ratification vorberegten Vertrages gleichzeitig genehmigte Ausführungsübereinkunft, die Landwehr- bezirkseintheilung des Großherzogthums Baden, und das Derzeichniß derjenigen höheren Lehranstalten des Großherzogthums Baden, welchen die Berechtigung zur Ausstellung von Qualificationszeugnissen für den einjährig freiwilligen Militärdienst zusteht. Zn der Ausführungsübereinkunft heißt es über die Form der Eidesleistung und 'über das Tragen der Kokarden: Bei der Einstellung in das stehende £eer (ölolte) leistet jeder Militärpflichtige feinem Landesherrn in der vorgeschriebenen Form den Fahneneid, wobei dem Betreffenden zu Protokoll zu eröffnen ist, daß der geleistete Eid die Verpflichtung einschließe. a) für Angehörige des Norddeutschen Bunces, welche tn Baden dienen, dem Großherzog von Baden, b) für badische Staatsangehörige, welche im Bundesheer I (Flotte), bez. in großherzoglich hessischen Truppen^ theilen dienen, dem Könige von Preußen, als Kriegs­herrn, bez. Bundesfeldherrn, treue Dienste zu leisten, dessen Nutzen und Bestes zu befördern, Schaden und Nachtheil aber abzuwenden. Das bezügliche Proto­koll hat der Betreffende zu unterschreiben. Die be­treffenden Mannschaften tragen außer der Kokarde des Truppentheils, in welchem sie dienen, diejenige

gejchlossen sein würden. ,

San Rossore, 13. Nov. Die Besserung im Besinden deS Königs schreitet in so günstiger Weise vor. daß er gestern schon einige Augenblicke das Bett verlassen konnte.

Türkei. Jerusalem, 9. Nov. Der Kaiser von Oester­reich ist heute Morgen wohlbehalten hier eingetrosien. In Jaffa wurde @e. Majestät auf daS Festlichste empfangen und erfolgte von hier aus der Auszug b't großen Karawane unter Bedeckung und Begleitung von Beduinen-Häuptlingen und 800 Reitern. Nach einem achtstündigen Ritt erfolgte die Ankunft in Abukosch woselbst daS Nachtquartier unter Zelten gehalten wurde. Von da aus wurde Jerusalem nach einem dreistündigen Ritt erreicht. In Jerusalem wurde der Kaiser von der Be­völkerung enthusiastisch begrüßt. Sofort nach erfolgter Ankunft empfing Se. Majestät zahlreiche Deputationen und besuchte unter großartigem Geleite den katholischen CleruS, an dessen Spitze das apsstolische Kreuz vorgetragen wurde, die Kirche deS heiligen Grabes, wo ein feierliches Tedeum abgehalten wurde. Der Kaiser ist im österreichischen Hospiz abgelegen. In der Bevölkerung herrscht die freudigste Aufregung.

Jerusalem, 10. Nov. Der Kaiser von Oesterreich be­suchte die Heilige Grabkirche, das Fianziskanerkloster, die pro­testantische Kirche, die armenische Kirche, die Synagogen die arabische und die jüdische Schule und das Rothsch'ld-Lp.tal. Nachmittags erfolgte der Besuch Bethlehem« und morgen em Ausflug an den Jordan und zum Todten Meere. Der Kaiser wurde überall seitens der Geistlichkeit und dem Volke festlich empfangen.

Dir-el-Kamr, 10. Nov. Der Kronprinz von Preußen bat im Laufe des heutigen TageS Au-fiüge in den Libanon ge­macht.und verbringt die Nacht hierseWst bei dem Häuptling dieses Gebietes. UeberaU wurde der Prinz von den Drusen und der christlichen Bevölkerung mit Freudenbezeugungen empfangen. _______ __

Vermischtes.

Darmstadt. Gelegentlich der fünfzigjährigen Jubelfeier des Hoftheaters, die vom 7. bis 9. durch Festvorstellungen be­gangen wurde, hat der Hoftheaterdirector Tescher den Titel Geheimer Hofrath", die Herren PaSque und Drarler Manfred die aoldene Verdienstmedaille für Kunst und Wissen schäft, der Hoflheatermaler Schnittspahn und Hofmusikmeister Niederhos den Philippsorden 2. Kl. erhalten.

Paris. Kaiserin Eugenie hat bei dem Abschiede von Constant'nopel das Füllhorn ihrer Gnaden reichlich ausaethan. Dem Sultan verehrte sie zwei große prachtvolle Vasen von Sevresdem Großvezier ein Thee-Servtce aus derselben Fabrik, Reif Pascha eine schöne Jagdflinte und >bre Photo­graphie, Kiamyl Bey eine goldene, mit Diamanten geschmuste Sabatine, Muzaver Bey ein Paar Hemdknopfchen, der arme. Nischen Kirche einen äußerst werthvollen Gobelin-Teppich. " französischen WohlthätigkeitS-Anstalten von Constant,nopel hin. terließ sic 17,000, denen der. türkischen Provinzen 10.000, denen Egyptens 20,000 Fr., dem dienenden Personale der Paläste und der Geistlichkeit der Moscheen 60,000 Fr. rc.

Ein Florentiner Correspondent der WienerPresse" übersendet derselben einen Auszug des Circular«, ! welches der italienische Minister ces Aeuß-r-n, G as Menabrea, in der Concilfrage an die Vertreter Italiens im Ausland gerichtet hat. Wie er voran- i schickt, ist die italienische Regierung entschlossen, mit ter Veröffentlichung des Wortlautes der Note bi« iur Eröffnung ver Kammer zu warten; doch 6,aubt die Genauigkeit der folgenden Auszugs aus dem ziemlich umfangreichen Schriftstücke verbürgen zu können Nach Ansicht der italtenifchen Regierung wäre der 'Zweck der Einberufung des Concils Haupt, sächlich der, über die Princ.pien ein Urtheil zu fallen, aus denen das Königreich Italien beruht. Abgesehen $c dem religiösen Charakter dieser Versammlung hat die italienische Regierung das Concil als den Act eines fremden Souveräns aufgefaßt, mit welchem 1 Italien in keinerlei Verbindung steht und es hat von Seite der Regierung keines langen Nachdenkens bedurst, um diesen Ac, als einen Italien feindlichen erkennen. Angesicht« dieser Sachlage hatte die italienische Regierung zwar mit -ollem Recht-rhren Bischöfen die Theilnahme an dem Concil verbieten können, aber sic hat e« vorgezogen, ibnen ^terin olle Fr-ih-it zu lassen, s-doch mit dem Vorbehalte, fdjon seht di- unbedingte Annahme aller der hierbei aciasilen Beschlüsse zurlickzuweisen. U-brig-nS »er- sammelt sich das Coneil unter solchen Verhältnissen, dass die italienische Regierug dessen Beschlüsse nicht kürchtet, nichtsdestoweniger kann dieselbe nicht umhin, | e« als eine Thatsache von grosser Wichtigkeit zu be­traten, raß Frankreich seine Protection einer gegen Italien gerichteten Versammlung schon dadurch ge­währt, dass französische Truppen während der Dauer ^« ConeüS di/Besatzung des Kirchenstaat« bilden. Die italienisch- Regierung enthalt sich zwar, For- d-rung-n zu stellen oder Vorschläge zu machen, und das umsomebr, da sie -S nicht für passend halt, Schritte zu wiederholen, die sie bereits einmal ver­geblich versucht bat, aber sie ist genöthigt, hch über eine Sachlage zu beklagen, welche keinesfalls zur Er- Haltung der guten Beziehungen zwischen Frankreich und Italien beantragen geeignet ist. »Dies" schließt der Berichterstatterist der ungelahre aedrängte Inhalt de« vom 5. October datirten (Sn- eulars/ Man sieht, dass Graf Menabrea sich darin ziemlich offen ausspricht und einen Einblick tn da« gespannte V-rhältniss gestattet, das w-g-n der unge- rechtfertigten Fortdauer der französischin Occupation im Kirchenstaat zwischen Frankreich und Italien be-