Aeitage zu Ar. 92 des Kichener Anzeigers.
Vermischte Anzeigen.
Lensscher Mscnkeller.
6584) Sonntag den 8. August:
C o n c e r t
ausgesiihrt von einem Theil der hiesigen Negimentsmusik.
Anfang 4 Uhr. — Enträe ä Person 6 kr.
Die
höhere landwirthschastliche Lehranstalt in Worms^ welche gewöhnlich von 60 — 70 Oekonomen im Alter von 17 - 30 Jahren aus allen Theilen Deutschlands und des Auslandes besucht ist, begmnt das neue Semester am 15. October; gleichzeitig beginnt auch die damit verbundene Specialschule für armier- - 12 Fachlehrer, Pension in der Anstalt, - Gelammtkosten pro Semester 12o Thaler. — Am Schluß des Semesters wurden 15 Manu als Bolontaue und 21 theNo als Verwalter und Jnspectoren, theils als landw. Wanderlehrer vom Unterzeichneten, der gern weitere Auskunft ertheilt, placirt-
Worms, 1. Juli 1869. Br. Schneider.
Für die nothleidenden Israeliten in Rußland sind eingegangen:
von dem Israel. Mildthätig-
keits-Verein in Steinbach . 3 fl. 30 kr.
U UI vlV • ■ • • -L u ff
„ den israel. Schulkindern — „ 20 „ „ der Exped. d. Gießener
Anzeigers gesammelt. . 5 „ 43 „
von Herrn Meyer Katz daselbst 3 „
30 „
„ „ Feist Katz I. „ 2 „
42 „
„ „ G. Katz Wtw. „ 1 „
„ „ Herz Katz „ — „
30"
„ „ e>. Katz I. „ — „
18 „
„ „ Sel. Katz II. „ — „
30 „
„ „ Löb Katz „ 1 „
„ „ Ferst Katz II. „ 1 „
„ „ Bogel Katz „ „
45 "
„ „ I. Katz Wtw. „ — „
30 „
„ „ Aron Katz „ — „
18 „
„ „ Samuel Katz „ — „
18 „
„ „ D- Katz ,, „
6 „
, „ „ Lehr. Goldschmidt
daselbst ....!„
— „
Summa 23 fl. — kr.
Zur Empfangnahme weiterer Beiträge ist Herr M. Katz in Steinbach und die Erped d. Bltts. erbötig.
Die schreckliche Roth, welche unter der israel. Bevölkerung in Rußland herrscht, veranlaßt die Red. d. Bltts., die Aufmerksamkeit ihrer Leser auf den im heutigen Blatte stehenden Artikel von „Memel" zu richten.
Frischbäcker zu fließen.
Sonntagden8. August. August Noll auf der Mäusburg. Wilhelm Hartmann in der Neustadt. Carl Löber am Lindenplatz.
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Hemeinde zu Hießen.
G o t 1 e s d i e n st.
Am 8. August:
Morgens: Pfarrer Dr. Sc'el.
(Feier des heil. Abendmahls).
Nachmittags: Mitprediger-Vicar Freien- feener.
Ä o p u l i r t e.
Den 1. August. Wilhelm Karl Philipp Emil Henkel, Bürger und Rangirer an der Main-Weser-Bahn dahier, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Fuhrmanns, Wilhelm Henkel, ehelicher Sohn; und Susanne Elise Karoline Christine Dechert, des hiesigen Bürgers und städtischen Arbeiters, Christian Dechert, eheliche Tochter.
Denselben. Andreas Emil Keßler, Bürger und Postunterbeamter dahier, des hiesigen Bürgers und Kammmachermeisters, Friedrich Keßler, ehelicher Sohn: und Juliane Philippine Susanne Friedericke Karoline Moll, des verstorbenen Bürgers und Ralhsdieners, Moritz Moll, eheliche Tochter.
Getaufte.
Den 30. Juli. TemBürger und Gast- wirth, Wilhelm Anton Kuhlmann, eine Tochter, Henriette Auguste Mathilde, geboren den 12. Juli.
Den 1. August. Dem Ortsbürger in Krofdorf und Arbeiter dahier, Gottfried Schäfer, ein Sohn, Ferdinand Ludwig, geboren den 5. Juli.
Denselben. Dem Ortsbürger in Watzenborn und Reitknecht dahier, Balthasar Pitz, ein Sohn, Heinrich, geboren den 26. Juli.
Denselben. Dem Großh. Bezirksstraf- gerichts-Secretär dahier, Wilhelm Stammler, ein Sohn, Ferdinand Berthold Hermann, geboren den 10. Juli.
Denselben. Dem Großh. Hauptzollamtsassistenten 1. Classe dahier, Georg Roß- niann, eine Tochter, Anna Marie Margarethe Barbara, geboren den 2. Juli.
Denselben. Dem Bürger und Messerschmied, Adam Reinig, eine Tochter, Louise Karoline, geboren den 5. Juli.
Denselben. Dem Bürger und Schuhmacher, Philipp Reitz, eine Tochter, Gertrude, geboren den 11. April.
Den 5. Augu st. Eine uneheliche Tochter von hier, Karoline Elisabeth, geboren den 15. Juli.
Beerdigte.
Den 30. Juli. Marie Theodore Dörner, des Bürgers und Metzgermeisters, Georg Dörner, eheliche Tochter, alt 11 M-, gestorben den 29. Juli.
Den 31. Juli. Heinrich Frank, Bürger zu Friedberg und Kappenmacher dahier, alt 51 I. 5 M. 12 T., gest. den 29. Juli.
Denselben. Christiane Katharine Franziska Hoffmann, geborne Zinser, Wittwe des verstorbenen Bürgers und Taglöhners, Friedrich Christoph Hoffmann, alt 63 I. 2 M- 6 T-, gestorben den 29. Juli.
Den 2. Au gust. Johann Ludwig Flett, Mechanikus, des Bürgers und Schuhmachermeisters, Philipp Flett 1L, ehelicher Sohn, alt 18 I. 25 T-, gestorben den 31. Juli.
Den 5. August. Ein unehelicher Sohn von auswärts, Heinrich, alt 3 M- 4 T-, gestorben den 4. August.
Den 6. August. Georg Melchior Faber, Bürger und Küfermeister dahier, alt 66 I. 8 T-, gestorben den 4. August.
Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.
in
Haasenstein & Vogler, Zeitungs - Annoncen - Expedition (Bureau <le publicite) in Frankfurt am Main,
grosse Gallusstrasse No. 1,
Basel, Steinenberg 29,
Berlin, Leipzigerstrasse 46, St. Gallen, Obere Grabenstrasse 12.
Hamburg, Neuerwall 50,
in Leipzig, Markt 17, „ Wien, Neuer Markt 11, „ Zürich, Elsassergasse 1.
Zeitungs-Catalog gratis und franco.
BörsenuachrichteiL 5. August 1869.
Preuss. 41/2% Obi. 93Vs Frankf. 3V2% Obi. 813/4 Nass. 41/5,0/0 Obi. 927/8
I Kurh. 40/g Obi. 845/8
Hess. 40/g Obi. b. Roths. 91 ‘/4 n 31/2% do. do. 871/4
Bayer. 50/0 Obi. 1015g
„ 41/2% 1jährige —
„ 41/5,0.0 1/ajährige 94‘/8 Würtemb. 4i/2% Obi. 927/fl Baden 4i/2% Obi. 0. E.L. 933/^ Oestr. 5v/o b. R. 591/2
n 5% National 571/2
, 50/g Metall. Obi. —
„ M. steuerf. 523/4
Ajner. 6% 1882r Bds. 881 2
1 60/q 1885r 875/g
Aclieii-
Frankf. Bank 1207/8
Oester. Bank 725
„ Creditaet. 301
’ Darmst. Bankact. 3151/2
Prioritäten.
5% östr. F. St. E. B. 406 Ludwigsh.-Bexbach 1263/4 Maxbahn 105>/2 Bayer. Ostbahn 129 ’ 8 Hess. Ludwigsbahn 143 30/0 östr. Stab.-Prior. 581/t 30/0 östr. s. Lombard. 493/4 30/0 Livomeser 347/8 Toscaner —
Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 97’/4 50/0 Elisabeth-Prior. 75i/2 do. II. Em iss. 747/8
Anleheeislooee.
Kurh. 40 Thlr. Loose 561/8 Nassau fl. 25 b. Roth. — Gr. Hess. fl. 50 b. R. — Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4°/o bayr. Präm. Anl. 1053/4 4% badische Loose 104*/4 Badische fl. 35 Loose 56 */2 I858r Prioritätsloose — 1860r Loose 841/8 1864r „ 118'1/4
Wechsel.
Amsterd. k. 8. 100
Augsb. k. 8. 993/4 Berlin k. 8. 1051/8 Bremen k. 8. 973/4 Cöln k. 8. 1051/8 Hamburg k. 8. 881/4 Leipzig k. 8. 105 Loudon k. 8. 120
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 951/4 Wien k. 8. 953/g Disconto 31/2 0/0 G.
Geldtiorten.
Pr. Gass. 8ch. 1 447/8-451/8
Div. Cass.-A. —
Pr. Friedrdor. 9 5^i/2-59</j
Pistolen . . 9 49-51
„ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankenst. 9 31 l/2-32,/g Engi. Souver. 11 56 12 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 28-29
Feuilleton.
Äsexander von Humboldt.
(Schluß.)
Die Richtung seines Geistes, welche zur geistigen Richtung seines Jahrhun- derts geworden ist, trachtete in allen Stücken nach dem Vergleiche, denn die Bedeutung des Einzelnen wird erst durch seine Stellung im Ganzen erkannt. So pruste er die Erzeugungswerthe Mexicos im Gegensätze zu den anderen spanischen Colonieen und den englischen Besitzungen in Indien. Ec ermittelte die Gesammtleistung der Erde an gewissen Gütern, um der örtlichen Erzeugung ihren bestimmten Rang anzuweisen. Er zuerst zeigte den tiefen Unterschied zwischen dem Ackerbau der gemäßigten und der heißen Zone. Aus den Acten der Berg- baua'mter und der Münzstätten der neuen Welt wagte er zuerst urkundlich die Mengen edler Metalle zu ermitteln, die seit der Entdeckung aus Amerika nach der alten Welt sich ergossen haben und er zuerst beobachtete mit Sicherheit die merkwürdige Strömung der edlen Metalle von West nach Ost. Es läßt sich daher behaupten, daß Humboldt es gewesen sei, der die StaotSwirthschast zur mathematischen Begründung der Verkchrsgesetze angehalten habe.
Von nicht geringerer Wichtigkeit war Humboldt's zweite große Reise, die er im Jahre 1829 in Gesellschaft von Ehrenberg und G. Rose nach Central- Asien unternahm. Durch die eigenen Beobachtungen, sowie vermöge der durch sie angeregten Studien chinesischer geographischer Quellen gelangte Humboldt zu neuen und wichtigen Aufschlüssen über den Bau und die Gliederung dieses ungeheuren ContinentS. Die topographischen und geologischen Erörterungen hierüber bilden den ersten Theil seines berühmten Werkes über Centralasien. — Die mühselige Anhäufung von Meffungsergebnisscn führt uns doch nur zu einem Bild des senkrechten Baues unserer Erdvesten, welches so starr und lebleS ist, wie das Antlitz der rauhen Mondoberfläche. Aber tiefe und sinnreiche Beziehungen für den Entwicklungsgang unseres Geschlechtes liegen in dem senkrechten und wag- rechten Bau der Erde versteckt. ES ist die Abhängigkeit ter örtlichen Klimate von der gegebenen Gliederung und Stellung der Festlande, welche Humboldt im zweiten Abschnitte seiner Arbeit zu ergründen versucht. Ein Leser, der sich über Centralasien zu unterrichten wünscht, sieht sich hier von dem Verfasser verratben, der ihn fortzieht zur Betrachtung des ganzen Erdkörpers, welche allein zur Er- kenntniß höherer Gesetze führen kann. Hier bricht die Sonne des Humboldt'- schen Genius in aller Klarheit hervor. Selbst ein Erdenraum wie Centralasien
wird ihm nur eine Oertlichkeit, die ihn nicht fesseln darf, sondern von der er sich losringt, um zur Anschauung des Ganzen zu gelangen.
Im Jahre 1826 siedelte Alexander v. Humboldt dauernd nach Berlin über und hielt daselbst vom 3. November 1827 bis 26. April 1828 seine berühmten 61 Vorträge in der Singakademie, deren Inhalt spater im Kosmos sorgfältig ausgearbeitet wurde. Dieses Werk gibt in einer noch unerreichten Art der Compilation den Stand des Wissens von der Erde und den HimmslSräumen, wie er war zur Zeit jener Vorträge, ja noch zur Zeit des Erscheinens vom ersten Bande (1845). Bei ter Ausarbeitung des tritt n und folgender Bande, welche den speciellen Ergebnissen auf dem Gebiete ter kosmischen und tellurischen Erscheinungen gewitmet sind, überholte den Autor das Alter mit seiner Weitscbw.i- sigkeit und der sinkenden Fähigkeit, neue Forschungen zu verarbeiten. — Man ist in unseren Tagen geneigt, den Werth des Kosmos zu unt.rschätzen, weil die Wissenschaft sich mittlerweile zu höheren Wahrheiten erhoben bat, aber das Verdienst jener grvßaittgen Arbeit kann nur gerecht beurtheilt werden nach ter Zeit, in welcher sie erschien.
Strahlend von Jugendfrische und geschmückt mit allen Zierden Humboldt'- schen Geistes sind die „Ansichten der Natur", ein Buch, das jeder Gebtttcte gelesen haben sollte. In ihnen entwarf er mit einem für Nachahmer gefährl'chen und nicht ganz tadellosen Styl, ober mit malerischer Kraft und zündenden Worten, erregt durch den Wechsel der Gemütböstimmung, jene unvergleichlichin Schilderungen der Orino:ofälle, der nächtlichen Stimmen im Urwalde und vor Allem der Stippen und Wüsten. Di.se künstlerischen und wissenschaftlichen Gemälde der starren und lebendigen Natur fremder Räume hat die meisten seiner Nachfolger zur Nachahmung gereizt, aber noch immer ist das Must.r und der Muster unerreichbar geblieben.
Neben den bahnbrechenden Gedanken und Arbeiten, welche sich an die Betrachtung des Erdballs als eines kosmischen Individuums anknüpften, erscheinen die übrigen Arbeiten Humboldt's über fpccielle Geaenstände der Geognosie, Physik, Chemie u. f. w weniger bedeutend, und wir können uns hier umsomehr ter Nethwendigkeit entheben, davon zu sprechen, als es in dieser Skizze nur galt, diejenigen Verdienste Humboldt's hervorzuhebcn, die seinen Namen für alle Zeit.n unsterblich machen.


