Ausgabe 
8.5.1849
 
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Arbeit und Eigenthum.

(Fortsetzung.)

Durch die Gegenseitigkeit im Wohlfeiler­inachen der Gegenstände mittelst gleichmäßigen Herab- setzens aller Werthe und mittelst Papiergeld hat man geglaubt, den Armen aufzuhelfen. Man hat aber nickt bedacht, daß, wenn Alles wohlfeiler ist, ein Jeder zwar weniger ausgeben, aber ebenso auch weniger einnehinen wird, und so die Verhältnisse ganz die gleichen bleiben.

Das Recht auf Arbeit, eine weitere Forde­rung der Socialisten, und anscheinend praktischer. Kann denn der Staat aber jedem Einzelnen für die ihm anständige oder angemessene Arbeit, kann er für eines Jeden Lebensunterhalt sorgen? Gewiß doch nur ausnahmsweise. Nun könnte aber der Staat vernünf­tigerweise blos zur Zeit der industriellen Stockungen aus solche Art zu helfen verpflichtet sein. Würde der Staat in diesen Zeiten die Industrie dadurch zu unter­stützen suchen, daß er auf eigenes Ristco fortsabriciren ließe, so würde er blos die übermäßig vorhandenen Fabricate noch vermehren und also die Stockung ver­längern zum größeren Verderben der Privatindustrie. Wenn aber der Staat durch Arbeiter andere, diesem ungewohnte Arbeiten wollte verrichten lassen, so würde er nur Faullenzer besolden, welch- den Staat uni den Taglohn betrügen; und bester wäre es, der Staat gäbe verdienstlosen Arbeitern in solchen Zeiten geradezu Al­mosen, als daß er sich von ihnen der Art prellen lasse; und wir können diese zeitweise Unterstützung Hülfsbe- dürftiger durch den Staat nicht für eine Herabwürdi­gung der Armen halten. Könnte aber der Staat den Jndustriearbeilern die Arbeit und den Unterhalt garantircn, wie wäre es ihm möglich dasselbe sür die übrigen Staatsangehörigen, welche das gleiche Recht darauf hätten, zu thun? Es würde also dies Recht auf Arbeit der Industriearbeiter ein Privilegium seyn, die­sen zuerkannt auf kosten des Volkes.

Also Association, welche die Arbeiter be­rechtigt, auf Staatskosten zu spekuliren, oder einen willkürlich hohen Preis für die Jndustrieproducw fest­zusetzen, Gegenseitigkeit, welche alle Werthe beliebig herabsetzen und durch Papiergeld Alle reich machen will, endlich das Recht auf Arbeit, wel­ches , um allen Mangel anfhören zu machen, dem Staate die Pflicht auferlegt, Allen Unterhalt zu geben, diese drei Anforderungen an den Staat und die Gesellschaft sind die Hauptgrundsätze der Socialisten. Sie wirken indirekt darauf hin, das Privateigenthum aufzuheben. Die Socialisten sind inkonsequente Kom­munisten.

Von der Besteuerung. Weil man doch nicht geradezu die gesellschaftliche Ordnung umkehren kann,

will man wenigstens allmählig durch die Besteuerung, welche den Reichen allein treffen soll, die Ausgleichung herbeiführen. Aber man hüte sich und glanbe nichr, daß an der bisherigen Besteuerungsart alles schlecht und alles neu zu machen sei, und daß die Umgestal­tung wirklich dem Armen zu gut komme. Die Steuer muß gerechter Weise auferlegt sein dem Ver­mögen und der Arbeit oder deren Erträgniß, es soll also eine Vermögens- oder Einkommensteuer geben. Ein Jeder soll ohne Ausnahme zn den Staatslasten beitragen, »ach Verhältniß des Vortheils, den er aus dem Staatsverbande zieht, die Besteuerung soll pro- portionell (verhältnißmäßig) aber nicht progressiv (forthüpfend) sein. Ein Jeder versteure von seinem 100 Vermögen gleichviel, und nicht von jedem weiteren 100 zunehmend mehr. Denn wer im Privatverkehre viel auf einmal kauft, wird, je mehr er kaust, verhält- nißmäßig immer weniger dafür bezahlen. Sollte im Staate das Umgekehrte vernünftig sein, sollte der Staat Dem, welcher ihm mehr giebt, im Verhältnisse des Mehr zunehmend mehr abfordern? Eine progressive Be­steuerung ist eine wahre Plünderung, für welche es, sobald sie einmal zugelassen ist, keine Grenze mehr giebt. Denn wie soll die Progression steigen? Wa­rum soll Einer, der 10mal reicher ist als ein Anderer, nicht lOmal, sondern 20, 30, 4Vmal mehr Steuern bezahlen, als dieser?

Als Grund der fortschreitend höheren Besteuerung des Reichen gibt man natürlich an, dem Reichen bleibe auch mit der progressiven Steuer immer noch mehr 'übrig, als dem Armen, immer noch mehr, als zum Leben nothwendig ist; wer also 50,000 Gulden Ein- künfie habe, könne davon leicht 25,000 Gulden jähr­lich dem Staate abgeben, da er mit den ihm bleiben­den 25,000 Gulden auch noch leben kann. Gut. Aber warum sollte man ihm gerade nur 25,000 Gul­den Steuern auflegen, warum nicht 3040,000 rc. und zuletzt so viel, daß ihm endlich nicht mehr übrig bliebe, alö dem Aermsten? So würde, einmal die Regel der gerechten, der Proportionellen Besteuerung überschritten, kein Halt mehr sein. Das Eigenthum hätte keine Sicherheit, der Reichthum keinen Werth mehr, alles Besttzthum wäre in Frage gestellt; wenn der Staat von Einem 1/l0, von dem Andern */., von dem Dritten 72 seines Eigenthums verlangt, so handelt er willkürlich, er begeht einen Raub, es ist nicht mehr die Rede vom Recht. Ich verlange Güte und Wohlwollen für den Armen, aber auch Gerechtig­keit für den Reichen. Gewiß ist es eine Tugend, den Armen zu lieben, aber es ist keine, den Reichen zu hassen.

(Fortsetzung folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.