Ausgabe 
4.12.1849
 
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2259) Gießen.

MilLtär-StelLvertretungs-Amstalt im Grotzhevzog- thum. Hessen.

Seit dem Aufhören der Staats-Affecuran,-Anstalt für Militär-Stellvertretung macht sich der Mangel eines Ersatzes für jene sehr zweckmäßig gewesene Einrichtung in verschiedener Weise fühlbar. Es ist nickt sowohl schwierig für diejenigen, welche sich verlreten lassen wollen, tüchtige, zuverlässige Einsteher aufzusuchen, als auch für die, welche gerne einftehen möchten, die dazu nöthigen Einsteller zu finken, und beiderseits werden oftmals große Opfer aufgewendet, um den deßfallsigen Zweck zu erreichen. Am fühl­barsten tritt dieser Mangel auf dem Laude hervor, wo durch die Unkenutniß der Verhältnisse den wuche­rischen Bestrebungen einzelner Individuen Thür und Thor geöffnet ist, und auch bereits durch die fehlende Sicherheit wegen Vollzugs der Verlräge vielfache Processe enlstanden sind.

Um diese Mißstände zu beseitigen, haben die Unterzeichneten, mit Wissen Großh. Kriegsministeriums, eine Anstalt ins Leben gerufen, deren nächste Aufgabe für das lausende Conscriptionsjahr ist, denjenigen Dienstpflichligen, welche vertreten sein wollen, solide Einsteher zu beschaffen durch Abschluß von, den bestehenden Gesetzen genügenden Verträgen.

Wir haben, um dies zu erreichen, die Einrichtung getroffen, daß die in einem gewissen Zeitraum sich anmeldenden Militärpflichtigen, welche ihre Vertretung wünschen, in eine Gesellschaft sich vereinigen, wofür wir ebensoviel Einstehcr beschaffen; die ganze Summe der Einstandsgelder wird dann auf die An­zahl der Gesellschaflsmitglieder vertheilt, und somit eine jedenfalls wohlfeilere Einstandssumme für den einzelnen Einsteller erzielt. Die erste Gesellschaft begreift diejenigen Einstekler in sich, welche bis zum 15. December d. I., ihre Theilnahme daran bei uns erklärt haben werden. Die von jedem Gesell- schaftsmitgliede zu zahlende Summe wird den Betrag von 400 fl. nicht übersteigen.

Unsere weitere und demnächste Hauptaufgabe soll die fein, nach dem Grundsatz der Gegensci- tigkeit, den Conscriptionspflichtigen vor der Loosziehung die Sicherheit zu gewähren, daß, bei etwaiger Ziehung eines Marschlooses, sie jedenfalls einen Einsteher erhalten und zwar zu einer viel geringeren Summe dadurch, daß bei einer bestimmten Anzahl Gesellschaflsmitglieder immer ein kleiner oder größerer Theil fein wird, welche Freiloose ziehen.

Zu dieser Assecuranz-Anstalt können Anmeldungen für die im Jahr 1850 zur Ziehung kommenden Conscriptionspflichtigen, vom 1. December d. I. an bei uns und unseren Herrn Agenten gemacht werden, und behalten wir uns vor, in Beziehung hierauf, noch eine weitere Bekanntmachung ergehen zu lassen.

Die Garantie für die Erfüllung aller wechselseitigen Verbindlichkeiten muß zunächst im gegenseitigen Vertrauen auf Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit, ohne welche die größten Vorsichtsmaßregeln unzureichend sind, gesucht werden ; so viel an uns liegt, wird unser eifriges Bestreben dahin gerichtet fein, durch Pünkt­lichkeit und durch die größte Vorsicht uns dieses Vertrauens würdig zu machen und glauben wir in unserer Geschäftskenntuiß und in unfern bisher gemachten Erfahrungen die Mittel zu besitzen, eine solche Anstalt zur Zufriedenheit Aller, die sich daran betheiligen wollen, durchzuführen.

Zugleich bemerken wir, daß wir eine Summe von fl. 50i 10 als Caution deponirt haben, welcher Betrag, wenn die Ausdehnung des Instituts eS wünschenswerth macht, demnächst entsprechend erhöht werden soll.

Wir ersuchen Diejenigen, welche sich, resp. ihre Söhne, die bei der diesjährigen Ziehung ein Marsch- loos gezogen haben, vertreten lassen wollen, sowie die, welche in der Affecuranz-Anstalt sich versichern wollen, sich an uns in portofreien Briefen unter der Adresse:

An die Militär-Stellvertretungs-Anstalt in Darmstadt

wenden zu wollen, worauf weitere ittheilung zum Zweck der Abgabe einer bestimmten Beitrittserklärung erfolgen wird. Ebenso ersuchen wir Diejenigen, w.-lche als Einsteher dienen wollen, sich, mit den nöthigen Einstandsbescheinigungen, Einstandspateiilen oder Bürgermeistereizeugnissen versehen, brieflich ober mündlich bei uns zu melden.

Unser Biireau ist: Obere Rheinstraße Lit. E. Nr. 5 und sind zu persönlicher Rücksprache und zu Anmeldungen die Stunden von 9 bis 12 Uhr Vormittags und 2 bis 4 Uhr Nachmittags bestimmt.

Unser Agent für den Regierungsbezirk Gießen ist Herr Kaufmann Peppler in Gießen. Darmstadt, 10 November 1849.

Carl Schwarz, Kaufmann. Fr. Vogel, Dr. juris.

(Hierzu eine Beilage.)