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Villani hatte dieß gar nichts bemerkt. Aber Rosalie wankte und konnte sich kaum noch aufrecht halten.
„Was ist Ihnen, Fräulein?" fragte Villani.
„Eine plötzliche Ermattung!"
„So ruhen wir hier einige Augenblicke aus," vcr- setzte Villani, fie an die Ruhebank führend.
(Fortsetzung folgt.)
Das ge st orte Gl n ck.
(In zwei Bildern.)
Erstes Bild.
An dem treuen Mutterherzen Schlummert still das Kind, Engelsträume spielen, scherzen Um sein Antlitz lind;
Um die sanften, holden Züge Schwebt die reinste Lust;
Sein Asyl ist noch die Wiege, Seine Welt die Brust.
Und die Mutter schaut's mit Freuden, Schaut's mit Lächeln an, Hört' zur Ruh' das Glöckchen läuten, Sieht den Abend nah'n.
»Schlummre süß, o holde Blüthe,« Spricht sie, »schlummre fort;
»Mutterliebe, nimmer müde, »Ist ein treuer Hort!»
»Mutterliebe früh' vom Morgen, »Bis zum Abend spät, »Unter Bangen, Unter Sorgen, »Liebling, Dich umweht!
»Mag es brausen, mag eS stürmen »Draußen in der Nacht, »Mutterliebe wird Dich schirmen, »Mutterliebe wacht!»
Heimwärts in die stille Hütte, Zn der Dämmerstund', Kehrt der Gatte — und der Dritte Ist er von dem Bund.
Zn dem parmen Mutterschooße ' ■ Er daS Knäbchen schaut, Gleich der jungen Maicnrose Ist sein Lächeln traut.
Hangend an dem treuen Weibe Seligkeit ihm winkt!
Und des Mondes volle Scheibe Freundlich niedcrblinkt.
An die Stätte düst'rer Sorgen Schmiegt sich still die Lust, Und so ruht er bis zum Morgtn An der Theu'ren Brust. —
Doch es neigt sich schon die Sonne, Dunkle Wolken zieh'n
An dem Himmel seiner Wonne Wild und störend hin.
Weh'! in dumpfem.Trauerklange Schon die Glocke ruft, Und bei leisem' Todtenfange Schwankt der Sarg zur Gruft.
Ach! die Gattin geht zu. Grabe, Mit ihr alles Glück;
Und die hingegang'ne Habe.
Gibt kein Gott zurück!
Aus der frohen, theuren Mitte Schied ihr sel'ger Geist, Und es steht die kleine Hütte Oede und verwaist.
Ach, das Kind fühlt heil'ge Triebe, Hebt die Händchen fromm, »Steig' herab, o Mutterliebe,» Lallt es, »komm, o komm!» Und sein schuldlos zartes Lallen Rührt des Vaters Herz, Seine Thränen niederwallen, ^nd.es steigt der Schmerz.
»Deine Mutter kehrt nicht wieder »In die Welt zurück,
»Von dem Himmel schaut sie nieder »Mck verklärtem Blick.
»Lullt nicht mehr am treuen Herzen »Dich in Schlummer ein, »Kann mit Dir nicht tändeln, scherzen, »Liebes Knäbelein!»
Und der Kleine hört's mit Thränen, Weint zum Vater laut, Trauernd und mit zartem Sehnen Er zum Himmel schaut.
Wo die treue Mutter weilet, Wo des Engels Hand All' die Erdenwunden heilet In dem sel'gen Land
Und es wischt sich eine Zähre Still der Vater ab;
Fühlt des Schicksals ganze Schwere, Eilt zu ihrem Grab.
Schmückt es mit des Frühlings BlütheN, Schmückt's mit frischem Grün;
Aus der Brust, der lebensmüden. Will ihr Bild nicht zieh'n.
Theodor Loos.
Feuilleton.
In dem vorigen Jahre sind allein aus England eintausend und zweihundert Schneider — nach New- Uork ausgewandert. —
(Raffinirte Grausamkeit.) Ein Herr in Albany in den Vereinigten Staaten hcirathete kürzlich eine Dame, die für reich galt, sich aber nach der Vermählung als sehr arm erwies, denn sie hatte nur einige hundert Dollars — Schulden, die der Getäuschte bezahlen mußte. Jndeß tröstete sie ihn mit der Versicherung, daß sie diese Schulden für Kleiderschmuck gemacht hätte, um ihn damit zu fangen! — Dem Herren muß ungefähr zu Muthe gewesen seyn wie einem Fisch, der den Haken bezahlen mußte, womit er geangelt ward.
Auflösung der dreisilbigen Charade in Nr. 89;
M u t h w t l le.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


