Ausgabe 
31.12.1914
 
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Nn den Akern der Dr'ma.

l^oman aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.

(Nachdruck verboten^

(Schluß.>

Husschläge erdröhnte» aus der Straße. Hcrlinger jagte Mit seine» Leuten vorüber. Franz rief ihn nicht an, um sich nicht zu verraten, denn der Feind mußte dicht hinter ihm sei».

Dann vergingen lange Minuten. Jeder Mann hielt seinem Pferd die Nüstern zu, daß es nicht durch sein Schnau­ben zuin Verräter iverde...

lind nlul lam's ditrch die Morgendämmernng heran... der gleichmäßige Schritt Marschierender... näher, immer näher... da zeigten sich die erste» ...

..Marsch, marsch!" schniettertc das Signal.Hurra!" schrien die Dragoner.

Und hinein in den Feind mit frisch fröhlicher Rcitcr- atiache!

Die Besonnensten retteten sich noch in den Wald. Aber auch sie hielten sich nicht mit dein Schieße» ans. Nur lveiter, höher hinauf, wohin diese Dragoner mit ihren Pferden nicht nach konnten.

Franz suchte noch die Straße ab. Kein Komidatschi zeigte sich. Dagegen fanden sic etma tausend Schritt lveiter die Leichen des Zugführers Nag» und seiner drei Mann.

Nile hatten sic jnrchtbare Handscharwnnden, ein Zeichen, daß sic sich bis zuin.letzten Moment gegen die Uebermacht gewehrt hatten. War keiner geflohen, sondern jeder hatte ansgeharrt bis zum bitteren Ende. In ihren schrecklich -zugerichteten Gesichtern lvar noch der Griinni zu lesen, mit dein sie gelämpst hatten.

Mit leisem Schaudern standen Franz und seine Leute vor den vier Toten.

Das waren vier brave Burschen, vier Helden!" sagte Franz und zog langsaitt seine Kappe ab.

Einer nach dem andern folgte dem Beispiel.

Und über ihren entblößten Häuptern stieg strahlend und groß die Morgcnsonne auf. l Langsam ritten sie heim, langsam, im Schritt, denn sie brachten die Toten mit sich.

Bor Racovac selbst lvar das Feuer schon längst ver stuinmt. Auch hier lvar der Angriff der Komidatschi zurück geschlagen worden. Als Franz an der Kampfstätte mit seinem Zug voeüberritt, sah er, wie Bauernweiber aus Slubovizja damit beschäftigt waren, die Gefallenen und Schwerverwnrideten vom Eise aufs User hinansznschasfen. Wie sie die Dragoner erblickten, ivollten sie erschrocken flüchten, aber Franz ries ihnen mit schallender Stiinme hinüber, daß sie ohne Furcht ihre traurige Arbeit sortsetzen sollten.

Am Eingang des Dorfes stand Efghi Hassan, äugen-» scheinlich auf ihn wartend.

Na, wie war's?" ries ihn, Franz entgegen.

Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, gut. Wir haben sie mit blutigen Köpfen nach Serbien zurückgeschickt."

Haben wir Verluste?"

Melde gehorsainst, Herr Oberleutnant, ja und nein."

Hassan, alter Tschibulhcld, reden Sie nicht in Bilder­rätseln. Ueberhaupt... zum Teufel... was machen Sie denn für ein Gesicht? Haben wir denn so viele Tote? Mensch, so reden Sie dock!"

Melde gehorsamst, Herr Oberleutnant, drei Leichtver­wundete ... Streifschüsse..."

Na also ... aber... Hassan..."

Und einen Toten, Herr. Oberleutnant."

Einen Toten?"

Franz wußte selbst nicht warum: ein beklemmendes Angstgefühl stieg ihm plötzlich die Kehle herauf. Er sprang vom Pferde und faßte den vor ihm Stehenden am Arm.

Einen Toten, Hassan, einen Toten.. »in Himmels­willen, doch nicht...?"

Und da geschah ein Weltenwunder. Ans den Augen des alten Soldaten löste sich eine Träne. Rollte langsam über die Runzeln und Furchen der Wange herab und siel auf seine Bluse...

Da wußte Franz, daß Dcsider das Versprechen ein­gelöst hatte, das er in Helenens Grab hinabgesandt.

1A. Kapitel.

Bor dem Hause standen die Strafnni, mit bekümmer­ten, verstörten Gesichtern. Sie konnte» es nicht glauben, daß ihr junger Offizier kalt und steif da drinnen im Hause lag. De» ganzen Winter über ivar er unter ihiicn gewesen, nicht ihr Vorgesetzter, ihr liebster, treuester Kamerad... Und daß der 'Tod gerade ihn ans ihrer Sckar heraus^ gegrijsen!

Als Franz kam, traten sie schiveigend zur seite.

Kinder," sagte er,die Freude ist teuer erkauft!"

Wie ist's denn eigentlich gekommen?" fragte Franz. Hat keiner von euch gesehen, ivie der Herr Oberleutnant gefallen ist?"

Ein Mann trat vor, ein Rumäne. Und in seinem ge­brochenen Deutsch erzählte er:

Meid' gehorsamst, Herr Oberleutnant, ich. Ter .Herr Oberleutnant ist grad 'neben mir in Schwarmlinie gelegen und hat g'schaut, was wir haben für Feuerwirkung. Und plötzlich fei)' ich, mell»' ich gehorsamst, ivie der Herr Ober­leutnant sich so bissel in Höhe ivirft »nd sich mit der Hand nach der Brust greift... und dann sinkt er nach vorn über auss Gesicht. . . und, und . . ." dem Mann versagte die Stimme...und rührt sich nicht mehr... und da war er tot.. der Herr Oberleutnant..."

Können wir ihn noch einmal sehen?" fragte» inehrere.

Franz nickte nur, sprechen konnte er nicht. Dann ging er hinein.

So, wie er gefallen, in dieser Uniform, hatten sie ihn nivdergelegt, nur vom .Schmutz hatten sie Bluse und Hose