Ausgabe 
30.12.1914
 
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Nn örn Akern der Drins.

IRomn» aus der Zeit der Annexion von Ernst Klei», (ltiachdrnck verboten^

(Fortsetzung.)

...Herr Oberleutnant," meldete der Gendarm, ..die Tele­graphen leitung ist ungefähr dreiviertel Kilometer vom letzten Hause durchgeschnittcn. Wir sin» bis »ach Srebrenica geritten, aber da war dieselbe Geschichte, habe von dort einen verläßlichen Bauern nach Blaseuica geschickt."

Habt's sonst nichts erlebt?"

Nichts, Herr Oberleutnant."

Gott sei Dank; ich Hab' schon g'meiut, die Halunken schießen mir einen von euch aus dem Sattel heraus."

Nicht einen Fetzen haben wir.gesehen."

Die Ruhe ist erst recht verdächtig; lvas meinen Sie, Hassan?"

Jawohl, Herr Oberleutnant," brummte Esghi Hassan.

Inzwischen hatten sich, dem Befehl .gemäß, sämtliche Strafnni und Dragoner versammelt. In Reih und Glied standen die Leute und schauten erwartungsvoll aus den Offizier Franz nahm die vorgeschriebenen Meldungen ent gegen und ging dann, um Desider zu rusen.

Leise w'inkte er ihn von der Tür her und augenblicklich erbob sich der Kamerad.

Wir müssen unsere Anordnungen treffen," sagte Franz zu ihm.

Mit einem Ruck riß Desider sich zusammen, und keiner seiner Strafuni sah ihm nn, wclckwr Schmerz in ihm tobte, als er vor sie hintrat.

Leute," sagte er mit fester, klarer Stimme,wir stehen unmittelbar vor dein Kampfe. Der Feind hat unsere Tele- gravbenleitnng abgeschnittcn. Wahrscheinlich plant er einen lieberfall . . ."

Hurra!" klang's mit einem Male ivie aus einem Munde.

Wir wollen den Tag uidjt vor dem Abend loben," fuhr Desider fort,aber wir müssen auf alles gesagt sein. Wir teilen uns in zwei Hälften, die eine Hälfte hat von nun ab immer Bereitschaft. Die Bereitschaft stellt auch die Wachen und Patrouillen bei. Die drei Patrouillen auf den Straßen übernehmen die Dragoner, die vier in den Bergen >vir. Jede Patrouille besteht ans einem Unterossizier und drei Mann. Posten werden anfgestcllt, einer an der Straßcnkrcuzu"g, der zweite ans der Straße nach Srebrenica, zwanzig Schritt vom letzten Hause entfernt, und je einer rechte- und links vom Dorf. Ich selbst werde die ersten Posten aufführen."

Klar und fest gab er seine Anordnungen. Franz hatte seine Freude daran. Das war doch endlich einmal wieder der alte Desider! Er wollte ihm das Ausfuhren der Wachen ab- nehmen, aber schroff wies ihn Desider zurück.

Wofür hältst du mich?" fragte ihn vorwurfsvoll dabei der Blick der dunklen Augen.

Die Patrouillen marschierten ab, die Wachtposten wur- den ausgestellt und die Bereitschaft setzte vor dem Hause der Offiziere die Gewehre an. Ettvas weiter die Straße hinauf standen gesattelt die Pferde der der Bereitschaft zugewirsenen Dragoner. Flüsternd und leise lachend saßen die Leute ber» sammen. Jetzt endlich wurde es ernst! Wenn's nach ihnen gegangen lväre, hätten sie nicht erst lang darauf gewartet, bis der Feind zu ihnen kam . . .

's is akkurat so weit von uns hinüber zu denn Serb'n tvic nm'kehrt", murrte Korporal Huber. Und die anderen stimmten ihni bei.

Der Regen hatte wieder ausgehört, klar und rein senkte sich die blaue Frühlingsnacht aufs Dorf herab, und am Hink mel standen die Sterne, milde leuchtend mit ihrem ewigen Licht . . .

Da Hub einer von den Steirern eins seiner halb lustigen, halb wehniütigeii Hcimatslieder an:

Du mein herzliab's Dirnd'l Da drent tiaf im Tal,

I grüaß di, i küß bi Zum letztenmal. .

Verstanden doch nur die Denlschen den Text; aber den wallachische», ungarischen und bosnischen Kameraden schlich die weiche Melodie ins Herz. Und dann summte ein Sohn des Alföld seinen schweriiiütigen Heimatssang und der Ru mäne, der Tscheche . . .Leise, ganz leise sang ein jeder vor sich hin, damit er den aiidern nicht störe. Und so grüßten sie alle die ferne Heimat . . . jeder seine eiigere, die seiner Sprache. Und sic alle zusammen unbewußt die große, mächtige Heimat, die sic alle umfaßte; Oesterreich . . .

» 17. Kapitel.

Bleiern schlichen die Stunden der Nacht hin.

Regungslos saß Desider vor dem Belte und harrte mit brennenden Angen der Minute, daß die Geliebte zum Be> ivußtsein zurnctkehrte. Unermüdlich wechselte Olga die Koni- pressen und ebenso unermüdlich solgle Fra»; ihren graziösen, leichten Bewegungen.

tSelten war ei» Rauin so von Liebe erfüllt wie dieses kleine, niedrige Zinimcr in diesem .Hause da tief driintcn an der Drina.

Bon Zeit zu Zeit erhob sich Franz und ging hinaus, uni die Wachen und Posten zu visitieren. Wenn er znrückkam, setzte er sich wieder stuinnl in seine Ecke . . . Und Stunde um Stunde verrann Stunde um Stunde . . .

Plötzlich zuckte Desider zusammen. »

Ich glaube, sic spricht!" flüsterte er den beiden an­dere» zu.

Mit verhaltenem Atem lauschten sie alle. Leise, unzu - sanlinenhängendc Laute glitten durch die halb geössneten Lip­pen, reihten sich aneinander und bildeten Worte.

Ich muß fort . . ." flüsterte sie,ich muß es ihm sagen . . . ach, dieser schreckliche Fürst . . . Desider . . . Ge­liebter ... sic wollen . .