Ausgabe 
28.12.1914
 
Einzelbild herunterladen

712

,,Befehl, Herr Oberleutnant!"

Und davon straften die Leute.

Ein feiner, leiser Sprühregen kam plötzlich und machte den Aufenthalt im Freien ungemütlich. Franz trat Mieder ins Haus und schlich sich in das Zimmer, in dem das >uii- glückliche Mädchen lag.

Noch innner war Helene nicht m sich gekommen, und regungslos saß Dcsider am Bettrand und hielt ihre fieber­heiße Hand in der seinen. Olga ging mit unhörbaren Schrit­ten ab und zu und legte kühlende Kompressen auf ihre Stirn.

Still wars im Zimmer, ganz still. Irgendwo pochte in dem alten Fachwerk ein Holzwurm.

Plötzlich horchte Franz aus. Sein scharfes Ohr hatte den Husschlag herangaloppierendcr Pferde vernommen. Leise, tote er gekommen, schob er sich wieder zur Tür hinaus und trat vors Haus. ,

Im selben Moment zügelten Cfghi Hassan und die Dra­goner ihre Pferde vor ihm.

(Fortsetzung folgt.)

Landwirtschaftlicher Arbeitrkalender für den Monat Zanuar.

Bon M. Danklcr.

Schon wieder haben wir mit einem zwar milden, aber doch

! >öchst unfreundlichen und ungesunden Vorwinter zu rechnen, und ür tveitere Bezirke Tentschlanos scheint ein tüchtiger Schneefall zum seltenen Ereignis zu werden.

Für die Feldarbeiten waren .herbst und Vorwinter nicht schlecht und konnten rückständige Arbeiten noch ständig nach- geholt werden, so daß nun wohl die ganze Flur für die Früh- liugssaat bereit liegt. Die Frühjahrssaat ist min in den komnien- den Monaten besonders durch Beschaffung guten Saatgutes vor­zubereiten. Hier scheu« man keinen höheren Preis, um das Beste zu erhalten. Tie Wintersaaten stehen durchweg in ganz Deutsch­land mittel bis gut, so daß ein gutes Erntejahr zu crhosseu ist. Wcnn_sie wird wie das letzte Jahr, wollen wir sicher zufticden sein. Tie Verwendung der künstlichen Dünger und des hochgezüch­teten Saatgutes hat die Erträge in den letzten Jahren so gehoben, daß Tentsckckand seinen Bedarf ungcsähr decken taut. Das ist eine großartige Leistung, aus welche die deutsche Landwirtschaft stolz sein kann. Also rmr nmtig weiter!

Im Gemüse-und Blumengarten herrscht noch voll­ständig Ruhe. Man kontrolliere seine Samen, versuche bei altern durch die Keimprobe, -ob sie noch gut sind und bestelle neue. Auch hier bestelle man mir beste Ware bester Firmen, denn bei schlechtem Samen ist alle Arbeit umsonst. Ta in den letzten Fahren so viel über schlechten Spinat geklagt wache, so versuche man doch ein­mal rin Beet Silbennangold. Dieses Mangold hat eine dunkel­grüne Farbe, schmeckt kräftig, aber zart, und liefert den ganzen Somuier hindurch stets ein schönes Gemüse, wenn! c-s mal an andern fehlt. Tie ersten Treibbeete für Radieschen, Salat, Ka­rotten, Binmenkohl, Gurken uft». könne» angelegt werden, doch kommeu sie nneist imr für größere Hcrrschaftsgüter in Betracht. Sie müssen mft reinem, frisck>em Pserdemist gezackt sein und sehr starke Umschläge erhalten. Wer die roten Radiese schlecht durchbe- konnnt, bestelle füll einmal eine Prise Eiszapfen mit, da wird er Freiche daran haben.

I nt O b stg arten werden die Baumscheiben ausgelockert und gedüngt. Ein vorzügliches.Düngemittel haben wir im «hten .Peruguano (Füllhornmarke 7x10x2), die dem Baume alles gibt, was zu seinem Gedeihe» notwendig ist. Dazu kommt noch eine Gabe Kalisalz oder Kainit und Kalk. Tic Raapcancstcr werden ausgeschnitten und die Obstbäumc tüchtig niit Obstbanmkarboli- »eum ausgespritzt. Bei dem gut entgifteten Schacht-Obstbanm- karbolineinn kann man 10 SOprozentige Lösungen (für Stamm und Aeste stärker) ohne Gefahr verwenden.

Im P s e r d e st a l l muß bei stärkerer Kälte zioar für Wärine, aber auch für frische Lust gesorgt werden. Das Getränk darf nicht eisig kalt sein. Warin gearbeftete Pferde schütze man vor naßkaltem Regen und Zug. Es sei nochmals daraus hingewiesen, das Gebiß im Stalle selbst ouftubewahren, damit cs nicht eiskalt ins Maul der Tiere komnit und die Zunge verletzt. Ter Pfcrde- -üchter muß die Anforderungen der letzten Remonteeintäuse ge­nau beachten . Züchter, die eing,-sahreue Koppeln für Maschinen­gewehre abgeben konnten, haben sehr hohe Preise erzielt. Tic Zucht des Kaltblutes darf nicht vernachlässigt werden; aus dem letzte» Markt in Linuich wurden Turchschnittsprcise von 1200 bis I--00 Mk. für Arbeitspferde bezahlt (vor dem Kriege'. Trotz des ^lutomobils sind heute schwere Arbeitspferde sehr gesucht.

.. . F ni R i ii d v i c h sta l l fallen jetzt viele Kälber. Hier zeigt iirti heute schon der Segen der ptaiimäßigen Zucht, die in den letzten Jahren mehr und mehr gefördert wurde. Trotz der hohen Fleiichpreise erzielen gute Ziichtkälbcr ans bekannten Ställen

1020 Mk. Uebergeld (mehr als der Metzger zahlt'. Zur Zuckst mir die besten Kälber auswählen und nicht an Milch sparen. Tn

die Maul- und Klauenseuche wieder droht (sie ist sowohl im Osten als im^Westen sestgestellt), so lasse man fremde Hände mir daim in den Statt, wenn cs hochnötig ist. Unter Mittag wird ausgcmistct und das Vieh auf den Dungplatz getrieben. Ab und zu w<ri> den Tieren etwas Salz gegeben, um die Freßlust zu fördern.

Im S ch w c i n e st a l l ist vieleich gute Einstreu vonnöten, da hier .mehr als bei andenn Nutzvieh Niederschläge entstehen. Trächtige Schweine erhalten besseres (nicht stark maßendes) Futter und einen möglichst warmen, trockenen und geräumigen Stall. Futter und Getränke sind besvnders bei Kälte warm zu verald, reichen. Ueberhaupt sind Schweine für eine gute Zubereitung de? Futters viel dankbarer, als gewöhnlich angenommen wird.

Auch die Schasst alle müssen worin gehalten und tüchtig mit Einstreu versehen werden. Tic Wintcrlammnng geht vor siclrniich der Bocksvrung zur Sonimerlaiiimung ist zu veranlassen. Tvkrächtigen Schafe müssen genügend Platz an der Rause haben, damit sie sich nicht zu drängen brauchen. Ehe die Schafe lanimen, tut nian gut, die um das Enter befindliche Wolle abziischcrcn^ damit die Lämmer keine Wolle verschlucken.

Im Ziegen stalle wie im letzten Monat. Für jung« Böcke bester Rasse ist Sorge zu tragen.

Im Geflügel st alle stelle man, wenn Frühbruten beab­sichtigt sind, jetzt schon die Ställe zusammen. Wenn gut >rnd richsig gefüttert worden ist, kommen jetzt schon tückftig Eier, dis mit 1618 Pfg. pro Stück bezahlt werden. Ich. habe neue Ver­suche anstelleii lassen und bei Zugaben von tüchtig Grünfutted und Spratt Patent bereits im Dezember die Hühner jchön am Legen. Von besonderem Einslnsse hieraus aber halte ich mich eine besonders aufmerksanie Behandlung während der Mauser.

Am Bienenstände sehe man nach, ob alles noch richtig verpackt ist, und sorge sonst für vollständige Ruhe.

vermischte».

Eine Frau als Kriegsberichterstatterin. Im österreichischen Prcssegnarticr ist eine Dame als Berichterstatterin eingetroffen: die in Amerika bestens bekannte Journalistin Nelly Blv, der die dllifgabe übertragen ist, das amerikanischc_Jonrnal" und das Hearst-Tyndikat zn vertreten. Das Hearst-Spndikat ist das größte Zeitungsuutrrnchinen der amerikanischen Union und umsaßt im wesentlichen gerade jene Blätter, die, trotz der Be­herrschung des Nachrichtendienstes ausschließlich durch England, bemüht waren, deutschen Originalnachrichten zu erlangen, uni etwas mehr Gerechtigkeit walten zu lassen. Miß Bly wird also eine der verantwortlichsten und anstrengendsten Stellungen einnchmen und ihre Eindrücke werden von größter Bedeutung für die Stimmung in Amerika sein.

A l s erste deutsche Lazarettärztin ist Dr. Elisa­beth R c i »i k tätig. Sie bekleidet den Rang eines Sanitätsoffiziers«

Tapfere österreichische Telegraphcnbeam-

t i n n c n. In der Nacht, als die erste» Granaten in die Ort« Schabatz und Klenak einschlngc», ivaren von den niänulichen Postbeamten drei plötzlicki abgereist, der vierte erkrankte. Nur zwei junge Mädchen serbischer Nationalität blieben ans ihrem Posten und bedienten an Stelle ihrer männlichen Kollegen im Granatseuer die Apparate währeich des ganzen, langandcuienideft Bombardements bei Tag und Nacht, ohne auch nur eine Mi­nute arisznsetzen. Sie taten das so steißig, furchtlos und bescheiden- daß man im Korpskommmido von der Not ans dem Klenaker Tele« graphenaint erst nach dem Bombardement erfuhr. Ern ähn­licher Fall ereignete sich bei der Beschießung von Bazias. Der Ork liegt am Donaunfcr, südlich von Ungarisch-Weißkirche». Das Bahn- und Postpersonal floh. Die Beamtin Jlonka Paliukas allein blieb, übernahm den gesamten Telephon- und Telegraphe,«- dienst und führte ihn bis zum letzten Augenblick der Beschießung durch. _______

Gleichkldng-Rätstl.

Hauvtwort trägt besond're Kleider Und spricht sremd im deutschen Lande.

Zeitwort setze» wir beiin Schneider Am getragenen Eeivande.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummert

In, Skat liegen cZ »nd carA. Hinterhand wo Ule Pique-Solo spielen mit: oarE, trA, tr8, pZ, pK, pl), ptz, p8, p7, c9, Mittelhand hat den Rest.

Verlaus des Svielcs: Vorhand zieht der Reihe »ach ihre drei Buben und spielt schließlich Eoeur ans. Falls nun Mittelhand in der Absicht, die oZ zu langen, um dadurch de» Schneider zu retten, das cA zurückhält und zweimal klein zngibt, bekommt der Spieler sämtliche Stiche und die Gegner werden schivarz. Sticht jedoch Mittelhand mit dem cA, so werden höchstens 25 Angen eingebracht.

Daß das Piane-Solo der Hinterhand unverlierbar ivar, zeigt jede Probe.

Kchristleitmig: Ang. Goch. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» UuiversitälS-Bnch- und Ssclndruckerei, R. Lange, Gießen.