Ausgabe 
28.12.1914
 
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An den (Ufern der Drins.

Plonian aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.

(Nachdruck verboten^

(Fortsetzung.)

Da ließ sich Mr. Blackhead, der Engländer, vernehmen, der bis jetzt den Verhandlungen mit verstohlen spöttischem Lächeln gefolgt war.

Ich will Ihre Siegessreudigkeit bei weitem nicht däinpfen, Königliche Hoheit," sagte er,aber so ohne wei­teres werden die Oesterreicher Sie nicht nach Sarajevo lassen. Bis heute ist es noch keiner Bande geglückt, nach Bosnien einzndringen ..."

Sie sagen selbst den Grund dafür, Exzellenz", ent- gegncte der junge Prinz lebhaft.Banden! Lassen Sie erst unsere Armee aii der Drina stehen, dann bekommt die Sache gleich ei» anderes Gesicht."

Ich zweifle nicht daran, königliche Hoheit," sprach der kühle Engländer,daß Ihre ruhmreiche Armee den Oester- reichern ganz airders zusetzen wird. Ich zweifle sogar nicht einmal daran, daß Sie sie besiegen werden, aber immerhin ist Oesterreich Ungarn ein Staat, der drei Millionen Sol­daten ins Feld stellen kann."

Aber nicht auf einmal! Wenn wir aushalten können, so müssen wir siegen!"

Dazu'braucht man aber Geld", sprach Savic tiest'innig.

Der Engländer machte eine beinah« verächtliche Hand- bewegung.

Daran soll's nicht fehlen. Wir sind bereit, mit allen Mitteln Serbien zu unterstützen, wenn Rußland bei der Stange bleibt."

Rußland ist zu allem bereit", ries der Agent des Zaren­reichs stolz.

Auch zum Kriegsühren?"

Wir werden so viel an der galizischeu Grenze zu­sammenziehe», daß Oesterreich dort wie festgenagelt sein wird."

Und ivenn Deutschland eingreift?" fragte Monsieur.

Die französische Republik zitterte vor dem Kriege. Sie hatte gar kein Interesse für Serbien und tat nur aus Rück­sicht für Rußland mit, war aber gar nicht begeistert von der Idee, sich in einen so gefährlichen Krieg wie den niit Deutschland und Oesterreich hineinhetzen zu lassen.

Deutschland rührt sich nicht", rief Ray. Im Reichstag haben sie sehr schön geredet, aber getan haben sie nichts. Was geht die in Preußen der Balkan an? In: Gegenteil, je mehr wir Oesterreich zum Kriege drängen, desto mehr wird Deutschland sich zurückziehen. Und Oesterreich allein geht daun in eine Katastrophe. Sie haben ja gehört, wie man in BöhmenHoch Serbien" gerufen hat. Die Slowenen, die Bosnier, sie alle stehen auf, wenn es zum Kampfe kommt."

Davon war sogar der skeptische Engländer überzeugt.

Ja, das mag wohl stimmen". sagte er.Aber uns ist

doch die Hauptsache, Deutschland und Oesterreich ausein­anderzureißen. Gelingt das, dann geht Oesterreich entiveder zugrunde, oder muß sich uns nähern. Auf jeden Fall ist dieses Deutschland isoliert. Und für diesen Preis ist kein Opfer zu hoch. Wir müssen also zunächst Deutschland zwan­gen, Farbe zu bekennen."

Das erreichen wir am besten," schlng Ray vor,in­dem wir Oesterreich zu einem Ultimatum an Serbien zwin­gen. Dann stehen sie vor einem Entweder-oder. Das ist Ihre Ausgabe, meine Herren", damit wandte er sich an die fcr-- bischen Staatsmänner.

Eine Rede in der Skupschtina dürfte genügen", meinte Spavaitovich.

Reden, nichts als Reden!" rief der Prinz ungeduldig. Was brauchen wir das Ultimatum! Wir führen den Plan Sr. Durchlaucht aus und brechen auf Neusatz vor. Dann gibt's kein Entweder-oder mehr."

Man könnte ja auch er» der Drina eine größere Aktion unternehmen. Das ist sogar vorteilhafter", sagte Ray.Man tann sich im Notfälle auf die Banden ausredcn, loährend reguläres Militär unweigerlich den Krieg bedeutet. Der Plan, den ich zu unterbreiten mir erlaubte, kann ja dann jederzeit ausgeführt werden."

Zuerst raten Sie selbst zu dem Handstreich," ant­wortete der Prinz zornig,und nun wollen Sie ihn wieder aufschicben!"

Wer sagt, daß ich das tun will? verteidigte sich Ray. Er beugte sich zu dem Prinzen hinüber und flüsterte ihm ins Ohr.Denken Sie doch daran, königliche Hoheit, wer tn Racovac, an der Drina, Ihrer harrt!"

Sie haben recht, Fürst," sagte er, aufstehend.Ich werde die Aktion an der Drina leiten. Heute noch erbitte ich mir hierzu Urlaub vom König, lind wenn er ihn mir nicht gibt, dann . . . dann. .

Und ohne den Satz zu vollenden, stürmte er davon und ließ die vollständig überraschten .Herren sitzen.

Der Hitzkopf >vird uns noch alles verderben", sagte der russische Diplomat.

Auch der Engländer wiegte mißbilligend das Hauvt. Ray aber rieb sich mit triumphierendem Lächeln die Hände.

Auch ich bin der 'Ansicht, daß der Prinz trotz seines heiligen Feuers unserer Sache mir schaden wird", sagte er. Wenn mir daher die Herren gestatten, werde ich mich hinunterbegeben, um den Stein ins Rollen zu bringen. Nur muß der Prinz hier unbedingt festgehalten werden."

Darauf können Sie sich verlassen", sagte Minister Merolanowitsch.Meine Kollegen und ich werden uns von hier direkt zuni König begeben und ihm Bortrag darüber halten, sowie ihm auch über die Berhandlnugen hier Bericht erstatte». Ter Prinz wird in Belgrad bleiben."

Ray fuhr fort:Das hohe Kriegsministerium wird die Güte haben, wir einen Befehl an sämtliche Banoenführer mitgeben, daß sie sich meinem Kommando niiterznordite-- habet«. Ich will mit einer möglichst großen Macht iit*c> -