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„Um Gottes hrilTen, wenn eilte Kugel Sie getroffen Hütte..."
Wider seinen Willen entschlüpfte ihm dieser Ruf der Angst.
„Franz..." Helle Freude tlang in ihrer Stimme.
Und im nächste» 'Augenblicke siihlte er zwei runde Arme um seinen Hals, zwei weiche, K, eiste Lippen prestten sich aus die seinen und eine glückselige Stimme flüsterte ihni ins Ohr:
„Du liebst mich ja doch!"
Das war eine Minute! Wie betäubt stand Franz da... Als er sich einigermaßen gesammelt hatte, war sie längst verschwunden; dafür war Esghi Hassan neben ihm ans gepflanzt.
Allmächtiger, wenn der den Kuß gesehen hatte! Er schaute den -Uten von der Seite an, aber der machte ein Gesicht, steinern und unergründlich lvic die Sphinxe in Aegypten.
„Herr Oberleutnant, inelde gehorsamst, der Kerl ist im Zimmer drin," nieldetc er streng vorschriftsmäßig.
Diese Genauigleit gerade kam Franz verdächtig vor. und ein schwerer Truck legte sich ihm auf die Brust.
„Hassan," sagte er und hielt ihn am Arm zurück, bevor sie ins Zimmer traten. „Hand aufs Herz, haben Sic was gesehen, oder haben Sie nichts gesehen?"
Die tausend Fallen in Hassans Ledergesicht grinsten jede ffir sich allein, und unter den buschigen Brauen leuchtete es verständnisvoll auf
„Hand aufs Herz, Herr Obreleutnant, ich habe nichts gesehen."
„'s ist ein überspanntes Frauenzimmer, Hassan!"
.Km — hm!"
Diese lakonische Aeußerung lvar alles, lvas Hassan daraus zu sagen hatte. Franz mochte sich nun darunter vor. stellen, was er wollte.
Mit dem Äomidatschi hatten sie feilte großen Schwierigkeiten, augenscheinlich hatte Hassan seine Ueberreduugs- talente schon vorher bei ihnl in Anwendung gebracht. Er gestand alles. Daß Ray ihn gcdungem Franz zu erschießen. Daß Racovac von eineni Kreis von Spionen umgebe» sei, die darauf lauerten, daß die Gräfin ins Innere geschasst werde. Und daß der heutige Ueberfall von Ray befohlen sei, da dieser die Geduld verloren hatte. Mn Teil der Bande lockte durch den Angriff auf die Patrouille die Besatzung aus dem Ort heraus, während er sich mit zwanzig Mann von hinten über die Berge an das Torf herangeschlichep hatte. Den Posten vor dem Torf hatten sie überrascht und niedergeschlagen .. . Das andere wüßte der Herr Oberleutnant selbst.
„Also doch ein Toter..." rief Franz mit tiefem Bedauern.
Der überraschte Posten war, wie sich herausstellte, von hinten niedergeschlagen ivorde». Als die Soldaten erfuhren, bah doch einer ihrer Kameraden das Leben hatte lassen müssen, gerieten sie in eine.nicht geringe Wut, und als Esghi Hassan dann den Mirko nach der zum Gesaugenhaus avancierten Scheune brachte, regnete es Pfüffe und Hiebe auf den Kerl. Esghi Hassan war aber tviederum mit Blindheit geschlagen, lind auch mit Taubhett. Er sah und hörte nichts und warf den Mirko schließlich halbtot zu den andern.
Gegen Morgen rückte Desider mit seinen Leuten ein. Er hatte einen Leichtverwundete», das lvar seine ganze Ber- Itstliste. Außerdem brachte er fünf Gefangene mit.
Seine Leute jubelten und sangen, als sie ins Dorf marschierten, und er selbst sah heiter und fröhlich aus wie schon lange nicht.
,Kurra," rief er schon von weiteul Franz entgegen, „dos war ein guter Anfang !"
Als sie vierzehn Tage später die Zeitungen in die Hand nahmen, lasen sie unter den Nachrichten aus Serbien: „Belgrad, den 32. Februar. „Politika" meldet von einem nicht unbedeutenden Grenzgesecht, das vorige Woche an der Drina, südlich von Bilkovici, zwischen einem österreichischen Streifkorps und Komidatschis stattgesunden hat. Die „Strafuni" waren über die D-rtna gegangen, wurden aber mit einem Verlust von 2 Offizieren und 17 Mann »urückgeworsen."
„Großartig," sagte Fr an». „Das heiß' ichl schjvinbelnl" Und bann lachten sie beide herzlich Über bi« Meldung.
Bon österreichischer Seite stand kein Wort davon in den Blättern.
„Sie ivcrdcn schon ivissen, ivarnm," meinte Desider.
Kapitel.
Rays Wut, als er seinen Anschlag an der Wachsamkeit der Oesterreicher scheitern sah, lvar unbeschreiblich Er selbst hatte an dem Kampfe nicht teilgenommen, dazu war er zu vorsichtig, und als er im» die Unmöglichkeit, ertannte, vor der angebeicten Frau als Retter und Befreier zu erscheinen, eilte er nack Belgrad zurück, um den Krieg auf jeden Fall ins Wert zu setzen
Hier fand dann in Scivie's Privakwohnung eine Ber- sainmlnng sämtlicher aus Serbiens Seite stehender Staatsmänner statt. Auch der Prinz, der in Zivil erschienen war, nahm daran teil.
Zunächst erstattete Mr. Barten, der aus uonstantinopel znrllckgetehrt war, Bericht über seine Tätigtest in der lü» lischen Hauptstadt.
„Ich habe getan, was ich konnte,", sagte der Präsident des sainosrn Bnltankomitces, „aber die Iungtürien sind gar zu vorsichtige Leute. Tic Stimmung im Bolle wäre einem Uriege gegen Oesterreich nicht abgeneigt. Ihre Idee, Durchlaucht, mit dem Boykott hat großartig cingeschlage»
die Oesterreicher lverden lange daran zu tragen haben. Allein die Regierung, und das juugtürkische Komitee wollen von einem Krieg nichts wisse». Erstens fiirchten sie, daß ihnen Bulgarien in den Rücken fällt, und dann gestehen sie ossen, daß sie sich den Oesterreicheru nicht gewachsen fühlen. Ich legte ihnen klar, daß Oesterreich-Ungarn drei, vier Fronten iverde zu decken haben — es hals nichts. „Eine Niederlage kann uns alle unsere Errungeuscluiften, das Parlainent, die Verfassung kosten", sagte mir Achmed Riza Bey. Sie iverdcn sich mit dein Mann ans dein Wiener Bauplatz einigen, lverden sich die Provinzen ablünfen lasse». Mne Zeitlang lverden sie noch miteinander herumfeilschen, schließlich wird aber die Sache perfekt werden."
„Pffli Teufel," ries der Prinz.
„Pfui Teufel," sagte auch Savic und strich würdevoll seinen Patriarchenbart, vergaß aber dabei, daß auch seine ganze Politik nur aus Geschäften und Geschäftchen bestand, teils offizieller, teils privater Natur, zumeist das letztere.
Ray nahm nun das Wort:
„Meine Herren," sagte er, „ich habe so etwas Aehnliches erwartet. Aber das macht nichts. Serbien ist durch die Freundschaft der Mächte stark genug, den Kampf gegeit OesterreichUngarn aufzunehmen."
„Aufzunehmen, nur aufzunehmen?" rief der Prinz ungeduldig. „Wrr sind stark genug, es zu besiegen. Und wir werden es besiegelt!"
„Gott gebe es," sagte der Agent Rußlands. „Was Rußland für Sie tun kann, wird geschehen."
„Ich weiß es," entgeguete der Prinz. „ES ist mir von mancher Seite versprochen worden, als ich in Petersburg war. daß Rußland Serbien nickst im Stich lassen wird. Wir werden kämpfen ivic eben Helden kämpfen, die den teuren Boden ihres Vaterlandes zu schützen haben. Kein österreichischer oder ungarischer Soldat soll Serbiens heiligen Boden betrete»."
Die versamnielten Staatsmänner brache» in laute Hochrufe aus und es dauerte lange, bis' die Stimmung der Be- aeisterung sich so weit gelegt hatte, daß, Ray fortfahreu: konnte:
„Mit eineni Helden wie Seine königliche Hoheit an der Spitze," sprach er mit tiefer Verbeugung vor dem 'Prinzen, „ist Serbien unbesiegbar. Der Prinz ist der würdige Rach- tonrme des Schwarzen Georg, der das Land vom Joch der Türken befreite. Ich kann Ihnen versichern, königliche Hoheit, ganz Bosnien und Herzegowina preisen heute schon Ihren erlauchten Namen als Befreier. Ihr Marsch luutj Serajevo wird ein einziger, uniinlerbrocheuer Trinmph- zug sein."
Diese Worte gossen Oel in das Fener des Prinzen.
Wild fuhr er auf.
„Heute noch breche ich auf, wenn es sein muß Worauf warten wir denn eigentlich noch?" rief er.
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