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Nn den Akern der Drina.
aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.
(Nachdruck verboten^
(Fortsetzung.)
„Junge, jetzt gilt's!" rief Franz den, Posten zu und richtete sich ans.
Dem nächsten, der auf ih r einspcang, haute er die Pistole ins Gesicht, daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Posten, ein hünenhaft gebauter Bosniak, schinetterte einen« andern den »olben auf den Schädel, so daß sie für eine Sekunde Lust bekamen und sich an die Tür zurückziehe» konnten.
Aber schon wieder tarnen die Komldatschis heran, ohne Laut, ohne Schreien. Franz biß die Zähne zusammen- am Ende wurde er jetzt ausradiert. Na schön ... aber Teufel, >oo nur Esghi Hassan blieb... Und die andern alle!
lind da krachte es schon in der Flanke und im tziückeu der Angreifer. Mit einem Schrei des Entsetzens erkannten sie, daß sie eingeschlosscu waren, ihrem Schicksal nicht inehr entgehen konnten. Von allen Seite» kamen die Strasnni und Dragoner heran, allen voran Efghi Hassan, mit einer Faust sein Gewehr über den Kopf wirbelnd.
„Ergebt euch!" schrie Franz in den Hausen hinein. „Sonst kommt keiner lebend aus dem Garten heraus,"
Da ivarfen sie die Gewehre fort. Kaum fünf, vier von ihnen waren noch unverwundet. Etwa fünf bis sechs Tote und Schlververwundetc färbten den Schnee blutig rot. Die anderen hatten Streifschüsse oder sonstige leichte Verwundungen.
„Vorwärts mit ihnen auf die Straße!" koininandierCe Franz. „Wir wollen uns einmal die Visagen der Kerle an- schanen. Hier ist's stockfinster."
Nicht eben sanft trieben die Dragoner und Strafuni die Gefangenen nach vorne. Ein paar Schwer-verwundete ivurden gleich ins .Haus geschafft,- die Toten, vier an der Zahl, legte inan im Garten zusammen und bedeckte sie mit einem Tuche.
Aus der Straße, die voin Monde hell beleuchtet ivar, hielt Franz zunächst Musterung über seine Leute. Nicht einer fehlte. Die sünjzehn Strafuni, die Desider ihm zurück- gelassen, waren vollständig da, ebenso seine Dragoner, von denen allerdings mehr als der halbe Zug mit Desider aus- gerückt »oar. Auch Efgh« Hassan mit seinen Gendarmen hatte keinen verlorene» Tropfen Blut zu beklagen.
„Kinder," rief Franz, „das war ein unblutiger Sieg. Hoffentlich kann Oberleutnant Grouap dasselbe nielden. Aber Hassan, alter Tschiboutfresser, warum seid Ihr so spät gekommen? Der Gosic und ich haben schon aus dem letzten Loch gevfissen. Wir zwei halten zwar ein paar aus, lvas <Aosic —• aber zwanzig auf einmal... müßt's bod)
gleich bcn ersten Schliß gehört haben?"
„Hab' ich auch, Herr Oberleutnant." rechtfertigte sich
Esghin .Hassan. „Und beim dritten Schuß waren wir schon alle da vor dem Halis. Aber ich wollt' gleich gcrnze Arvett machen, >«nd so haben loic sie umgangen. Na, Herr Oberleutnant, jetzt haben toir sie auch."
Und Efghi Hassan strich sich mit grimniigeni Behagen den inartialischen Schnauzer und lvarf liebevotle Blicke auf die Gefangenen.
„Wo koninit ihr her?" fragte Franz denjenigen von ihnen, der das an, wenigsten finstere Gesicht machte.
„Aus Slubovizja, Gospodin .. ."
„Halt's Maul!" herrschte ein riesig gebauter Komidatscht den Burschen an, so daß er verschüchtert schwieg.
„Halt selber das Manl, d» Hund!" schrie Efghi Hassan, und ein kräftiger Kolbenstoß verlieh seinen Worte» üver- eugenden Nachdruck. „Ueberhaupt — sollt' ich dich nicht ennen? Bist du nicht der Mirko Bogic a»S Sokvlac, der vor zehn, zwölf Jahren den Wirt in dem Han dort erschlagen und ansgeraribt hat? Bist dann nach Mazedonien verschwunden."
„Ihr irrt Euch, Gospodin," erwiderte der Komidatsctch tvährend seine ungeschlachten Glieder zu schlottern ansingen. „Ich Hab' nie den Wirt im Han in Sokoiac gesehen; ich bin ein gebürtiger Serbe, von drüben jenseits der Morawa. Alle meine Kameraden tverdcn das beftätigen."
Run sah auch Franz den Mann schärfer an.
„Himmelher-rgott!" rief er, ,,das ist ja — natürlich —. Efghi, das ist derselbe Lackel, der's letztemal nach mir geschossen hat. Hassan. den Kerl werden lvir uns etnina! a»s- leihen. WaS sangen lvir deriveil mit den anderen an?"
„Der Bauer Lepovic, Herr Oberleutnant, hat eine feste Scheune, da svcrren lvir sie alle initeinander hinein."
„Gut! Telegraphieren Sie aber nach Blasenlca um einen Arzt für die Verwrurdeten. Und komm S' dann gleich zu mir ins Zimmer, den Kerl — wie heißt er? — ja, den Mirko, den bringen Sie mit!"
Er ging in den Garten zurück, um nach den Toten zu sehen. Plötzlich stand Olga hinter thni.
„Wie kommen Sie hierher, Frau Gräfin?" fragte er ganz verwundert.
„Der Posten hat den Vorgäiigen auf der Straße zugeschaut. So bin ich ihm durchgeschlüstst... Sie sehen, ich hätte die Gelegenheit benütze» und fliehe» können."
„Gehen Sie hinein - oas ist kein Anblick für Sie!"
„Sind Sie verwundet, Franz? Das- eine will ich wissen!"
„Nein — aber ich bitte Sie, gehen Sie hinein, Frau Gräfin."
„Die Leute käme» her, um mich z» befreien. Dieser Rah bat sie sicher geschickt — o, dieser Mensch — dieser Mensch! Sic stampfte mit dem Fnß aus. „Ich habe &it gesehen," sprach sie dann leise iveiter. „Wie Sie über den Zaun gesprungen sind, wie Sie den einen niedergeschlagen haben... o, ich bin am Fenster gestanden . . -"


