Ausgabe 
10.12.1914
 
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unten, jog sich mühsam dran entpor, bracki aber zusammen, riß sich noch einmal in die Höhe und blieb dann liegen.

Die beiden andern rannten ohne Aufenthalt weiter.

Die Strafuni aber jubelten, als sie des Steirers Meister­schuß sahen, und während zwei, drei bei dem Erschossenen blieben, setzten die anderen die Verfolgung fort.

Die aber nahm nun ein jähes Ende. Denn als die Flücht­linge, die schon nicht mehr recht weiter konnten, in die Bl«-- gung lenkten, sahen sie die österreichischen Dragoner auf sich heranjagen. Im selben Augenblick waren sie gepackt und ge­fesselt. Mit finsteren, verbissenen Gesichtern liefen sie neben den Pferden her.

Franz und Desider wechselten ein paar rasche Worte der Aufklärung. Dann begaben sie sich zu der Stelle, an der der Tote lag. Scheu blickten sie alle auf den armen Teufel, dev nun bleich und starr dalag, in dem hageren Gesicht noch die Wut und die Angst, mtit der er um sein Leben gelaufen war.

Es watr der erste Tote, den sie alle sahen, der erste Tote, nach dem der Gott des Krieges gegriffen. Unwillkürlich schlich dem einen und dem anderen das eisige Gefühl den Rücken heraus: Wer weiß, wie lang noch, und du liegst auch so starr da.

Dann hoben sie eine tiefe Grube au§ und legten den Toten hinein. Sein Gewehr gaben sie ihm. Und als sie das Grab zngeschaufelt hatten, zogen sie, ohne Befehl, einer nach dem anderen die Kappe herunter, und die Lippen der jungen Burschen schickten ein heißes Gebet empor. Hatte doch jeder seincHeimat und da etwasLiebes, das er nicht verlieren wollte.

Der Eder Toni stand mit finsterem Gesicht abseits. Als Franz ihn wegen seines Schusses beloben wollte, wehrte er rauh ab.Lass'n S' 's, Herr Oberleutnant, 's is mir schwer gnua g'word'n." Und dann schnitt er mit dem Taschenmesser zwei starke Zweige ab und band sie zu einem Kreuz zusammen.

Stcckt's ihm eini," bat er einen der Kameraden,i... i... kann net in d' Näh geh'n!"

Mit verwunderten Augen schauten die Serben auf die verfluchten Schwabas", die ihre Feinde selbst begruben, und nicht wie sie selbst es in Mazedonien seligen Gedenkens geübt, den Toten Nasen und Ohren abschnitten.

Stumm und gedrückt wurde der Heimweg angetreten. Aber Soldaten dürfen nicht lange traurig sein. Es dauert» denn auch nicht lang, und der ein« oder der andere fing zu singen an. Die Wieirer ließen eins ihrer Lieder los, und die andern, die es nicht verstanden, summten die Melodie mit.

So kamen sie nach Racovac zurück. Und bald daraus rückte auch eine Patrouille nach der anderen ein. Keine hatte was zu nielden, und voll Neid blickten sie aus die Glücklichen, die so interessante Erlebnisse gehabt hatten.

Während die Leute dann in ihre Quartiere tzurück- kehrten, machten sich Desider, Franz und Efghi Lassan daran, die Gefangenen auszufragen Der eine von ihnen, ein älterer Mensch, intt hartem, verwittertein Gesicht, spuckte, als ihm die erste Frage gestellt wurde, ingrimmig aus. Das war seine Antwort.

Der andere war ein junger Bursch von kaum achtzehn Jahren, der seine Angst kaum verbergen konnte. Den nahm sich Eghsi .Hassan vor und verschwand mit ihNl in ein an­deres Zimmer. Wie er mit ihn, verhandelte, konnte man nie erfahren. Fest steht nur, daß der Junge, als er mit ihn« zurückkam, sich bereit erklärte, zu gestehen, was er wußte.

Er und seine Kameraden waren hie drei Männer ge­wesen, die der Bauer aris Vitkovici gesehen und denen Zug­führer Huber und Korporal Babrn vergebens nachgespürt hatten. Sie waren von Slnbovigja weggeschickt worden, über das Gebirge sich nach Srebrenica zu schleichen. Dort sollten sie einem Manne etwas nielden. Was aber und wen,, das wußte er nicht, denn das war nur seinen Geführtes gesagt worden.

Wieviel Mann brüben seien, wurde er gefragt.

Ungefähr sechzig bis achtzig, llnd zwei Frauen seien auch dabei. Die eine ein junges Mädchen, ungefähr so alt wie er selbst, die andere stolz undchschön, eine vornehmes lwchmütige Dame. Kein Mensch wisse, was die bei der Bande wollte.

Franz und Desider sahen einander an.

Während aber über Desiders Gesicht ein leises Lächeln des Glücks zog, preßte der andere die Zähne zusammen und sagte:

Jetzt gilt's, die vornehme Dame ist niemand anderes als die Grekow, die hier üher die Grenze will."

Sie soll nur kommen," antwortete Desider. Und lächelt« noch immer. (Fortsetzung folgt.)

Deutschland und der welt-pelzmarkt.

Unter diesem Titel bringt die russische ZeitungRjetsch" einen Anssatz, dessen Inhalt auch für unS von besonderem Inter­esse ist.

In der Kommission der Reichsduma für wirtschaftliche An­gelegenheiten ist von W. S. Wostrotin und anderen Vertretern Sibiriens die Frage ausgeworfen wordm, wie die Verlegung des Pelzmarktes von Leipzig nach Moskau oder nach einer anderen russischen Handelszentraie durchführbar sei. Die Anregung hierzu ging von dem schirischen Führer des Pelzhandels, A. I. Gromowoi, aus. In Sibirien sowohl wie in Amerika und in West-Europa habe ich die Pelzindustri« studiert und möchte daher sagen, was uns fehlt, um den Pelzmarkt von Leipzig nach Rußland zu verlegen.

Leipzig ist aus drei Gründen der Mittelpunkt des Pelzhandels mit einem Umsatz von über 50 Millionen Mark geworden. Zu­nächst sind nirgends, als in Deutschland die Kreditverhältnisse zu solch einer umfassenden Entwicklung gelangt. Nirgends erreichte ferner die Pelzbearbeitung eine derartig« Vollendung, wie sie Leipzig oder Hamburg auszuweisen vermag. Die demschcn Märkte haben es sodann verstanden, Moden für gewisse Pelzarten ein- zusührcn und dadurch künstlich eine Preissteigerung für Pelzwerk niedrigeren Wertes zu erzeugen.

Die Großsirmen in Leipzig machen ihr» Einkäufe au! den Jahr­märkten in Jrbit und Nhschnv-Noivgorod. In Leipzig wird die Ware verarbeitet und gefärbt, und so gelangt sie in veränderter Form, zum doppelten Preise und mit hohem Zoll belastet wieder nach Rußland. Leipzig verdient sowohl an der Verarbeitung, als an dem Zwischenhandel des Pelzes. Um diesen Zwischenhandel auS- zuschalten, müßte unsere Fertigkeit in der Bearbeitung und im Färben des Pelzes hinter der deutschen nicht zurückstehen. Wir werden jedoch von der Konkurrenz nur in der Bearbeitung einer Pelzart des Fees nicht erreicht, ebenso wie die Engländer in der Bearbeitung des Robbenfells. Alle andern Pelzarten er­fahren in Deutschland die beste Behandlung. Biele Mittel hierzu sind ein Geheimnis der Meister. Für einige Stadien der Bearbei­tung sind Maschinen erforderlich. DaS Bestreichen des Fells mit einem säuerlichen Gerbstoff, durch den die Weichheit des Pelzes vermindert wird, ist bei den deutschen Kürschnern nicht üblich. Mit Hilfe von Maschinen entfernen sie die Fett- und Schmutztelle von dem Fell, und seine weitere Reinigung ersolgt durch Dampf, wäh­rend bas Ausklopfen mit dem Stock, wie es bet uns geschieht, ab­gelehnt wird. Durch die sorgfältige Säuberung mit Maschinen wird da« feine seidenartige Petzhaar erzielt.

Noch mehr Geschicklichkeit entfalten di« Deutschen im Färben des Pelzes! Durch di« chemische Zusammensetzung der Färbemittel, die ebenfalls in der Hauptsache ein Geheimnis bilden, ist dafür gesorgt, daß die Haare weder an Feinheit, noch an Weichheit etwas einbüßen. Das ist die Ursache, warum unsere Pelzhändler nach Leipzig reisen, um unsere eigenen Pelze in verbesserter Form dort anzukaufen. Auch in New Aork ist mir gesagt worden, daß dt« amerikanischen Pelzhändler erfolglos Versuche gemacht hätten, mit der deutschen Bearbeitung und Färbung des Pelzes zu konkur­rieren.

Noch erstaunlicher ist es, daß unsere Pelzhäudler in Leipzig auch unbearbeiteten sibirischen Pelz kaufen, anstatt es in Moskau, Nysch- ny oder Jrbit zu tun. Das ist eine Folge des bei uns teuren und wenig entwickelten Kredits. Durch Vertrauen und Kreditzugäng­lichkeit ziehen die Deutschen auch die russischen Käufer heran, die für etwa 20000 Rubel einen Abschluß von 200 000 bis 300 000 Rubel in Leipzig machen können. Der russische Kaufmann zahlt 10 Prozent fhr die Vermittlung und 10 Prozent für' den Kredit, den er aber m weiten, Umfange genießt. Die deutschen Firmen rechnen davon 6 Prozent für das Risiko. Freilich ist ein Risiko dabei stets vorhanden, aber es wird meistens wett gemacht durch die Höhe des Umsatzes.

Auf den Leipziger Markt kommt auch Pelzwerk aus Britannien und den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Nach der Bearbeitung in Deutschland werden die Pelze in Europa und auch in Amerika verbreitet. Zwischen dem Leipziger und Londoner Markt bestehen große Unterschiede. Ter Engländer will ganz sicher gehen und seinen Verdienst ohne Risiko einheimsen. Ftir die großen Pelz­auktionen in London wird die Ware in Amerika, Kanada, Austra­lien und anderen Ländern allgekauft. Tie Agenten der großen eng­lischen Firmen geben zwar auch einen gewrsscn Kredit, aber nur gegen Unterpfand und im Umsange von 75 Prozent des Güter­wertes. Aus den Auktionen wird im allgemeinen per Kassa ge­handelt. Und wenn ein Kredit für gewisse Prozente gewährt wird, so hastet die Ware doch für ihre völlige Auslösung vom Lager. Tie Auswahl erfolgt dabei sorgfältiger. Auch die auf der Lon­doner Auktion erstandenen amerikanischen, kanadischen und austra lischen Felle gehen nach Leipzig, uni dort verarbeitet zu werden. So ist Deutschland, ohne selbst Pelze im eigenen Lande oder in seinen Kolonien zu haben, dennoch zum Weltmarkt für Pelz ge­worden!" _

vermischte».

* Die Riviera in Kriegszelten. Die tiefe Stille pnd 'friedevolle Ruhe, die jetzt an der Riviera herrscht, bereitet ihren Bewohnern durchaus nicht die ungeteilte Freude, die man