Doitrcriifli. den IO. Detemben
Kn den Akern der Drins.
küoinan aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Er steckte seine Krippe aus die säbelspitze und hob sie langsam und vorsichtig über den Busch empor. In derselben Sekunde knallten drüben die Gewehre, und die Geschosse zischten über die beiden Offiziere hinweg.
„Das ist ja erheiternd", brummte Franz in seiner trocke- neu Art.
„Meine Leute müssen ja jede Minute da sein", sagte Desider, vorsichtig über die Böschung spähend. „Tann sind wir die Kerle drübeti los."
__ Er hatte die Worte noch nicht ausgesprochen, da siel ein Schuß aus ihrer Seite, ein zweiter und dritter... ein schrei gellte über bas Eis herüber.
„Da sind sie," rief Desider, „jetzt hinauf!"
Mit einem Satz schnellten sie sich nach oben. Keine fünfzig Schritt von ihnen entfernt, lagen etwa zehn bis zwölf Gestalten im Schneet der eine und der andere Schuß blitzte noch aus ihrer Reihe auf. Aber die drüben dachten an keinen Widerstand mehr. Teutlich sah man, wie sich zivei Kerle davonzuschleichen suchten, indem sie ihren verwundeten Käme raden milschleppten.
„Laßt sie laufen", sagte Desider. „Sie lverde» an dem Denkzettel genug haben. Sagt mir lieber, ivie ihr so rechtzeitig daherkommt?"
Tie Leute erhoben sich, klopften sich bcn Schnee von den Blusen und lachten ihren Borgesetzten freudig au, glücklich darüber, dass sie ihn hatten befreien können.
„Herr Oberleutnant, i mclv g hursamst," berichtete der Führer, dem man trotz seiner Vermummung ans zehn Schritte weit den Wiener ansah. „Wie nra so a lzalbe Stund' aus dem Nest, dem Bitkovici, drangt san, hör» ma von derer Gegend her schiaß'n. Alsdann mir Laufschritt und g'rennt. Richtig, seq'n ma 'n Herrn Oberleutnant mit Herrn Oberleutnant von Lohnsperg hinter dem Busch dada hock'». Und der Herr Oberleutnant von Lohnsperg hebt g'rad Sab't mit der Ziapp'n in d' .Höh'. Na, rins kann das net golt'ii haben. Also mnass da drüb'n was los sein. Und akkurat schiaß'n die drüb'n. Na, Herr Oberleutnant, das war was für uns! Endlich amal hab'n ma s' vor die G'wehre! Tiefste Aussatzstellung, langsam feuern — na, und jetz'tn is so a Kerl weniger."
„Das war brav gemacht, Leute," sagte Desider, und er sowie Franz reichten jedenl der Burschen die Hand.
Abenteuerlich genug sahen sie aus, diese gefürchteten Strafuni. Bunt zusammengewürfelt wie eine Horde zu- sammengelausener Soldaten. Zwei Bosnier waren dabei mit ihren roten FeS, drei Steirer Jäger; deutsche, ungarische,
kroatische, ivallachische Regimenter, alles war in der kleinen Schar vertreten.
Aber es waren lauter ausgesuchte Jungen. Nicht jeder, der sich zu den Strafuni meldete, wurde genommen. Da konnte man nur Leute brauchen, die Kopf und Herz am rechte» Fleck hatten uno die was aushalten konnten. Der Dienst der bosnischen Streifkorps war schwer und erforderte Leute, die eine» Puff vertrugen. Tag und Nacht mußten sie unterwegs sein, mußte» die Augen an der Grenze haben und wieder jeden Winkel des ihnen zugewiesencn Reviers durchforschen. Wie oft jagte sie ein falscher-'Alarm in der Nacht, nachdem sie den ganzen Tag über auf den Beinen gewesen waren, in ^n Schneesturm hinaus. Irgendwo hatte irgendwer irgend was gesehen. Also hin! Oft über vereiste Gebirgspsade, »eben denen tückische Abgründ« lauerten, oft bei einer Kälte, die unwiderstehlich durch Jacke und Wollhemd drang und das Blut in den Adern stocken machte. Tann nach vergeblichem Umherirren im frühe» Morgengrauen heim, rasch den lseißen Kaffee Hinunterstürzen und Ivieder hinaus auf den täglich vorgeschriebenen Patrouillengang. Und nie müde, nie marode, immer guter Dinge, immer die Faust am Slbzug, nur von dem einen Wunsch beseelt, endlich eininal ran zu düiLil an den Feind.
Das waren die bosnischen Strafuni, diese Kriegshunde Oesterreichs, die treu und unermüdlich an den ungarischen Reichsgrenzen die Wache hielten. Ihnen ist es zu danken, daß es in Bosnien selbst ruhig blieb, während rings die Flauunen des Hasses gegen Oesterreich loderte» nicht einen Feind ließen sic auf den Boden, der ihnen anvcrtraut war. Ihrem stillen Heldentum wird kein Dichter entstehen: wir aber wissen, daß eine Armee, die solche soldaten hervorbringt, ihren Mann stellt.
Auf eine Parade hätte Desider init seine» Leuten nicht kommen können, nicht auf die bescheidenste Magazinswache. Wer sie von weitem herankommen sah, schlug lieber einen großen Bogen um diese fragwürdigen Gestalten. Ihre dicken stosibliisen waren geflickt, und darunter guckten Wollhem- den oder Trikots in allen möglichen Farben hervor. Die wenigsten trugen Stiefel, die »leisten die landesüblichen Opanken, die Bundschuhe, unter denen sie die Füße bis zu be.it Knien mit warmen Filzlappen umwickelt hatten. Mancher war mit einen« wilden Barl geziert, denn das Rasieren lvar ein Luxus, den man sich nur selten gönnen konnte.
Lachend, pfeifend und singend schritten sie hinter den Offizieren her, die sich von dem Zugführer Bericht erstarken ließen.
„Mir san noch über Bitkovici hinaus, Herr Oberleut- uaut!" meldete er. „Weil nänilich in dem Nest a Bauer g'sagt hat, er hakt' auf der Straß'u drei K'crk'n g'seh'n, die Pä- tronengürtel und G'wehre g'habt hab'n. Na, wir san noch a Stund'aus Sopotnik zu marschiert, ein Teil auf der Straße, der Korporal Babru mit fünf Mann oben im Wald, mir hab'n aber nix g'seh'n."


