Ausgabe 
7.12.1914
 
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wundeten, die immerfort den Wunsch nach Wasser äußern. Wtv nehmen Gewehre, verfertigen damit unter Zuhilfenahme von Zelt­bahnen usw. Tragbahren und lassen durch unsere Gefangenen schon alles mitnehmen, lvas wir auf diese Weise an Verwundeten fort­schassen können. Was ich da aus dem Kampfplätze alles sehe, will ich nicht naher schildern: es sind Schrecknisse, die der Krieg nun einmal mit sich bringt und für die diejenigen zur Verantwortung gezogen werden müssen, die dieses furchtbare Ringen herauf­beschworen haben.

Unser Sa n i t ä t s w e s e n im Felde ist vorzüglich organi­siert und mag allen denen zur Beruhigung dienen, die Ange­hörige int Felde stehen haben. 'Daß im Kanipscsgetümmel Ver­wundete nianchmal stundenlang liegen bleiben müssen, läßt sich eben beiin besten Willen nicht vermeiden. Schreckliche und furcht­bare Augenblicke gcht es in und nach dem Kampf: aber man muß sich hüten, in dieser Hinsicht zu übertreiben. Bon Ver­wundeten usw. hört man oftmals die grausigsten Tinge schildern. Man tut gut, sich in solchen Fällen seinen Gewährsmann genau Unter die Lude zu nehmen^ Die Sache soll inan eben glicht schlimmer schildern, als sie in Wirklichkeit ist und soll nicht seine Phantasie ungezügelt spielen lassen, itm den Angehörigen in der Heimat nicht unnötige Sorgen zu bereiten, .

In dem nahegelegenen Orte V., nach dem >vir die Engländer hinbringen, stellen mir fest, daß wir rund 600 Gefangene gemacht baben: darunter 11 Offiziere (auch 1 Oberst und 1 Major). Es werden den Herren alle spitzen Gegenstände und besonders die großen Messer abgemmrmen, an denen auf der einen Seite ein fingerdicker lund etwa bleistiftlanger spitzer Stahl ist-! Tiefes Messer ist an einem etwa meterlangen Seil befestigt und wird von den Engländern im Nahkampfe den feindlichen Soldaten ins Gesicht geschlendert-. Ich selbst habe die Anwendung dieser Mordwaffe nicht mit angesehen: es wurde mir aber von Leuten, die an anderer Stell« gekämpft hatten, mitgeteilt, daß die Hand» habung dieser gefährlichen Waffe in der geschilderten Weis« vor sich geht. Wir lassen die 600 Mann in Gruppenkolonnen an- treten und begleiten sie imck, der etwa 15 Kilometer entfernten Station T., wo schon deutscher -Bahnbetrieb ist. Ein bereitftehen- der Zug nimmt uns auf und nach einigen Dagen haben wir wieder dl rutschen Moden unter den Füßen, lvas begreiflicherweise bei luns allen freudig« Gefiihle erweckt. Unterwegs hatten wir Gelegenheit, den Gießener Landsturm, dem die Belvachung der Bahnstrecke im Feindesland anvertraut ist, zu begrüßen. Tie Leute haben sich überall häuslich eingerichtet, sind fidel und äußern alle den Wunsch nach Zeitungen. Man muß sägen, die Engländer benehmen sich anftandig, Ob sie sich durch dieses Ver­halten auf die Tauer und in den Gefangenenlagern auszeichnen werden, bezweifle ich» Sie stsehcn noch zu sehr unter dem Ein­druck der letzten Tage. Zuerst verlangen sie Wasser, dann Brot und später werden sie schon etwas zutraulicher und bitten um Tabak, womit wir ällerdings nicht dienen können. Ter in wei­ßen Buchstaben ausgenähte Name Queen (Königin) deutet darauf hin, daß ein aroßer Teil der Gefangenen Augehörige des Queen­regiments sind, das ein« ruhmreiche Geschichte von 260 Jahren hat und zu den Eliteregtmentern Englands gehört. Dieses Regi­ment focht in Belgien und Frankreich von Anfang an in de» vordersten Reihen und hat große Verluste aufznweisen. Es ist nach Angabe englischer Blätter das einzige Regiment, das ein« Schiffskrone in seiner Fahne trägt.

Unsere Gefangenen sind alles Leute im Aller von etwa 1b3b Jahren, machen keinen schlechten Eindruck und sind sauber. Aus ihren Gesichtern strahlt durchweg Helle Freude; wahrscheinlich die Freud« darüber, daß sie glücklich bei uns sind. Trotzdem sie sieh durch die Klänge der englischen Werbefansaren hatten be­stricken lassen, haben st« alledie Nase voll" Und äußern |uit« verhohlen den Wunsch nach Frieden. Sie hatten sich die Kriegs­führung mit den 'Deutschen ganz anders vorgestellt. Einige mögen dabei sein, die aus Begeisterung mit in den Kampf gezogen smd, aber den meisten sieht man es an, daß der hohe Sold sie zu den Fahnen lockte und daß ihnen dasBesiegen der Deutschen" angenehmer erschien als langanhaltende Stellungslosigkeit,

Als einer der Offiziere erfährt, wieviel Kameraden und be­freundet« Russen und Franzosen sich schon der deutschen Gast- freundschast erfreuen, ist er sichtlich erstaunt. Darüber hatten ja die Herren natürlich noch nichts erfahren. Er glaubr, sie seien die einzigen, die das Gefangenenlager, nach denc wir sie bringen, bewohnen.

Man hörte es im Felde von den Soldaten, man hört eS von den Leuten in den zahlreichen deutschen Städten, die wir mit unserem Gefangenentransport durchfahren, und man spürt es in der eigenen Brust. daß der H a ß g e g « n d i e E n g l ä n d e r a»ge»blicklick größer ist, als gegen die Franzosen und daß es nicht G»r erwiesen ist, daß die englische Ränbcrpolitik dieses Menschenmorden heraufbeschworen hat, sondern daß es auch schon in das .Volksempfinden übergegangen ist. -cht.

vermischte».

* D ie Liebesgabe des deutschen Buchhandel-. Das große Ltebeswerk, das der deutsche Buchhandel sich zur Anff- gabc gemacht hat, ist bekanntlich die VersoMing der im Feld« stehenden Truppenteile, sowie auch die der Verwundeten in betni Lazaretten mit angemessenem Lesestoff. Wie ein Bericht in dem amtlichenBörsenblatte für den deutschen Buchhandel" mitteilt- ist die Beteiligung der deutschen Verleger, die zu Spenden» dies Liebeswerk aufgerusen wurden, ganz außerordentlich groß gv» wesen. Tie zunächst in Ansficht genommenen Räume im Reichs- tagsgebäude erwiesen sich als bei weitem! zu klein und d§e iülttf schönen Säle, die die Samiiielstelle darauf von der Kgk. Biblio- thek zu Berlin itberlassen erhielt, verwandelten sich bald in ei» ganz gewaltiges Büchermagazin, das etwa eine Viertelmillion Bände und 600 000 kleinere Schriften umfaßte. Und immer neu« Wagen brachten neue Kisten und Ballen mit Büchern imb Schrif­ten, die sich in allen Ecken der Säle türmten: und 20 Personen waren wochenlang damit beschäftigt, die Sendungen sack»gei»äß zu erledigen. Diese nmßten, nachdeni sie ansgepackt, geordnet, ausgenommen und verbucht waren, in sieben Gruppen geteilt undi aufgestapelt werden. Die Zusammenstellung der Sendungen er» folgt nämlich nach folgendem Verhältnis! Unterhaltnngsbiiche« für Alle 50 v. H., Unterhaltungsbücher für Reifere 10 v. Kriegswissenschaft 10 v. Hi, Erbaunngsschristen 10 v. H., Ge­schichte und Geographie 10 v. $>., Zeitschriften und kleine Schrif­ten 5 v. H., Mäßigkcitsschristen, Landkarten Spiele ustv. fünf v. H. Täglich gelangen ungefähr 4000 Bücher und Schrifte» zur Versendung. Und wie dankbar wird nicht draußen in dev Front der neu eingehende Lesestoff ausgenommen! Darüber gibt an derselben Stelle E. Fischer-Hamburg, der einen Schristen- transport nach Russisch-Polen zu begleiten batte, in fesselnder Weise Bericht. Der Transport führte neben den Schriften auch Wollzcug, hatte also zugleich für das leibliche und das geistige Wohl unserer Braven zu sorgen. Welche Freude, so berichtet Fischer, wenn derWollonkel" seinen Wagen öffnet und ei» oder entsprechend der Anzahl der Kameraden, mehrere Schriften­pakete abliesert!Das ist uns lieber als was zu essen," ries ei» biederer Landsturmmann aus,wir sitzen seit sechs Wochen i» diesem weltverlassenen Neste der polnischen Heide und hören und sehen nichts von der Welt. Zu essen haben wir, aber nicht- zu lesen I Wie werden sich di« .Kameraden freuen,!" So zog ei freudestrahlend ah. _

vachertlsch.

Der hessische Volksschriitenv crein hat vor Jahreslrlst eine ErinneruugSschriit zur dunderljahrleter 18131918 herausgegebcn, in der die Volkserhebung der Freiheitskriege dem lebenden Geschleckt ins Gedächtnis zurückgeruien wurde. Heut« läßt er dieser Schrift kolgen: Aus dem Volksleben in Hessen vor ICH» Jahre» von Georg Lang. Ter durch seine zahlreichen Jugendschrlkten und Gedichte bekannte und ge­schätzte Verfasser berichtet darin in schlichten Erzävlungen über Er­lebnisse und Begebenheiten, die uns in jene Zeiten zurücktühre^ welch« einen ähnlichen Weltkrieg iahen wie heute. Sie fördern die Kenntnis der Vergangenheit, die den Schlüssel zum Verständnis für die Gegenwart bildet. Der gemütvolle und vielsack von herr­lichem Humor zeugende Ton der Erzählungen wird in diesen Tagen des Harrens aus einen verheißungsvollen Erlolg in dem uns aus- gezwungenen Kamvie die Gedanken von der Gegenwart kur Augen­blicke ablenken. Der Preis belrägl 1,20 Mk. kür das geheltete und " 1,50 Mk. für das gebundene Buch, das 198 Seiten und 11 Bild«, enthält. _

Kreujrötfel.

In die Felder nebenstehende«

--- Figur sind die Buchstaben

___ a a a a a, b b, eeeeee, g g

_ _ g, h h, i i i, o o, p p p p, r r r t

rrrrrr, ss, tttt.TT

---------derart emzuiragen, daß di«

senkrechten und wagerechten

---------Reihen gleichlautend folgende»

________| ergeben:

1. Einen Gesetz esabschnttt.

2. Sagenhaftes Wesen. --- 3. Einer aus dem hohen Pferde,

lAuflösimg in nächster Nummer.)

Auflösung des Anagramms in voriger Nummer i Enschede, netdisch, Deichsel, Elder, General, Ungar», Trauben, Andreas, Lissabon, Liesbeth, Eidechse, Schuhmacher, Gesundheit, Ungarwein, Titanen:

Ende gut, alles gut.

Schrlstleltung: Aug. Gorh. - Rotationsdruck und Verlag der^Brühl'sche» Untversttäts-Buch- und Stelnbruckerei, R. Lange, Gießen.