Aber die Leute Klaubte» es »id)‘ Aus einmal — keiner wußte, wieso — war das Gerücht unter ihnen, die Oester- reicher hätten die Kriegsinsel in der Donau besetzt und seien Im Begriff, nach Belgrao überzusetzen.
„Die Oesterreicher sind da!" schrie einer.
Nu ungeheurer Schrecke» sprang über das Volk her. Die Männer schrien wilde, sinnlose Verwünschungen, die Frauen betete», die Kinder weinten ... Es wirr, als sei der jüngste Tag über Belgrad hercing.ebrochcn.
Und inzwischen saßen die österreichische» Ossiziere ruhig in ihrem Semliner Kasseehaus und waren ganz erstaunt, als sie in der Zeitung lasen, daß ihre kleine, ruhige .Grenzstadt nur so von Waffen starrte.
Es war hier so gar nichts von der Aufregung zu spüren, die am anderen Ufer der Save herrschte. Nur die Federbüsche der Gendarmen tauchten bald hier, bald dort auf, und wachl same Augen spähten unablässig über Donau und Save hiw- über, die breit und still ineinander strömten, unbekümmert! um Freund und Feind, die sie voneinander trennte».
Weit draußen aber aus der Donau erglänzten in der Nacht sechs Helle Punkte. Das waren die Lichter der östev- reichischen Monitor?. Tie warteten . iForts. folgt.)
Lin Marsch durch Nordfrankreich und ein Sturmangriff gegen die englischen Stellungen.
(Schluß.)
In der Dunkelheit sind ivir — etwa 30 Mann — von unserer Kompagnie abgekommen und liegen bei den . .. crn im Schützen- graben. Im Morgengrauen setzt das Artillericfeuer aus beiden beiten mit großer Heftigkeit ein und hält den ganzen Vormittag an Während dieser Zeit werden auch von der englischen Infanterie unsere Schützengräben mit Gewehr- und Maschinengewehrfeuer bestrichen.
Ms wir an einer Hecke stehen und uns von einem Artillerieoffizier eine Auskunst erbeten, bekommt einer von unseren Leute» einen Schuß durch die Hand. Es ist inzwischen vollständig hell geworden. Anscheinend haben uns die Engländer gesehen, denn sic richten nun ein heftiges Gewebrscuer auf uns. Wir legen uns in den Graben hinter der Hecke mtb pressen, so fest es geht, den Kops m den Schlamm. St, st, st pseifen uns da fortwährend die Kugeln über den Kopsen hinweg und rascheln durch das Gras. Manche schlagen dicht vor der Hecke in den Boden ein. In dieser Lage baben wir Gelegenheit, sestzustellen, daß die Engländer, wenigstens die, die uns an dieser Stelle beschießen, keine schlechten Schützen sind. Einige von unseren Leuten sind inzwischen ein Stück vorwärts ekrochen und haben hinter einem zerschossenen Wirtshaus Auf- ellung genommen. Wir folgen. Etwa 50 Meter davon entfernt eht eine unserer Batterien. Tie seindlichen Flieger müssen scharf eobachtet haben, denn es dauert nicht lang«, und ein .Hagel von Schrapnells und Granaten, die unserer Batterie gelten, gehen in unserer Nähe nieder Nach wenigen Augenblicken hat natürlich die Batterie ihre Stellung wieder gewechselt. „Hier können wir nicht bleiben," sage ich zu meinen Kameraden. Lieber durch das Gcwehr- feuer laufen, als hier noch weiterhin der Gefahr ausgcsetzt zu sein, mit den Granaten und Schrapnells nähere Bekanntschaft zu machen." Unser Bataillon hat die beiden vordersten Schützengräben besetzt. Wir haben den Wunsch, so schnell als möglich wieder zu unserer Kompagnie zu kommen. Auf einmal können wir den Sprung nicht wagen, weil wir dem Feinde sonst ein zu großes Ziel bieten. So machen denn ein Reservist und ich einen Satz über etwa achtzig Meter freies Gelände nach den anderen Schützengräben. Wir lausen in> Zickzack, um dem Feinde das Zielen zu erschweren. Etwas erschöpft, aber mwerschrt, kommen ivir ans Ziel. Der vorderste Schützengraben, in den wir mit einem nochmaligen gewagten Sprung gelangen, liegt nur noch einen guten Steinwurf weit von den ersten feindlichen Schützengräben entfernt. An diesem Vormittag haben wir eine ungünsttge Stellung Wir liege» mit un-
& :«!! Schützengräben ans fast freiem Gelände, während die An- he mit dem 'darausstehenden Dorf mit Buschwerk und Hecke» bewachsen ist, hinter denen die Engländer ihre Schützengräben geschickt angelegt haben Unsererseits kann also nur die Artillerie erfolgreich wirken, während >vir dem Feinde bei jeder Erhebung «,S den Schützengräben für das Gewehr- und Maschiuengewehr- seuer ein gutes Ziel bieten. Unsere Verwundeten betten wir neben uns in den Schützengraben, wenn das Feuer so stark ist, daß wir sie iricht wegbringen können. Wir betten sie aus Zeltbahnen und hüllen sie in Mäntel ein, damit sie nicht frieren. Die Notverbände legen wir nach Möglichkeit selbst an. Das fortwährende Stöhnen der Kameraden geht einem nah« und man sucht ihre Qualen mittelst der Feldflasche lindern zu Helsen. Tie kameradschaftlichen Gefühle, die hier angesichts des Todes erweckt werden, findet man sonst nirgends und zu keiner anderen Zeit. In der Nähe, hinter einem Gehöft, steht ein Birnbaum. Einer unserer Leute geht durch den Schützengraben hindurch, ersteigt den Baum, daS Schießen unbeachtet lassend, pflückt einige Birnen, kommt unversehrt wieder.
schalt die Früchte und verteilt sie unter die Verwundeten, die diese Ersrrschung begierig annehmen. Ter neben uns liegende Zug einer anderen Kompagnie macht einen Sprung. Beim Hinlegen bekommt der Hauptmann der Kompagnie einen Schuß. Er stöhnt laut. „Was yjt Dkrr Hauptmann," ruft der Sergeant,der neben ihm liegt, er- schrocken. „Eine Kugel . . hat . . . mich getrosfeu, . . . ziehen
Sie bitte . . meine Beine gerade," und damit hauchte er sein Leben aus. Ler Sergeant führt diese» letzten Befehl aus und starrt e,ne Weile stumm in das immer bleicher werdende Antlitz seines Führers.
Gegen 12 Uhr mittags kommt der Befehl: „Um 1 Uhr Sturm- angrrf, aus der gaiizen Linie." Unser Bataillon ist an der Flanke, die wir besetzt halten, an der Spitze. Eine fieberhafte Tätigkeit entwickelt sich im Schützengraben. Die Tornister, die abgelegt ivaren, werde» wieder aufgeschnallt. Man reicht den Verwundeten nochmals die Feldflasche und mancher schickt noch einmal ein stummes Gebet zum Himmel. Die Gedanken, die eben noch einmal kurz zurückschweiften nach der .Heimat und nach manchem, was einem lieb und teuer ist, beginnen sich zu konzentrierc». Man hat nur noch einen Gedanken: „Ran an den Feind, die Stellung nehmen, koste es, was es wolle!" Auf das Schießen n»d das Einschlagen der Graiiatcn achtel man scholl nicht mehr — man wird, mit einem Wort gesagt — gleichgültig. — Schon vor ein Uhr brechen wir los. Die Sonne sendet uns noch einmal ihre warmen Strahlen, als wollte sie uns damit Vertrauen und Kraft ein- slößen. Zuerst gehen wir noch stückweise vor. Wir nehmen noch Deckung hinter Büschen, zertrümmerten Wagen, Pferdeleichen und was sich alles bietet. Dann ertönt das Signal: „Bajonette auf- gepslanzt" und vor geht es im Sturmlaus mit krästigem „Hurra!" — Mancher treue Kamerad sinkt an meiner Seite nieder: auch einige aus der Gießencr Gegend sind dabei. Wir kommen an die Leichen und Verwundeten der Engländer: hier sehen wir, welche furchtbare Arbeit unsere Artillerie geschasst hatte. Kurz vor dem ersten Schützengraben der Engländer stoßen wir aus Hindernisse. In das Buschwerk und in die Hecken haben sie versteckt und geschickt Pfähle eingerammt und Stacheldraht gespannt. Mit Spaten, Gewehrkolben und was sonst zur Stelle ist, beseitigen ivir auch diese Hindernisse. Während dieser Zeit richten die Engländer, dte nur noch wenige Schlitte vor uns in den Schützengräben stecken, immer noch ihr Gewehr- und Maschinengewehrfeuer aus uns. Hier kostet cs noch einigen von uns das Leben: aber man merkt doch, daß die Engländer durch unser Ankoinmen schon nervös geworden sind. Wir setzen über die Drahthindernisse hinweg und wnlnien an die Schützengräben, in denen es noch ivimmelt, wie in einem Ameisenhaufen. Erst in diesem Augenblick kommen sie gewandt wie Ar- ttsten, aus den Gräben hcrausgehüpst, werfen die Waffen weg, halten die Hände hoch und rufen „Not Kill, not Kill" (nicht töten).
Der Deutsche hat trotz der Rücksichtslosigkeit, mit der er mitunter im Kampfe Vorgehen muß, immer noch Gefühle der Menschlichkeit in sich und so werden diejenigen, die sich ergeben und von der Waffe in diesem Augenblick kmnen Gebrauch mehr machen, geschont und nach hinten^ abgeschoben. Immer weiter geht es, der Anhöhe hinauf. Einen Schützengraben nach dem anderen räumen wir aus. Eine schon teilweise zusammengeschossene Mühle wird umstellt und etwa 25 Kerls, die hinter den Trünrmcrn aus Lucken usiv. geschossen batten, herausgeholt und entivaffnet. Ein Maschinengewehr, über das wir beinahe gestolpert wären, nehmen wir in Besitz und die drei Engländer, die in der Nähe hocken und anscheinend zu der Bcdieitungsmannschaft gehören, haben die Ehre, es selbst nach unserem Lager zurücktragen zu dürfen.
Wir kommen an das Torf heran. Auch da zeigt es sich wieder, welche vorzügliche Waffe wir in unserer Artillerie haben und in welchem Maße bei einem Gefecht die Entscheidung von ihr abhängt. In ocn Häusern unb Scheunen, die nicht zerschossen sind, stecken die Engländer und schießen aus den Fenstern. Wir holen sie aber alle heraus. Bor unserem Bajonettgekitzel haben sie einen heillosen Respekt.
Die englische Artillerie, der unser Eindringen in das Tors wahrscheinlich durch Flugzeuge, die ununterbrochen sehr hoch iiber uns kreisen,^gemeldet worden war, überschüttet uns nun mit einem Hagel von Schrapnells und Granaten. Einige Häuser stürzen noch zusammen: auf den Straßen und in den Gärten reißen die Geschosse Löcher aus, daß man bequem einen Wagen voll Kohlen dineinbetlcn kann. Ich lege mich mit einem Kameraden und ftlns Engländern, die wir »ns aus einer Scheune herausgeholt hatten^ hinter ein Haus, um gegen das Feuer etwas Deckung zu suchen. Eine Granate schlägt ln das Haus ein. Der Giebel fällt über uns weg aus die Straße. Außer ein paar unbedeutende» Rissen, die die abbrörkelnden Gcsteinsmassen uns an Händen usw. venirsacheit, sind Ivir vollständig unversehrt.
Durch das sorlwährende Nachschieben unserer Artillerie ist der feindlichen wahrscheinlich der Boden unter den Füßen zu heiß geworden, denn das Feuer läßt in seiner Heftigkeit nach. Wir treiben die Gefangenen zusammen. Bon den Leuten, die in den vordersten Reihen sind, werden die Begleitmannschaften für die Gefangenen ausgcwählt, und rückwärts geht unser Zug über das Schlachtfeld, während unsere Kameraden und die Truppen, die in Reserve lagen, aufgebrochen sind, um die Verfolgung des abzieheir- den Feindes zu übernehmen. ,
Wer in seiner Feldslasche noch etwas hat, reicht es beim Rückmarsch mit den Gefangenen über das Schlachtfeld den Ve»


