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Kaiser bleibt fast iiiuiier derselbe. Sein Wesen ist zu Hause ebenso gewinnend wie in der Oessentlichkeit, aber zuweilen auch aufreizend. Er füllt seicht seiner Umgebung auf die Nerven. Es gibt keinen lebhafteren Platz in der Welt, als den Hof des Kaisers. Leute, die sich zur Ruhe setzen und ihre Begucmlichkeit haben wollen, mag er nicht. Er liebt es, alles in Bewegung zu halten, dagegen niag er nickt das Langweilige, das Gewöhnliche, das ewige Einerlei der Dinge." Di« Verfasserin kommt dann aus seinen Scharfsinn, sein« Vielseitigkeit, sein erstaunliches Gedächtnis für Tatsachen, erzählt weiter, er habe grätzc Scheu vor Ansteckung mit Schnupfen und kommt dann ans seine Leutseligkeit (common tauch): „Er versteht mit armen Leute» und Arbeitern zu sprechen, ohne dass er sich herabznlassen scheint: er nimmt vollkommen ungezwungen und rückbaltslos Anteil an ihren Angelegenheiten und hat offenbar den Wnnsch, ioirklich von anderer Leute Lebensweise unterrichtet zu werden. Es ist nicht Oberflächlichkeit."
vermischte».
• D i e drahtlose Telegraphie als Wetter- pro vH« t, Man hat schon wiederholt daraus aiiimerkiam gemacht, dast das Telephon, das mit einer Anlage für drahtlos« Telegraphie verbunden wird, das Heraimaheii eines Sturuies verkünden kann. Ein Meteorologe hat »>»>, wie die Lribuna berichtet, nachgewiescn, dah jede Veränderung des Wellers, sie mag grob oder klein sein, voll charakteristischen elekirischel, Slörnligen begleitet ist, die ans einen Apparat Inr drahtlos« Telegraphie auch ans der Ferne wirken und beutlirf) »ntelschieden« iöne in eiittin mit ihm v«rbn>ide»en Fernsprechapparai hervorrnien. So ivird ,ede Aeräiidermig de? Wetters voll dein Fernsprecher angeklindigt lind eili erfahrener Hörer kan» ohne iveiteres die Tongriippen »nterscheiden, di« ein« Kälteivelle oder Nebel, die heraltzieh«». an- tündigen. Diese Töne, di« durch Störungen oder elektrische Wellen, die nebenher gehe», hervorgernseli wcrdeli, begleiten alle Haupt- erschcinnngen der Atmosphäre und sind nach Zahl, Art, Stärke und Gruppierung verschieden. lind diese Wellen tömteii voll ihrem Ursprung an über eil, sehr weites Gebiet von den Anj- uahllieapparateli der drabllosen Telegraphicslnlioneii ailgezeigt iverdeu. So leistet di« Telegraphie »Im« Draht einen ganz unerwarteten Dienst: sie erlaubt ben elektrischen Zustand der Atino- sphäre z» beobachten und ivichtigc dlnhaltSpniikle für die Wettervorhersage zu enlvsallgeli. Der Meteorologe hat diese Wellen der Atmosphäre eili Jahr lang g«l,au üudiert und >var überrascht von ihrer Mannigkaltigkeit, aber auch von den besondere» Mertlnale», die sie se nach der Natur der atlnosphärischea Störungen, die sie begleiten oder die ihr vorailsgchen, anuehl»«,,. Das Herannahen des Sturmes, der Kälte, des Regens wird in den telephonischen Aufnahnieapparaten einer Station für dmhtlose Telegraphie dllrch leicht erkennbare Zeickien nngekülidigt. Eine Folge von itocfciieii und slarken Geräusche» zeigt den bevorstehenden Sturm a»; wenn die Geräusch« heiliger iverden, so hefstt das, dag der Sturm näher komml: iverden sie weniger häufiger, so entieriit er sich. Eine vorübergehende Hagelwolke rnst in deli Entpfüngern ein leichtes Rauschen hervor, feine Folge von harten Schlügen, die denllich von «nmilder „iilerschieden sind, zeigt das Siliken der Temperatur an. So nniericheidet inan ctekirische Ecscheiiinilgeii voll allei, Starke,igradcn luld von der verschiedensten Länge, wie cs mich eine „»endliche Füll« voll ineteorologisckien Erscheliinngeii gcht.
"Glndstone uiid der Kaukasus. Eine lustige Geschichte von Glndstone erzählt Sir Robert Herbert in einem soeben erschienenen Buche: „Glndstone iuteveffierte sich eine Zeit lang sehr für die Verhältnisse im Kaukasus Ich hatte einen Freund, Hauptmaii» L„ der lange in dieser Gegend gelebt hatte »nd soeben von dort znrnckgekehrl ivar. Ich erwähnte dies Gladslone gegenüber, der sogleich eifrig dariiin bat. dast ihn mein Freund besuchen (etile. Fch gab ihm also einen EinsührnligsKrief au Glad- ftoiie. Einige Tage später tra! ich Giadsloue in der Pailianienl- Stieel. Er blieb stehen und iagt« zu mir: ,„O. Sir Robert, ich bin Ihnen itnenb(ici) dankbar dafür, dass Sie mir ei,len so inter- essanlen Mann zngeschtckt haben. Ihr Freund, Haupt,uaim iveist mehr vom Kaukasus, als irgend ein aiiderer, dem ich be- gegiiet bin, und ich lmbe sehr viel von ihm gelernt/ Wenige Mi- »illeu später traf ich Hanptiuniui X. „Sie haben ja auf Glad- ftone «inen ganz gewaltigen Eindruck gemacht," sagte ich zu ihm. „So, habe ich?" fragte er. „Gewist", entgegnete ich, „er lagt, Sie wnstlen mehr vom Kaukasus als jeder andere, und er habe sehr viel vo» Jhueii gelernt." „Das ist aber seltsam," nielnte der Haliplniann kopfschnltelnd: „Ich bin dreioiertel Stunden lang bei ihm geivejeii nud habe während der ganzen Zeit nur drei Sätze gesprochen."
" D e r Z u a o e n - S e r g c a » t F» einem Leiaiigenenlager in Deutschland iverden ein paar Hundert Zuavcn sestgehalten Unter ihnen ist ei» bejahrter, wetteigehräunler Sergeant, lieber feine niedrige Stirn läntt «ine breite Narbe und aus feiner rechten (Se« sichtshülitc zucken die Nerven neuralgisch. Der Mann Kat schon eiioae hinter sich : alle Leidenjchaiten und dlbsinth Halb »engicrig, halb tetlnahmsvol! tritt der Tolineischec an ihn l»«ran mid reich! ihm eine Zigarette. Gierig greift der Franzose danach und «S ent
wickelt sich ein Gespräch : „Was waren St« früher in Ihrem Ztvy» beruf?" fragt der Dolmetscher fo nebenbei. Da lachte der aU|
Sergeant halb auf und belastet liebkosend die Zigarette. Damt sagte er: „Augenblicklich bin ich in meinem Zivilleben ein de- rühmter Damenschneider, vorher war ich Tierarzt, krüher Unl- verkitätslehrer und noch vorher Automobtllabrikant I" Erstaunt sah der Dolmetscher ihn an. „Ja," bestätigte der Znavensergeanj und blies behaglich ein paar blaue Wölkchen ln die Lust, „das ist »u» mal so bei uns im schönen Frankreich," Und er seufzte leise, Tann erzählte er : „Als ich eine Reihe von Jahren Soldat gewesen ivar und inir de» Sturm dreier Erdteile hatte »in die Nase wehen lassen, dtenle ich nur »och als Ersatzuiai,». „Nämlich," berichtet« er iveiter, „keine Herren bei »ns drücken sich vom Militärdienst. Bei ihren Beziehnnge» ist ihnen das sehr leicht. Sie zahlen ein hübsches Sümmchen und stellen einen Ersatz,nann. Da»» sind sie aller Sorgen ledig. Und ei» solcher Ersatzmann war ich. Erst dient» ich für eine» Anlomobilhändler, da»» für «inen Universitätslehrer, schliestlich für einen Tierarzt, und jetzt siehe ich tür einen Tanienschneider in der Liste. In, das Geld!" inurinelte er leise. „Wenn ich reich geivesen iväre, hätte ich mir auch eine» Erfatz- mann gelaust!" . . . Es geht doch nichts über das frmizölifche „Volk in Wasjen". _
vllchettisch.
— Die „Tageschronik des Weltkrieges", Verlag von Heinrich Hugendnbel in München, ist eine Zlisanimenstelluttg der Kriegsereignisse jedes einzelnen Tages in ganz kurzen Merk- ,»orten. Das neulich erschienene erste Heft umsatzt die Monat« August, September, Oktober. In ihrer knappen Kürze und Handlichkeit, zumal bei dem billigen Preis von nur 20 Psg. ist di« „Tageschronik" nicht mir nnsern Soldaten im Feld zu empfehlen, sondern auch jedernianu als Merkbüchlein.
— K ri e gs uu m m e r 17 der ,Illustrierten Zei- t u n g" (Verlag I. I. Weber, Leipzig). Bon ueuem stehen wir unter dem Eindruck« gcwaltig«, Erfolge unserer Truppen im Osten. Tausende und Abertausende jubeln dem grasten Führer von Hinden- burg zu mib so findet die ganzseitige Ausnahme Hindcirbrirgs mit seinem Stabe, aus der ersten Seite der vorliegenden ncncsten Kriegs- nnninier, allgenreines Interesse. In einer doppelseitigen, überaus anschaulich ausgesührten Abbildung zeigt uns W. felause nach Berichten von Angcnzengcn, wie eine russitche Kolonne in einem Wald« beim Vordringen gegen die österreichische Festung Przemysl auf ei»« Flattermine gerät, ivobei zahlreiche Feind,' den Tod linden. — Auch sonst enthält die Rümmer noch manches anschauliche Bild vom östlichen Kriegsschauplatz, so z. B. von Prosefsor Ntax Rades „Ein Gottesdienst in der verwüsteten Kirche zu Lhck" und von Wilhelm Brandes „Die Russen ans der Flnchl nach deni deutsche» Sieg bei Wloclawec". Zahlreiche photographische Ansnalimcn ivisse» un? ferner manche intcrefsantc Emzelheit von der deutsch-russischen und österc.-nngar.-russisch. Grenze zu erzählen. — Zu den lvestlichen Kriegsschauplätzen führt uns z,machst Felix Schioormstädt, der altbekannte Sonderzeichner der „Illustrierten Zeitung", durcki ein packendes Bild „Ein Nachtgesecht" im Ueberschlvemmnirgsgebiet bei Nicuport". Es folgt „Am Morgen nach der Schlackst bei Barennej in den Argonnen, in der di« Armee des deutschen Kronprinzen siegreich ivar" von dem bei der Kroupriuzen-Armee beiiiidlichcn Kunstmaler Adolf Obst, ferner „Das Gefecht an einem Eisenbahudamm bei Ehaulnes ani 23. Oktober" nach einer Bleistiftskizze eines am Kampfe Beteiligten, gezeiäniet von Professor Wilhelm Barth. — Auch vom westlichen Kriegsickianolatz enthält die Nummer anster anderem noch mehren' Photographien. — An Aussätzen nennen wir: „Die Mitsckmld Belgiens am Weltkrieg" von Professor Dr. E. Taenell, „Die wirtschaillickwn Wirkungen des Krieges" von Dr. Alfred Knhlv, „Lustsckiisse und Flugzeuge im Feldzüge 1914" von Geiieralmajvr z. T. Meyer, „TentschlandS chemische Industrie und der Weltkrieg" von Professor Tr. H. Grostman». Preis jede» Nummer l Mark, Vierteijahresabonnement Mk. 8.S0.)
Scherzrätkl.
Einen lange», scharien Schnabel lind zivei hohle r»itde Augen,
Nicht ei» Untier ans der Fabel.
Nein: zur Slvbeit must es taugen,
Weist bei Frau'n sich einzniiisten,
Täglich lehrt es die Erfahrung, lind bei mancheii Jonrnalksten Glbt das Ranblier geistig« Nahrung.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Erganzungsrütsels in voriger WumitttJI Wen» Jedem laut geschähe,
Was lels' er andern tut,
Es ginge Vielen wehe,
Und ginge Weii'gen gut.
Schrsstleitnng: Ang. Gortz - Rolalio>i»drnck und Verlag der BrnhI'Ichen lknloersltäts-vnch- »nd Glelndrnckerei, R Lange, ^sehß»


