Ausgabe 
3.12.1914
 
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An örn Akrrn der Drins.

Istvman aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die meisten der anwesenden Herren verurteilten die grobe Taitlosigteit des Fiirfteg. Besonders Dessosses war eniport iiber ihn. Aber es wagte feiner ei» Wort des Un­willens zu äußern. Dieser kleine, häßliche Mann übte eine beinahe noch größere Macht lauf die Geister aus als die schöne F-rau. Niemand wußte eigentlich so rerl)t, tver er war. Eines Tages, kurz nach der Annexion, lvar er in Belgrad ans- getancht, batte sich mit den führenden Politikern in Ver­bindung gefegt und sich als erbitterter Feind Oesterreichs erwiesen Er sprach serbisch >oie ein Eingeborener und schien ein Slawe zu fein. Ob ein Russe oder ein Sirdjlawe, das tonßte kein Mensch. Semikow. der ritssische Gesandte, leng- nete, ihn zu kennen. War er ein Agent JswolÄlps? Wer war er überhaupt? Führte er den Fürstentitcl mit Recht? Oder war er ein Abenteurer? lieber alle diese Frage» zerbrach sich ganz Belgrad den Kaps Aber der Schleie des Geheim­nisvollen, in den sich der unheimliche Mensch hüllte, diente Nur noch dazll, seinen Einfluß zu stärken. Dabei lvar er ein vorzüglicher Redner und ein Geist von dämonischer Kraft. Sv malicher unter den Diplomaten hatte gern gewußt, welche Fäden ihn mit der schonen Grekoiv verbanden; denn daß diese beide» sich nicht fremd ivaren. war nach der Szene voll mvrhin klar.

Rah selbst tat, als ob gar nichts geschehe» «wäre. Er führte die Unterhaltung in seiner herrischen, überlegenen Manier fort.

Bosnien wird sich erheben," sprach er.Die Oester- reicher stehen da auf einem Vulkan. Es handelt sich mir darum, das für den Aufstand nötige Geld zli beschaffen. Serbien hatckeins, hat nicht einmal für sich selbst genug."'

Dasselbe habe ich auch gesagt," rief Spavaitovich.

Nun, Exzellenz, lvie denken Sie über diesen Punkt?" wandte sich Rav an den englischen Gesandten.

lieber welchen Punkt, Durchlaucht, über de» Aufstand oder das Geld?"

lieber beides."

Ich habe meine Ansicht schon geäußert. Ich halte die Idee eines Ausstanides für exzellent und bin auch betreffs des Geldpunktes in der Lage, die serbische Regierung unter­stützen zu können. Allerdings, meine serbische» Freunde wer­den mir verzeihen, wenn ich offen spreche. Das Balkankomitee hat mir erst gestern mitgeteilits daß es inir mittels eines Kuriers zwei Millionen Pfund in Schecks. zahlbar in London und Paris, übersandt habe"

Großartig!" nitirmelte Paschie und strich sich voller Freude stinen Patriarchenbart.

,Fa," fuhr Blucthead fort,ich bin angewiesen, das Geld nur von Fall z,t Fall auszuzahleu---"

Was soll das heißen?" fuhr Spavaitovich aus, lvührend Paschie plötzlich krampfhaft imaginäre Stäubchen aus seinem Rock suchte und der grundehrliche Marolanowitsch verlegen de» Blick znm Fenster hinauSwaudte.

Ter Engländer, der seine Leute kannte, zuckte lächelnd die Achseln.

Das heißt, Herr Sektionsches," enlgegnete er seelen­ruhig.daß meiit Austraggeber bis jetzt nicht die Nederzen- gung gewinnen konnte, daß das von unserer Regierung zur Verfügung gestellte Geld immer ganz--zweckmäßig« Ver­

wendung gesunde» bat."

Wir brauchen sehr viel für Agitationszwecke!" mur­melte Spavaitovich, der selbst, ebenso wie sei» Minister, reine Hände hatte, aber sich doch bemüßigt sithlte, seine Landsleute zu verteidigen.

Ich bin weit entfernt davon," sprach der fürchterliche Blackhead weiter,Ihnen meine Ratschläge aufdrüngen zu wollen, aber ich halte es doch siir empfehlenstvert. meine Herren, ivenn Sie sich von Fall zu Fall mit mir besprechen würde nF

Die Serbe» erwiderten nichts. Marolanoioitsch uub Spa- bailvvich machten ernste, verlegene Gesichter, tvährend Pa- schic sich nvch immer für seinen Rock interessierte, als ob ilni die Sache nichts anginge.

Damit lvar die Beratung zu Ende. Die Herren verab­schiedeten sich voll ihrer schöne» Wirtin und verließen in abgemessenen Zwischenräumen das Hans Nur Rah blieb zurück, ohne die Gräfin erst viel uni Erlaubnis zu fragen.

Sie würdigte ihn keines Blickes, sondern gab den Die­nern ihre Befehle, den Salon zu säubern. Sie selbst schritt in ihr Boudoir Itinüber und setzte sich an das Piano, auf dein sie »lechanisch ein paar Akkorde griff. Rah schlich ihr lautlos nach und blieb an der Portiere stehen, von Ivo aus er das schöne Weib mit zynischen, immer gieriger iverdenden Blicken betrachtete Sie kehrte ihm den Rücken zu, aber jenes unbe­stimmte Gefühl, das man immer hat, ivenn nia» von rüch- tvärts ang«starrt tvird, ließ sie sich nmwenden,

In ihre dunkelblauen Augen schoß ein zorniges Leuch­ten, als sie den kleinen, abstoßenden Menschen dort stehen sah. Sein widerliches Fanngesicht verzog sich zu einer höh­nischen Grimasse, als er sich ihr jetzt näherte.

Was iivollen Sie noch hier?" fragte sie in eisiger Ruhe. Sie ivtssen. Sie sind mir ekelhaft!"

Rahs Grinsen wurde noch breiter, noch tückischer.

Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie nicht endlich ein« ehen wölken, daß es besser ist, sich nrit mir zu vertragen?" agte er.

Wenn Sie sich nicht entfernen, lasse ich Sie durch meinen Diener hinausiversen!"

Der Fürst ließ sich behaglich in einen Sessel nieder, lvie ivenn sie ihm die größte Schmeichelei gesagt hätte.