jfln den Akern der Drins.
Ronuni aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
2 . Kapite l
Die Herren blieben sämtlich in der Gesandtschaft zu Tisch. Die ernste Stimmung verflog bald wieder und inachte einer heiteren, beinahe übermütigen Platz. Man lachte, erzählte Anetooten, öie nicht gerade in ein Mädchenpensjonat gepasst hätten, und verniied mit seinem Takt alles, tvaS vielleicht zu einer ernsteren Wendung der Unterhaltung! hätte fuhren können. Alster schwarze Kaffee absolviert war und die ersten heimatlichen Trabukos mit ihrem blauen Gewölk daS behagliche Zimmer erfüllten, setzte sich Lohn- sperg ans Klavier und spielte fesche Wiener Walzer und Weisen Die alten Märsche stimmte er an, die immer erklungen waren, wenn österreichische Regimenter zum Sturm gegen die Feinde angesctzt hatten, den flotten „HochHabs- bnrg" den unwiderstehlichen „Radetzky" und den feierlich klingenden „Prinz Eugen". Und während die Straßen von den feindseligen Ruse» der Menge widerhallten, sangen die Oesterreicher mit ihren deutschen Kameraden:
. ' „Prinz Eugen, der edle Ritter,
Wollt' dem Kaiser wiederkriegen Stadt und Festung Belgerad."
Desider aber verschwand still und unauffällig. Er wußte, die Freunde würden ihm die scheinbare Ungezogenheit verzeihen. Er eilte die jetzt noch stille Kronenstraße, in der die Billa deS Kronprinzen lag, hinunter und bog in die Fürst- Michael-Straße ein.
Aber schon von ferne hatte er das immer lauter iver- dende Schreien und Singen der Demonstranten gehört, die von dem Meeting her zum Kronprinzen zogen. Er hoffte, noch vor dem Zuge die Hauptstraße zu erreichen, um von hier aus ungehindert sich nach der Toptschilder Allee wenden zu können. Allein, als er auf die Fürst-Michael-Straße kam, Ivälzte sich ihm bereits ein breiter, anfgeregter Menschcn- strom entgegen.
Voran schritten ein paar Burschen in Nationaltracht, die große Fahnen mit Inschriften trugen. Auf der einen stand: „Das Vaterland ist in Gefahr!" Auf der anderen: „Krieg gegen Oesterreich!" „Befreit das unglückliche Bosnien!" war aus der dritten zu lesen. Die Fahnen flatterten hoch ini Winde, und ihreTräger machten stolze, feierliche Gesichter.
Hinter ihnen kamen, voll Würde, die Mitglieder des „Ausschusses für nationale Verteidigung" mit ihrem Präsidenten Nuschie an der Spitze, einem kleinen Man», der Triumphatorblicke um sich warf. Dann als Ehrengäste die Italiener, Gevatter Schuster, Tischler, Drechsler, die heute nichts zu arbeiten hatte» und daher ausgezogen lvaren, Serbien aus den Klauen Oesterreichs zu retten. Sie wurden
geführt von einem ganz alten, ganz kleinen, ganz vertrocs- neten Männchen, dein Garibaldianer, der sein rotes Henid mit einer Unmenge klingender Medaillen behängt hatte. Bon Zeit zu Zeit hob er seinen Regenschirm, den er sonst zur Erinnerung an alte Zeiten martialisch geschultert hielt, und' ans dieses Zeichen schrien seine zweihundert Mann: „Abassv Austria!" Woraus die Serben antworteten: „Dole Austria?" Dann brüllten die Italiener: „Evivva Serbin!" Und die Serben replizierten: „Zivio Jtaliani!" Das ivar ungeheuer erhebend und begeisternd.
Hinter den Italienern kanien die „Todeslegionäre", die Auserwählten des serbischen Volks, die geschivoren hatten, entweder zu siegen oder zu sterben. Da ihnen aber noch immer keine Gelegenheit dazu gegeben war, weder zu dem einen noch zu dem anderen, begnügten sie sich damit, täglich ihren Sold einzukassieren und ihr zukünftiges Heldentum irr den Straßen der Hauptstadt spazierenzuführen. Sie exekutierten ein mächtiges Geschrei und hauten die Füße auf das holprige Pflaster, daß die Fensterscheiben ini Konak klirrten.
Den Schluß bildete ein regelloser Haufen, zumeist ans halbwüchsigen Burschen bestehend, die Zerrbilder ans Kaiser Franz Josef vor sich hertrugen und die Panse» zwischen den nationalen Gesängen mit Schreien und Johlen aussüllten. Sie sollten augenscheinlich in den, Zuge bas serbische Volk repräsentieren.
Das ganze war so gemacht, so wenig aus der Seele dev Masse heraus, daß Desider sich unwillkürlich seiner Worte in der Gesandtschaft schänite. Diese Männer, halb .Hans- Würste, hash arme Teufel, diese Gassenjungen, die wagten es, im Namen des serbische» Volks anfzutreten? Und ihr Geschrei und ihre Phrasen wurden von den Jeitungskorrespon- dente» in die ganze Welt Hinaustelegraphiert und inachten sie zittern! Waren diese Leute wirtlich .Komödianten oder waren sie Narren, arme, bedauernsiverte Narren, die ihr Land ins Verderben rissen!
Eng an die Mauer eines kleine» Hauses gedrückt, staut» der junge Ossizier, um vom Strome nicht initgerissen z» werden, aber als die große Menge sich heranwälzte, wurde er doch vom Wirbel gepackt und fortgezogen. Er konnte nichts Besseres tun, als sich nickst dagegen zu stemmen: ini Nu war er in der Masse eingekeilt und fühlte sich mit vorwärts ge-« schoben. Zur Billa des Kronprinzen ging'».
Dort stauten sich in der schmalen Straße die Hausen- Ein tausendstimmiges „Zivio" stieg auf, und die Fahnen wurden geschwenkt. Da» serbische Bott erwartete seinen Helden. Und programmgemäß ösfnete sich in der kleinen unscheinbaren Billa ein Fenster, das schmale, scharf gezeichnete Knäbenantlitz des Kronprinzen erschien, und still ward'S unter der aufgeregten Menge, mäuschenstill.
Der Kronprinz aber sprach mit weithin vernehmbarer Stimme:
„Brüder! -Ich danke euch, daß ihr gekommen seich um mir eure Treue zu beweisen. Seid versichert, daß ich ebeilso fest zu euch halte wie ihr zu nt in! Da,S serbische Volk fühl t


