Ausgabe 
28.11.1914
 
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SIS

raschem Schritte eilte sie vorwärts über den Kies. WS treib» sie die Scham von Erdmuthe fort.

In einer blühenden Geisblattlaube blieb sie aufatmend stehen. Sie ergriff einen der lose herunterhängenden Zweige und drückte einen Büschel der duftenden Blüten gegen ihr« heiße Stirn. Dann richtete sich ihre prachtvolle Gestalt hoch auf. Einer Fürstin gleich stand sie Erdmuthe, die langsam herankam, gegenüber.

Erdmuthe! Ich würde keinen Augenblick zögern, zu ihm zurückzukehren und ihn um Vergebung bitten, weil ich ihn verlassen! Aber so beschimpft durch ihn selbst so verzerrt wie ick, mein Bild in seiner Seele sehe, so vermag ich's nicht. Selbst wenn er beute meinen Versicherungen Glau­ben schenken würde, morgen würde der Zweifel dock wieder in seinem Herzen emportanchen und das ertrüge ich nicht! Jede Ehe braucht das höchste gegenseitige Vertrauen, um eine glückliche zu »verden. Die unsere doppelt. Sein Vertrauen aber ist in seinen Grrmdscsten erschüttert. Lassen Sie uns beide getrennte Wege gehen!"

Erdniuthc erblaßte.

Toska! Verscherzen Sie Ihr Glück nicht! Otto lebt Ihnen noch! Tagen Sic mir ehrlich, steht noch etwas aw- deres zwischen Ihnen?" rief sie mit eindringlichem Flehen.

Nichts! Nichts!" Mit einem geauälten Ausdruck schüt­telte Toska das blonde Haupt. Tiefe todwehe Müdigkeit in den Augen, senkte sie ihren Blick in den Erdmuthens.Der Koloß, der sich zwischen mich und Otto geschoben, er ist in sich zusammengestürzt. Er riß meinen Vater mit in den Zu­sammenbruch hinein. Der ist nun tot. Und lebte er, so würde er heute meine Ehe segnen!" Und rascher, indem ein leichtes Rot ihr blasses Gesicht überzog, fuhr sie fort:Aber ivenn sich auch die ganze Welt zwischen mich und Otto drängmi wollte, heute würde ich doch den Weg zu ihm finden wenn er nicht selber die Brücke zwischen uns abgebrochen -- !"

Toska schwieg, die feinen Livpen auseinandergcpreßt, das Auge am Boden, lind auch Erdmuthe schwieg, tiefe Trauer im Herzen. Es war so still zwischen den beiden Frauen, daß man die Bienen summen hörte, die die Blüten mit süßem Liebesioerben umgaukcllen Ein paar Schmette» linge taumelten kosend dahin. Ecu schiorrer süßer Dust hing in der Luft. Hoch stand die Sonne am Himmel. Der ganze Garten atmete auelltieses sonimersattes Leben.

Erdmuthens Herz zog sich zusauimen. lind die, die da wie eine Königin des Lebens und der Schönheit vor ihr stand, die sollte ihre Tage in düsterer Trauer verbringen? Jetzt, wo es noch Zieit für sie war, glücklich zu sein?

Toska, wollen Sie mich morgen nachmittag auf eine Stunde besuchen? - Sei es auch nur, um voneinander Ab­schied zu nehmen. Ich kann Ihnen heute noch nicht kür immer Lebewohl sagen!"

Toska hob die Lider.

Gern werde ich kommen." Sie streckte Erdniuthc di»

t and entgegen.Wie einsam wird es dann um mich sein!"

röstelnd im heißen Mittagssonnenschein zog sie die Sckub- trrn zusammen. Noch ein Händedruck.Also auf morgen denn!"

Ja, bis auf morgen!" (Schluß folgt.)

vermochte».

" Rumänien - ei » » eue « Goldla » d. Runiäniei, galt schon im Altertum als Goldland, doch ist bl« in die neuest« Zeit, vor allem ans Mangel a» Kapital, wenig zur Ausbeute der Goldlager getan worden. Scho» die Römer entdeckten in dem damalige» Dazten in den Flnßlänien Gold und belasten sich mit dessen Ausbeute, indem sie die Einheimischen zuni Schürse» an­hielten. Tie Fm,de sollen recht beträchtlich gewesen sein. Wird doch die Sage vom goldenen Blieb damit in Eiirklang gebracht da die LandeSbcwohner di« Gewohnheit halten, das gesunden« Gold vor den Röinern in di« Wolle ihrer Schale zu verliecteu. Jetzt hat man tm Norden de» Lande», an der rumänischen Grenze, ivteder begonnen, die Goldseider auSzubeulen. So sind mit lehr rinlachen Mitteln bel Schürioersuchen im Gebiete von Balcea gegen 40 Kg. Gold zutag gelördert ivorden. Man prägte, wie der Prometheus" erzäbit, aus Hm«» eine Denkmünze, die dem ver­storbenen König Karol überreicht wurde. Auch Geldstücke z« 1V und AI Lei wurden geschlagen und zum öüjährigen RegternngS- inbiläum de? verstorbene» Königs lm Jahr« 1916 wollte nian an! neuere» Funden wiederum goldene Denkmünzen prägen.

Otto Weddtgen» schneidiger Humor. Man schreibt »ns: Das war ein iröhllches Leben am Strande von Swtnemünde tn der Hochsaison de» SomnierS 191.1 Am

lebendigsten ging e« immer zu, wenn v. M. viffztrr« zur Cd im der längt der Küste manövrierenden Krieg»flotte zu Urlaud och

Land kamen. Dann waren sie schnell der Mlitelvunkt eine« Kreise» von jungen Mädchen, deren unzertrennliche Geiährlen tn Sporch Spiel und Tanz sie mit der Zelt wurden. Dt« größte Roll« unt»» ihnen spielte der Kapitänleutnant Otto Weddtgen, der immer voll»» Unternehmungsgeist und lustiger Etniäll« steckte. Tine« Nachmittag! hatte er die jung» Schar zu einer Besichtigung leine» Untersee­boote» «ingeladrn; eS warv 9", dessen Heldentaten zusammen mit denen Ihre« Kommandanten jetzt die Welt erillllen. Alle! wurde mit grobem Interesse besehen, die Ossiziere waren unermüd­lich im Erklären.Was ist denn das ?" fragt» «ine der jungen Landrallen den sie lübrenden Kapitänleutnant Weddlgen und zeigt« aui den aus Deck liegenden großen Telephonballon. (Der Telephon« ballon der Unterseeboote steigt bei einem EchtffSuniall zur Wasser­oberfläche empor und bezeichnet so die Stelle, wo daS Boot ge­sunken ist.) »Da«, inein gnädiges Fräulein, ist unser Leickienstein", lcmtete die Antwort. Und als dein Sprechenden erschrocken« Blicke begegneten, fuhr er lustigeti Tones fort: »Ja, mein« Damen, ivas habe ich Ihnen gesagt? Wir sind hier so komplett »nd s» sehr mit alleni Konckort emgerichtel, daß wir sogar unseren Leichen­stein gleich bei unS haben 1* Schneid im Scherz und Schnrid tm Ernst, dar sind unsere Helden zur See!

vüchertisch.

Wo sind unsere Gelehrten? Infolge de» Kriege! haben viele unserer geistigen Führer ihre Forscher- und Lehrtätig­keit anigegebe», um dem Ruse zur Fahne Folge zu leisten oder ihre Kräite sreiwillig tn den Dienst de« Vaterlandes zu stellen. Eine Reihe namhaiter Gelehrter beiand sich bereit? bei Kriegsausbruch a»i Forschungsreisen und können jetzt zum Tei! nicht zurück. Um über de» jetzigen Ruienthalt und Wirkungskreis unjerer Forscher und Universitätslehrer Freund«, Bekannte und Schüler zu unter­richten, veröffentlicht dieUmschau", Wochenschriil über di« Fortschritte in Wissetlschast >:nd Technik (Franksurt a. M.) neuer­dings alphabetisch geordnete Verzeichnisse über die derzeitigen Adressen unserer Gelehrten, inil Angabe ihrer Tätigkeit seit der Kriegs­erklärung. Bei de,n hohen Jntereffe, ivelcheS da? ganze Volk an unseren geistigen Führern »im,nt, wird diese Einrichtung vielen willkommen sein; bietet sie doch die Möglichkeit, auch während bei Kriege« Beziehungen z» unserer Gelehrtenwelt zu unterhalten.

Lied.

Im Osten erhob sich«, iurchlbar >md groß,

Ein blutiger Reiter, ein blutige! Roß,

Umlodert von düsterem, flackerndem Schein,

Jagen sie ivild in die Welt hinein.

Die Saaten verdorren in praffelnder Glut,

Es dampien die Felder von irischem Blut,

ES pseisen die Kugel», es iviehern die Pferde,

Und tausend Tote decken die Erde.

Die Brüder stürme» darüber HM.

BorivärtS", eS gebt nicht uni Gut und Gewinn,

ES geht um die Freiheit der deutschen Lande.

Da stürmt e« herbei von der Nordsee Strande,

Aus Preußen und Bayern, von Elbe und Rhein,

' Und stürzt sich voll Mut aus die Feinde hineM.

Ihr habt uns gezwungen, ihr wolltet den Krieg,

Wir wollen mehr, wir wollen den Steg.

Wir halten de» Schwur und lösen ihn et»,

Wir lallen »nd siegen alsWacht am Rhein." RethonvillerS, 5. Oft. Otto Neurath, eand. phil

z 3' >m Felde krlegsfreiw. Dragoner.

Magischer Anadral.

In die Felder nebenstehenden Quadrat! sind die Buchstaben AEEEEEIKLLNKBR U T derart einzntragen, daß dl« wagerechte» u, senkrechüReiden gleichlautend salzende» bedruten:

1. Einen Raubvogel.

2. Fluß in Norddeutschland.

8. Eine Kulturpflanze.

4. Weiblichen Vornamen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Auigab« in voriger WumflWti Weiß Schwarz

1) L f 8 e 2 Xk7-k8oderAiund»)

2, D a2 a 8 + T e 6 e8

3) Di8f8+ und matt.

A) 1)...... Kf 7 *8

2) Da8 a 6 + Ee8S7 oder k7

8) L e 2 n. b 5, oder DaS p 8 setzt Matt.

S) 1)...... K 17 g 6

2) D a 2 n. e 8 4- K g 6 g 5 8) D e 6 f 6 -f unb Matt.

Schrlstlettnng: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnIversitätS-Btich- und Stetndruckerel, R Lange, Gteßrn.