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der btaufeibeiien Bettdecke (aat’ii, dampften sich zusammen, ohne sich doch zur Haust schließe» zu liSttnm. „Einst Habs ich viel von ihm gehalten!" Schwer sank das Haupt in die Kissen
J urttd. „Toska — Kind — ich bi» so milde." Bor tiefer Er- chöpsung sielen die Augen ihn« zu. „Ach! Was haben uns lese hundert Tage für Leid und Gram gebracht!"
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Inzwischen hatte der Kamps um Jssy bis in die tiefe Nacht hinein gedauert. Endlich, endlich- Idar es den Fran- zosen entrissen. Wer kaum, daß die erste Morgenröte des nächsten Tages den Himmel säumte, stürmten lie mit dem Mute der Verzweiflung von neuem heran, um die Preußen wieder aus dem Dorfe hinauszuwerfe». Ein letzter heißer Kampf entbrennt. Das tapfere Korps Zielen blieb Sieger. Bis an die Barriere von Paris Wersen seine Brigaden die Gegner zurück.
Und Blücher, der mit seinem Stabe auf den Höhen des Schlosses Meudon hält, Blücher läßt mit Sturm auf die Hauptstadt Frankreichs drohen, wenn sic sich nicht augenblicklich ihm ergebe! Da hissen die Pariser die weiße Fahne auf. Das Feuer schweigt. Ein Unterhändler läßt sich beim General Ziele» melde» — er wird zum Feldmarschall ge-
Ö rt. Ein Wassenstillstand unter der Bedingung der Ueber-- e von Paris wird von dem greisen Helden schmunzelnd Angenommen, und die Generäle und Debütierten werden zur näheren Vereinbarung der Kapitulation »ach dem Schlosse St. Clond eingeladen.
Ueber der Talsenkuug von Jssy steigt die glühende Sonne gen Mittag. Alles Kampfgetöse ist verklungen. Zu letztem Freundesdienst machen sich die Ueberlebendcn bereit.
Gedämpfter Tronimelschlag schwebt über die Wahlstatt bin. Nun ein düstrer, schlverwncytender Trauermarsch, aus dem sich endlich die schlichte und doch so ergreifende Weise löst:
„Ich halt' einen Kameraden,
Einen bessern find'st du nicht!"
Die brandenburgischen Ulanen wollen ihre Toten beerdigen. IN langein Zuge schreiten sie hinter dem Wagen hin, auf dem ihre Gefallenen gebettet sind. Lauter Tapfere sind es. Darunter einer, der ihnen am liebsten war: Dev Rittmeister Ulrich Erlen.
„Eine Kugel kam geflogen.
Gilt es mir oder gilt es dir?
Ihn hat sie weggerissen -- "
Gottfried Schneider schreitet in der ersten Reihe. Sein Mund singt das schlichte Lied mit — nein! seine Seele singt es mit erschütternder Inbrunst. Das, was er singt, — ihm ist das ja tiefstes Erlebnis geworden.
„WM mir die Hand noch reiche» —
Derweil ich eben lad'.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew'gen Leben Mein guter Kamerad." —
Der Wagen hält. Die Toten werde» herabgehvbe». Sie werden in die offenen Gräber gesenkt. Ter Feldprediger tritt an die Grüfte und hält eine kurze ergreifend« Ansprache.
„Laß uns nicht trauern um diese Toteu, die lebten, die dieser heilige Krieg erheischt. Sie starben den schönsten Tod, den Tod fürs Vaterland. Laßt uns nicht trauern! Aus ihrem Blute steigt der Freiheit Morgeurot eurpor siir uns und unsere Kinder unsre Enkel! Wißt ihnen Dank dafür — Euer Lebelang! Ehrt sie Dag für Dag durch ein Pflicht.» treues, gottfü richtig es Leben!"
Die Salve» krache» — Freundeshände loerfen als letzten Gruß die Handvoll Erde hinab in die Gräber. Fast ehrfurchtsvoll schreiten die Kameraden dabei an Gottfried Schneider vorüber, der an dem einen Grabe stecht. Ungebeugt in aufrechter Haltung. Stur die Lippen zucken und die Hände fthlingen sich in heißem Wschiedsweh ineinander. Sein Auge hängt an dem teuren Antlitz da uirteit; auf dem ein so wunderbarer, leuchtender Friede ruht.
Ist es nicht, als ob es zu ihr hinaustärchle:
),4Jraure nicht, mein guter Kamerad! Mein liebes teures Weib. Ich starb mit Freuden für unser Vaterland! Es ist frei! Freil Traure nicht, Erdmuthe! Daheim wartet unser Kind! Erziehe es in unserm Geist«, in unserer Liebe — Und immer, immer bin ich. bet dir, bei euch!
Nun rinnen doch ein paar schwere Dränaii langsam über Gottfried Schneiders .Wangen Noch einmal grüßt er mit den Augen hinab
Leb wohl ! Leb wohl--
Dann tritt er mit todblassem Antlitz, aber erhobenem Hauptes zurück. —
Da erst wird! er es wie durch einen Schlpier gewajhir; der Feldmarschall rettet mit seinem Stabe vorüber, Im Schritt — die Feldmütze lüftend. Sei» großes blaues Auge umsängt die offenen Gräber mit einem herzbewegenden Ansdruck, in dem Trauer, Stolz und Dankbarkeit sich mischen.
Erst weiterhin hält er sein Pferd an und Ivendel sich mit der Frage nach dem Rainen der Gsefallenen an einen der Ulanen. Als er die Antwort erhalten, lüftet er noch einmal die Mütze und grüßt feuchtschimmernden dknges zu de» Gräbern hinüber.
*
Einige Stunden später steht Erdinuthe, noch immer in der Uniform eines Unteroffiziers der Freiwilligen Jäger, an einem der hohe» Bogenfenster eines kleinen Saales des Schlosses St. Elond. Auch jetzt noch liegt in der Haltung/ ihres hageren Körpers nichts von Gebenglheit. Aufrecht hält sich der Kopf aus den eckigen Schulten,. Jsa>, es spricht ein Etwas von stolzem, loenn auch schmerzvollem Glück anS Wese» und Geberde, eine stille Größe, die aus der Seele strahlend, sie wie eine undefinierbare Atmosphäre umgibt und ihr eine geistige Schönheit verleiht, die ihre hartknochi- gen, unschönen Körpersormen vergessen läßt.
In tiefem ernsten Sinnen blickt sie wie vor zwei Tagen hinab auf das herrliche Landschastsbild tief unten zu ihren Füßen, hinab auf das Häusermeer von Paris, das die Kuppeln seiner Donie überragen, an dem die blaugraue Seine, vom tiefen Grün des Bois de Boulogne umschlungen, vorüberrauscht, über dem im Hintergründe das düstre Wahrzeichen des Montmartre droht und dann auf Jssy— auf Jssy, vor dessen Toren ihr qualvolles Ahne» zur Wahrheit wtirde, Jssy, das mit blutigen Lettern in ihr Herz eingegraben.
Träne» verdunkeln ihren Blick. —
Aber nun kommt mit einem Male ein hochgespannter Ausdruck in ihr Gesicht. Doch alsbald läßt die Spannung wieder nach — sie schüttelt das Haupt.
Eine Täuschung war's! Noch immer bleibt draußen auf den langen Korridoren alles ruhig. Sie müssen noch immer nicht fertig sein! Seit nahezu vier Stunden verhandelt de« Feldmarschall nun schon niit Frankreichs Abgesandte» um die Bedingungen der Kapitulation von Paris!
Wie hätte Erdmuthens Herz sich nicht dankerfüllt dem Höchsten zuwenden sollen bei diesen, Gedanken?!
Wer hätte wohl ein so rasches Ende des Krieges sich träumen lassen, damals, als die Kanonen von Thionville die Rückkehr des Verbannten von Elba in seine Hauptstadt verkündeten? Nicht mehr als hundert Tage waren seit jenem LO. März ins Land gegangen, da er unter dem tosenden Jubel der Seine» in Paris eingezogen biö zu dem Tage, dal er ein Geschlagener Gottes, von allen verlassen in die Hauptstadt Frankreichs zurückkehrte, nein! zurücksloh!
Was hatten diese hundert Tage der Welt für Enttäul- schungcn, für Gram und Leid — aber auch für Jubel unl» Glück gebracht!
Und >vas für Gram und Leid, was für Jubel und Glück erwuchs aus ihrem Schoße! —
Preußen war frei! Frankreich, das übermütige Frankreich Napoleons lag besiegt, gedemütigk ini Staube! Unh daß das so war, das dankte Preuße» vor allem dem zähen, zielbewnßtcn Millen seines Blücher.
(Fortsetzung solgt.)
Der „schwäbische Newton".
Z» Julius Robert Mähers 100. Geburtstag (26. November,, Von Dr. Georg Kuhn.
An dein deine», bei Heilbronn in den Neckar sließeiiden PstthR bach spiele» die Kinder und setzen Wasserrädchen in Bewegung, durch deren llmdrehuug dann wohl auch andere kleine Gegenstände tu Gang gebracht werde». Ein Ittjähriger Junge ist besonders eifrig a» der Arbeit. In Poppes „Physikalischem Jugendsreund", de» ihm der Vater zu Weihnächte» geschenkt, hat er von der Archimedischen Schraube gelesen, und er läßt nun über die an> Wetlbaui» feinet Wässerrädchens angebrachte Schraube ein großes Kammrad laufen, in das lvieder ei» kleines eingreist, uni de» Verlust an Geschwindigkeit auszugleichen Würde die also geloonuene „Kraft" aus dn anderes großes Kam mrad übertragen und so weiter fort, so mau


