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I» flch in eifrigen, GrüLeln aus, «S müht« sein kleines Wasse» tädchen beliebig schwer« Werke treiben, und dann bat er das geheimnisvolle „Perpetuum mobile" konstruiert, von vem er so viel gehört. Aber sein Kindertraum wird dem kleinen Mann rasch zerstört, als ihn der Vater belehrt, daß bei der Uebertraguna von einem großen Kammrad auf ein kleines so viel an „Krait'^ verloren geht, als man an Geschwindigkeit gewinnt, und nachdenklich prLgt er seinem jungen Verstände ein, daß mechanische Arbeit sich nicht aus nichts erzeugen läßt • . .
Tiefer Sinn liegt oft im ktnd'schen Spiele! Dieser Knabe, der Sohn des Apothekers Mäher aus Heilbronn, der sich aus der Lateinschule lieber mit mechanischen und chemischen Versuchen als mit unregelmäßigen Verben beschäftigt, erkennt in solchem frühen Erlebnis die Sinnlosigkeit eines lahrhundertelang heiß um» Grittenen Problems und empfängt so den Keim zu der Auffindung tincs Naturgesetzes, das die Unmöglichkeit deS „Perpetuum mobile" »«weist und die gesamte Naturforschung auf eine neue Basis stellt. LO Jahre später war aus dem Knaben am Pfühlbach der Entdecker »es Prinzips von der Erhaltung der Kraft geworden, den man mit anten. Recht den „schwäbischen Newton", den „Galilei des 19. Jahrhunderts" genannt hat.
„Wie könnt' auch nur ein kleiner Teil des Urstosfs aus dem AU entfliehen!" hatte bereits der Römer Lucrez in seinem Lehrgedicht „Von der Natur der Dinge" ausgerufen und weiter daraus geschloffen, daß die Summe aUer Bewegungen unveränderlich sei: „Keine Gewalt ist fähig, die Summe der Dinge zu ändern." Aber ' cke jäh auftauchende Ahnung der Wahrheit war rasch wieder im _ ntenströme versunken, wie das ewige Suchen nach den: „Perpetuum Mobile" bewies, nach einer Maschine, die, einmal in Bewegung ebracht, für aNe Zeiten Arbeit leistet. Andeutungen von dem Beleben eines Gesetzes, das jede Krastentslehung aus dem Nicht? auS- chloß, waren zwar schon in der Philosophie vorhanden: DescarteS att« als Forderung der Erkenntnis, daß es nichts Neues in der latur gebe, das Gesetz von der Erhaltung der Bewegung ausge- lellt, Leibnitz daS Gleiche von der „lebendigen Kraft" betont und »uch bei Kant spielt der Begriff als „die Erhaltung der Substanz" «ine Rolle. Durch den großen Ehemiker Lavoisier war die Unzerstörbarkeit des Stoffes zu einer feststehenden Tatsache der Naturkunde geworden. Mer erst Julius Robert Mayer hat die allgemeinste unbkdingte Gültigkeit des Gesetzes erwiesen, nach dem die Quantität der in dem Naturganzen vorhandenen wirkungsvollen Kraft unveränderlich ist, tveder vermehrt noch verinindert werden kann. Ihm gebührt der unvergänglich« Ruhm, dieser Erkenntnis, die die Welt gleichsam wieder auf feste Füße stellt«, sic in einen unverrückbaren Rahmen einschloß, als erster di« Bahn
i ebroche» zu haben: all die zügellosen Schwärmereien der Natur- chilosovhie, die mit unbekannten geheimnisvollen Kräften wnnder- ichen Hokuspokus trieben, waren nun sinnlos geworden, alle in ifr Welt wirksamen Mächte offenbarten sich nun in ihrer letzten lnwandelbarkeit. Der Bringer dieser neuen Geistessonne aber, ein anderer Prometheus, hat auch das tragische Schicksal des großen Lichtspenders an sich erfahren müssen: wir feiern heute in ihm «inen Märtyrer der Wissenschaft, der zusammenbrach unter dem Widerstand »er Ungläubigen und der Widersacher und dem Glück und Ruhm zu spät kamen.
Wie der vonr Baum fallende Apfel, der Neivton zur ersten Ersassiing des Gravftationsbegrisses ftlhrte, war es auch ein höchst Unscheinbarer Anlaß, der in dem „schwäbischen Newton" den „Gedankenblitz" seiner großen Entdeckung entzündete. Er hatte In Tübingen Medizin studiert und sich dabe, mit Lavoisiers Theorie von der physiologischen Verbrennung viel beschäftigt. Danach unterliegen die Nahrungsmittel im Körper einer lang- Wtit Verbrennung, deren Folge die Körperlvärme ist. I« mehr ärnre der Körper nach außen abgibt, desto intensiver muß die nere Verbrennung sein. Mayer ging imn als junger Schiffsarzt holländisch-indischen Kompagnie nach bei, Tropen und lieh ,,t die Schiffsmannschaft oft zur Ader. Dabei stellte er sest, daß as menschliche Mut in der heißen Zone eine hellere Färbung aufwies, als zu Hause. Diese geringfügige Ernz«lbcobachtung ftlhri« ihn bet scharfem und konieguentem Nachdenken »n den denkbar allgemeinsten Gesichtspunkten, zur Entdeckung eines Natur- Gesetzes. Ta die Wärmeabgabe des Körpers in den heißen Ländern
£ n» von selbst verringert fft, so wird auch seine Wärmeentwick- »g -Nachlassen und damit der Farben,,MerscknÄ, »wischen venösem Und materiellem Blut kleiner sein. Tie Taffache gab Mayer viel zu denken. Das Studium des Msiologischen Verbrennungspro- tzesses leitet« ihn auf die Frage, ob es noch andere Wärmeauellen tue Körper gebe, und er fand sie in der körperlichen Arbeft. Je jä physische Kraft der Mensch verbraucht, desto stärkere Ver- ..nnung muß er durch größere Nah-rungszutuhr erzielen. DeS- olb ist da? ErnährungsbcbürfniS in kalten Ländern größer als warmen. Wie sich so dem jungen Forscher fern von der nvi der feine Mechanismus des menschlichen Organismus im- Ski deutlicher offenbart«, erkannt« er den Zusammenhang »wischen feämte und Arbeit und daß die eine Kraft mir in die anders übergeht, daß nichts im Haushalt der Natur verloren wird und Ubchts NeueS hinzukomlnt. D«r Grundgedanke des neucn Gesetzes war da, und er sprach ihn unbeholfen und unklar auS in ernem Minen Aufsatz „Benwrtzmgen über die Kräfte der imbelebten
Solange er fein« ivekwewegenden ydeen in flch entwickelt, gehegt und gesördert statt«, war er glücklich gewesen im Gefühl der Schöpserfveude und des großen Wurfes, der ihn» gelungen. Kaum aber trat das Kind seines Geistes ans Licht der Welt, da begail» sein Leidensloeg in der rauhen Wirklichkeit. Boggendorf, der Herausgeber der angesehensten physikalischen Zeitschrift, lehnte die Schrift des unbekannten jungen Mannes ab und in den von den Chemikern Ltebig und Wöhler herausgcgebenen „Annalen" fand ne dann einen nicht recht passenden und ziemlich unbeachteten Unterschlupf. Mayer hatte sich unterdessen als Arzt niedergelassen und geheiratet. Schon 1844, zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten AuffatzeS, hat er eine neue Schrift fertig, die unter dein unglücklichen Titel „Tie organische Bewegung in ihrcin Zusammenhang mit dem Stoffwechsel" seine-bedeutendste Leistung entstielt. Hatte schon der Amerikaner Thoinpson, der als bayerischer General unter dein Namen Graf Rumford eingehende Versuche über Kanonenbohrung anstellt«, die Einsicht gewonnen, Bewegung könne in Wärm« umgesetzt iverde>l, so erwies Mayer die Aegiiivalenz zwischen Wärni« und mechanischer Arbeit und zeigte, baß scheinbar verschwindende Wärm« sich in Energie umsetzte, icheinoar verschwindende Energie in Wärme, daß Bewegung Me Temperatur eines Körpers »u erhöhen vermöge. Man erklärte ihn danials, wie Ltebig erzählt, in Heidelberg und Karlsruhe für «inen Narren. Ein Professor der Physik sagte ihm, uni ihni das Sinnlose seiner Anschauung »u beweisen, wenn er Recht hätte, dann müsse ja Wasser, in einem Gefäß geschüttelt, erwärmt werden. Worauf Mayer süllschweige,id wegging, das Experiment ansführte Und dann in das Studierzinrmer des anderen mit der Erklärung zurückkehrt«! „Es tscht so!" WS fein wtchttgster Verdienst hat er selbst immer hervorgehoben, daß «S ihm, ohne Versuche, gelungen sei, das mechanffche Mantvolent der Wärm« zu berechnen.
Gerade darin machte ihm aber der englische Physiker Joule die Priorität streftig. Gr gab 1847 der Pariser Akademie von seiner zahlenmäßigen Bestiimnung des Aeguivalenzwertes Nachricht, und als nun Mayer demgegenüber sein Entdeckerrecht betonte, nahmen weder die Akadeinien noch Joule von seiner Erklärung Notiz. Ein jüngerer deutscher Physiker Seyffer behandelte den „Dilettanten" in etneni ebenso brutalen wie ungerechten Angriff sehr von oben herab, indem er seine Arbeiten als „vollkommen! unwissenschaftlich" bezeichnet«. Noch schlimmer war es aber für Mayer, daß ein unendlich viel höher stehender Forscher, Hermamt Helmholh, der mit einer mathemaüschen Charakter tragenden Abhandlung über die „Erhaltung der Kraft" hervvrtrat, seinen! Namen überhaupt nicht erwähnte. Helmholtz ist weaen dieses gewiß auffälligen Umstandes, besonders von DÜHrrng, maßlos angegriffen worden. Aber wenn man ihn des böswilligen Verschweigens anklagte, so hat man ihm Unrecht getan. Er wußte damals, wie Siegmund Günther in seiner Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften betont, von Mayers Arbeiten noch nichts und hat später rückhaltlos anerkannt, daß Mayer zuerst „unabhängig und selbständig den Gedanken aefunden, der den größten neuen Fortschritt der Naturwissenschaft bedingte". Diese nachherige Anerkennung verinochte freilich nicht gut zu machen, was die allgemeine
t etzc der Fachgelehrten gegen den genialen „Outsider"' verschuldet.
or der Wissenschaft schien der mehr philosophisch denkende als mathematisch rechnende Geist, der sich der Größe seiner Ideen klar bewußt war, gerichtet. Ms ein echtes Genie halte sich Mayer, ein tief religiöser, unendlich gütiger Mensch, viel vom Kinde bewahrt, so eine besondere Zartheit des Empffndeirs, einen sesten Glauben an die Gerechtigkeit und Darnionie des Daseins. Nun ües im Innersten getroffen »nd wehrlos der Roheit der Welt ausgesetzt/ in seiner Nervenkraft durch traurigste häusliche Ereignisse untergraben, brach er unter den, Pamphlet Seyfsers wie unter dem Todesstoß zusammen. Er verfällt in Melancholie, springt zum zweiten Stock seines Hauses zuni Fenster heraus und bricht beide Beine. Man bringt den Gemütskranken in eine Anstalt, aus der er nach einiger Zeit entlassen wird.
Während die Zeitungen die Nachricht verbreiten, er sei im Irrenhaus gestorben, schleppt er sich weiter durchs Leben. Aber feine Geisteskraft ist gebrochen. Er hat noch sein Gesetz, das er schon früher auf die „Dynamik des Himmels" ausgedehnt, auch für die Welt des Bewußtseins und der Empfindungen fruchtbar machen wollen. Aber er mußte den Misbau des von ihm cnt- worsenen Werkes in Naturwissenschaft und Philosophie andern überlassen. Noch drei Jahrzehnte, bis 20. Mär» 1878, hat er nach dem Abschluß seiner Lebensarbeit gelebt, und das siegreiche Durch- dringen seiner Ideen, die allgemeine Anerkennung seines Naturgesetzes gesehen. Auf der Londoner Weltausstellung pries der Engländer Tyndall vor einer Versammlung der ersten Forscher der ganzen Welt den noch wenig bekannten deutschen Arzt aus Heilbronn, der entsernt vom Kreislauf des gelehrten Lebens eine neu« Periode naturwissenschaftlichen Lebens heranfgesührt habe, und nun häuften sich Ehren und Würden ans dem ftüh gebleichten Scheitel des „schwäbischen Neivton". Selbst die Pariser Mademie, die sich so gar nicht um ihn geftimmert hafte, ernaiinre ihn znnt Ehrenmitglied. '


