Ausgabe 
23.11.1914
 
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paar Bücher, die Jumbo als eßbar erachtete und ein beinahe fertiges Manuskript, das er sich sofort einverleibte; da ich leichtsinniger- weise auch eine Tintenslasche achtlos aus der Hand gesetzt hatte, kam auch diese zu Fall, und Jumbo war plötzlich schwarz gesprenkelt. Meine Frau mitHusch, husch, willst du wohl raus I" immer hinter Jumbo her, Nu», das Ende war, daß Jumbo wieder einmal in das Badesaß kam.

Während dieser Schweinewäschc erhielt ich Aufklärung, Das liebe Tierchen" mußte Bewegung haben, die allerdings nach den Absichten «»einer Frau nur auf die Küche am Balkon beschränkt lei» sollte. Durch mein plötzliches Komnren war meine Frau ver­anlaßt worden, einen Blick aus den Korridor zu werfen, Jumbo war durchgeschlüpft und meine Schuld «var es, daß ich «vieder einmal die Tür ineines Arbeitszimmers ossen gelassen hatte, Mnter uns gesagt, die Sache stimmte durchaus nicht: ich Pflege Türen stets zu schließe» und für daswieder einmal" lag ein Präzedenzfall nicht vor,)

Am nächsten Tage kommt meine Frau ganz trübselig zu «nir, ich «nöchte mir einmalunfern Jumbo" ansehen, der sei so sonder­bar, So fand ich ihn freilich nicht, vielmehr reicht natürlich. Er «var nämlich aus dem Balkon eisrig damit beschäftigt, Stroh und Heu und was da sonst noch lag, zu dnrchstöbern, wie denn bekannt­lich es Schioeiireart «st, die Nase resp, den Rüssel in alles hinein­zustecken.

Mer »vas ivill er denn?" jainmertc meine Frau,er kriegt doch sein ordentliches Fressen!"

Was er will?" und jetzt «var ich stolz aus meine Wissenschaft, wühlen «vill er, «vie das alle Schrveine tun, nach Würmern suchen und ähnlichen Leckerbissen, an« liebsten wäre ihn« eine gehörig« Bortion Schlamm, in dem er sich wälzen könnte,"

Ach Gott, das arme Tier I" flötete meine Frau, und ich «vußt«, daß meine stille Hoffnung sich noch niiht ersllllen sollte.

Eine längere Weile hockte meine Frau über dem sainosen Schweinebuch, dann, als sie es zuschlug, sagte sie glänzenden Auges und sichtlich befriedigt:Gut, dann soll er auch gleich Eicheln haben,"

Dunkel «var der Rede Sinn, Aber ich erhielt sehr bald Klar­heit, Am Nachmittag verschwand ineine "Frau, und als sie am Weich zurückkehrte, sah sie äußerlich stark reduziert aus. Dafür aber hatte Jumbo seinen Wille», Die Eicheln, die ineine Fra>t im Walde gesucht hatte, mundeten Jumbo vorzüglich. Die mit­gebrachten Würmer aber, die wurden für den nächsten Tag aus­bewahrt, DeS Morgens ward Jumbo in die Küche hineingelassen, und meine Frau betrat den Balkon, dessen Tür hinter sich schließend, Er darf eS nicht sehen, sonst kann er nicht lange genug suchen," meinte meine Frau und verteilte die Würmer kunstgerecht in Stroh, Heu und Schinutz,

Jumbo war inzwischen in der Küche hcrumspazicrt und hatte sich nicht- weisiger als sauber betragen,O du Schwein!" ries ich ihm »u, als meine Frau nsteber in die Küche trat,Wer Mann, «vie kannst du dich so vergessen, solche Ausdrücke!" ries meine Frau,

Noch mancherlei könnte ich erzählen von Jumbo, aber schließ­lich wird man dasliebe Tierchen" aus den. Erzählten so einiger­maßen kennen gelernt haben, Kinder erschienen ini Hvfe und er-

K en diesen init Rusen nach Jumbo, dessen Rus weit über unser « hinausgedrungen «var; ivas blieb da übrig, als die Kleinen, denen sich so »ft die Großen anschlossen, zur Besichtigung des WnnderschweinchenS herauszubitten Geschenke kamen an für Jumbo in Gestalt von Kartoffelschalen; als ob es bei uns keine solchen Leckerbissen gab. Eines Tages mußte der Tierarzt bei Jumbo er­scheinen, «veil er sich die Pfote ain Gitter des Balkons verivnndet hatte; Verband; drei Mark Honorar, Ein anderinal erschien eine etwas seltfam ausschanende Persönlichkeit; der Mann hatte von Jumbos «Schönheit und Fähigkeiten gehört und «vollte ihn zur Dres­sur ftlr einen ZtrkuS kaufen. Auch die Gesnndheitskommission er­schien, weil ihr diese Schweinehaltung bedenklich vorkam; z«var machte ich ihr heimlich ein Auge, allein die Beredsamkeit meiner Frau drang durch mtb Jumbo blieb. Bitter ivareu mehrere Mahn­briefe, die ich erhielt: ich hätte »lich zwar aus die schlechte Zeit berufen und deshalb Stundung erhalten, allein «ver solch' seltenes Sehwein habe, könne bezahlen.

Nun, es hat alles eln Ende, und auchmein Schweinchen." hatte eS, Und daS kam so, «Nit der Zeit war man in di« naßkalte Witterung hineingekommeii und Jumbo ivurde es auf dem Balkon ungeniütlich. So ging denn meine Frau eines Tages daran, die Gitter mit mehreren alten Steppdecken, die noch genügend Walte enthielten, zu verkletden und gilt zivei Drittel des Balkons mit einer Holzdecke zu bedache». In diesen iniprovisierten Stall kam reichlich stroh und He», »nd so war Jumbo recht gut untcrgcbracht und vor der Unbill der Witterung geschützt. Daß meine Frau nebenbei die Anbringung einer Art Heizung mittels Rohrleitung erwog, habe ich erst später erfahre». Dazu, sollte es nicht mehr kommen, denn bereits zivei Tage später brach das von mir heimlich längst ersehnte Verhängnis herein.

Es mochte ein gutes Stück über Mitternacht hinaus sein, als mich eui nicht eben sanfter Rippenstoß meiner Frau weckte,Mäiin- chen, hörst du nichts?" Gewiß hörte ich jetzt etwas, und ärgerlich

über die gestörte Nachtruhe, brummte ichrDas verdammt»

Schwein, der Teufel möge es holen!"

Aber Männchen," begütigte meine Frau,wie kannst du nutz so sein, wer weiß, was dem armen Tier fehlt,"

Na ja, wir machten uns also beide aus den Federn und «van» delten zum ^Balkon, Junibo quiekte erbärmlich, als ob er jetzt! bereits am Spieß steckte, der ihm später beschieden sein sollte, Al» uns das /.liebe Tierchen" hört«, setzte die Schlveinemelodte um so stärker ein. Indes war von Junibo nichts zu sehen und deshalb! hieß das erste Gebot: Licht! So rasch als möglich erschien denn auch meine Frau mit der Küchenlampe, Inzwischen drang aber von unten heraus eine Stimme:Donnerwetter, hat diese verdammt« Schweinerei nicht bald ein Ende?" Auch in den gegenüberliegenden Höfen wurde es au den Fenstern hell und weiße Gestalten erschie­nen, die niehr oder minder schlechte Witze machten.

Ich aber suchte Freund Junibo und der steckte in seinem Stall und schrie und schrie. Ich kroch auf allen Vieren in die Stallung und versuchte Juinbo zu packen. Kaum hatte ich ihn aber angerührt- als er nur noch jämmerlicher quiekte. Da mußte etwas nicht trt Ordnung fein. Kurz entschlossen, begann ich das improvisierte Dachl des Stalles zu deniolieren, was natürlich nicht ohne etlichen Lärm abging und mir allerlei hiibsche Bemerkungen cintrng:Er wird das Haus kaput machen, nehmen Sie eine Granate, das hilft besser, das Schwein wird voll sein!"

Endlich war die Bahn zu Jümbo frei. Der hatte juffin de« Nacht erforschen geivollt, was cs mit der «warmen Balkonverklei» düng für eine Bewandtnis habe. So hatte er sich durch die Stepp­decke hindurchgcarbeitet, war aber mtit dem Rüsffel zwischen den! Gittcrverzierungen des Balkons hängen geblieben und konnte mm! weder vorwärts noch rückwärts, Um es kurz zu sagen: ich arbeitete, unbekümmert um die asiseitig gestörte Nachtruhe, mit Hamme« und Feile, bis Jumbo wieder frei war und durch ejn wohlgesällt- ges Grunzen seiner Befriedigung Ausdruck gab.

Am nächsten Tage erschien der Hauswirt:Entlveder ziehen Sie aus oder Jumbo verschnnndet!" Ich machte schüchterne Ein­wendungen, während meine sckpvarze Seele frohlockte; aber meine Frau hat mir meine Reden hoch angerechnet. Sie fügte sich, weil sie eben mußte, mit der Hausfriede wurde aus der Grundlage ge­schlossen: bis zuni Abend ist Jumbo aus dem Hause,

Nachdem meine Frau ihre Tränen gettocknet, ineinte ich Ult- schuldsvoll;Ja, dann iverdein wir Wohl Jnncho jetzt eben zun« Metzger bringen müssen," ,

Meine Frau sah mich groß an, und kalt kam es von ihren Lippen;Du meinst doch nicht, daß ich einen Bissen von dem lie­ben Tierchen über die Livpen bringen könnte!"

,S$a, aber was sangen ivir mit Jumbo an?"

Meine Frau zog sich zurück und erschien nach einer Weite mit einem knallroten Bändchen.Das kriegt Jumbo zum Ab­schied um den Hals," sagte sie,und nun bringen wir das lieb« Tierchen zum Roten Kreuz, die können Jumbo den Soldaten in» Feld schicken!"

Und so geschah's, obscho» der Transport wiederum mii einigen Schwierigkeiten verknüpft war, uanientlich bis wir aus dem Haus« unv außer Sehioeite der Nachbarschaft ivaren.

In der Sammelstelle des Roten Kreuzes «var man über diele lebendige Liebesgabe einigcrinaßen venvundert, und fast hätr« «r noch eine Differenz gegeben, als der Vorsteher der Annahme» stelle meint«:Na, dann lassen «vir es eben" Ter gute Mann hatte sicherlichschlachten" sage» «vollen, ich aber siel ihm, «inen geheinien Wink gebend, in die Rede:an die Front gehen, da haben unsere Soldaten etwas Lebendes u«n sich," Ter Vor­steher nickte verständnisinnig, und wir zogen ab.

Ich aber hoffe, daß Jumbo auf die older andere Weise von »ns,wen braven Kriegern im Felde versorgt «vorden: «ver «veiß, ob das rote Band von ihm noch übrig geblieben!

ttreuz- und Auerrätsel.

1 4 «>» kleiner Körperteil.

1 8 ein spitzer fester Keil.

2 1 als Stadt nicht unbekannt.

2 8 tilmmft «nanchnial du zur Hand,

4 3 führt jedes Schiff mit sich;

Nun rate, Freund, doch quäl' dich nicht.

Auslösung in nächster Nuinmer.

Auslösung der Königspromenade in poriger Nummer > Ziveierlei last dir gesagt sein,

Willst du stets in Weisheit «vandeln Und von Torheit nie geplagt sein:

La» das Glück nie deine Herrin,

Nie daS Unglück deine Magd sein.

Bodenstedt. )

Schrtstleitnng: Ang, Goctz, - RotalionSdruck mtd Perlag der Brühlffche» UnivtrsitcitS-Buch- und Steindruckerej, N, La««ge, Gicßeiz.