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unseres Lokalblattes siudicrte Da ich in d-.rs Hauptblatt vertieft war, war nur ein geistesabwesendes „Ja, ja" meine Antwort.
Aber meine verehrte Ehehälfte hielt den ans dem Sitzungsbericht der Stadtverordneten-Persamnilung verlesenen Passus für wichtig genug, um ihn mir, nun bei, meiner vollen Aufmerksamkeit, »ochnials vorzulescn.
Zwar blieb e-s mit nach wie vor schleierhaft, wo hinaus meine Frau eigentlick) wollte, allein immerhin schwante mir Unh.nl, Indes löste sich der Bann sehr bald, denn >wch ehe ich weiter nrich in die Lektüre der Kriegsereignisse versenken konnte, kam es zögernd, sinnend, nachdenklich von den Lippen meiner Frau: „Tu, Männchen, — wie wär's, — wenn wir —" Erwartungsvoll horchte ich auf, bereits davon überzeugt, das, »nein junges, lebensfrohes, denr Neuen stets geneigtes Frauchen Wieder einmal ein Attentat auf mein Phlegma plane. >
Und richtig, nun kam das nnherltwlle Wort: „Wie wäre es, M ännchen, wenn wir uns auch ein Schweinchen anschafsteu?!"
Es war heraus und ich erkannte sofort die Tragweite dieses Wortes. Wußte auch, daß sich die Forderung zuin Ultimatuni zuspitzen iverdc und ohne Annahme des letzteren die Kriegserklärung folgen werde. 9hm bin ich aber der friedliebendste Mensch, gehöre (leider) auch zu den Tahrimgeblicbenen und habe, eines kleinen körperlichen Fehlers wegen, der mich gar nicht, aber die Militärbehörde geniert, keinerlei Hoffnung, hinausznkomnien.
Immerhin soll man nicht sofort kapitulieren, auch nicht vor «in Paar schönen Augen. So wagte ich denn den Einwurf: „Aber, Hildch.cn, >vo soUen wir denn das Schweinchen untcrbringen ? Hi« mitten in der Stadt, ohne Stallung, ohne Feld und was dazu gehört?" ,
Meine Frau aber streikte beschwörend den Asrm aus! „Wrr haben doch den großen ^Balkon!"
Aus war's, ich wußte es und ich ahnte bereits, >vas mir bc- vorstehe. Was soll nmn aber einer jungen, reizenden Frau gegenüber tun, wenn sie sich in den Kops gesetzt hat, auf den Balkon ei» Schweinchen zu installieren?
O dieser Balkon! Bereits als nur die Wohnung int dritten Stockwerk, Hauptstraße, mieteten und namentlich mit Rücksicht aus den riesigen Balkon, der an die Küche angrenzte, war nur trief« Aus- und Vorbau unheimlich, weil er für allerlei Experimente unbegrenzte Möglichkeiten bot. Papagei, allerlei Vogelgetier, Aqua- und Terrarium, zugig« Liebeslaube und dergl. waren mir durch den Kopf gegangen, auf ein Schtvein wäre ich Nimmermehr verfallen. ,
Und so kam ich denn zu „meineni Schweinchen". Gewiß sträubte tch mich mit all« Macht gegen die Aufnahme des neuen Hausbewohners, lieb alle Vernunftgründe los gegen das Projekt, bat Und drohte sogar, setzte die Miene des gekränkten Hausherrn auf, ab« es lwlf alles nichts; soviel Schwein hatte ich eben nrcht, dieses Schwein abzuivenden.
Es >var ein niittelgroßes, nettes Ferkelchen, etwas rosig angehaucht uich wenn ich es mir recht überlege, eigentlich ein ziemlich m«kivürdiges Schweinchen. Kops und Rüssel waren nämlich ergen- tümlich gefärbt, so etiva wie die Physiogiwinie eines sogenannlcir Teddy-Bären. Dadurch geivann das Schweinchen ein zwar von ihm ungewolltes, aber trotzdem komisches, possierliches Ansehen. Es wurde von meiner Frau und mir da draußen auf dem Lande ein- gehaichelt (trostreich war es, daß unser Oberbürgermeister mit den billigen Preisen tatsächlich Recht hatte). Meine Frau hätte „das liebe Ti«chen" am liebsten gleich aus ihren Arinen fortgetragen.
Die Billigkeit des Schweinchens wurde allerdings durch den teuren Transport stark beeinträchtigt. Klug, wie ich nun einmal bin, und durch die von meiner Frau zuweilen beliebten Experimente aus Borbeugungsmaßregcln geeicht, bestand ich darauf, daß „uns« Schweinchen" am Sonntag-Nachmittag, um welche Zelt uns« Haus ziemlich unbelebt ist und die übrigen Hausbewohner auswärts sind, einpassierte. Was natürlich den Transport verteuerte. . . ~ ,
Bis zum feierlichen Moment der Ankunft des Ferkelchen- unter hielt mich meine Frau von den Eigenschaften, der Psyche, der Verpflegung, der Haltung und Krankheiten des Schweines im allgemeinen. Insbesondere imponierte rhr die durch das Konversa- tionsl«ikon erhärtete Tatsache, daß das Schwein denselben Krankheiten wie der 9Nensch unterworfen sein könne.
Das Schweinchen kam also pünktlich ani Sonntagnachmittag an und machte sich im Hause durch herzhaftes Quieken bemerkbar. Ganz natürlich, da der summarische Transport in einem Sacke dem „lieben Tierchen" lvcnig behagte. 9hnt, es landete schließlich glücklich auf dem Balkon, den meine Frau zur Wohnstätte für das kleine Borstentier eingerichtet hatte. Die Ausstattung war einfach: Stroh und Heu, nicht zu knapp, ein netter, zierlicher Kuttertrog und als Hauvtstück eine mit Roßhaar gestopfte Matratze, gerade so groß, daß ein vernünftiges Schwein sich beguem daraus ausstrecken konnte.
Der liebenstvürdige B«käuser des Schiveinchens hatte kauin meine Wohnung verlassen, nicht ohne aus dem Teppich einige Spuren seiner heimatlichen Mutter Erde zu hinterlassen, als meine Frau geschäftig meinte: „Bor allem muß „Jumbo" jetzt etwas zu fressen haben."
„Jumbo?" echote ich.
.Mm, nattirlich," tvar die Antwort meiner Frau, „das liebe Tierchen muß doch einen Nam«i Haben."
„Aber Jumbo ist ösl ws der Name des ElepHanten," erlaubte ich mir bescheiden zu bemerken.
Woraus meine Frau dekreti«te: „Das ist egal, es soll Jumbo heißen, an den Namen habe ich mich schon gewöhnt."
Also gut, Jumbo! Indes will ich hier gleich einschalten, daß es mir niemals llar geworden ist, ob das Schwein auf seinen Namen jemals gehört hat oder nicht.
Schön! Jumbo bekam sein erstes Futt«. Eine ganze große Karafsc Milch in einer Waschschüssel. Zwar war es mir unerfindlich, warum, gerade diese Schüssel zur Empsangsmahlzett benutzt werden mußte, allein der bei mir aufkeimende Widerspruch brauchte sich nicht erst bemerkbar zu machen, da Jumbo die Streitfrage kurzerhand löste. Das Schwein stürzte sich mit Wonne auf die Milch, schleckte und grunzte wohlgefällig und schob schließlich die Schüssel so energisch gegen das eis«ne Balkongitt«, daß bs einen Knacks gab und die Schüssel in mehrere Teile zerfiel.
„Macht nichts," meinte meine Frau, „jedenfalls hat es ihm geschmeckt".
Immerhin erlaubte ich mir die schücht«ne Anfrage, ob Jumbo stets nur Milch bekomme.
„So ein Mann versteht doch nichts von der Schweinezucht," war die stolze Antivort meiner Frau. Spruchs und machte nun Jumbo seine eigentliche Mahlzeit »ach der Vorspeise zurecht: Kartoffeln, Rüben, Kleie und sonstige schöne Sachen, das ganze als eine dickflüssige Brühe. Junibo schien auch das Futter, das ihm im Troge v«abreicht wurde, trefflich zu munden.
Ob dieser von meiner .Frau entwickelten Sachkenntnis fühlt« ich mich zu der Anfrage veranlaßt, woher sie denn ihre Kenntnisse für die richtige Behandlung Jumbos habe. Ihre Antwort bestand in einem Büchlein, das sie mir unt« die Nase hielt: ,,D« erfahrene Schweinezücht«". Als ich am Abend dieses Werk eines echten und rechten Schweinesachverskändigen studi«te, waren es zwei Gefühle, die bei mir emporsttegen: ein«s«its die Anwartschaft aus noch inanche vntvickelte Tage, die Jumbo bereiten werde, andererseits die begründete Hoffnung, daß das liebe Tittchen wesentlich früher, als von meiner Frau beabsichtigt, den Weg alles Schweinefleisches gehen werde.
Jumbo „lebte sich ein", wie ineine Frau sagte. D« Balkon war mindestens 10 Quadratinet« groß und bei dem schönen Wett« konnte es der Borstenträger immerhin aushalten. Daß meine Frau nunmehr außerordentlich beschäftigt war, da Jumbo täglich dreimal sein Futter haben mußte, daß unendlich« Niengen Milch im Haushalt verbraucht wurden, daß Jumbos Stimme keineswegs einen Ohrenschmaus bedeutete, nun, an solche Dinge gewöhnte ich inich. Um gerecht zu sein, ich hatte auch ilebenbei meinen Spaß bei d« Sache. Meine Frau hatte es sich in den Kops gesetzt. Junibo zur Ordnung und Sauberkeit zu erziehen. Nun »röchle ich das Schwein kennen lernen, das diesen beiden Begriffen nicht ebenso berechtigten wie energischen Widerstand entgegensetzte! Tie Reinigung des Balkonstalles war denn auch ein tätliches Fest für mich, weil ick nrich daran prinzipiell nicht beteiligte. Meine Frau und unsere Äufwärterin bemühten sich mft Ernst und Eifer, täglich die Schweinewohnung „menschlich" zu gestalten: mein Verdacht, daß meine Frau die Aufwärtnin mit klingender Münze bestochen hatte, besteht heute noch.
Junibo wedelte stets freundlich mit seinem Ringelschwäuz>hen. was meine Frau als Zufriedenheft des neuen Hausbewohners annahm; auch die kleinen, munteren Schweins äuglet» blickten v«gnüglich in die Welt. Soiveit war alles drei Tage lang gut gegangen, dann begamren die Differenzen.
Des Morgens in aller Frühe stürmte meine Frau zri mir, so daß ich. vor Schreck mich mit dem Rasiermess« schnitt, rufend: „Männchen, sieh nur, Ivas mit unserem Jumbo passiert ist!"
9hm, es war weiter nichts passiert, als daß Juinbo üb« Nacht Haare bekommen hatte, Ringel locken, die den ganzen Körper übcr- säten. Schöner war das Schiveinchen nicht eben geworden, ab« es gab einige Abivochselung, Drei Tage lang hatte Jumbo daS Roßhaarkisien geduldet, allerdlugs ohne ihm Beachtung zu schenken, da ihm Stroh und Heu eine angenehmere Lagerstätte schienen. In per letzten Nacht hatte er das Kissen genau« untersucht, das Roßhaar herausgeivühlt und sich damit umkleidet.
„Juntbo muß gebadet ioerden," entschied meine Frau und allsogleich ward dies ins Werk gesetzt. Daß nach dies« Prozedur meine Frau keinen trockenen Faden an sich hatte, war nicht Jumbos Schuld. Jedenfalls erstrahlte Jumbo fünf Minuten lang in erfrischender Saub«keit und das Roßhaarlager verschivand.
Natürlich waren die Hausbewohner ob d« Geschäftigkeit auf denr sonst so stillen Balkon und der eigentümlichen Grimztön« mit d« Zeit ausmerksanl g«vord«n, und so «schien denn eines Tages der Hauswirt mit streng« Miene. Und da konnte mm mm sehen, was die bestrickende Liebenswürdigkeit ein« Frau vermag. Ob es dieser allein, dem Sprechantsmus mein« vttchrien Ehehälfte oder denr Appell des Oberbürgermeisters zuzuschreiben, genug: der Hauswirt trollte sich mit süß-saur« Miene und Jumbo behielt seinen Balkonstall, , . , ,
Kurz darauf war es, daß ich eines Mittags nach Hause kam, in den Korridor ttete, mir etwas unt« d«r Beinen davonrast und in nicin Arbeitszimmer schießt. Freund Jumbo war es, der «ne Entdeckungsreise machte. Zwei Büsten, die allerdings an ihren: Standort auf Schweinebesnch nicht gerechnet, flogen h«ab, dazu ein


