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werte Philipp von Eure auf einem breiten Bett, dessen gebeiztes Nußbaumholz die geschwungenen Formen des Rokoko zeigten. Er schlief. Wenigstens waren seine Augen geschlossen.
Toska, die zur Seite seines Lagers saß, starrte mit schnierzzittcrnden Lippen auf das eingefallene Gesicht ihres Vaters. Die schwarzblauen Schatten, die unter den hohlen Augen und um den eingekniffenen Mund lagerten, die scharfkantig hervorlretende Nase, die glänzend weiße Stirn trugen nur zu deutlich den Stempel des nahen Todes.
Armer, armer Vater! Toska rang die Hände ineinander. Daß er nur erst erlöst wäre von aller Qual!
Für ihn gab es keine Hoffnung mehr. Die Kugel, die ihn in den Unterleib getroffen, hatte die Eingeweide zerrissen. O, daß der Tlod auf der Stelle eingetreten, daß ihm' dies langsame .Hinsiechen erspart geblieben wäre! Wieviel leichter ist doch der Tod auf dem Schlachtfeld, als der auf dem Krankenbett."
Toskas Tränen flössen — still - ohne jeden Schluchz laut — aber bitter — bitter!
Sie verwandte kein Auge von dem lieben, lieben Gesicht des Vaters, das selbst im Leiden noch so schön und edel war. Daß sie seine Schmerzen hätte auf sich nehmen können! Ach sic wußte es ja nur zu gut! Auch seine Seele hatte schwer elitten. In jenen ersten Nächten nach der Schlacht, da waren ie Fieberdelirien nicht von ihm gewichen. Sein glühender Mund hatte vor der angstvoll lauschenden Tochter das Bild der ganzen Schlacht entrollt, llud immer von neuem waren seine wilden Schreie, seine flehenden Worte durch das eine- same Haus gegellt: „Sire! Sire! Erbarmen! Nehmen Sie Mich mit. Mein ganzes Leben habe ich Ihnen gelebt. Stoßen Sie mich nicht zurück. Lassen Sie mich nicht in die Hände der Preußen fallen!"
Toska schauerte in sich hinein!
Wann, wann würde sie den To» dieser Worte nicht mehr im Ohre hören? Wann würde ihr Herz ihre abgrundtief« Bedeutung überwinden?
Der, dem Philipp von Eure sein ganzes Leben gewidmet, der hatte ihn, als er seiner nicht mehr bedurfte, in eisigem Egoismus abgeschüttelt wie einen tollen Hund. Und sein Feind, der, denk er die Tochter genommen, der hatte ihm großmütig den letzten Wunsch erfüllt.
Toska stöhnte auf. Grelle Schlaglichter sielen jäh in ihre Seele. Nicht daß sie diesem, nicht daß sie Otto von Jäger sich zu eigen gegeben — nein! Daß sie Napoleon Bonaparte blindlings vergöttert, das war der große Irrtum ihres Lebens!
Zu wahrer Größe fehlte diesein Titanen der Edelsinn, der in der Gottheit wurzelt, der den Menschen erst zum wahren Menschen macht. Er aber, aus sich selbst gestellt, der Gottheit strotzend, in schrankenlosem Egoismus, nur seinem Eigenwillen, nur den Gesetzen folgend, die ihm das eigene Ich diktiert, er brach zusammen, als der Sturm tiefer edler Menschlichkeit sich wider ihn erhob.
Entgöttert lag er nun vor ihr im Staube.
Und das Bild des Gatten, der kein Titan, der ei» Mann wie tausend andre war, es stieg in seiner edlen Menschlichkeit vor ihrem Seelenauge auf.
Sie aber —t sie hatte ihn verlassen!
Und er? Nein, nein! Er liebte sie nicht mehr! Was er etan hatte, was sie im ersten Augenblick für Liebe gehalten, as war nur ein Ausfluß seines edlen Herzens gewesen! Er liebte sie nicht mehr! Er hielt sie am Ende gar für — schlecht?!
Mit einem wehen Laut schlug sie die Hände vors Gesicht. —
Sie schrak erst tvieder auf, als der Oheim mitten im Zimmer stand.
Ein nörgelnder, grilliger Ausdruck lag auf seinem unter den Aufregungen der letzten Tage zusammenaeschrumpften Gesicht. Dabei streckte er den Kopf weit vor, wie ein gackerndes Huhn.
„Toska! Da ist ein Offizier!" stieß er mit halber Stimme hervor. „Ein Graf Duboit. Er will dich sprechen."
„Graf Duboit?" Toska schnellte empor. Mit einem ächzenden Laut fuhr der Lehnstuhl, auf dem sie gesessen, zurück. Durch ihren Kopf wirbelte ein Sturinwind von Gedanken. Der, dem sie ihren Abschiedsbries für Otto mit- gegeben, der suchte sie auf! Was mochte der ihr bringen?
„Laß ihn ein!" Mit fliegenden Fingern strich sie das blonde wellige Haar aus der Stirn zurück. Dann glitten die Hchche glättend über das weiße Stickrreiklkid.
Der Oheim starrte sie mit niißtrauischen Blicken an.
„Weißt du, was der will?"
„Woher sollte ich?" gab sie ihm heftig zur Antwort^ „Rasch! Rasch! Was stehst du noch. Ter Diener soll ihn in den Garten führen!"
„Was? In den Garten? Warum nicht in den Salon?"
„Da iscks so dunipf! Wochenlang kein Fenster offen! Man erstickt darin!" Kaum daß sie noch einen flüchtigen Blick auf den Vater warf, eilte sie hrnaus.
Luft! Luft! Ihr war, als drohten die Wände über sie herzufallen. In dem weiten Vestibül des Hauses riß sie eine» breitrandige» Florentiner vom Wandhaken, stülpte den auss Haupt, band die weiße Schleife unter dem Kinn zusammen und warf einen bereithängenden Seidenschal um die Schultern. Mles halb unbewußt, das Auge forschend, durch die bunten Glasscheiben der halbgeöffneten Eingangstür gerichtet, durch die der Diener eben nach dem Portal« zu verschwunden war. Tann eilte sie durch eine der beiden Glastüren, die rechts und links von der breiten, holzge- schnitzteu Freitreppe ins Freie führten, hinaus.
Der schmale Hof mit den Wirtschaftsgebäude» mar bald überquert. Sie flog die kurze Treppe hinaus, die zur Rechten und Linken von ein paar Marmorsphinxen flankiert, in den parkartigen Garten führte, der nach englischem Geschmack angelegt war. Ilm sich zur Ruhe zu zwingen, schritt sie an den Rosenbeelen hinter den Sphinxen vorder und uni das große, dahinterliegende Rasenrondell herum. Immer langsamer wurde ihr Schritt. Als sie wieder bei den Rvsen- beeten angelangt war, verneigte sich Gras Duboit vor ihr. Mit vielsagendem Blick zog er ihre Hand an die Lippen.. Sie neigte, keines Wortes mächtig, das Haupt. Schweigend schritt sie au seiner Seite tiefer in den Garten hinein. Buschwerke nahm sie auf. Sein Wortschwall überschüttete sie. Seine Augen umschlangen sie förmlich mit zärtlichen Flammen. Sie sah und hörte nichts vor dem wilden Klopfen ihres Herzens.
Endlich blieb sie ruckartig stehen.
„Haben Sie au Herrn von Jäger meinen Brief befördert?"
„Ich gestand Ihnen ja eben, Madame," erwiderte cv lächelnd, „daß der heiße Wunsch, Ihnen gefällig zu sein Und jenen Brief ganz sicher an seine Adresse zu befördern, mitbestimmend war für meinen Entschluß, zu den Bourbonen überzugehen."
„Wie? Was?" Toska strich, als narre sic ein Spuk, sich mit ungläubig entsetzter Geberde über die Stirn.
„Mitgewirkt, Madame!" beeilte sich der Graf noch ein« nial zu betonen. „Ich hatte den Sturz Napoleons voraus* gesehen. Es war ja wie die Verhältnisse mm einmal lagen- nur eine Frage der Zeit." Er zwirbelte an seinem Schnurrbart. Ein eitles Lächeln machte seine schönen Züge weibisch und kleinlich. „Die Ereignisse haben mir recht gegeben. — Aber mein Wunsch, Ihnen zu Diensten zii sein, ist bei meiner Entschließung doch schwer in die Wagschale gesallen. WaS tut man nicht um. . ." Er vollendete uicht. Seine liebe- blühenden Blicke glitten indiskret von dem süße» Oval ihres Gesichtchens die wundervolle Linie ihres Äalscs bis zu dein tiefen Ausschnitt des Kleides hinab, unter oem der verführerische, rosige Busen verstohlen sichtbar wurde.
Toska schlug eine Helle Röte der Scham ins Gesicht. Sie raffte den Seidenschal, der ihr von de» Schultern geglitten, empor und zusammen.
„Und — lind — bringen Sie mir eine Antwort von Herrn von Jäger mit?"
(Fortsetzung solgt.)
Mein Zchweinchen.
Eine lustige Geschichte in ernster Zeit von Enge» Rahden.
(Nachdruck verboten.)
. . . Aller Voraussicht nach werden wir also gegen den Winter mit erhöhten Preisen für Schweinefleisch zu rechnen haben. Den Landwirten mangelt es an Futter zur Aufzucht der Schweine, die Folge ist, daß diese Tiere verkauft werden und deshalb augenblicklich die Schweinelleischpreise stark gesunken sind. Aber, tote gesagt, aus demselben Grunde werden sie gegen de» Winter chin wieder stark anziehen. Wer irgend dazu imstande ist, sollte sich ein Schtvein anschassen und dieses bis zum Winter mästen, er wird dann in etwas unabhängig sein von hohen Fleischprelsen . . .
„Hörst du, Männchen, daL hat unser Oberbürgermeister in der Stadtverordneten. Sitzung gesagt." ries meine Fra», die dj.e Bkilgg«


