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Und nun fchnwigt die Trommel. Das Signal:Sam- meln J schwirrt in heuen, frohen Dünen durch den Morgen.

Ulrich springt empor, wirft sich aufs Pferd, hält Um­schau.

Dort, etwa tausend Meter gen Norden, sammeln sich die Manen.

Etwas schwersäliig erhebt sich Gottfried Schneider. Reite voran! Ich komme sofort!"

Erst will ich dir aufs Pferd Helsen!"

Auf fliegendem Rosse jagt Ulrich dann davon.

Langsam folgt der Unteroffizier. Noch schmerzen die Wieder. Mer auf seinem, dem Himmel zugewandten Antlitz Hegt ei» wundersames Leuchten. Ein wortloses Gebet voll heißen iubriinstigeu Dankes steigt zum Höchsten hinan. Herr Rittmeister," rust Gneisenau, dem Herangaloppie-- rende» entgegen,waren Sie uns noch vorauf?"

Eine lurze Strecke, Exzellenz. Vom Feinde aber ist nirgends mehr eine Spur."

Das will ich meinen! Diese Verfolgung hat Napoleon den Garaus gemacht. Sein Heer ist nicht mehr. All die Schmach so vieler Jahre ist abgewaschen. Wie das wohltut! Es war die herrlichste Nacht meines Lebens!"

Exzellenz, ich glaube die herrlichste Nacht eines jeden

Sreußeu, der an dieser Verfolgung teilgenommen!" Aus Erichs einst so dii.stern Augen flammt ei» Feuer erhabenster Begeisterung. ^ __

Für dcn Besiegten aber brachte der kommende Tag keine Glücks,nöglichkeiten mehr.

Ein Werkzeug der Vorsehung ivar er gewesen eine Geisel der Völker. Seine Mission wär erfüllt. So hatte Gott das Werkzeug zerbrochen. -

Kaum beachtet und von dem Erlebten und den Strapazen der Flucht gänzlich niedergebeugt, war Napoleon in seiner

?sauptsladt eingetroffen, hundert Dage nach jenem Einzuge n Paris, wo ihn das jubelnde Volllauf den Schultern in die Tuckerten getragen. Nur wenige Getreue eilten zu ihm. Er wußte nichts anderes als, außer sich, wie er war, sich in den heftigsten Anklagen gegen Ney zu ergehen, dieses Ver­räters, wie er ihn nannte, der ihn erst durch sein lässiges! Verhalten bei Quatrebras und Mont-St-Jean, dann durch sein tolles Draufgängertum bei Belle-Alliance zugrunde ge­richtet habe.

Und nun saß er, nach heißen parlamentarischen Kämpfen einsam in einen» stillen Zimmer des Elysee uird diktierte seinem Bruder Lucian die Abdnnkungsurkunde.

Die Kammern, die er selbst ins Leben gerufen, die hatten ihn dazu gezwungen.

Vielleicht hätte ein Gewaltakt ihn noch retten können. Vielleicht. Aber der da gebeugt, vom Schicksal geschlagen, neben dem Stuhle seines Bruders stand, den düster» Blick aus das Papier, das Glanz und Dhron chm rauben sollte, gerichtet, der war der Mann des 18. Brumairc nicht mehr. Der Gestürzte, im Glauben an sein Glück wankend geworden, fürchtete sich, den Bruderkrieg in Frankreichs sonnige GK- fitbe zu tragen, den Bruderkrieg«, der ihn schließlich doch enden lassen würde, wie einen Abenteurer. Er wollte retten, was noch zn retten war. Er dankte ab zugunsten feincA Sohnes.

Das war die Hoffnung, an die er sich unter wilden Fieberschauern klammerte, die Brücke, die er sich baute, um den Weg hinüber zu finden in den Verzicht.

Und als Napoleon Bonaparte am Wend desselben Tages in einem matterleuchteten Saale des Palastes aufrecht stehend, mit unbeweglicher Miene die Deputationen der Kam­mern empfängt, die ihn» die Dankadressen der Volksvertre- ' tuna für seine Abdankung überbringen, da ruht auf seiner

K ien, zerfurchten Stirne der Stempel eines ergreifenden, ternden Leidens, das den Gerichteten adelt, das aller» Haß in Achtung vor dem Unglück verwandelt, das selbst die Gottheit einst mit aller Schuld seines Drägers versöhnen wird.

*

Indessen marschierten die Preußen in Eilmärschen aus, Urankreichs Hauptstadt zu.

Blücher brennt vor Begierde, dem Blutvergießen ein Ende zu machen uud in Paris de»» Friede» zu diktieren. Wer schon ist aus zuriickkehrende» Versprengten und den völlig intakt gebliebenen Truppen Marschall Grouchys, die erst am Schlachttaae von Belle-Mliauce bei Mawre auf

die Nachhut der Preußen gestoßen waren u«»d dieser bitter za schaffen gemacht batten, eine neue, air siebziatausend Manu zählende feindliche Arniee erstanden. Und Marschall Grouchh eili mit diesein zusammengerafften Heere, um der bedrohten Hauptstadt Frankreichs zu Hilfe zu kommen.

Aber Blücher kommt ihn» doch zuvor.

Am 29. Juni trifft er init den beiden Korps Zielen uud Bülow vor der Nordfront von Paris en«. Das Korps Dhiele- manu, das Grouchh bei Wawre vom Schlachtfeld Belle». Alliance zuriickgehalteu, folgt ihnen aus dem Fuße. Welling­tons Truppen aber sind noch um zwei Tagesmärsche zurück.

Nur zu bald aber überzeugt sich der greise Feldinarschall davon, daß Paris von der Nordseite her schwer zu nehmen ist. Um so schwerer zu nchinen ist, als Grouchh, nun auch inzwischen init seiuein Heere in der Hauptstadt eiugetrojsen ist uud ihre Befestigungen jetzt ausreichend besetzt werden können.

Von einein Waffenstillstand aber, den Davout, der tu Paris die oberste Heeresleitung übernommen, ihm anbieten läßt, will Blücher nichts wissen.

Paris muß er haben. Das ist nötig zu einem ehren­vollen Frieden!

So bleibt nur eins: Seine Preußen müssen auf das linke Seine-Ufer hinüber, um "on Süden herj >vo die Stadt »m- geschützt »st, die Einnahme von Paris zu erzwingen.

Ein kühner Plan. Groß und kühn, des Marschall Vor­wärts würdig.

Und dem Kühnen gehört die Welt! Ter Plan gelingt!

Am Mend des ersten J>»li »st die preußische Armee auf dem linke» Seine-Ufer im Süden der Hauptstadt vereinigt.

Am nächsten Tage wird der Migriff aus die Südseite er­öffnet werden. --s

Eingeklemmt zwischen kreideweißen, zwölf Fuß hohen Mauern, die stundenweit Weinberge und Ortschaften ein- schließen, ziehen die Ulanen auf schmalen Pfaden entlang.

Glühend brennen die Strahlen der Julisonne auf Tschako u«,d Uniform nieder und prallen, stechenden Pfeilen gleich, von den weißen Wänden ab mtb auf die Dahin­

ziehenden zurück.

Gottfried Schneider reitet de» kleinen Fiugerstumpf der linken Hand noch immer in der Binde, so daß er die dre» ersten Finger zum Gebrauch frei hak - hinter der Schwa­dron des Rittmeisters Erle». Sein Gesicht ist bleich, trotz der drückenden Hitze. Ein qualvolles Angstgefühl, «nie er es weder bei Liguh »och bei Belle-Alliance empfunden, be­klemmt seine Seele. Es raubt ihm geradezu den Atem.

Ta zur Rechten öffnet sich ivieder die Mauer, der Blick fällt ivieder in irgendeine der zahllosen Ortschaften, in ein unendliches Gewirr von Gassen uird Gäßcheu hinein. Der Angstschweiß bricht ihm aus allen Poren. Mit vorgebeugtem Oberkörper, mit weitgeössiiete» Auge» schaut und lau säst Gottfried Schneider. Eine kleine Anzahl von Schützen würde

« enügen, um tu diesen Engpässen eine ganze Armee aufzu- alten!

Aber Gott sei Tank! Auch an diesein Dorfe komme» sie unbehelligt vorüber. Und doch vermag Gottfried Schneider nicht aufzuatmen. Es ist ihm zuinust als brüte ein Unglück! in dieser glühenden Atmosphäre» als weine seine Seel« Ströine bitterster Tränen.

Endlich ist Sovres erreicht. Es ist voin Feinde besetzt, Infanterie, die Brigade Steinmetz, wird vorgezogen. Nach hartnäckiger Gegenwehr wird der Feind ans dem Dorfe und von den dahinter liegenden Höhen geworfen. Das Schloß Meudon, das diese Hügel krönt, wird besetzt. Bon feinest Terrassen herab öffnet sich ein herrlicher Blick ans das pracht­volle Tälbecken, ans Paris. Ein Murmeln und Raunest zitternder Erregung geht durch die »lauen. Wer von ihnen gedächte nicht des Vorjahres, da sie vom Montmartre aus auf die Stadt ihrer Tvauine hinabgeblickt?

Und auch Gottfried Schneiders Herz erbebt! Wie auf das Land der Verheißung blicht er hinüberr Paris! Paris! Wär' man nur erst drinnen! Was ist das nur, daß ihn wieder und wieder ein Schauer packt?

Kinder!" dringt da eine warme, tieftvneude Stimme an sein Ohr, eine Stimme, an der sich seine seltsam erschüttert« Seele aufrtchtet.Kinder. In Paris wird der Friede dik­tiert. Heimatwärts geht es dann ins freie deutsche Bäte» laut» l"

Hurra! Vater Blücher! Bia «schall Vorwärts, Hurra! Hurra!"

Gottfried Schneider blickt