Die hundert Tage.
Üstomau aus dem Jahre 181b von M. von Witten.
Schweiß gebadet. „Ich! llitb nicht der Graf Duboib Äöcr^ der war nun einmat^eider nicht zur Stelle!"
Er riß sein Pferd herum und sprengte davon.
,9,4 _ Nr. 158
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Die Bahre schwankte an ToSka vorüber. Gespenstig tanzte das Mondlicht über Philipp von Eures schmales, vom Tode gezeichnetes Gesicht.
Da bebte ein Schluchzen durch ihren Körper. Es war, als «volle sie sich mit herzbrechenden! Schrei über den heißgeliebten Vater stürzen. Aber im nächsten Augenblick stand sie aufrechter als zuvor.
„Geht voran, Leute. Das Haus ist offen!" sagte sie, in- dein sie sich mit fast liberineuichAcher Anstrengung Geuurlti antat, aber mit einer Stimme, die er nicht kannte, um die es Ivie ein rauher Schleier lag. „Ich folge sofort. Ich möchte von Herrn von Jäger nur noch eine Erklärung erbitten "
Die Ulanen schritten weiter aus das Landhaus zu.
„Und ivelche?" fragte Otto brüsk.
Einen Augenblick noch schwieg das unglückliche Weib. Wie mit sich ringend. Wie nach Worten suchend Dann quoll es hervor: „Wie kommt es, daß du — gerade dn, meinen Vater—?"
Er lachte gellend.
„Die Geschichte ist einfach, Madame. Ganz einfach. Ohne alle romantische Nebenumstände." Mit der grausamen Wollust einer Tigerkahe, die ihr sicheres Opfer umlauert, lag kein Auge auf ihr. Dabei sog er förmlich ihre mondumslos- se»e Schönheit in sich hinein — zu seiner brennenden Oual. „Napoleon ist geschlagen. Wir verfolgten sein .Heer. Die brandenburgischen Ulanen an der Spitze. In Geuappe trasen nur aus die Bagage des flüchtenden Imperators. In seiuent Reisewageu fand ich Ihren fand ich Herrn von Eure."
Toska stand noch immer !vic angewurzelt am Tore. Ihre Hände rangen sich ineinander. Ihre Augen, ihr todbleiches Gesicht ivaren mit einem ganz unbeschreiblichen Ausdruck zu Otto enlporgewaudl.
„Und du — du — brachtest ihn mir?"
Da schoß Otto altes Blut zu Kopf. Ms suhle er sich bei schwerem llnrecht ertappt.
„Herr von Eure verlangte nach Haus! Uin in den Armen seines Kindes zu steiben!" Er schrie sie geradezu an, wie einer, der schon schuldübcrsührt, sich um alles in dev Welt noch reiinvascheu will.
Sie hörte nicht diesen seltsamen Klang in seinen Worten. Sir blickte nur unentwegt zn ihm ans mit jenem unbeschreiblichen, halb starr ungläubigen, halb jubelnd-glückseligen Ausdruck in den Zügen.
„Du — du — hast das getan?"
„Ja ich! Leider ich!" äffte er voll Hohn. Wie tötende Geschosse trafen sie die Worte. Dabei w,ar er selber wie In
Das Moudlichl verblaßte im Aether. Die junge Morgenröte glomm heraus. Wie mit blühenden Rosen war der keusche Morgenhimmel überschüttet.
Etlvas abseits der großen Straße erblickte inan zwei Reiter neben ihren todinüden Pferden. Ganz allein in der weiten Flur. Bei der wilden Jagd durch Dörfer und Felder »vareu sie wohl den Ihren zu weit vorangeetlt mib etwas von ihnen abgekoinmen.
Der eine von ihnen, ein hagerer blonder Unteroffizier der Freiwilligen Jäger, lag ausgestreckt, die bleichen Lider geschlossen, am Boden. Es lvar, als sei er vom Pferde gestürzt. Der andere, ein Ulauenosfizier, beugte sich mit dem Ausdrucke Heller Herzensangst über ihn und hakte ihm die grüne Uniform aus.
Da schien es, als ob das Rosenrot des Himmels sich auf dem Antlitz des Unteroffiziers ividerspiegelte. Die bleichen Wangen überzog ein feines Rot. Er schlug die Augen aus.
„Erdmuthe! Erdmuthe!" jubelte der Offizier.
Ein tvuudcrsain, tiesglückseliges Frauenlächeln ging >vi« eine Morgeusonne auf dem stillen Antlitz auf.
„Ulrich!" Dis Augen schlossen sich wieder.
„Erdmuthe hast du dich beim Fallen verletzt? Hast du Schmerzen?"
„Nicht die leisesten."
„Fühlst du dich wohl!"
Da öffnete der Unteroffizier Schneider wieder die . Augen.
„Unbeschreiblich ivohl! Und so glücklich! So wunschlos glücklich!"
Ulrich Erlen war neben ihm hingekuiet
„Mein Weib! Mein liebes einziges Weib!" quoll es aus seiner Brust heraus. Er nahm ihr Haupt in seinen Arm und bedeckte ihre Lippen niit einem twisten, langeutbehrten Kuß
„Ach! So glücklich!" nüederholte sie flüsternd, sich weltvergessend in seine Arnic schmiegend „Fast ö" viel de» Glückes. Diese herrliche Schlacht geschlagen, Napoleon vernichtet — unser Vaterland frei — und du lebst! Du lebst, killt!"
„Und auch du, Erdmuthe - auch du bist mir geblieben!" Er umschließt mit seinen beiden .Händen ihre Rechte lote in gemeinsamem Gebet. „O Gott! Wie dank ich dir!" Sein Blick sucht de» Himmek. Dann schließt er ihr die Lippen noch einmal mit seligem Kuß. Eine Lerche steigt jubelnd zum blauen Aether empor. Sie singt ein Lied des Dankes, ein Lied der Liebe — nach allen Dodesschauern ein Lied quell- tiesen, himmel'hochjauchzenden Lebens. —
Rattaplan, Rattaplan, Rattaplan! kommt es leise, tod- inatt von Norden her die große Straße entlang. Das ist der Trommler, den General Gnetsenan, als er zn erlahmen drohte, auf ein Pferd hatte setzen lassen.


