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Warnung.
Cflijt aus Ostvreußen.
Bon L. Malten.
Der Gutsherr von Holterwtttschen half seiner Frau aus dem Dattel, während ein junger Stallknecht seinen Trakehner Hengst in den Rotzgatten führte. <tx koste da« Tier und sprach mit ihm — wie »u einem Menschen. Die Fuchsstute der Gutsfrau naschte indessen Zucker aus der Hand seiner Reitettn. einer hochgewachsenen, schlanken Erscheinung. Dicht und glänzend lag das maisgelbe Haar in breiten Zövsen um ihren Kopf geordnet. Sie klopfte dem Tier den Hals und legte ihre Wange an seinen Kopf.
Ueber den Gutshos, der sich weit ausdehnte, rauschte der warme Sommerwind Litauens und sing sich in den dichten Zweigen der alten Nußbäume, die das Tor des Herrenhauses slankietten und die große Veranda beinahe verdeckten.
Der Kämmerer kam über den Dos. „Ich wollt' der gnädigen Frau das PI erd abnehmen —" sagte der Mann und hob die Mütze dom ergrauten Haupt.
„Nichts Neues. Ruschkat?" fragte Werner Skorra.
„Ritten vorhin Zwei vorüber, Herr -- ich mein, sie müssen
ghnen begegnet sein."
Skorra sah seine Frau an. „Sahst du etwas, Annematte?"
Sie schüttelte das blonde Haupt. „Nichts, Werner." Zättlich folgten ihre htllcn Augen dem Tier, das der Kämmerer sott- fübrte „Sie schwärmen herum und sreuen sich an unserer Ordnung hier, Männchen," lachte die Frau, und sorglos legte sie den Arm um ihres Gatten Schulter.
Im Haus sprangen ihnen die Kinder entgegen, die die Fetten »u Haus zubrachten, drtt prächsige Knaben, blond wie Annemarie und ttn Mädchen, dunkel und rassig nne der masuttsche Vater. Schöne, kraftvolle Geslalten zwischen zehn und vierzehn Jahren.
Nach dem Abendessen sagte Skorra zu sttner Frau, die an einer Handarbttt nestelte:
„Pack den Kindern die Koffer, Annematte. sie sollen morgen früh nach Königsberg fahren . . . Am besten wär's, du gingst mit."
„Werner . . . Was fällt dir ttn?"
„Laß gitt sttn, Annematte, tu, was ich sag', wir wissen nicht was über Nacht geschieht."
Anneniatte fuhr sich mit der Hand über die Sttrn ... die Kinder . . vor fünf Jahren war's auch mal so gewesen ... Die Augst vor der russischen Gefahr. Und war im Sande verlausen. Aber ihr Mann halte Recht. Gehorsam ttef sie das Hausmädchen und packte.
Pserdegetravvel. Annematte horchte auf Es klopfte unten argen das Tor. Wer . . .? Ein Nachbar? Sie blickte zum Fenster hinaus und sah Uniformen. Und dann stand sie unten neben ihrem Mann im Herrenzimmer, drtt rusiischen Offizieren gegenüber, die um Quartier baten. Sie sprachen fließend deutsch und verbeugten
( ich sie! vor der Frau des Hauses. Die Dienstleute liefen hin und >er. Werner selbst holte sttncn besten Wein aus dem Keller, während ttn grübelnder Kovf sann — — — was wollten die? War es möglich, daß Rußland uns den Ktteg erklärt . . . Sttn Herz schlug hart, aber er nahm seinen Mannesmut zusammen. Wenn es galt, mußte er auch hinaus vor die Front, womöglich, und wenn schon, dann auch gerade vor den Feind.
Die Tafel glänzte von Silber und Kristall und war besetzt mit dem Auserlesensten, was das reiche Haus des Domänenpächters zu bitten hatte Annemarie schaltete selbst mit in der Küche, die Mamsell schüttelte den Kops über die gnädige Frau, der heute nichts sttn und gut genug war.
Und dann saßen sie beisammen. Annemarie so bleich wie die klackernden Kerzen in den silbernen Armleuchtern. Die Männer rauchten und als der älteste Osiizier. ttn Rittmeister, die Zigarttte in die Sllchenschale warf, erhoben sic sich wie aus ein gegebenes Zeichen
..Wir hassen aut zu schlafen btt Ihnen, Herr Skorra," sagte der Rsitmtttter bedttitfam. aber verbindlich.
„So sicher, wie ein Freund unter ttnes deutschen Mannes Doch nur ruhen kann," entgegnete der Domänenpächter mit ruhigem Ernst.
„Wir sind in Ihrer Hut . . . Herr Rittmttster," sagte Annematte mit ttner Ssimme, durch die ttn kaum wahrnehmbares Zittern flog
Der Ofsi'ier vernttgte sich tttt. „Wir sind Ulanen, gnädige Ara» . ., wir sind kttne Kosaken . ." Mit ttner Geberde des Stoli-s hegltttete btt Russe sttne Worte.
Skorra nahm ttnen der Leuchter von der Tafel und geltttet« die Drtt In das obere Stockwerk, wo die kkremdenzimmer lagen, »on denen zwtt Verbindungstür hatten, während das dtttte gegenüber lag
„Diese beiden Zimmer genügen uns" bestimmt« der Ritt- wttster. . wir benstnen diesen beauemen Divan."
Ein Lächeln huschte über des deutschen Mannes Livven. während er die Worte kttner lTrau wiederholt«' ..Wir sind in gtrer Hut..." Man ve-beuate sich und schied
Atewl"s wattttid stand Annematte inmitten des groben Svttf«- saas». als ibr Mann wieder hereintrat Er langte nach sttner Mütze »ild wollte hinaus, sie trat ihm in den Weg.
„Bleib hier . .
,-Jch will den Hund an die Kette legen, Annematte, daH « kein Unheil anrichtet."
„Bleib', der Ruschkat tat's, ich befahl's ihm... bltth'... draußen wachen zwei." sie zog ihn zum Fenster.
„Donnerwttter!" i
Draußen gingen zwei Wachtposten aus und ab.
Ter Mann, den, die Empörung hoch stieg, daß man ihn gttangen hielt, wollte sich losreißen. Sicher vor den Hellen, angst» ettüllten Äugen sttnes Weibes machte sttn Stolz Halt.
Im Morgendämmern tttt die russische Patrouille daoon.. Ohne Abschied. Tie folgenden Tage Verliesen ruhig, und seitdem die Kinder in Königsberg waren, wurde Annemarie wieder säst so sorglos wie vorher. Nur, daß das Korn herttnkam, trieb sie, als fühlte sie di« nahende Gefahr wie etwas Unbestimmtes., * Und sie kam ...
„Order, Frau, ich mutz in drtt Stunden sott."
„Werner!"
„Ruhe, Kind. . . Du bist doch stark!" Sie blickten sich stumm in die Augeit. Sie nickte.
„Ter Ruschkat und Wilkowski wissen Bescheid. Gib ihnen Vieh und Pferde, Wagen, Lebensmittel, war sie nur berge» können, sie sollen fliehen."
„Unsere guten, braven Leut« ... I" Heiß stürzten Annemarie die Tränen hervor. „Und das Vieh verhungern, die armen Tiere."
„Alle Siolltüren ausheben lassen, daß es hinaus kann und Futter finden . . ." bestimmte der Mann. Aus der Fahrt znm Regiment gab der Gutsherr dem Inspektor weitere Weisungen. „Und bringen Sie meine Frau in Sicherheit, Wukowski."
Wie ttne Lawine stürzten sie übers Land. Witkowssi hatte sie gesehen. Wie ttn Gttagter kam er in der Nacht zurück.
„Russen überall — gnädige Frau — Sie müssen sott. .
Aber Anneniatte zögen e noch immer. Nur die Leute ttteb sie an und hals ihnen einpacken. was Küche und Keller hergab. All ihre Haussrauenschätze an Fleisch und Konserven, Vorräten an Wttn und Svitttuosen, was sie hatte, gab sie hin . . . aber si« blieb. Ihr Herz konnte dem Fuß nicht folgen, den sie zögernd hob. Die Leute wollten nicht fort und sie allein lassen. Si« ttteb sie mit nie gehätten harten Worten sott. Sie schrie:
„Wollt Ihr Euch morden lassen?" Und sie zogen hinaus in unbestimmte Ziel«.. . Wieder stand der Inspektor vor ihr. „Gnädige Frau, morgen früh mutz ich sott, meine Order ist hier, kein Mann bleibt Ihnen."
„Was sollen sie mir denn — tun — einer — Frau — " stammelte sie und in ihren Ohren klang ttne fremde Stimme,-, „Wir sind Ulanen... wir sind kttne Kosaken..."
Sie schauderte.
Nacht... sFn den Ställen tttz das Vieh an den Ketten. Annematte Hütte den Inspektor, wie er die Tiere loslöste. Sie lag angcklttdet im Lehnstuhl ihres Mannes, als die Tür ausge- ttssen wurde. Ihr Mädchen, das sie nicht verlassen wollte, stürzt« herein. „Gnädig« Frau, die Russen... es brennt... an allen Ecken brennts!" Sie stürzten hinaus und standen inmitten ttner Feucrlohc. Trüben über den Wiesen zogen die Flüchtenden. Annematte erfaßte des Mädchens Hand. Sie litten. Nichts mit sich nehmend, als was sie ans dem Lttbe trugen. Von allen Seiten kamen sie aus den brennenden Gehöften heraus. Männer, Frauen und Kinder, und hinter ihnen stürzten prasselnd die stolzen Scheunen mit dem reichen Vorrat tn glühend« Trümmer.
Schluchzen und Schrtten hallte über da« sonst so lachende Land. .. <
Mit znsammengepretzten Lippen, die Hellen Augen voll starren Entsetzens stand Annematte Skorra vor der kleinen Bahnstation zw scheu wimmernden Frauen und Kindern, z»oi!chen stumpf dretn- btickenden Männern. Am Himmel hing der Mond gelbrot und beleuchtete i h r maisgoldenes Haar, das losgelöst um ihre blassen Wangen hing. Sprach ttner neben ihr...? Sie hörte deutlich ttne Stimme:... Wir sind keine Kosaken...
Der Krieg im alten deutschen Sprichwort.
Daß der Krieg, dem wir erst kürzlich mst ovferwilliger Ent- schtosienbeit den ersten Milliardenzuschuß bertttstellten, gehöttg Geld fordert, wußten auch unsere Altvordern schon. Denn s!« meinen: „Ter ktteg zum anfang fordert gelt, und der zum fort- gang aber gelt, und zum außwatten tttel gelt!" Ferner: „Der Krieg ist ttn Faß ohne Boden", und: „Detz kttcqs und bawens haubtadern sind gelt: wo die verbluten, so sie»gl kein Fahn mehr und krähet kein Han mehr auff der zelt". Ein latunrg Berslein aber bemerkt: „Kttegsknecht und Bäckettchwein wollen sttt« ge- süttett sttn!" Ten „kaufmännischen Hintergrund" des Politlsch» divlomatischen Sviels lval. die Herren Engländern kennt schon das alt« Svttchwort: „Krieg kompt vom wöttletn mttn und dein", Tic Vorzüge des Angrisisvettahrens, von dem unter« Deere besonders in Belgien und Frankreich so glänzende Droben abgelegt haben, ettäutert da« Volkswott: Ktteg till» bester, stm
Pferd an des Feindes Zaun zu binden, als an sttnen eygeuen «
Dem Großen Generalstab schttnt folgender Satz sttn: „Ktteg verlangt viel bände, aber nur einen Kops'. UiM auch solche Warnungen könnten ihm dienen, wt«: „Es gilt vt


