Ausgabe 
18.11.1914
 
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vermischte».

Der Schlaf des Kriegers. ,Der Schlaf ist die Spar- büchle des Lebens", ha! ein berühmter Stratege gesagt, und an diesen im Kriege besonders wahren Ausspruch erinnert Teiloff von Berg, der tnlieber Land und Meer" (Deutsche Verlags- Anstalt in Stuttgarts sehr fesselnd von seinen Feldzugsersahrungen in dieser Hinsicht erzählt.Ich habe in meiner militärischen Praxis die Erfahrung gemacht, daß ein Schlaf, den inan zu jeder Zeit herbelruien und ebenso wieder abschütteln kann, schon in der Garnison, vor allem auf dein Truppenübungsplatz und im Manöver, von eminenter Bedeutung für die geistige und körperliche Leislungs- Fähigkeit ist, wie viel mehr erst im Kriege I Bei meiner Kompagnie ivaren wir unser fünf Offiziere, drei Reserveoffiziere und zwei aktive. Wir hatten beim Etsenbahntransporl andertdalb Stadlbahnkuvecs zur Verfügung und berieten, als der Abend nabte, emsig die Frage der Nachtruhe. Wache war nicht nötig, den» die war schon kom­mandiert, außerdem wachte» ja die Maden i» einem Pflaumen­paket und die Flöhe in einer ivollenen Decke. Also au! drei Bänke ivare» fünf Männer zu verteilen, ins Gepäcknetz wollte keiner, da schlieien schon Schokolade, Revolver und so weiter und beinahe ein Dackel, denn de» ineinigen hätte» wir fast niitgenonnnen. . . Also endlich:Setzt die Gewehre zusammen! Rechts von den Gewehren hinfetze» l" Wie die gezähmten Krokodile lagen meine braven, riesigen Grenadiere da, und der Schlaf des Kriegers trat in feine Rechte. Kein Wunder: gestern Kilonieter bei der Hitze, »m 7 Uhr Biwak, um '/»IO Uhr Ruhe im Zelt, um V,3 Uhr nachts Auibrnch, und nun war es schon wieder II Uhr vormittags, dabei stand noch ein langer Marsch in Aussicht, und seit 4 Uhr war man schon wieder unterwegs. Also hol der T... den, der jetzt nicht so'ort pennt!" hieß die Losung. Auch an Humor fehlte eS nicht. Während ein ohrenbetäubendes Artillerieduell im Gange ivar von unS keinen halben Kilometer entfernt und wir zu dieser süßen Musik ivohlig schlummerte», band ein Spaßvogel leise einen seiner Ichlasenden Freunde an einen Baum lest die Folgen lassen sich denken, als es an die Gewehre ging. Auch schlief einst jemand aus der Protz« eines Geschützes, zu dem er gar nicht gehörte, er rostte davon mit ihm, o weh er erwachte, rettete sich durch einen Sprung in eine Wiese und kam an einer Stelle, Beine zu oberst, nieder, da, ivo vorher gerade eine Kuh gelrühstückt hatte. Welch gesunder Humor liegt in unseren Soldaten, ivelch behag­liche Siegerstimmung alles angesichts der Mord und Tod speienden Feuerschlünde des Gegners.

" Rockeiellers Milltonen-Hillsslistiing. Ein« großzügige Stiltuug von 400 'Mistionen ist von Rockekester gemacht worden, um eine umfassende Hille für durch de» Krieg geschädigte Nichtkämpler ins Leben zn rufen. Als erstes Zeugnis dieser tat- krältige» Unterstützung des leidenden Europa durch den reichsten Mann der Welt ist am 3. November der DampferMassepcqua" von New Jork abgeganqen, der nach Rotterdam bestimmt ist und die Rot der Belgier linder» hellen sost. Ter Dampfer enthalt 4000 Tonnen Mehl, Reis und Bohnen, im ganzen Nahrungsmittel iin Werte von 1100 000 Mark. lieber die Grundsätze bei der Gründung und Verteilung dieser Stillung hat sich der jüngere Rocktester lolgendermaßen ausgesprochen:Es ist klar, daß eine der entsetzlichste» und schlimmsten Wirkungen des Krieges die Nicht- kämpler treffen wird, alle die. die i» jeder Hinsicht am unschuldigsten unter dem Kriege leiden, und daher ist die Nockeleller-SIistnug dazu bestimmt, diesen Richtkämpsern in den verschiedenen betroffenen Länder», wenn es notwendig ist, mit vielen Millionen Dollar Unter­stützung zu geivähren. Tiefes Unternehmen ist nur natürlich, wenn die Stillung ihren eigentlichen Zweck eriüllen ivist, nämlich de», zu dem Wohlbestuden der ganzen Menschheit tn der Welt beizutragen." Die Verteilung der von der Rockeseller-Sliltung zur Verfügung ge­stellten Mittel erfolgt durch die amerikanische Gesandtschaft des be­treffenden Landes. Tie Vorbereitungen für diese großzügige Hilfe wlirden von den beiden Rockeiellers ganz im geheuneil unter­nommen, ivcil sie nicht ivollten, daß die andere» amerikanischen Wohltäligkeitsbestrebungen irgendwie beeinträchtigt ivürden, wenn etivas von ihrer Stillung vorzeitig bekannt würde: sie betonen vielmehr, daß sie nur mit gutem Beispiel vorangehe» ivollen, und daß die von Ihnen zur Verfügung gestellten Suminen die Wohl­tätigkeit der Vereinigten Staaten nicht etiva abschwächen, sondern nur verdoppeln sollten.

"Die Streichhölzer und der Krieg. Aus die schwierige Lage, i» die unsere Zündholzindustrie durch den Krieg geraten ist, inacht ein Aufsatz der Holzwell aufmerk am. Das für die Fabrikation nötige Aspenholz ivird in nächster Zeit last garnicht mehr zu beschaffen sein. Die deutschen Zündholzlabrikanten habe» sich schon in Frieoenszeiten darüber beklagt, daß sie lediglich aus Rußland als Quelle für dielen Rohstoff angewiesen seien. Run ist der Verkehr mit den russischen Alpenholzländern völlig unterbrochen und dazu hat es ein tmglücklicher Zuiall noch ge­wollt. daß die deutschen Zündholzhersteller diesmal nicht ivie sonst im Frühjahr in Rußland ihren Einkauf an Aspenholz besorgt haben. Sie hielten die Preissorderunge^ für z» hoch und meinten, daß ne wesentlich billiger kaufen würden, wenn sie mit ihren Ein­käufen bis zum Herbst warten ivürden. Als nun der Kiieg tam, war diese Hoffnung natürlich zu Schanden und es ergab sich, «

daß die Zündholzlabrikanten nur ganz kleine Lagerbestände an verarbeitungsfähigem Aspenholz besaßen. Die deutsche» Forcen haben nun freilich auch Bestände in Afpenhötzern, aber sie reichen nicht im entserntesten aus, um den Bedarf z» decken. Tie meisten Ziindholzsabriken brauchen also ;etzt ihre kleinen Vorräte in Aspen- holz ans und werden sich dann bemühen, etwas Rohstoff im In­land aukzntreiben. Da ihnen dies nur schwer und in geringem Maße gelingen kann, so ist für das Jahr 1915 eine allgemein» Betriebseinschränkung der Zünddolziabriken zu crivarten, und man muß mit einer vermehrten Verwendung der Zündholz-Surrogate rechnen.

"Die Wahrheit über das Edelweiß. Die Sucht nach dein Edelweiß hat schon so manches blühende Menschenleben gekostet und der geheimnisvolle Zauber, den diese Blume ausüdt, ivächst von Jahr z» Ialir In einem soeben erschienenen Buch Abenteuer unter wilden Blume»" beleuchtet nun der Naturforscher John Treveua die Sinnlosigkeit dieserEdeliveiß-Sucht". Tie Blume gilt bekanntlich als das höchste und lchönste Symbol der Alpeiiivclt: man glaubt, daß sie nur aus unzugängliche» Gipfeln wohne, begraben im ewigen Schnee, und daß der Ruhm des kühnen Alpinisten nun in der Eroberung dieser Blüte seinen charakteristi­schen Ausdruck fände. DieBlumenköuigin des Hoch ebirgeS" ist aber in Wahrheit nur ein Eirdringling m diesen Gebieten; sie ge­deiht durchaus nicht nur aus den Lchueeberqen, sondern kann auch überall anderswo geznckitct iverde». Ja das Edelweiß ist wahr­scheinlich überhaupt keine Alpenpflanze, sondern es ist erst nach der Schweiz aus den Steppenaebicten emgeiührt ivorden. Daß es durchaus nicht schwierig ist, die Pflanze i» einem geeigneten Klima au'zuziehen, beweist Trevena durch leinf eigene Erfahrung.Leute, die auf ihre Gärte» stolz sind, betrete» mtt Staune» die kleine Wildnis meines Steingartens, die dicht intt Edelweiß bedeckt ist", erzählt er.Ist das wirklich Edeliveiß", fragen sie und iügen ot Hinz»:Aber natürlich nicht das Edel- iveiß, das in den Alpen wächst!" lind ivenn ich ihnen versichere, daß eS genau dieselbe Pflanze ist, und ihnen erkläre, daß sie viel leichter zu züchten ist als die einfachste Lnbrieiia, dann sehen sie mich ganz ungläubig an." Leontopodium alpinmn, allgemein als das Schweizer Edelweiß bekannt, könnte nach Trevenas A> sicht in den Gärten so heimlich iverden ivie das Gänseblümchen und ivürde dann rasch seinen verhängnisvollen Ruhm als Königin der Alpenwelt verltercn. -

vüchertisch.

Sollen >v i r Biloer aus Belgien für die deutschen Sammlungen » e h »i en! Zu diesem Thema nehmen uunniehr auch die bekannte» MonatshefteTie K » n >1" (Verlag F. Bruckmann 31-®., München» in zwei 3lu>sätzen von Professor Earl Voll und Tr. G. I. Wolf Stellung. Tie beiden Schriftsteller gehen hierbei von verschiedenen Gesichtspunkte» aus, kommeii aber beide zu dem Resultat, daß nur, dieBarbaren", di« seinerzeit von der Grande Nation geübte» Methode», durch die das Louvre zum reichsten Museum der Welt geworden ist. -nicht nach- ahmen dürfen, daß ivir das fremde Eigenlu», nnler allen Um­ständen respektiere» müssen und daß also von einer Berauhung der belgischen und französischen private» und siaatliche» Museen durch uns nicht die Rede sein dürfe. Prost Voll, der bekannte Münchener Kunstgclehrte, gibt dabei einen benierkenswerten Uel erblick über die Hauptivcrke, die in belgischen öffentliche» Galerien au beivahrt sind. Tr, Moli kommt in seinemKunslschäi e und Kunstschi.tlale" über» schriebcnen 'Aufsatz auch noch nu> einige andere akiuclle Frage» zu sprechen, die seine AuS'ührung«» höchst leseusivert inachen. Er sei bei dieser Gelegenheit auch auf die überaus glänzende Illu­strierung des Helles derKnust", in welchem ivir diese beiden 'Auf­sätze leie», hingetviesen. Das Hc>t zeigt die Zcillchrilt aul höchster Hobe der Revlod»ktionsk»»st, Eiiiige ivundervoll geratene Repro- duklioiie» nach Plastiken von Adolf v. Hildebcand, dem ein das Wesen der Plastik vorzüglich bcleiichlender Auisntz von Waller Riezlec geividmet ist, dann 'Abbilduuge» »ach Werke» der dies­jährigen Glnspalast-'Ausstellung in München, »ach graphischen Blättern der Bugra-Ausstellung in Leipzig seien besonders hervor- gebobe». I» dem der angeivandten Kunst geiviSmeten Teil lind ebenfalls reich illustrierte Aufsätze über Architektur und Wohnung (Haus Tryander in Zabitzs, über kuustgeiverbliche Gegenstände aus der Kölner 'Ausstellung, über amerikanische Gärten usiv. besonders

erwähnenswert. -

Logogriph.

Vokale gab mau ei >en mir,

Von Konsonante» auch nur vier.

Trotzdem bin ich nicht unzufrieden,

Viel höh'res gibt es nicht hinieden.

Entfernst du ,h" und änderst du ein Zeichen,

So muß das Hohe von mir weiche».

Mein Los ist nun nicht schön zu nenne»,

Man pstegl mich häufig z» verbrennen. ti

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer:

Das ist das Los des Schönen auf der Erde.

Schristleituug: Aug. Goch. - lliolaliousdruck und Verlag der Brüblbche» IIninersitälS-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.