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Apparats, und ein klug aussehender Gemeiner mit goldenem Kneifer nahm mit dem Bisterapparal die Wegaufnahme »ot. Ich fragte, wie es ihnen bei uns ginge, und sie erwiderten sichtlich
S ne Verstellung: „Bien, trds bien." Und schon brach die ftanzö- che Konversatwnslust hervor, als sie einen Schwall von Fragen aus uns niederregnen liehen. Die nun sich nähernde Wache schnitt freilich rasch die Unterredung ab. Und das war gut so . . .
Da, ein dreifach wiederholtes langgezogenes Trompetenzeichen Sammelt euch und antreten zum Abmarsch in die Wohnbaracke! Es war gegen '/,6 Uhr. In der grauen und webenden Dämmerung sab ich sein eine Kette, unendlich lang. Die Glieder ordneten sich militärisch. In schneller Gangart huschte der Zug an der den Besuchern entgegengesetzten Breitseite des neuen Lagerplatzes wie ein Leer von grauen Schatten in den streng abgeschlossenen Teil deS Lagers, wo die Gefangenen wohnen, schlafen und die Mablzeiten einnehmen. In eigenen, von den Mannschaftsräumen geschiedenen Däusern wohnen hier die Offiziere. 60 Pfennige, das sind die durchschnittlichen Kosten, die jeden Tag uns der feindliche Gefangene kostet. Natürlich belaufen sie sich höher, wenn sie erkranken! oder besoirderS geschwächt sind. In der Kantine, die früher, wie auch die Baracken, unseren übenden Truppen diente, dürfen sie sich kaufen, waS ein Soldatenberz, sei es französisch, belgisch oder englisch, begehrt, und der Geldbeutel, den sie mitgebracht haben, erlaubt. Was ich schon draußen bet den Arbeiten beobachtete, dar strenge Absondern der einzelnen Nattonen voneinander, ist auch hier durchgeführt. Sonst wäre bald bei der bekannten „herzlichen Verbrüderung" (entente cordiale!) ein erbitterter Krieg unter ihnen entbrannt. Und der würde von mindestens ebenso langer Dauer sein, wie der Feldkrieg da draußen.
Neues von der Zoldatenzeitung.
Man schreibt uns: Die 3. Kompagnie eines in Frank reich liegenden sächsischen Landsturmbataillons, in dem sich eine Anzahl Buchdrucker befinden, hat, wie kürzlich bekannt wurde, eine regelrechte Soldatenzeitung „Der Landsturm" Herausgaben. Das wöchentlich einmal erscheinende „einzige deutsche Militärwochenblatt auf Frankreichs Fluren" fvird auf den Pressen eines französischen Zeitungsverlegers in Vouziers gedruckt, der seine Besitzung bei Ankunft der Deutschen im Stich gelassen hat. Das Blatt scheint sich außerordentlicher Beliebtheit bei den Kriegern zu erfreuen, und seit seiner vierten Nummer verfügt es bereits über einen Inseratenteil, der ein sehr interessantes Gesicht zeigt und sogar Famtltenanzeigen enthält. Besonders originell mutet die Geburtsanzeige eines französischen Soldaten an, der in der Nummer vom 1. November folgendes bekannt macht:
Vorstadt Falaise, 26. Oktober 1914.
Dank der Hilfe des Kgl. Preuß. Oberarztes aus Köln a. Rh., der sich seit einiger Zeit hier niedergelassen bat, wurde uns heute ein prächtiges Reunpfuno-Mädchen — Löone — geboren.
Andrs Didier, z. Zt. in Verdun beim französischen 166. Infanterie-Regiment, und Frau.
Als Gegengewicht gegen dieses französische Neunpfund- Mädel zeigt ein deutsches Feldarzt-Ehepaar die Geburt eines „kräftigen Vaterlandsverteidigers" an. Weiter findet sich im Anzeigenteil eine „Einladung zur Schnitzeljag d", die am ö. November, dem Hubertustag, abgehalten wurde, und ein Hinweis auf die sonntäglich von 12—1 Uhr mittags stattfindende „Platzmusik". Die Bataillons-Bäckerei erbittet „schonietzt Bestellungen auf Weihnachtsstollen", und die Küchenverwaltung erläßt folgende vielversprechende Anzeige:
Conds les Vouziers Sonntag, den 1. November Verspätetes Oktoberfest verbunden mit Schlachtfest bei vollständig besetzter Hausknpelle.
Spez. : Dausmacher-Leberwurst.
Die Küchenverwaltung. Auweiler, Sergeant.
Daß auch Kritik und Satire zu ihrem Rechte kommen, zeigt ein Inserat, das, wenn auch nicht sehr liebevoll, so doch ohne Bosheit den Betrieb der Feldpost glossiert:
Um den vielen Klagen über unser Institut ab- znhelsen, sind wir berett, noch einige rüsttgeBotenfrauen einzustellen. Schriftliche Angebote au Die Feldpost.
Der redaktionelle Teil des sauber hergestellten Blattes Wjjyjjlt ^rtlaufend die Neuigkeiten von den Kriegsschau-
-tttÜel
Feldpostbriefe, Gedichte usw. Auch ein richtiger Leit-
Der Gefangene von hohenasperg.
Auf dem Hohenasperg bei Stuttgart weilt zurzeit ei« französischerUn iversitätsprofessorals Kriegsgefangener. Der Gelehrte, der au seiner HeimatunivcrsiiLI Dozent für deutsche Sprache und Literatur ist, hat kürzlich ein Gedicht in deutscher Sprache verfaßt, das jetzt von württembergischen Blättern veröffentlicht wird. Die schönen Verse lauten:
Fremdes Bolk und fremde Gaue,
Fremde Sprache — tfl'ä ein Traum k Ich bin wach; doch was ich schauez Was ich döre, lass' ich kaum I War'« nicht gestern, als der wilden Feinde graue Uebermacbt Au! des Vaterlands Gefilden Uns bedrängt in heißer Schlacht?
Noch tönt mir der 8»mbrs-zleaso Heller Klang >m Obre nach,
Noch bör' ich daS Kampsgetöse,
Ter Kanonen Tonnersprach' ■»
Und ans Feindes Veste blick'
Jetzt binanS in Feindesland Tausend beiße Grüße schick ich Dalnn, wo um Waldesrand Sacht' die Abendionu' geglitten —
Tort wett draußen such' ich sie,
Sie, für die ich Hab' gestritten:
Meine teure Normattdie.
Gleiche Sonn' vom gleichen Himmel Leuchtet ireundlich hier und dort,
Eie t dort au! das Kriegsgetümnrel,
Aul Zerstörung, Brand unb 'Mord.
Siebt liier au! ein Land im Frieden,
Tas vom Kriege unberübrt!
Ach, ich wollt', ibm war' veschieden,
Was mein Heimatland gespürt:
Beutegierige Barbaren?
Rohes Volk voll Trag nnd Haß?
Fratikreichs Uttlergang seit Jahren Planend ohne Unterlaß?
Hier nun wohnt es: diese Städte,
Diese Törler, dieses Feld?
Nein, mit rohe» Händen hätte Es sie nicht gebaut, bestellt.
Stille, Fleiß und Gottverlraue»,
Heitnattiebe atmet sie,
Diese Landschalt, anzuschauen Schön wie ineine Normaiidte.
Als wir, die aeiaiigeueii Feinde,
Trunle» zogen durch die Stadt —
Still und erlist iiand die Geineinde,
Manches Auge Tränen hati'
Für uns. Robe Sieger hätten Wut und Hohn und bttt're» Spott;
Doch sie achten auch in Ketten Uns als Brüder noch vor Gott.
Wer lst's, der den Brand eiitsacht«,
Der dteS stolze Volk umlohk,
Wer tst'S, der uns glaube» inachte,
Daß eS frevelnd »ns bedroht? —
Frankreich! Deine Söhne sterben,
Teiiie Marken sind zerstört,
Nicht durch Feindes Schuld, Verderben Schui der Freund, der dich betört.
Falleber Freund, er raubt sür immer,
WaS dir Ruht» und Glanz verlieh,
Und es stürzt mit dir in Trümmer Meine arme No>ma»die —I
Sitalcnrätsel.
AuS jedem der folgende» Zitate ist ein Wort zu nehmen, s» daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Kühn war das Wort, weil es die Tat nicht war.
2. Eng ist die Well und das Gehirn ist weit.
g. Nicht da« Große, nur das Meiischliche gefcheh«.
4. Jedwede Fahn' zog ihren Mann durch's Los.
6. Eifersüchtig sind des Schicksals Mächte.
6. Aber Re e soll nicht deiner Seele schönen Frieden stören.
7. Das Schiff nnr bin ich aus das er seine Hoffnung hat geladen«
8. Das Lebeii wagt der Mut, nicht das Gewiffen.
9. Dem böse» Weif! gebärt die Erde, nicht dem guten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nmmnkri reo — Hanjf — Kma — Knioforum — l«enne|» — Vetter — Oppert'
Aloe
»euer — voperr;
Thekla von Gumpert.
?!christleit»ng: Äug Goetz. - Rotationsdruck und Verlag d?! Brühi'schen Uuinersitkst?-Buch- »ud Steludruckerei, R. Lange, Gießen.


