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gegen die Menschcnmauern an. Ganze Glieder werden über­ritten. Von allen Seiten stürzen Retter herbei, englische, französische Reiter zu wilden Klumpen ist alles geballt Fahnen werden erobert Flüchtende in Haufen jagen auf der breiten Straße nach Brüssel zurück aber immer von neuem weis; der große Taktiker Wellington, der längst seinen

ä llatz unter der Ulme verlassen und sich mitten in eines der jarrees begeben hat, die ihm gebliebenen Truppen zusami- menzuscharen und richtig zu verteilen. Wieder und wieder erneuert Ney in wütender Raserei den Angriff. Wieder und wieder weist Wellington ihn mit kalter Stirn zurück. Aus­harren bis auf den letzten Mann! steht in seinen eisernen Zügen geschrieben. Sein Auge überfliegt die kleine Schar, die ihm geblieben. Kaum dreißigtausend Mann. Aber die besten der Besten sind's! Die zähesten der Zähen. Und sie stehen noch! Noch stehen sie! Wie lange noch?!

Daß doch die Preußen kämen!

lFortsetzung folgt.)

vilder vom Kriege.

' Bon H. 9W. Stelzmann.

Wlcnn unsere Helden begraben werden.

Ich sah ein Heldenbegräbnis im Feindesland«. Ich sah auch «ins ans deutscher Erde. Ersteres war einfach und schlicht; letz­teres großartig und fast prunkvoll.

Es war in einem Weiler bei einem zerschossenen Dorfe in der .Nachbarschaft der unheimlichen Mrgonnen. Man batte ihn gebracht, den jungen bartlosen Mann, die Brust zerrissen durch Znen Granatsplitter. Ohne Besinnung lag er da, aus der stroh- bedeckten Diele des leeren -Bauernhauses. Was er war, wußte man. Er trug den grünen Jägerrock. Wer er war, wußte man nicht. Tie Erkennungsmarke hatte die Granate mit hinweg- gerissen. Und auf Fragen hörte er nicht inehr. Die Kompagnie, das -Bataillon blieben die einzigen Anhaltspunkte. Tann ver­schied er, ohne langen Kampf, fast^friedlich. Ein Kamerad mehr in der toten Arnrce, die aus dem Soldatcnfrietdhof sich sammelte. Ter lag in den Hügeln ati der Maas, mit Stacheldraht umhegt. Fein säuberlich abgcstecki, ein Meisterwerk der getreuen Toten­gräber unseres Heeres, unserer Pioniere.

Man hob ihn auf einen Leiterwagen. Ein schmuckloser Sarg aus vier Tannenbrettern, mit grünen Tannenreisern geschmückt. Behutsam zog das Topvclgespann der müden Artilleriepferde an, und der kleine Zug setzte sich in Bewegung. Voran der alte Ortspsarrer mit Meßjungen und Küster, mit Kreuz und Weih- ranchsaß. und Weihwasserwedel. Dahinter die Verwundeten aus dem Feldlazarett, soweit sie gehe» konnten, mit Stock und Binde um Arm oder Hand, um Kops oder Sttrne. Dazu der Arzt und di« Sanitäter und die fteiwilligen Krankenpsleger mit den weißen Kappen. Geduckt und gepreßt, stier und stumpf schauten die wenigen Bauern den: traurigen Zuge am Wege zu, der von gedämpftem, in Pausen wirbelndem Trommelschlag begleitet wurde. Tic zur Salve kommandierten Mannschaften beschlossen das Ge­leite. «

Nun war er in der Erde. Ter Geistliche betete über dem oftenen Grabe die lateinischen Gebete seiner Kirche, segnete mit geweihtem Wasser den Toten, ließ Weihrauchwolken über das Grab steigen und berührte mit der Spitze der Kruzifftstange drei­mal den Sargdeckel. Das Paternoster, das er mit dem Küster abwechselnd betete, sagte mit, wer lateinisch konnte. Mancher der Feldgrauen bekreuzte sich. Und als die dreimalige Salve über dem qffenen Grabe durch den gedrängten Nebel des Totennronats, des November, verknattert war, trat einer aus der grauen Schar und sprach laut das deutsche Vaterunser für den Gefallenen, den Helden ohne Namen. Erschütternd klang das!----

Der Zug ordnet sich, die Handvoll Ecke, die ihm gebührt, hat jeder ihm gegeben und ein frommes Lied, das aus rauh ge­wordenen Kehlen zum verhangenen Himmel schwebt. Die Ge- ^cktheit der Männer bleibt. Tie Frage will nicht weichen: Wer war es, der dort für uns starb?"

In der Heimat starb unlängst «in Soldat an den Folgen eines Kopfschusses. Besonders tragisch waren die Umstände, unter denen er das Opfer einer feindlichen Kugel wurde. Er hatte soeben eine Liebesgabensendung aus der Heimat erhalten. Seine erste war es. Wochenlang hatte er in den Schützengräben gelegen und gedarbt mit den Kameraden. Nun wollte er auch gut leben mit den Kame­raden und verteilte die köstlichen Dinge. Da bog er sich ein wenig »u hoch vor und im selben Augenblick riß es ihn nieder. Doch auf deutscher Erde wollte er noch sterben. Und so geschah es.

Eine große Menschenmenge hatte sich schon geraume Zeit vor der Beerdigung am Krankenhause eingefunden und hielt die Weg« »um Friedhof besetzt. Es war der erste gestorbene Krieger, den man in dem Kreisstädtchen zu Grabe trug. Stückweise drangen die Akkorde eines Männerchors über den weiten Spitalgarten hinüber. Man hielt drinnen die Leichenfeier. Endlich, endlich kam der Zug. Eine stattliche Musikkapelle und dumpf verhaltene Trommelschläge

vor dem schwarz verhängten Leichenwagen. Dann zwei Angehörige und die gesamte Schar unserer feldgrauen Verwundeten, soweit ft« gehen konnten. Die gehörten dazu, die gaben den richtigen, den ernstesten Ton dazu. Viele Kränze folgten, die di« Kameraden; trugen. Tann kamen sie mit umflorten Fahnen und Schirmmützen, die Helden von 1870/71 in gutem, festem Tritt und nach den Re­gimentsvereinen geordnet; zuletzt die übrigen in schwarzem Rock und hohem Hut, die Vertreter des Landratsamtes, der Bürger­meister, der Behörden. Die endlosen Reihen schloß der Männerchor und einige Wagen.

So prunkend und mächtig war der Zug, wie ihn Stadt und Kreis noch nicht gesehen. Und er galt dem stillen Toten in dem schlichten Sarge unter dem aufgelegten Helm und Schwert. Er galt zugleich einem Ideal, dem großen erhabenen Opfermut, von dem ein Teil auch der Gefallenen in sich getragen und der unser? Millionenbecre beseelt, hebt und beschwingt. Davon war erfüllt die Rede des Predigers am Grabe. Die grauköpfigen Veteranen beugten sich vor dem Gedanken; auch unsere Kinder, unsere Enkel wissen den Heldentod zu sterben. Und als die Choräle der Musik, des Männergesanges verllungen, und dreimal die Kommandos: Achtung! Laden! Hoch! Legt an! Feuer!" gegeben und befolgt waren, die Grube sich mit Erde zu füllen anfing, ging's in Ord­nung zurück.

Strammer setzte man den Fuß nach dem Takt der Musik. Ter finnländische Reitermarsch schmettert auf in die Lüfte. Das Leben trat hinter dem Kirchhossgitt« zu uns und sprach:Ich gebe den Sieg und mich, wenn der Tod das Werk getan. Tod und Leben, Sieg und Sterben sind aneinander gebunden! Was Hilst da groß llagen!"

Bei den Kriegsgefangenen.

Rovembertag, trüb und verhangen am Morgen, sich llärend am späten Nachmittag. Sanft wie das Auge einer Mutter blickt die scheidende Sonne über die Heide. Me liegt groß und einsam, arm und dürfttg vor den großen Toren der Festung im Westen, die zur Wacht am Rhein berufen und gerüstet ist.

Das gedänrpfte Licht vergoldet die Waldlichtungen, in denen jetzt ein reges Leben herrscht. Männer mit der kreuzgeschmückten Kapve des Landwehrmannes gehen mit geladenem Gewehr und geschärftem Blick aus und ab Schmächtige Männer mit dunllem Haar und dunllem Gesicht arbeften lässig am Boden. Blaue Mäntel schlottern über grellrote, schmutzige Hosen. Ihr Gesicht zeigt nur in Einzelsällen Berbissenheit, vorzugsweise bei den Belgrenr mrt ihren graublauen Hosen und graublauen Käppis und bei den Engländern, Ein gewisser Einschlag von Ergebenheit und Schickung in das harte, aber gerechte Los, das ihnen der Krieg geschüttelt hat, ist ihnen eigen. Ein Kerlchen pfiff sogar still zufrieden ein munteres fran­zösisches Liedchen vor sich hin. Vom Korporal aufwärts brauchen die Gefangenen nicht zu arbeiten. Das sind dann die, die am ehesten aufsässig unv widerspenstig werden. Sie stehen meist da und schauen sich die neugierigen Fremden an, die bis zur Posten­linie sich wagen, die Hände in die Tiefen der Hosentaschen gedrückt und eine kleine Mutzvfeife rauchend, nicht selten kalt. Die typische Haltung des faulen Romanen. Geradezu verrückt nehmen sich zwei englische hochgereckte Osftziere aus. Sie gehen in einem beschleu­nigten Zeitmaß unentwegt in der nämlichen Richtung vorwärts und zurück, die Hände in den Hosentaschen und mit den langen Beinen daherstochernd. Die Engländer sehen nicht unvorteilhaft aus in den wohl erhaltenen gelbbraunen Khakiuniformen. Sie haben durch- gehends ihre Sachen noch an. Me französischen und belgischen Kameraden dagegen manches Stück, das sonst den Zivilisten schmückt. Hier eine Kapve, dort eine Manchesterhose. Der bärttge Vierziger da, ein Franzose, trägt überhaupt nur Zivil, der Nordafrikaner einen wollenen Umhang um den Schultern.

Me Gefangenen bearbeiten hauptsächlich das Gelände, um es für ein großes Barackenlager zu ebnen. Graben für Kanalanschluß werden gezogen und auSgehoben, die Kiefern gefällt, um Platz gewinnen, unebene ttefcre Stellen ausgefüllt, höhere abgetragerst Obwohl die Leute sich nicht übermäßig anstrengen in den sechs Stunden, die sie abzuarbeiten haben, sieht das Ganze wie ein Ameisengewimmel aus. Kleine Feldbahnen durchziehen das Ar­beitsfeld, und polternd werden die Wägelchen umgestülpt. Einen besonderen Spaß haben die Männer, wenn sie als Lenker und Mit­fahrer die abschüssige Bahn von der einen Breitseite zur anderen mit herabschießen. Andere, vornehmlich diesmal Engländer, bauen eine Baracke auf. Me Wohnungen find rechteckige Holzhäuser, die in zwei Hälften geteilt find. Jede Hälfte nimmt 75 Mann auf. Dazu kommen die Unteroffiziere, die in einer eigenen lleinen Stube gleicht am Eingang hausen. Außerordentlich sauber und gefällig werden diese Häuser gemacht. So schön haben es ihre Gegner auf den französischen Truppenübungsplätzen, z. B. auf der Hochfläche bei Limoges, nicht. Dott liegen bekanntlich viele der Unsrigen als Kriegsgefangene, und es ist schon bekannt geworden, in was ftlr alten, kalten und zugigen Äretterhäusern die Armen dort wohnen. Selbst Zentralheizung fehlt nicht in unseren Lagern.

Den ersten Trupp Rvthosen tras ich bei dem Dorfe W., baß dem Uebungsplatz den Namen gibt. Sie hatten die Landstraße zu reinigen und auszubessern. Den letzten begegnete ich im Walde, ans der Heide. Sie legten einen neuen Weg an. Ein Artillerist, erkenntlich an der blauen Hose und zwei roten Biesen, hielt mit einem gewissen Stolz die hohe Meßstangc, andere trugen die