Sitz —
Mc ist das Wild, das sich zwischen die beide,: Linien verirrt, der Anlatz z» spaßhaften Zwischenfällen. Ein Vase z. B. wird Volt den französischen wie von den deutschen Schützengräben mit Salven empfangen, und wenn das Wild erlegt ist, besteht eigentlich die Gefahr, daß die Jäger aufeinander losgehen. Dann heben die Deutschen etn weißes Taschentuch hoch und rufen: „Tabak, Tabak!" Die französischen Soldaten bringen ein großes Pack Tabak zusammen, einer von ihnen geht hinaus, nimmt den Vasen und legt den Tabak an seine Stelle, den sich dann ein deutscher Soldat ruhig holt. Wenn aber ein Soldat eine Minute später unvorsichtig den Kops hervorstecken sollte, so würde er bald merken, wie ernst die Lage ist. Gelegentlich wird auch eine Schießbelustigung veranstaltet, ein französischer Soldat hält auf einem Stock ein Käppi hoch, und von dem feindlichen Schützengraben beginnt man sofort danach zu schießen. Jeder Treffer wird dann von den Franzosen durch Winken mir einer Schippe oder vacke angezeigt. Auch von dem „Komfort" \)\ den Schützengräben werden Wunderdinge erzählt. So haben sich aji einer Stelle die Franzosen ein Badezimmer eingerichtet, in dem die Kompagnie jeden Mopgen eine warme Dusche nehmen kann. Ei» großes Loch von 6 Mir. Durchmesser ist mir weißen Ziegeln ausgelegt, die in den zerstörten Häusern gefunden wurden, und mit Blech überdeckt, auf das eine dicke Schicht Ackererde gestreut ist. Draußen ist ein Ösen zur Erwärpiung des Wassers gemauert, das durch Röhren geleitet wird und in Duschen aus vier Wannen
i ällt. In dem Baderaum sind Oefen, Bänke, Garderobenhalter und ogar ein W. E. Die großartige Einrichtung wird allgemein be- lmndert und auch von den Generälen besichtigt. Ebenso ist ein Friseurladen in den Schützengräben eingerichtet, und man denkt sogar an ein kleines Theater für Konzertaufsührnngkn.
* Kitcheners Feuertanse 1870. Aus einem Aussatz des „Strand Magazine' erfährt man mit Ueberraschting, daß Lord Kttchener, aus den heute die Engländer als aus ihren Netter hoffe», seine Feuertauie im deulsch-sranzösischen Krieg 1870 erhalten hat. Er war damals als Zögling in die Militärakademie in Woolwich eingetreten und dann hatte er sich elnsach eines Tages davongemacht, ,nn sich zu den Franzosen zu begeben; unter General Chanzy erhielt er seine Feuertanse. Das Abenteuer hätte ihn beinahe seine militärische Lansbahn im englische» Heere gekostet, denn seine Vorgesetzten waren über das kühne llntersangen des angehenden Offiziers höchst aufgeregt. Sobald es bekannt ivnrde, daß er im Heere des Generals Chanzy war, erhielt er sofort den strengen Besehl, zurückzukehren. Ter Herzog von Cambridge übernahm den Antrag, den jungen Mann gehörig zurechtzusetzen. Ter Herzog hat spater den Zivischenkall selbst erzählt: „Ich war im Zweifel, ob ich dem jungen Bursche» sein Oifizierspalent nehmen sollte, und fragte ihn: „Warum laten Sie dies?' „Entschuldigen Sie, Eir,' lautete die Antwort, „ich inerkle, daß ich einige Zeit nicht gebraucht wurde» und ich konnte nicht »»tätig bleiben. Ich dachte, ich könnte etwas lernen." Das war keine Ausflucht. Der junge Mann sagte es so männlich, daß ich sah, es war wirklich Entschlossenheit in ihm, und so sagte ich ihm, er hätte etwas Unverzeihliches getan, und beschloß, daß er das Osfizierspatent erhalten sollte."
' V o r p o st e n s ch a b e r n a ck. Im Jahre 1370 trieben die belagerten Pariser eine ungeheure PUinitionsverschweudnug. Den deutschen Posten bereitete es großen Spaß, diese Schießlust heraus- zusordern und die Feinde durch künstliche Ziele zur tollsten Knallerei zü veranlassen. „So Haltes die Preußen," wie Hauptmann Tanera erzählt, „an verschiedenen Stellen Strohmänner ausgestellt, die sich bewege» und freundlich grüßen konnten, wenn sie von einem französischen Geschoß getroffen wurden. Einen Helm aus einem Kürbis bald da, bald dort über die Brustwehr schauen zu lassen, gehörte z» der Hauptunterhaltuug der Vorposten. Das Gelungenste sah ich aber bei einer Batterie bei Valcnton. In deren Nähe hatten die Artilleristen eine ganz nette Scheiubatlerie errichtet und mit Ofenrohren statt mit Kanonen armiert. Hier und da zündeten sie vor derselben etwas Pulver an, was man von fern wohl für das Ausblitzen eines Schusses halten konnte. Neben der Batterie hatte» lustige Kanoniere aus einem weiß angestrichenen Faßdeckel, der aus eine lauge Stange genagelt war, eine bewegliche Zielrute errichtet. Schossen nun die Franzosen unrichtig aus die falsche Batterie, so wurde mit der erwähnten Rute abgewinkt und die Richtung des Fehlers bezeichnet." Zum größten Ergötzen der deutschen Soldaten schossen die Pariser auch wie uusinig aus einen auSgestopiten Bären, den mau aus einem verlassenen Kürschncr- laden herbeigeschleppt und mit Helm, Koppel und Seitengewehr ausgerüstet hatte. Bei Tage wurde das geduldige Tier hinter der Mauer der gesprengten Brücke bei Sövres verborgen gehalten, beim Einbruch der Dämmerung aber als Zielscheibe ausgestellt. „Trotz des schiechten Schießens halte Meister Petz doch zuletzt den ganzen Pelz voll Ehassepotkugeln stecken."
„Wohltätige" Frauen. Auf eine merkwürdige Spielart englischer Wohltätigkeit macht ein Aussatz des „Daily Ehronicle" ausmecksam, der sich mit der traurigen Lage der „GeschästSirauen" in diesen KriegSzeiten beschästigt. Zahlreiche Schneiderinnen und Putzmacherinnen Londons, sowie weibliche Gewerbetreibende, deren Kinidfchait aus den Kreisen der hohen Aristokratie besteht, sind in 8traten, und warum? weil die Damen der englischen Gesellschast so viel mit der Wohltätigkeit zu tun haben, daß sie —
keine Rechnungen bezahlen. Als ein typisches Beispiel führt der Aussatz den Fall der Besitzerin eines Modegeschäfts im Londoner Westend an, die sich an eine vornehme Dame mit der Bitte wandte, ihr doch die 1000 Mark, die sie ihr iüp Toiletten schuldig war, zu zahlen, da cS ihr in der gegenwärtigen schwierigen Lage an Geld zur Weitersührung ihres Geschäftes fehle. Tie Antwort war ein höchst entrüstetes Schreiben, in dhin die Kundin ihr Erstaunen darüber ausspräch, daß Madame sich erdreistele, eine solche Forderung an sie z» stellen: ihre ganze Zeit und Kasse sei jetzt von den wohltätigen Veranstaltungen in Anspruch genommen, und sie habe so viel für die verschiedenen Sammlungen zu geben, daß ihre Schneiderrechnung daß letzte wäre, was sie bezahlen würde. Aehnlich ergeht es Friseuriunen und Frauen, die die Nagclpfleg« oder sonstige Zweige der Verschönerung als Gewerbe ausüben: sie haben Geld zu bekommen von den Damen, die au der Spitze der ganzen Londoner Wohltätigkeit stehen, und wenn sie um die bereits Monate, ja sogar Jahre ausstehende Bezahlung ihres Gehaltes bitten, erhalten sie stets dieselbe, häufig im Tone liebenswürdigen Bedauerns gegebene Auskunft, daß die Damen mit Versammlungen und Organisationen so beschäftigt wären, daß sie zum Bezahlen keine Zeit fänden. „Seine Rechnungen bezahlen," so schließt der Aussatz, „ist auch eine Art der Wohltätigkeit, zwar nicht so unterhaltsam und die Eitelkeit fördernd, wie die Formen der gesellschaftlich organisierten Wohltätigkeit, dafür aber nicht minder nützlich und sogar noch uoiwendiger. Viele Londoner Damen aber kennen diese Art des Wohltuns nicht, die freilich nur ei» „Rccht- tun" ist, das viele alleiusieheudeJrauen vor bitterer Not bewahren würde."
" W i e man M i e b m a ch e r früher b e st r a f t e. Es gibt auch bekanntlich jetzt wieder zahlreiche Leute in Deutschland, die, obwohl im allgemeinen patriotisch gesinnt, doch so kleinmütig sind, durchaus und durchaus nicht au die großen Erfolge der deutschen Waffen glauben zu wollen. Sie zweifeln überall und bringen immer ein neues Aber. Solche Leute hat es stets gegeben. Als nach der großen Völkerschlacht bei Leipzig die erbeutete» Geschütze auf dem Roßplatz zu Leipzig ausgestellt wurden, mußten einige Preußen dabei Wache stehen. Auch damals gab eS nun
Zweifler in Leipzig, zumal da der König von Sachsen ja im Bund« mit Napoleon gestanden hatte und manche von der Bevölkerung auch noch nach der Schlacht französisch gesinnt waren. Einer von diesen erklärte »nnmiöundtn, daß die ausgestellten Kanonen nicht sämtlich französisch seien; es wären auch preußische dabei, mit denen mau nur prahlen wollte. Das hörte einer der Soldaten, und ehe der Freche sichs versah, gab ihm der erzürnte Preuße eine Ohrfeige mit de» Worten: „Dies ist eine preußische, aber die Kanone» sind französisch I" Das war deutlich und fühlbar.
vüchertisch.
— Der Lügenfeldzug unserer Feinde. Eine Gegenüberstellung deutscher, cnglischer, sranzöstscher und russischer Nachrichten, u. a. der W, T. B.-, Reuter-, Harms- und P. T. A.-Telc- gramme über den Weltkrieg 1914 (Bd. 1 Mk. 1,80, Verlag Otto Gustav Zehrseld in Leipzigs, das den ersten Teil einer Arbeit bildet, die eine Beiveismittelsanunlung darstellen soll für die seit dem Kriegsausbruch von den WahrheitSiälschern, hauptsächlich durch Vermittlung des Reuterschen Nachrichtenbureaus und der Ageuce Havas entwickelte lichtscheue Tätigkeit. Tie wahrheitstvidrigen, zutu Teil haarslräubettdeit Berichte sitid chronologisch zusattimen- gestellt und bis auf weuitze Ausnahmen mit Quellenbezelchnung versehen. Sotveit cS möglich war oder überhaupt »ölig erscheint, sitid ihnen die sie widerlegenden deittschen amtlichen Meldungen oder einfach die ittibestreitbaren Tatsachet, gegenübergestellt. Dieset» außerordentlich intereffanten Buche ist die weiteste Verbreitung besonders auch im Auslände zu wünsche».
Arithmogrlph.
1 11 14 9 3 9 gesunde LeibeSübutig.
2 6 6 10 »iederläudische Stadt.
3 12 11 eine Vogelart
4 S 14 6 4 8 14 11 12 Gebirgskette in Asien.
5 3 9 9 3 13 holländischer Dichter.
8 5 8 3 eine Arzneipflanze.
7 3 1 1 3 14 ein Verwandter.
8 13 13 3 14 1 eil, Sprachforscher.
Tie Ansangs- mtb Endbuchstaben der gefundene» Wörter ergeben den Namen einer Jugendschriststellerin.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Königsproinenade in voriger Nummert Wohl geht der Jugend Sehnen Stach manchem schönet, Traum:
Mit Nngestün, und Tränen Stürmt sie den Sternenrau,».
Der Himmel hört ihr Flehen,
Und lächelt gnädig: neinl Und läßt vorübcrgehen
Den Wunsch zusanunl der Pein. Uhkani»
Schrisileltnng: Aug.
Goetz - Rotationsdruck imb Verlag der Brühl'scheu llniversitäls-Bitch- und Sieiiidrnckcrei, R. Lange, Gteße».


