613
Im Juni 1688 hören wir, daß „S Kompagnien zu Pferd" in Schlitz Quartier bezogen haben. Verzweifelt schreiben in diesen Tagen die Gerichtslunker nach Kassel und es ist Wohl nicht übertrieben gewesen: „Von fernererem Wohnen oder Haußhalten im Gericht Schlitz ist kein Gedanke mehr, welchen Grund Ruin von hochlöblichem Hauß Hessen, wovon wir billig alle Proteklion, Gnade und Schutz verhosfrn, meritiert zu haben, uns nicht versehen "
Die Kriegsräte erwidern in lakonischer Kürze, es sei nichts zu ändern. General-Leutnant Melander habe „exvresse ordre nach dem Stift Fulda um in dessen Oerthern zu logieren und auch den tlnderhalt daraus zu ziehen. Deslogierung uns Auge gefaßt".
2 Kompagnien rückten tatsächlich und zwar wohl in erster Lime wegen Vrrpslegungsschwierigkeilen ab. Doch die eine Reiterabtei- tung bleibt und erpreßt das Wenige, was noch vorhanden.
Auf 2 weiter« dringende Schreiben nach Kassel vom 11. und 16. Juli wird die Antwort zuteil: Sie wünschten auch, sie blieben verschont, aber sie brauchten nicht zu glauben, als ob ihnen „ein Unrecht geschehe", als ob man in Kassel an ihrem „Ruin einigen Gefallen trage", und mit den ihrigen in Artnut bringen wolle.
General-Leutnant Melander habe vermöge des Stillstands Accords das ganze Gevsische Regiment zu Pferd herausgeschickt und demselben Ordre aus das Stift Fulda erteilt. Um Beibehaltung guter Nachbarschaft willen sei aber ihnen nur eine einzige und säst die geringste Kompagnie Dragoner zugewiesen „Werdet Euch noch ein Geringer patienzieren, die Eurigen aber zu Geduld zu vermehren wissen."
Doch im Oktober liegt die Kompagnie immer noch in Schlitz. Wieder haben die Gerichtsjunker nach Kassel uni Hilfe und Befreiung sich gewandt. Sie erhalten wieder abschlägige Antwort mit den üblichen Vertröstungen in einem Schreiben vom 6. Okt. 1688. Darin heißt es: Sie „wünschen auch von Herzen, daß ihnen und dero Untertanen geholfen werden" könnte: sehen aber kein Mittel, wodurch ein solches geschehen könnte. Sintemal, wenn man ihnen die Völker abnehmen wollte, ,,es nicht allein an Quartieren zu ihrer anderweitigen Accornodierung ermangelt, sondern sle auch nothwendiger der Ursache halber anhero ins Landt gelegt und daß- jenige, was man die Eurigen alßo entledige, würde biestigen armen Untcrthanen ussgebürdet werden inüßen". Sollten sich daran erinnern, wie nämblich dießes arme Landt usss Aeußerstc und mehrere Theils Oerther ohngleich ärger, als andere Stättlein und Unterthanen durch Raub und Brandt und andere vorgegangenen Eptremitäten und Feindseligkeiten zugerichtet und verderbet. Derohalbcn ganz ohnmöglich, ihnen weiter einige Mann einzulogieren oder eines Hellers Wert ferner zuzuweißrn und ufs- zuerlegen.
Geduldet Euch um solcher Ursach willen noch ein Geringes bis zur Erlangung des gewünschten Friedens, die Euern auch bis dahin zu ebensolcher Patienz anzuweißen wißen werdet."
Einen ganz erschütternden Eindruck der damaligen entsetzlichen Rot und Verzweiflung aewähren die beiden letzten Urkunden aus teuer trostlosen Zeit. Noch einmal und soviel ersichtlich zum letztenmal klagen die Gerichtsiunker den Kriegsräten am 23 Oktober 1638 ihres Landes und seiner Bewohner grauenhafte Not. Sie bringen vor: „Den ganzen Sommer bis dato haben wir ohn- crträgliche kontiuuirliche Krregslast. An die Herren lKricgsräte) verschiedentlich und össters ganz inständig Bitten gelangen laßen, auch dießelben mit Anmahnung zur geringer Gedult uns Hoffnung widderfahren laßen, daß ist allermeist bekannt. Wenn wir aber Widder alle gut« Zuversicht unter der Last steckend die vertröstete Deslogierung im Wenigsten erfolgt und es nunmehr nach uss- gezehrten allem Vorrat gar ad extrema komme, alßo, daß die noch wenigen verpbliebeuen verdorbenen Leuth ihren Hunger zu stillen auch daß Roßfleisch von den abgegangenen Pferden nicht schonen, sondern hierbei uff dem Schindter Maßen sich häufig sinden, welches ohn' schmerzliche Erbarmung nicht gehört, weniger augesehen werden kann, so ersuchen wir die Herren nochmals flehentlich, sie geruhen doch den ohnbeschreiblichen gleichwohl umb das sürstlich« Hauß Hessen ohnverdienten Jammer und Ruin der armen Leutbe deromal mit mehr erbarmenden Dertzen uns von der mehr, alß bleischweren Last zu entledigen, deßen wir uns getrösten."
Es scheint auch auf diese herzendringende flehentliche Bitte nichts erfolgt zu sein, denn in ihrer Not und Verzweiflung wenden sich die Gerichtsiunker letzt sogar an die Landgräfin Witwe Amalie Elisabeth In Kassel, und senden gleichzeitig einen Bevollmächtigten, der noch mündlich ihre ganz verzweifelte Lage darlcgen soll. In dem Schreiben führen sie aus: Da« ganze Geysische Regiment, da es seinen Zug nach dem Stift Fulda genommen, sei dagewesen. Hernach 3 Kompagnien eine gute geraume Zeit und letztlich, als wir die große Last nicht länger ertragen können, zwei Kompagnien zwar abgeführt, aber die eine dritte noch stets bis daher nun in die 18. Woche obnaufhörlich uns uss dem Halß gelegen, wo denn rm Anfang gleich alles was aus dem Feldt und in den Häusern vorhanden, mit großer disvrdre aus einmal verderbet und Hinweggenommen, daß die wenigen noch übrigen Leutbe durch das kon- tinuirlichc Geben nunmehr bis auf den Aeußersten Grad ausgemergelt bereits Hungers halber dahin fallen, totkrank und matt sein, die Uebrigen aber mit einem Bettelstab aus dem Lande zu gehen und Hauß und Hof mit dem Rücken anzusehen, einen guten.
wiewohl erbärmlichen Anfang gemacht, wodurch das Landt, wem» nicht eilend Remedierung geschieht ganz und gar wüst und (ect gelassen wirb. Ob wir nun wohl den Herrn Kriegsräten diese unsre Not und äußerstes Verderben von Anfang bis zu End« zum öfteren geklagt und sehr beweglich zu Gemütb geführet, <m* was für Ursach wir die Last dem Stift Fulda assiegni^t allet» tragen und vor allen andern mehr ntedergeworfen und aus de» Land gejagt werden sollten, so haben wir immer bloße Vertröstungen, daß es nur auf etliche Tage geschehen und derohalbe» bis zur Remedierung wir uns gedulden wollten, nicht« erhaltr» können. Wenn dann die Sache mit uns obgemeldetermaßen und noch viel verderblicher, als es in Kitrz« beschrieben werden kann beschafsen, aber von den Kriegsräten, ob wir gleich gar versinken noch zur Zeit keine Deslogierung verordnet, so haben zu gnädig« Landgräfin Gnaden selbst in unfern Ajengsten und Nöten wir unsere Zuflucht nehmen wollen und untertämgst bitten: „Dieselben geruhen, sowohl aus dem Schreiben unterer abgesertigte» mündlichen relativ: unfern jämmerlichen Zustand untertänig dortragen zu küssen und in 'Betracht unsrer Geschuldt und zugefügts» höchster Ohnbilligkeit und mit ellender ohnverzüglicher Deslo- gierung und Verschonung inskünftig uns und unfern arme»! Leulhe gnädig zu ersbeuen."
Ob diese, letzte verzweifelte Bitte au hoher Stelle etwas genützt hat, wissen wir nicht. Vielleicht hat auch erst die ganh entsetzliche Not, als auch für sie kaum noch etwas „zum Nage» und zum Beißen" gab, die erbarmungslosen, ungeladenen Gast» zum Abzug veranlaßt. Jedenfalls brechen hier die Urkunden ab und >olr hören nichts mehr bis zum Ende jenes grauenvolle» Krieges über die weitern Schicksale des Gerichts Schlitz un» seiner Bewohner.
Nur noch wenig arme Leute mögen es gewesen sein, welch« in Schlitz und den zugehörigen Dörfern sich aushielten. Wer e« irgend vermochte, flüchtete sich in die benachbarten größeren Städte, wle Lauterbach und Alsfeld, oder suchte in der weiten Ferne echt neue Heimat und ein neues Glück. So sind nachweislich damaA Schlitzer Leinweber nach Elberfeld ausgewandert, deren Geschlechtes z. T. heute noch dort blühen.
Dafür wanoerten aber wieder End« der 4l)er Jahre in jene»
Zeit zahlreiche landflüchtige heimatliche Leute ein und ließe» sich hi« nieder, darunter Vertriebene aus Amöireburg, .Kirche Hain und Schweinsb«g. Der letztere Ort war 1635 vom kaiserlichen Obristen Bönninghausen bis auf die Kirche und zwei Häuf« zerstört worden.
Endlich erklangen die Friedensglocken. Biele, die währenls drei langer Jahrzehnte die Greuel dieser schrecklichen Zelt mtt- «lebt hatten, konnten cs kaum glauben, daß ivieder Friede fn, daß jeder ungestört keinem B«us nachgehen dürfe, und ihm auch der Lohn zuteil wem für sein« Hände Fleiß.
Lange Jahrzehnte vergingen, bis die schw«en Wunden dt« jene Zeit geschlagen, ansingeu zu v«narbeu. Und doch fruchtbar« Jahre, die Gott bescherte, und neu Heranwachsende Geschlecht«, die tm Glauben an etue bessere Zukunft alle Kräfte anspannten. führten auch wird« Zeiten neuer Blüte und neuen Aufschwung» herbei für das 'Schlitzerland und das alte burgengekrönte Städtchen in sein« Mitte.
liönigspromenade.
Man darf die einzelne» Wörter und Silben nur in der Weis« miteinander verbinden, daß man — wie der König aus deui Schachbrett — fl«ts von eitlem Feld ans aus ein benachbartes übergeht.
ber
vor
läßt
pein
nein
big
geh
ü
wünsch
der
»nd
guä
hen
lä
en
den
sanimt
zu
hört
fl«
chelt
und
gend
der
i
nen
ihr
mel
der
ircnim
l»
s°h
schö
wohl
träum
htm
nen
nen
nen
nach
cf) ein
stüm
mit
trä
ft«*
stürmt
man
ge
UN
und
den
sie
Auflösung in nächster Numm«.
Auflösung des Logogriphs in voriger Numm«k Rost, Rose.
Schrtftleitnug: Ang. Goeh. - Rotationsdruck und Perlaa der Brnbl'sche» llntversitäls-Bnch- und Steliidrnckerei, N. st"N,ie. Gnchen.


