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Nach der siegreichen Schlacht von Sedan wandte der preußische General von Pape eine Kriegslist an, um die noch versteckt im Walde weiterkämpsenden Franzosen gefangen zu nehmen. Er ließ von einem bereits gefangenen französischen Unteroffizier das sran- zösisch« Signal „Sammeln" blasen und bald kamen gegen 1000 versprengte Franzosen aus ihren Waldverstecken.
Im russisch-flapanischen Kriege haben besonders die verschmiß» ten Japaner mit mancherlei Listen gearbeitet. So wurde Milte Februar 1905 den Vorposten des von General Rennenkampf befehligten rechten Flügels der russischen Arinee ein in tadellosem Russisch geschriebener Brief überbracht, der die Bitte enthielt, die russischen Offiziere möchten sich doch — da anscheinend kriegerische Operationen noch nicht in Aussicht ständen — zu einer geselligen Zusammenkunft mit japanischen Kavallerieoffizteren cur- finden. Und zwar wurde ein Picknick um den 20. Februar herum vorgeschlagen. Die russischen Offiziere gingen auch auf diesen „Scherz" der Japaner ein und trafen sich mit diesen am 21. Febr. Am Abend zuvor setzte aber schon der japanische Angriff ein, srer- lich nicht gegen den rechten, wohl aber gegen den linkem Flügel der russischen Armee. Während man am Liauho frühstückle, kämpfte man am Dalnipaß. Die Russen hatten sich täuschen lassen. Auch ihr linker Flügel wurde das Opfer einer japanischen Kriegslist. Den in den ersten Gefechten gefallenen Japanern wurden nämlich einige Briefe abgenommen, aus deren Adressen und Inhalt hervorging, daß der russische linke Flügel die Armee Nogi vor sich hatte. In dieser Ansicht wurde man noch bestärkt, als die angreisenden! Japaner — es wurde damals oft in Entfernungen von nur 100 bis 300 Meter gekämpft — den Russen ständig aus russisch zubrüllten, sie kämen von Port Arthur. Wie groß war das Erstaunen der russischen Heeresleitung, als sie später erfuhr, daß die Armee Nogi gegen ihren rechten Flügel vorging, während bei Mulden eine vollkommen neugebildete Armee, die Paluarmee, stand, von deren Bestehen sie keine Ahnung gehabt hatte. Die Briefe waren eigens geschrieben worden, um sie den Russen in die Hände zu spielen, und die Japaner hatten durch ihr Zubrüllen, sie kämen aus Port Arthur, die Russen in ihrer falschen Meinung nur noch bestärkt. _
Man weiß sehr wohl, daß ein Teil des deutschen Feldzngsplanl ein Luftstreitzug gegen London ist, hauptsächlich zu dem Zweck, wie der Feind glaubt, eine Panik hervorzurusen. Tie notwendigen Vorsichtsmaßregeln sind jetzt getroffen worden, um jede Angst bei den Einwohnern zu nehmen, und alle Mittel stehen bereit, Lustbesuchern ein warn,es Willkommen zu bieten. Niemand könne jetzt von einer Flugmaschine oder einem Lultschiff über London einen Teil der Hauptstadt von dem andern unterscheide», oder irgend eines von unser«» wichtigsten Gebäuden herauScrkennen. Es ist sehr angenehm zu hören, daß trotz der Dunkelheit keine Zunahme in der Zahl von Unfällen zu verzeichnen ist, was al» ei» gute? Zeugnis für die Sorgialt der Lenker gelten kann, und auch kein« Zunahme von Verbrechen, was als ein Kompliment für die erhöhte Wachsanileit der Polizei zu deuten ist.' Wenn nun die Londoner sich abends noch nicht beruhigt zu Bett legen, so wird ihnen trotz aller Dunkelheit kauin »och zu eiiiem gesunden Rachlschlas zu verhelsen sein.
'Liebe und Hiebe. Wie wenig Respekt bisweilen di« Drucksehlerteuielchen selbst vor der ernstesten Lage der Völker haben, davon weih der Nieuwe Rotterdanische Eonrant ein Beispiel zu erzählen. »Zeigt ihnen das durch denischc Liebe von ganz besonderer '?lrt‘, stand nämlich in dem nach Holland gelangenden Wol Te'eqramm, das den Tagesbesehl des banrischen Kronprinzen » d gab, Ivorin die Engländer als die ärgste» Feinde der Dein „e i genannt und der 2lusinerksawkeit der deutschen Soldaten besonders anempsohlen iverden. Ter Sarkasiinis des Ausdruckes ganz besonderer Lieb« befremdete natürlich in einem soldatischen Tagesbesehl, dessen Inhalt ja auch dem eiiiinchsien Verstand begreiflich sein soll. Als mm später die deutschen Zeitungen Holland erneichlen, zeigte es sich, daß der Kronprinz allerdings nicht die stilistische Form des Sarkasnrns am eiwnnöi hatte, denn da stand nicht Liebe, sondern-- Hiebe
*DieTreueistkeinleererWahn. Hausfrau (in der Küche): „Ich wollte, Minna, Sie hätten den Ernst Ihrer Vorgängerin!" Minna: „Nee, Madam — nischt zu machen, ick bleib mei'n Edeward treu!"
vernilschte».
• Deutsche RauUeute u»d derei, Zahlungs- pslicht an de» Feind iin Kriege. Wie Berliner Kauf- leule ihre Zahlnngsverpsiichtunq gegenüber dem Feinde im Kriege eriüllten, darüber berichtet I. W. v. Archenholz in seiner Geschichte des Siebenjährigen Krieges. Die Russen unter dem Beseht des General Tottleben hatten 1760 Berlin eingenoimne», welcher niit diesem kapituliert hatte. Um die angedrohte Plünderung der Stadt abzuwenden, sollte Berlin eine Kontribution von 4 Millionen Reichstaler bezahlen. Ter Berliner Großkausmann Goß- kowSky, der bei den Russen in hohem Ansehe» stand, weil er russischen Gefangenen gegenüber sich häufig wahrhaft großmütig und freigebig gezeigt hatte, verhandelte mit Tottleben, der auch ein sehr humaner Mann war und dieser ermäßigte die gelorderte Summe auf l 1 /, Million und 200000 Reich taler, als Trinkgeld sür die Soldaten. Tie Stadt Berlin zahlte daraus in bar 700 00 o ReichStaler und gab sür die bleibende M'llion Wechsel und Kreditbriese aus Berliner Kaufleute, welche Gotskowsky als Bürge mit unterschrieb. Die Russen und deren Verbündet«, die auch Truppen nach Berlin hatten marschieren lasten, wollten in der Mark Brandenburg Winterquartiere beziehen. Ta nahte der König Friedrich II. von Schlesien her mit seiner Armee in Gewaltmärschen, um leine Hauptstadt vom Feinde zu befreien; dies genügte, um diese mit der Eile eines geölten Blitzes verschwinden zu lasten. Ter Magistrat beschivor GotSkowsky, sich in das Hauptquartier der Rüsten nach dem Osten zu begeben, um wegen der Bezahlung des Restes der Kontribution zu verhandeln, um zu erreichen, baß der Werl gewister Licserungen, die man an die Russen gemacht halte, an der noch schuldigen Million ReichStaler gekürzt werden dürfe. In, russischen Hauptquartier aber ließ man sich aus einen Abzug nicht ein, obgleich es der Berliner Unterhändler an Geschenken und Bestechungen nicht hatte iehlen lasten. Als Friedrich II. hörte, was es mit der Million Reichstaler an die Rüsten zu bewenden hatte, bekohl er den Berliner Kaufleuten, ihre Wechsel und Kreditbriefe nicht einzulöseu. Gotskowsky aber begab sich zum König und beschwor diesen, seinen Beseht zurückzu- nehmen. Er erklärte seinem Landesherrn die Natur der Wechsel und Kreditbriefe und weiter, daß es sür einen Kauimann schimps- lich sei, wenn er seine Wechsel nicht bezahle. Ter König hob daraus den gegebenen Besehl wieder au ( , bezahlte aber im geheimen selber die Million Reichstaler iür die Russen. — An dieseui Muster können sich di« Engländer ein Beispiel nehmen, di« ihren Ka»f- leulen verboten haben, Schulden in Deutschland zu bezahle».
'Im dunkelsten London. Nicht ohne einiges Vergnüge» wird man folgende kleine Notiz lesen, die der »Daily Ehronicle' zur Beruhigung de4 Londoner Publikuni; bringt: »Tie Bewohner von London, über die durch die Verminderung des Liclts einige Unbequemlichkeiten gebracht sind, mögen versichert bleiben, daß wir jetzt das Miniuuii» von Beleuchtung und das Maximum von Sicherheit gegen einen Luftangriff erreicht haben.
vüchertisch.
— Kriegsnummer 14 der »Illustrierten Zeitung' lBerlag I. I. Weberl. — Ter wirkuiigsvolle Umschlag zeigt uns ei» Torpedoboot in voller Fahrt, währeiid die erste Tite seite ein Bild zur deuilch-ungarischeii Waffenbrüderschaltr »Ansprache des Bürgermeisters Stephan Btlrczy in Budapest von seinem Automobil aus an das Publikum ivähreud der Filuinina» tion der Stadt anläßlich der Tauie der Kaiser-Wilbelm-Straß« und des Berliner Platzes" bringt. Jntcrenant »nd künstlerisch werivoll sind die wieder in einer vierseitigen Beilage in Offietdrnck wiedergegebenen Bleististzeichnungeu Hans von Hayeks ans den Kämpien bei Lille. Daß der Humor de»i deutlchcn Krieger auch im ö chützen- grabeii und in der Artilleriedecknng nicht verloren gebt, beivcise» die in gleicher Art reproduzierten lebenswahren Skizzni von O. I. Olberh, dein in der Front käinpsende» Mitarbeiter der „Illustrierten Zeitung". TaS Einqrcisen der Türkei in den Weltkrieg wird in einem gleichnamigen reich illustrierten Artikel > on Tr. 21. Wirth, München, beleuchtet, und vo>i anderen interestantcn, ineist diirch ausgezeichnete Bilder veranschaulichtcu 2luliätzen (neu noch genannt: „Nationale Erziehung ; »Tie Portugiesische Armee'; »Tie Feldküche" »sw. An gröbere» künstlerischen Beigaben enthalt die reichhaltige Nummer ». n. ei» doppelseitiges packendes Bild von Pro!. Karl Storch „Heimkehrende ostprenbis l.c Flüchtlinge aus dem Alarktplatz in Tapiau', von Willy Stöiver „Tie »Emden' veriiichtel bei, russische» Kreiizer »Schemtlchug" imb den französischen Torpedojäger »Monsqnet", voii Erich Mauschaß „Tentsche Ordnung in einein Dorie Französisch-Lothringens' und außerdem eine große 2 liizahl kleinerer Streubildcr von den verschiedenste» Kriegsschauplätzen. Nicht liiierwähni sei die zeitgeiiiäbe packende Erzähl,ing »Revanche" von Knrt Küchler. - Preis der Niunnier 1 'Sit., Vierteljahrsabonnement SDK. 8.50.
Logogriph.
Mit ,t“ bin ich stärker als Eisen, Zerstöre» ist ineine Lust.
Mit ,,e' pflegt mich der Gärtner Als Zierde sür deine Brust. Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des inagischen Quadrats in voriger Nummer:
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' christleitiina: 2Ii>q. Goetz. — Roiolionsdriick 11118 Verlag der Brübl'scben llniversitäis-Buch- und Steindruckcrei, R. Lange. Gießen.


