Ausgabe 
7.11.1914
 
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Die hundert Tage.

''luan a»S dem Jahre 1815 Don M. von Mitten.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Senkend brennt die Sonne.

Dw »tVinonen donnern

Dar >tleinge>oehvseuer knattert:

Ilm die Dörfer St. Amand und Ligny tobt ein furcht­barer Jnfanteriekampf. Die französischen Batterien, die ge- genüvec »er preußischen Artillerie des Zietenschen Korps ansgesatjren, überschütteten die feindlichen Geschütze, die Ortschaften, ja die dahinterhaltende Kavallerie mit ihrem inoroerischen Feuer. Auch die Brandenburger, die ivährend de- - > ,pse-r eine Stellung hinter St. Amand eingenommen, um geg benensall:- de» ettva ans dem Dorse brechenden Gegner in dasselbe znrückzuinersen, stehen im dichten Kugel­regen, in undurchdringlichen Pnlverdamps gehüllt.

Der eine uw) der andere sinkt getroffen vom Pferde. Ohne da» er die Hcrnd gegen den Todfeind hätte erheben können Mit tiefem Schmerz sieht der Freund den Freund sät! "- - mit zitterndem Herzen, doch ohne mit der Wimper zu zucken, schaut der Rittmeister Erlen immer und immer von neuem verstohlen nach dem freiwilligen Jäger, »ach .Gottfried Schneider.

In der andern Schwadron hält Otto von Jäger anf seinem Pferde. Sein topestrnnkener Blick fliegt den sausen­den Geschosse» entgegen!Nur eine eine Kugel für mein Herz! ' ächzt er Aber nicht eine findet den Weg in seine Brust Reben ihm, vor ihm, hinter ihm stürzen die Kame- räden. Er bleibt unversehrt durch sein wildes Tödesver- langen gefeit.

Da gewinnt der Grind in St. Amand an Terrain. Schon brechen französische Tiraillenre in dichten Schwärmen ans dem Dorfe vor Zwei Sclitvadronen der brandenbnrgischcn Ulanen erhalten Befehl, die feindliche Infanterie zu ver­treibe».

> Ans der Linie vorrllcken und im heftigsten Kartütsch- nnd Genrehrfener über Wege und Grüben setzen ist eins. Sie stiirzen sich auf die feindlichen Schützen, mit un­widerstehlichem Anprall tverfen sie sie ins Dorf zurück. Dann nehme» sie wieder, als sei nichts geschehen, ihren Platz in der Front des Regimentes ein.

Aber tvie viele liebe Gesichter fehlen!

Rittmeister Erlen sucht Gottfried Schneider, sucht nach ihm mit zuckender Seele. Sein Herz jauchzt auf; hochaus- gerichtet sitzt der im Sattel. Ein Blick gen Himmel: er ist das inbrünstigste Dankgebet. Und auch der Freund, auch Otto von Jäger lebt! ^

Doch tvas ist das? -

Gottfried.Schneiders Gesicht wird immer länger und blässer, jetzt ivünN ec gns seinem Pferde

Springt dem Freiwilligen bei!" '''

Welch ein Aufschrei! Ein paar Ulanen blicken verwun­dert nach ihrem Rittmeister hin. Der ist doch soujst ntchijt zimperlich! Aber schon wird Gottfried Schneider von einem seiner ihm zunächst haltenden Kameraden gestützt, um hinter die Front geleitet zu werden. Dabei streift ein rätselvoller Blick ans seinen hellen Augen zu seinem Rittmeister zurück.

Es ist nichts! Nichts!" formen mühsam die todblasseü, beinah lächelnden Lippen. ' '

Ulrich Erlen erhebt die Hand; er winkt, völlig impulsiv', unbewußt. Ei» flehender Abschiedsgruß ist's.

Gottfried Schneider entschwindet init dem anderen Frei­willigen seinen Blicken. Mit zusammengebissenen Zähnen mit ivild jagendem Herzen bleibt Ulrich zurück.--

Weiter nach Westen rückt die immer noch sengend« Sonne.

Immer wüster tobt der Lärm der Geschütze.

Auch um Ligny brandet ein furchtbarer Kampf. Doch allen Anstrengungen der Franzosen zum Trotz bleiben die Preußen Sieger.

St. Amand aber ist in die Hände der Feinde g'efallsnsi Zn schivach war seine Besetzung,

Es duldet den Feldmarschall nicht. An der Spitze frischer Bataillone wirst er sich in das Dorf. St. Amand Ivird von neuem zurückerobert.

Dennoch reitet der greise Feldmarschall mit düsterm Sinnen ans dem Dorfe und weiter über das Schlacht-- selb hin.

Er sucht »ach Gneisenau und trifft auf ihn, der gleich­falls nach sihm sucht, etwas nördlich der Windmühlenhöhe. Gneisenau berichtet ihm, daß das erwartete vierte Korps, das Korps Bülow, heute nicht mehr zur Stelle fei» kan», daß der Kampf anf der ganzen Linie von Amand bis über Sombreffe hinaus entbrannt ist, und daß keine frischen Truppen mehr eingesetzt werden können.

Unwillkürlich hat Blücher sein Roß angehalten. Gerade bei einem Feldlazarett, das in einer geschützten Terrainfalt« untergebracht ist.

Sein Haupt ruckt anf seine Angen blitzen.

Und wo bleibt Wellington? Ist der Major von Winter­stein noch immer nicht vom Herzog zurück?"

Es muß ihni etwas zngestoßen sein! Sonst wäre er längst wieder hier!"

So muß sofort ein anderer reiten!"

Durchlaucht, bereits vor einer Stunde ist Leutnant von Wussow als zweiter Meldereiter an den Herzog abgegangen."

Bor einer Stunde? Wer weiß, ob der Wellington er­reicht. Bei der Dringlichkeit der Sache müssen wir einen dritten abschicken!"

Augenblicklich ist nicht ein einziger Adjutant zur Stelle!" ist Gneisenaus Antwort.Alle sind unterwegs!"

So müssen wir de» ersten beste» sende», der abkonimen kann!" Blüchers forschender Blick fliegt über das Feld­lazarett.Herr Regimentschiruvg! Wäre da nicht ein leicht-