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Da schlug wieder der Apparat an, das bekannte Zeichen: Schiss in Rot! Dahinter die Meldung: Deutscher und der SciMsort.
Jachmann geriet in die schwersten Bedenke». Wenn er den Kreuzer nicht hinter sich hätte! Aber vielleicht konnte man trotzdem seine Landsleute retten Er bcries den Rat seiner Offiziere.
Ter Schiffsort ist zu weit Nordwcst gemeldet," sagte Lürssen, der Erste Offizier. „Wir geben kostbare Zeit daran und verlieren unfern lBorsprung."
„Richtig, leider nur zu richtig I" erwiderte Jachmann „Aber ein deutsches Schiss ist in Gefahr! Muß man da nicht aller daransetzen?"
„Das ist sicher!" rief Lürssen.
Ter Abend tvar klar, aber es wehte ihefttg. Vorwärts flog der schnelle Dampfer unter dem Druck ferner starken Maschinen, umhüllt von dem Gischt der heranrollende» Wvgen, aus das verunglückte Schiff M. t
Roch jemand stand, hinter den Lechbauten versteckt, aus Ausguck, nicht minder gespannt ausspähend, wie die Offitziere, Herr Braun. Die Aufregung inalte ein förmliches Rot aus seine blassen (Züge.
Unterdessen tvar die Sonne gesunken. „Schiss in Sicht!" klang es vom Ausguck. Tie Offiziere spähten aus: es war ein großer Handelsdampfer, der dort aus den Wellen trreb.
Jachmann nahm Kurs aus das verunglückte Schiss.
Ta stürzte Herr Braun aus die Brücke, bleich vor Erregung „Um Gottes willen, Herr Kapitän," rief er, „wir werden doch helfen? Ein entsetzlicher Gedanke, seine Mitmenschen dort mu den Wellen ringen zu sehen Alan mühte kein Herz im Leibe haben. Ich beschwöre Sie, ungeachtet der eigenen Gefahr, die ein Zeitverlust uns bringt, zu Helsen."
„Wir werden tun, was unsere Pflicht ist," versetzt« Jachmann und griff zum Glas«: doch Herr Braun hängte sich in ferner Erregung an seinen Arm, ihn am Gebrauch des Fernglases hindernd.
„Schiss in Sicht!" tönte es in diesem Augenblick abermals vom Ausguck.
Jvchmann machte sich rücksichtslos frei. „Ter Kreuzer!" ries er. Fern, gedeckt von jenem angeblich verunglückten Dampfer lag der Kreuzer auf der Lauer. Nur ein« ganz leichte Rauchwolke iverriet ihn.
Kapitän Jachmann zuckte mit keiner Miene. „Beidrehen!" befahl er. Wie ein Pserd unter dem Schenkeldruck seines Reiters flog der Wallenstem" herum.
Jetzt dampste auch der Kreuzer an, schräg dem „Wallenstein" den Kurs abzuschneiden. Beide Schisse jagten durch die See, nur eine hohe, schneeweiße Grandungslinie und die schwarze Rauchfahne kennzeichnetc sie.
Tic Maschinen des „Wallenstein" gingen mit höchstem Ueber- druck. Im Maschinennmin verstand man sein eigen Wort nicht vor ihrenr Stampfen und Sausen. Windschnell drehten sich die ölblanken Kolben, beherrscht von der rnhrgen Hand ihres Ingenieurs.
Ta blitzte es drüben an Bord des Kreuzers aus, und noch einmal, noch einmal! Heickend flogen die Granaten heran — und klatsch! in die See. Viel zu kruz!
Zugleich vergrößerte sich die Enffernung: der Kreuzer kam den« schnellen Ozeanrenner nicht auf. Ein« wilde Freude vackte den sonst so ruhigen und bedachten Kavitän Jachmann. Wenigstens sollte der Engländer wissen, daß sein Spiel durchschaut war! Und Jachmann ließ noch einmal den Funkenwerfer spielen, die höhnischen Worte: „Leb wohl, Marie!"----
Glücklich erreichte der „Wallenstein" die deutsche .Heimat. Als er, jubelnd begrüßt, am Kai anlegte, stand ein großes Ausgebot von Polizei bereit. Ein Fahrgast nach dem andern kam die schmale Laufbrücke herab, nur Herr Braun nicht. Tie Polizei fand ihn in seiner Kabine, ruhig seine Sache» packend.
„Was wollen Sie von mir?" fragte er frech.
„Auskunft über Ihre sonderbare» Depesche»!" versetzte der Beamte.
Ter Spion wurde einen Schein bleicher. „Das heißt mir Gewalt antuu!" schrie er.
Kriegsgericht ivird sich mit Ihrer Angelegenheit be- schästtgcn," erwiderte der Wachtmeister kühl.
Am andern Abend gab es einen Spion weniger in der Welt.
vermischte».
»Der Wert des Schweigens. Wen» heute die uiitt- tärtsche Zensur mit Strenge ihres Amtes waltet und keinerlei Nachrichten in den Zeitungen durchläßt, aus denen der Feind irgendwie wertvolle Hinweise seböpsen könnte: so erinnert Eugeuio Eberchi m einem Aufsatz des Piccolo Giorugl« d'Jtalia an einen Fall, in den, ein unbedachtes Wort über e»»e Trnvpenbewegung einen außerordentlichen Ecbadcn ftiitete. Noch dazu war es ein Ministerpräsident, den, dieses Mibegegnete. Das Ereignis swelt i»l Jahre ISLS am 22 . Juni, als in der Ualienilche» Regierung der General Lamarmora, der angesichts des drohenden Krieges den Oberbesehl über das Heer übernahm, durch Bettina
Ricasoli ersetzt wurde. Dieser kani tu Florenz, der damaligen Hauptstadt Italiens, iu den Sitzungssaal, geiolgt von allen Äii- nister», und verlang!« sofort das Wort. „Ehrenwerte Abgeorü- uete", sagte er, .Seine Majestät der König von Italien Victor Eniannel II. bat Oesterreich de» Krieg erklärt.» Weier kam er in seiner Ros« uicht; die folgenden Worte mnrden durch den Bei- iall der Versammelten überlünt. Schließlich konnte der Minister» Präsident in seiner kurze» Rede sortsahren, und nachdenr er einige dringend nötige Maßregel» ermähnt hatte, erklärte er, daß an dieleni selben Abend schon das italienische Heer de» Mincio überschritten hätte. Zwei Tage später, am 24. Juni, begegnete» sich di« beiden scindlichen Heere bei Eufloza. Die Worte Ricalolis waren noch am selben Abend in Wien bekannt geworden und hatten die Uebermtttelung des Besehls an den Erzherzog Albert, den Ober- heichlshaber des österreichischen Heeres, veranlaßt, mit seinen Divisionen gegen die Stellnnge» des Feindes vorzugehen; es hieß, daß der General Eerale, der Führer einer italienische» Division, ans den Wolke» fiel, als er ersuhr, daß das österreichische Heer mit ihm in Fühlung stände. Er war der erst«, der de» überraschenden Sloß der Feindes aulzunehmen halte, und er ivnrde dabei verwundet.
'Die Pariser Krieg? mode Di« großen Ereignisse der Zeit habe» immer einen starke» Einfluß aus die Pariser Mode ausgeübt. So wird man sich erinnern, daß »ach deni russisch- japauischeu Krieg die Mode mit großer Begeisterung japanisch wurde und nach dem Balkankriege eine deutliche Hinneigung zum Orient bewies. Heute ist zwar von einer Pariser Mode im groben Stil nicht mehr die Rede; aber soweit sich neue Fornien bemerk- bar machen, hat die Pariserin, ohne erst das Ende des Krieges abzuwarten, ein deutlich militärisches Aussehen angenommen. Tie S o l d a t e n in ü tz « , die sich sür den Kasernendienst fast in allen modernen Heeren eingebürgert hat, ersrertt sich gegenwärtig der größten Beliebtheit. Die Mode ist ans sehr einsache Weise in den Straßen entstanden. Als das englische Heer beim Rückzug über die Marne in Paris landete und ans den Straßen der Hauptstadt überall englische Soldaten an? Wales, Schottland und Irland erschienen, wurden sie von den Parisern begeistert aus- genomnien. Uni sür den srendigen Empsang zu danken, gaben die englischen Soldaten zum Andenken alles her, waS sic irgend entbehren konnten, und schenkten besonders den Frauen ihre Kokarden und Mützen. Die Pariserinnen {eilten diese Soldatemnützen stolz aus und trugen sie überall zur Schau. Man sah so 10 oder 20 junge Damen mit der Soidateumütze, und da? genügte, daß eine neue Mode geimiden war. Zuerst hatten die Mützen genau die vorqesckiriebene militärische Form: heute aber hat sich die Mode ihrer bereits völlig bemächtigt und schattet ganz »ach Laune damit : nur die Grundsorni der Soldatemnütze wird beibehalte», aber der Etofi, die Zutaten und die Farben zeigen ganz die Mannigsalligkeil, die die Pariser Mod« ininter bevorzugt.
* Der abgesehIe Delchgras. Jn> westliche» Schleswig- Holstein besteh! seit vielen Jahrhunderten sür den Obmann der Vertretung zur Besichtigung der Teiche in den Marschen, den so- genamilcn Kögen, die Anttsbezeichtimig Deichgras, die aus beut Plattdeutschen.Tiekgreve' hervorgegangeu »st. Jetzt ist sie sür den Obmann der Siidtnarschenvertretung bei Husum iu ,K o q z - Vorsteher' mngeivaudell worden. Dazu bemerkt, wie wir iu der Zeitschrist »O u i ck b o r »», die von der Bereinigung von Freitnde» der niederdeulsche» Sprache und Literatur In Hamburg herausgegeben wird, der Vorsitzende des Nordiriesische» Vereins iür Heintatknnde, Pastor Schulz - Mildstedt. mit Recht: .Für den Schreibstnbenmenschen Ist es vielleicht eine Freude, wenn sich alles i» das geliebte Schema lügt. Wir haben jetzt Anttsvoriteher, Gemeindevorsteher, Oitsvorsleber, Perbandsvorsteher, Kogsvorsieher. Vielleicht wird nächstens der Landrnt Kreisvorsteher, der Ober» Präsident Provinzvorslcher und der Kaiser Reichsvorsteher. Das wäre ein Triumph der Sebreibsiube. Wir bedauern solche öde Gleichmacherei, die das Volksleben ärmer macht und die einzelnen Gegeitden ihrer Eigenart beraubt, D«r Stirne Teirbgrni ist hier volksiümlich und beliebt. Er bat leine '•! «rcchtigung redlich erworben iin Verlaus der Jahrhunderte im Kamps mit dem Meere.'
5kat-Ausgllde.
Vorhand läßt sich bis Null ouverl reizen, ives.halb 'Mittelhand anstatt des ansangs beabsichtigte» Treff-Solos mit solgendeu Karle»
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Wie müssen die Karten sitzen und wie miiß damit der Spieler mit Schneider verliert? —
gespielt werden, (Aust. i.». Rr.»
Auslösung des Logogriphs in voriger Numnier; Sense, Senf
Tchrislleitung: Aua. Goek — Rotationsdruck und Verlag der Brühi'sche» llniversttäls-Buch- >md Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.


