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kommst du »och nicht bran. Aber auf einmal sehe ich die Mauern einstürzen. Wie ein gräßliches Gespenst sehe ich T. blutend davon- sttürzen, beide Arme vom Körper gerissen. Und auf mich stürzt eine gewaltige Feucrsäulc zu ■ . . Das Pulvermagazin ist getrof- sen . . . Ich begreife es sofort und fühle, daß ich verloren bin. Instinktiv suche ich zu fliehen. Vergebliche Mühe. Die Feuerwolke ersaßt mich, ich fühle mich sortgerissen. Et:oa 30 Meter weiter werde ich nicdergeworsen und gewaltig gegen eine Stahltür geschmettert. Ich stehe mit der unbestimmten Verstellung wieder auf) ich will aufrecht sterben. Meine Haare und meine Kleider sangen Feuer, ich beschütze meine Augen mit den Armen und halte den Atem an, aber wie erstickt durch die Gase und die fürchterliche Hitze ziehe ich doch Luft ein: es ist Feuer, was in meine Lungen dringt. Es ist das Ende. Ich falle auf die Knie und höre meine Stimme rufen: mein Gott, mein Gott . . . Mer durch die Gewalt der Gase wird die Stahltür weggeschlagen. Auf Händen und Füßen krieche ich hinaus. Ein Regen von Trümmern fällt auf mich nieder, doch ich krieche vorwärts. In meine verbrannten Lungen kommt wieder Lust, wenn auch mit Staub vermengt.
Für den Augenblick bin ich gerettet. Mit einer letzten Kraft- anspannung erhebe ich mich. Ich must über das Fort kriechen, durch einen Hagel von Granaten und Schrapnells. Endlich komme ich ans Ziel und werde von den Armen meines Oberbefehlshabers aufgesangen. Er schließt mich wie ein Kind in die Arme und legt mich aus eine Matratze, und alle meine Kameraden stellen sich um mich herum, um mich nach Kräften zu beschirmen. Der Arzt und der Pfleger decken mich bei jedem Schuß mit ihrem eigenen Körper gegen die Sprengschüsse. Ich verliere das Bewußtsein , .
wie die Türken ehemals den Krieg erklärten.
Anders als heute, wo die Türken, wenn auch nach langer Spannung, ohne weiteres in den Kriegszustand mit den Russen getreten sind, vollzog sich in früheren Zeiten dieses Ereignis. Aus dem Jahre 1768 liegt uns ein Bericht über die großen Feierlichkeiten vor, unter denen damals der Krieg der Türken gegen die Russen erklärt wurde.
„Bey Gelegenheit des Friedensbruches zwischen Rußland und der Pforte siehet man hier folgende Beschreibung von den Solennitäten, die gemeiniglich zu Constantinopel bey einer Kriegserklärung vorgenommen werden: Wenn der Großsultau den Krieg beschloßen hat, so lässet der Janid- scharenaga diesen Entschluß der hohen Pforte unter Troim- petenschall bekannt machen. Sogleich wird in der gantzen Stadt, von nichts als Krieg gesprochen, und man singt zum Voraus Stegeslieder zum Lobe des Kaysers. Alle Künstler und Handwerker, sind verbunden, an diesem Tage dem Kay- ser ein Geschenk zu machen, und hiemit endigen sich die Feyer- ltchkeiten des ersten Tages. Am folgenden Tag halten die Türken, welche ihre Geschenke gebracht, eine Proceßion durch die vornehmsten Straßen der Stadt, welche in folgender Ordnung gcschiehet: Zuerst reitet ein Effendi: auf einem köstlich gezierten Kameel und liefet mit lauter Stimme aus dem Alcoran, verzwischen ein Trupp junger Leute die ihn be- leiten, Lobgesänge singet. Hierauf folgt ein Mann zu Fuße, er größte, den man finden kan, mit Laub bedeckt, einem! Landmann, der sein Feld besäet, nachahmend. Fhn begleiten verschiedene Bauern, welche Kornähren und Sicheln tragen. Daun folgt eine Karre von Ochsen gezogen, woraus eine Windmühle steht, und einige Müllerbursche, ganz mit Mehl bestaeubet. Hiernächst kommt ein anderer Wagen von Büffeln gezogen, worauf ein brennender Ofen und zwey fast ganz Nackte Menschen befindlich sind, wovon der eine von Zeit zu Zeit Brod aus dem Ofen holt und es unter das Volk wirft, weiches sehr begierig darnach ist. Diesem Wagen folgt das ganze Corps der Bäcker, welches sehr zahlreich ist. Paarweise in ihren besten Kleidern, und ein jeder trägt einen Korb mit Zwieback und Brot auf dem Kochs; die beiden letzten haben jeder einen Lustigmacher bey sich auf das lächerlichste gekleidet, welche das Volk mit allerhand Possen belustigen. Dann kommen alle Handwerker mit Musik, und laßen sich Zeichen vortragen, welche ihre Profeßion anzeigen. Unter andern führen die Kürschner allerley auf das künstlichste aus- gestopfte wilde Thiere mit sich. Wie im Jahre 1717 zu Adria- nopel eine dergleichen Proceßion abgehalten wurde, so bestand sie aus 20 000 Mann die alle im Stande waren, die Waffen zu tragen und bereit dem Sultan auf die erste Order z>> folgen. Der Marsch wird durchgängig von einigen jungen Freywilligen geschloßen, welche bis auf den Gürtel nackend sind, und sich, zu Bezeigung ihrer Tapferkeit, mit Messern große Wunden auf den Schultern, aus den Armen und am> Kopfe versetzen, so daß sie ganz mit Blut bedeckt sind und ein
schreckliches Ansehen haben. Die jungen Türken glauben, sich hierdurch besonders dem schönen Geschlechte gefällig zu machen, und ihnen Beweise ihres Heldenmuths zu geben."
Eine solche Kriegserklärung pflegte aber auch der türkische Sultan durch einen Eidschwur zu bekräftigen, der dem Feinde ein fürchterliches Geschick androhte. So gibt die in München herausgegebene „Mercurii Relation" vom Jahre 1681 Kunde von der Erklärung des Sultans Achmied, die sich damals gegen die ganze Christenheit, insbesondere, die deutsche, richtete: „Ich Sultan Achmet von der Gnade Gottes uniibenvindlicherKayser «genAussgangusw. Schwöre bey dem Allmächtigen Gott / bey der Schöpfung und bey Göttlicher Krafft / bey dem Firmament und Gestirn, bei Sonn und Mon/auch bei den klaren scheinenden Sternen / bey allen Qualitäten der Welt / bey meinem Leben / bey der Milch, die ich gesogen habe / jo die erste Speiß meines Lebens! war/bey meinem Haupt und Bart/und bei dem allmächtigen Machomet/bey meinen Voreltern / Groß-Vatter und Groß- Mutter/und bey ihrer Beschneidung Mußmann sub Aga- rener/und bey meinem Theyl nach der Seeliakeit / daß ich den Coenig und alle Deutfchen sambt allen ihren Anhang vertilgen >vik/und alle ihre Länder verwüste» / ihre Freund und Kinder in die Dienstbarkeit führen / und ferner die gcuitze Christen under meinen Geivalt zu bringen. Bon welchem Vorhaben ich nun mehr nit «blassen wil/sollte auch alle meine Macht/Stätte und Räthe zu Grund gehen/auch mein Verstaubt zerrüttet werden und auch nur ern Geschlecht von Beschnittenen / ja nur zwo oder drey Pcrsohnen allein im Leben verbleiben / und so sie hernach diesem Ayd nicht Nachkommen/ihn nicht volliühre» / oder denselben im Ivcnigsten brechen und nit sesthalten werden / daß. sodann der Zorn Gottes aufs mein Haupt fallle/uns gantz verderbe und auß- tilae / auch alles dasjenige / was mein Haupt angreissen soll/Beliebe dem höchsten Gott in ein Stein zu verändern/ und mich soll der Grund der Erden nicht gedulden / sondern einen Schlund auffthun/und mein Seel und Leichnamb ver- chlucken und verzehren/Amen." TH E.
vermischte».
• Zur Geschichte eines historischen Wortes. Der Krieg bringt viele Legenden hervor, di« in der Folgezeit nur schwer wieder auSznroltcn lind. Alan kennt z B. d>e berühmten Worie t .Meine Herren Engländer, feuern Sie zuerst!" die der Kom- mandant der iranzöstschen Schützen ln der Schlacht von Fontenoy dem Feinde zugeruie» habe» soll. Aber auch diele Geschichte verlies etwas anders, wie die italienische Zeitschriit.L'Ora' nachweist. Tie Schlacht iand lm Jahre 1715 halt. Fontenov liegt in Belgien und die Franzosen kämpften gegen Engländer, Deutsche »no Belgier. Damals war da? Atncuern eine? Gewehrs oder einer Kanone eine langwierige und verwickelte Angelegenheit, so daß die Soldaien strenge Weisung hallen, niemals zuerst zu sener», wenn sie den Feinden gegenuberstanden, um nicht beim Wiederladen im Nachteil zu sei» Als iiun in Fonteno» Franzosen »nd Engländer einander gegenüberstanden, rief der eiiglische Führer Lord tzay zuerst: .Herren Franzose», schießt nnrl" 'Ader der französisehe Führer Graf d'Anteroche erwiderte: .Herren Engländer, schießt ihr! Wir
schieße» niemals zuerst I* Das also war der Uriprnng der Geschichte von der irnnzösische» Ritterlichkeit. Aber die Gesttnchte gebt noch weiter. Schließlich verlöret, die Engländer die Geduld und schoßen doch. Viele Franzoscn fielen, und in ihren Reihen eiitftnnb eine Panik, so daß sie sich zu einer zügesiosen Flucht wandten, die iliir von den dahinter stehenden Reitern antgehalte» wurde. Mit dem Säbel in der Hand zivangen die Oieiter die Flüchtigen, den, Feliide Widerstand z» hatten. Der sranzösische König, der den Vorgang von einer Anhöhe sab, wandte sich an seine Oisiziere mit de» Worten: .Meine Herrei,, er tut mir leid, daß Sie über so erbärmliche Feiglinge besehicn niüssen I' DnS sind wirklich historische Worte, die aber nicht populär geworden sind.
Logogriph.
Kennst d» das scharst Gerät mit „s* und mit ,e* an dem Ende? — Tausche „se* gegen „{*, ist e« nur scharf als Gewürz.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer: K Rad Pirna Karpfen Hafer Reh
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Kchrislleitnng: Ana. Goetz. - RolalionSdrnck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiiidrnckerei, R. Lange, Gießen.


