Ausgabe 
2.11.1914
 
Einzelbild herunterladen

588

fangen getionim'en worden ist! Der Zar mit seinem ganzen Ge­folge! Nie Nachricht ist dnrch einen hohen Beamten verbürgt!"

'Durch welchen Beamten?/'

-Mas weih ich nicht..

>,Unb woher haben Sie die Nachricht?"

Ein Reisender, der mit dem Schnellzug 11 Uhr 20 aus Mtterseld kam...", will der Aufgeregte erklären.

Aber der Schutzmann unterbricht ihn sogleich, legt ihm di« derbe Hand auf die Schulter und sagt:

Schon gut! Kommen Sie ruhig mal mit! Ich arretiere Sie wegen Verursachung eines Auflaufs durch Verbreitung erner unwahren Nachricht!... Marsch!"

Der Ausgeregte schickt einen anklagenden Mick zum Himmel, x.ingt verzweifelt die Hände und setzt sich in Bewegung.

Sichstdewoll,?" sagt der Mann ohne Kragen und grinst.

Der Kreis aber lbst sich befriedigt in seine einzelnen Be­standteile au f, i ; ______ i

Vermischte».

Neue Kletder aus alten. Zur Mobilisierung des deutschen Bekleidungswesens gehört es, dag mit Wolle und allen anderen, zur Kleidung nötigen Stoffen sorglich Haus gehalten wird: kein Fetzchen eines Stossrestes, kein altes, noch so schleclstes Kleidungsstück darf weggeworseu werden, sondern alles ist zn sammeln, und einer sage dies dem andern. Denn aus alten Kleidern und Stofsvesten kann man neue Kleider machen, dre freilich nicht ganz so gut sind, wie die aus neuer Wolle, aber immerhin recht gute Dienste leisten, wenn neue Rohstoffe knapp zu werden drohen. 'Die alten Kleider werden nämlich, wenn sie zn neuen werden sollen, zuerst in ihre Ursprünglichen Bestandteile wieder aufgelöst, um' zuShoddy" verarbeitet zu werden. Dar Wort ist englisch, wie auch das Verfahren Ursprünglich auf Eng­land beschrankt war. Es hat sich aber seit einer Reihe von Jahren auch auf andere Länder ausgedehnt und wrrd des Krieges halber ber uns wohl nun größeren Umsang annehmen. Ehe die Lumpen, Absallstücke von alten Kleidern usw., zerpflückt werden, werden sie geordnet, so daß Wolle, Baumwolle und so weiter, jeder Stoff für sich, vorhanden ist, und 'das gleiche gilt für schwarze und anders gefärbte Stoffe. Dann wandern die Lumpen in eine Maschine, die die Engländer nnb Amerikaner Devil (Teufel), die DeutschenReißwoli" nennen. Diese Maschine zer­reißt sie so, daß die ursprünglichen Fasern wieder hergestellt werden. Der einzige wesentliche Unterschied von den ursprüng­lichen Fasern besteht darin, daß sie bedentend kürzer sind. Sie können aber trotzdem, besonders wenn längere Moll- oder Baum- wollsasern zugesetzt werden, von neuem gesponnen und zu Stoffen vertcebt werden. Der eigentliche Shoody, worunter man die längeren Fasern versteht, kann für sich allein gesponnen und verwebt 'werden; die kurzfaserige Kunstwolle, die als Mungo bezeichnet wird, ist nur dann neu zu spinnen und zn weben, wenn si« einen Zusatz von längeren Fasern bekommt.

* Ein seltsames Duell. Der Berichterstatter des Tempi» telegraphiert aus Perpigan die Geschichte bon einem seltsamen Duell, das kürzlich in den neutralen Gewässern des Hafens von Valentta in Spanien stattgefnnden haben soll. Seit dem A'uSbrnch des Krieges lagen ein deutscher und ein belgischer Dampfer Bord an Bord im Hafen. Vor eiirigen Tagen erhielt nun der belgisch« Kapitän von seinem Bruder, der al» Soldat den Krieg mitmacht, einen Brief, in dem von dem Vordringen der Deutschen in Belgien erzählt wurde: die Frau und die beiden Töchter des belgischen Kapitäns befänden sich unter den Opfern des Krieges. Durch diese Nachrichten steigerte sich die Wut des belgischen Kapitäns, die er bei der zwischen den beiden Mann­schaften bestehenden Spannung schon immer gezeigt hatte, zur

S eberhitze. 'Er sandte an den Matrosen der deutschen Mann- ast, von dem er am meisten gereizt zn sein glaubte, eine Herausforderung zuni Kamps aus Leben und Tod, und diese Herausforderung wurde angenommen. Ter deutsche Matrose sprang von Bord und schwamm, während er ein Messer zwischen den Zähnen hielt, aus das Schiss des Gegners zu, und der belgische Kapitän folgte sojort seinem Beispiel. Die beiden Männer trafen sich in der Mitte zwischen den Dampsecn. Der Zwischenfall war >edoch von der Küste ans beobachtet worden, ein mit mehreren Zolloffizieren bemanntes Boot streß sofort ab und kam noch zur rechten Zeit, die beiden Duellanten, dre einander schon Wunden beigebracht hatten, im letzten Augenblick zu trennen. Eme riesige Menschenmenge hatte das 'Duell im Wasser vo» den Kais aus mit angesehen. Die Hafenbehörden ordneten nach diesem Zwischenfall an, daß die beiden Dampfer in erne sichere Ent- sernung voneinander gebracht würden.

* E r h o s u ii g s st ä t t e für V c r w n n b e t e. Man schreibt uns: Für die zahlreichen Verwundeten ist in Tentschlaiid rn wirk- kuh groszllgiger Weise gesorgt worden. Nicht nur, daß in den Krankenhäusern und Reserve-Lazaretten alles getan ist, um die pslege, arztlrche Behandlung usw. mnstergültig zu gestalten, sondern man hat auch darüber hinaus Vorsorge gclrossen, »m den Wieder- genesenden, nachdem sie die Lazarette verlassen haben, in beson­

ders günstiger Lage Erholungsaufenthalt Pt gewähren. Nach dieser Richtung hin hat man besonders im Harz, im WeserbrrA lande, wre überhaupt im ganzen deutschen Mittelgebirge, fürsorg­liche Maßnahine getroffen. Jene waldreick-en Gegenden mit threq zahlreichen klimatischen Kurorten eignen sich ja auch

mit ihren in ganj - V. stni

besonderer Weise für den genannten Zweck. Im Har» z. viele Kurhäuser in gesündester Lage in Krregslazarette ntng« wandelt worden. Die private Fürsorge ist da mit der amtlich organisierten tu xrsreiilicher Weis« in Wetteifer getreten. Auch Erholungsheime, die in .Friedenszeiten nur bestimmten Berufen offen standen, sind in Lazarette nmhewandelt morden: es fei am* eins genannt, bas herrlich am Lusammenflnß vou Wer« unti Fulda in Hann-Müirden gelegene Lokomvtivfilhrer-Heim. Hebe» Haupt stellte das Weserbsrgland, dessen mildes, günstiges Jtltmd bekannt ist, eine große Anzahl von Pflege- und Erholungsstätten unseren verwundeten, deutschen Soldaten zur Verfügung: doch muß bei der erfreulichen Fülle der Anstalten ihre Namhsitmachnich im einzelnen unterbleiben. SDian sieht aber daraus, m welch vor­trefflicher Weis« für unsere tapferen Soldaten gesorgt ist.

kf. Das erste Luftbombardement. Eine der neuesten Kriegswaffe» sind die vom Flugzeug oder Luftschiffe auf den Gegner herabgeschlenderten Bomben. Und doch haben die Oesterreich« schon vor über einem halben Jahrhundert rm Krieg« gegen die venezianische Republik ähnliche Geschosse verwendet. AIS Radetzky im Jahre 1849 Venedig belagerte, vermochten die öster­reichischen Geschütze bei ihrer kurzen Reichweite nur geringen Schaden anzurichten. Da kam ein Artillerieoffizier auf den Ge­danken, von einer Montgolsiere Bomben auf die Stadt herab­zuschleudern. Eine Anzahl großer Papterballons wurde anaksertigt, von denen jeder, wenn er luftleer gemacht war, eine Last vost 70 Pfund tragen konnte. Mehrere Probeflüge ergaben, daß er mit einer Bombe von 30 Pfund 3b Minuten in der Luft weilen konnte. Nun wurde von derjenigen Seide der belagerten Stadt, von der gerade der Wind kam, ein Probeballon losaelaffen, und ma» stellte fest, nach wieviel Minuten er sich über Venedig befand. Auf Grund dieses Versuches stiegen dann mehrere Montgolsieren ans, deren Bomben dnrch einen Zeitzünder gerade in dem Augenblick vom Ballon losgelöst wurden, als dieser über dem Marktplatz« dahinschwebte. Berichte aus jener Zeit lassen erkennen, daß ihr Schaden zwar gering, ihre moralische Wirkung auf di« Venezian« dagegen lehr groß war.

* Wie eS in den Taschen eines deutschen Sol­daten aussiebt. In dem Feldpostbriefe eines im Osten sech- teiiden deutschen Soldaten, den derKonfektionär" vcrösfentlichtt wick nicht olme Humor geschildert, wie es in den Taschen eine- deutschen Soldaten aussieht.Willst Du mal wissen (so fragt der Briesschreiber), >vie meine Taschen anssehen? Linke Hosentaschei ein Hosenträgerersatzteil, ein Taschentuch, innen weiß, außen Schmutzsarbe (feldgrau), etwas Werg zum Gewehrreinigen, die Zel­luloidschachtel mit Klosettpapier, Seife, Seiflappen und schließlich das Handtuch. Rechte Hosentasche: Portemonnaie, silbernes Mes­ser, großes buntes Taschentuch, Pulswärmer. Uebertasche: Uhr und Verpumpseife. Westentasche: links unten Kompaß, Spiegel, Kalen­der, Pyramidal. Rechte Westentasche: Notizbuch, Pergamciitpavte». Litewka: Innentasche: vollgepfropfte Brieftasche, alle Brief« trage ich natürlich nicht bei mir, die sind im Tornister. Linke Litewka­äußere Tasche: Keks, Schokolade usw. Rechte, halbfrei für ein Stück Brot. Kannst Du Dir eine Vorstellung machen von meiner Voll- gepfroptheit?" _

vüchertisch.

Was mn ß man vom deutschen Kriegshee« wissen? Ein kleines, über 100 Seiten starkes, allgemeinver­ständliches Heftchen des Hauptmann Heitz,Was jedermann vom deutschen Kricgsheer wissen muß!" (Verlag Gerhard Stallina, Ol­denburg i. Gr., Preis 30 Pfg.), gibt über die wichtigsten Ding« unseres Heeres, seinen Aufbau, die Gliederungen seiner Waffen­gattungen, Bekleidung, Bewaffnung und vieles andere populär« Auskunft. _

Diamanträtsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a daeel ;jhhikknnnpprrrrr

derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

8. Teil eines Wagens. kt

8 . Sächsische Stadt.

4. Einen Edelfisch.

8 . Gctreideart.

6. Flinkes Tier.

7. Einen Buchstaben, lciikrechle und wagrechte Mittelreihe ergeben das Gleich«,

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Arithmogriphs in voriger Numineri Osenschirni, Friesen, Eninierich, Rcro, Seine, Eicero, Horn, Iren«, Rose, Moor. /

e

©

!

j

«

9

O

dchrlftleitung: Sliifl. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'sche» llnirerfitäls-Biich- und Slcindrnckrrci, R. Lange, Gießen.