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* ©jenen vom Huuserkampi. Eine der letzten Depeschen unseres Trotzen Hauptquartier- spricht von den erbitterten Häuserkämpsen, die in den letzten Tagen um Arras und anderwärt» stattgesunden haben. Szenen von diesem heiligen Ringen »von Hau» zu Hau»" schildert der englische Kriegsberichterstatter W. Beach Thomas. Tle deutsche Eigenart des KampleS und ihre besondere Geschicklichkeit, die Eigenarten des Geländes sür ihre Taktik zu benutzen, werden aui das Ichlagendste illustriert durch die Schlacht der letzten Tag«, in der sich eine ganz unerwartete Art de« Fechten» entwickelte. Tie deutschen Truppen hatten sehr geschützte Stellungen in de» kkohlenbergwerken gesunden und autzerdem auch noch besonderen Vorteil von der Art der Häuser in diesem Kohlengebtete gezogen. Die Dörler östlich von Len», die hauptsächlich von Bergleuten bewohnt werden, bestehen nämlich aus langen Rethen glelchsörmiger Häuser, die nach einem einheitlichen Plane lür die Arbeiter gebaut wurden. Diese Arbeiterhäuschen wurden von den Deutsche» in kleine Fort» ve> wandelt! die Fenster wurden durch Matratzen und Säcke geschützt, in die Mauern wurden Löcher gebrochen als Schießscharten für die Maschinengewehre. Ta diese ganze Gegend bis Lille anßer- ordentlich dicht bevölkert ist, so boten sich ihnen überall solche Häuser dar, die ste wahrhalt uneinnehmbar gestalteten und aus denen sie grobe Vorteile im Kample zogen. Auch das ganze Gelände ist von ihnen aus das geschickteste auSgenutzt worden, und so haben sie da» Kohlengebiet zu einer Stellung umgeschaffen, die nicht viel weniger lest ist als die Steinbrüche von Soiffons. Tie gleiche Tüchtigkeit wurde bet der Beschießung von Arras gezeigt. ES regnete geradezu Granaten; von 8—11 Ühr morgens schlugen einmal 120 in dit Stadt ein.
'Fünf Vaterlandsovser aus einer Familie. Man schreibt un»: „Einstehe sür Pflichterlüllung bi» zum äußersten." Diese» Manneswort des Gouverneur» von Kiautschau ist kennzeichnend sür da« ganze deutsche Volk tu dem ihm ruchlos aus- gezwnngenen ungeheuren Kamps um Ehre und Dasein. Ganze Reihen von Familien ließen sich auszählen, die alle ihre Söhne in da» Feld der Ehre gesandt haben, gewaltig ist die Ernte, die der Schnitter Tod schon gehalten hat; säst zu den ergreiiendsten Kunden gehörte aber die, welche die Zeitungen in den letzten Wochen haben bringen müffen: von der Familie König in Zörnigall sind süns Brüder, sämtlich Olfiziere, im Kamps fücS Vaterland gefallen. Drese Nachricht erinnert uns an das gleiche Schicksal, das im amerikanischen Bürgerkrieg eine Familie Li^by erlitten hat. Der überlebenden Mutter der süns gesallenen Söhne hat, gerade vor einem halben Jahrhundert Präsident Abraham Lincoln einen B ries gesandt, der ivohl heule ein allgemeines wehmütige» Interesse finden dürste. Er lautet: „Sehr geehrte Frau I In den Akten des Kriegsministerlums bat man mir einen Bericht des ersten StabSolftzier» von Massachusetts gezeigt, wonach Sie die Mutier von süns Söhnen sind, die ruhmvoll aus dem Schlachtleld gelallen sind. Ich sühle, wie schwach und nutzlos jeder Versuch von mir sein muß, Sie über den Gram um einen so überwältigenden Verlust täuschen zu wollen. Ich kann Sie nur aus den Trost Hinweisen, den Sie vielleicht in dem Tank der Republik finden, sür deren Rettung Ihre Söhne starben. Möge unser himmlischer Vater die Qual Ihres schmerzlichen Verlustes lindern und Ihnen nur die zärtliche Erinnerung an die Geltet len und Verlorenen lasse», zugleich aber auch den heiligen Stolz, daß Sie ein so kostbare» Opser aus dem Altar der Freiheit niedergelegt habend Dr. R. B.
'Feldgottesdtenst. Hermann Berkenseld schildert in seinem Werke: „Erlewniffe ut 1870 un 71*, einen Feldgottesdienst nach der Schlacht von St. Privat-Marslatour also: „Uns' beiden Pasters hölen Anspraken, ivovon jedes Wurd von Harten kam un tau Harten gung un all bei Ogen, die gistern in'n düllsten Kugelregen irn Tod int Gesicht lcihn hadden, stillten fick hüt mit Tranen äwer Tratten, as sei vör sich legen, wat't bei Tod anrit't und a» stck jeder wol in'n Stillen bei Frag vorhöl: „Worum llggst ok du nich mit dor in Reih und Glied? worum »ich? eund wenn ihr warben um bin Eraww ebetiso vel lrurige Kameraden herumstahn und di bei letzte Tran »ahw veine». Aewer wi lewten jo noch un müßten bi alle Trurigkeit mit Goltvertrugen in bei Taukunlt gabt, un, nahdem wie an bei Todlgen uns' Schulligkeit dahn, ok daran denken, dat ok »och lewige Kattierade» >tp uns' Hülp litrten un unner so'n Umstän'n is denn bei Arbeit ein Segen vo:> Gott, bei un» tau detl ward": Das sind die „deutschen Barbaren*.
* Die Tierwelt im Kriege. Aus unserem Leserkreis wird un» geschrieben: Zu dem Aussatz „Tie Tierwelt im Kriege* in Nr 141 der „Gießener Familienblätler* vom 72. Oktober, worin am Schluß auch der Schnecken nach einem Kriegsbericht Sallusi» gedacht ist, möchte ich aus eine ober hessische Kriegsgeschichte Hinweisen, in der die Krebse eine aktive Rolle spielten. Es mar bei der Belagerung der alten ReichSburg G l o u b » r g bei Stock- Helm, deren Reste sich beute noch innerbalb des aus viel älterer Zeit stammenden großen Ringwnlle» finde». Als der Feind die geivaltige Veste mit Gewalt nicht gewinnen konnte, suchte er Zu- flucht zu einer List: Man besestigte zahlreiche Warbskerzchen aus dem Rucken von Krebsen, zündele die Lichter an und ließ die Tiere gegen die Blauer kriechen. Tie erschrockene» Verteidiger sammelten sich alle an jener Stelle, während der Feind itnbemerkt aus einer
anderen Seite die Mauer erstieg. Diese Sage endet »it »in» Variante der Erzählung von der „Weiberlreu' bei Wein» bergt auch hier trug eine Frau den Mann aus dem Rücken au» d«> Burg. H. 0. Becke»
* Eigentümliche BelagerungSpraktikeu aut alter Zelt. Ganz anderer Mittel al» heute, wo die der modernen Belagerungsgeschütze den Widerstand auch der dickste» und lestesten Bastionen ohne weitere» überwinden, mutzten ftch M srüheren Zeiten, als ihnen noch keine Geschütze zur Bercküg«« standen, die Angretier bedienen, um mm Ziele zu gelang«. Zu» Eroberung von Burgen und seslen Städten verwandte man btt schon seil dem Altertum bekannten Sturmböcke und Widder, ml denen dle Mauern eingestoßen wurden. Auch Brandpkeile uni Steine wurden in die Stadt hineingeschleudert, um fie anzuzündeA oder st« zu zerstören. Wo dle Maßnahmen nicht den gewünschte» Ersolg erzielten, griff man bisweilen zu ganz groteske» Ausbille», So erzwange, die Führer der Berner und Straßburger im Iah« 1838 dle Ueoergabe der belagerten Burg Schwanau dadurch, daß sie au» Katepulten mit Unrat gefüllte Tonnen in die Burg warseitz die dort bet der bestehenden Hitze ein solche« Miasma verbreiteleitz daß die Besatzung kapitulieren mutzte. Klüger ivaren dle in de» Burg Karlstein im Jahre 1422 Eingeschlossenen. Als die Belagere» zur Erzwingung der Uevergabe ihnen ebeniall« Unrat-Tonnen — und zwar sollet, es 1802 geivesen sein — über die Mauer warse» desinfizierten ste diese mit ungelöschtem Kalk und machten dam* die Abfichlen der Feinde zunichte.
VLchertisch.
— Der Gesundbrunnenkalender des Dürer« Kunde» ist Jahr um Jahr weiter in» Volk gedrungen, und jede» Jahr wird er von seinen alle» Lesern mit Ungeduld erwartet. Ebe» erscheint der 8. Jahrgang diese» „besten aller Dolkskalender*, w« er von strenger Kritik genannt worden ist. (Georg D. W. Eallwap* Verlag, München). Was bringt doch das Büchlein aus seine» 21^ Seiten, von denen auch nicht eine sür Reklame oder Inserat» verschwendet wurde, nicht alles I Scherze, Rätsel, Spiele, Liedeth Tänze sür de» Kreis der Fannlie, Beratung über Kinderbeschäktiaui« und Kindererztehling, seine Blicke tn» Rinderland, wertvolle Ratschläge sür» Heim, Stick- und Kinderkleidermuster, Hinweis ai4 guten billigen Halisrat, Koch- und Getränkerezepte und noch s» inancke» praktisch Wertvolle. Tie Hauptsache aber sind die « seffelnder, allgemeinverständlicher Form geschriebenen Aussätze zntz Jugend- und Bolkserziehung, die Beiträge über die Ideale und di» Ausgaben deutscher Gegenwartsarbeit. Ta» bunte Bildchen sch« v. Zumbusch, die Holzschnitte schenkten Klemm und Otto, die Zeichnungen H. Thoma, Rud. Schäser, Fritz Philipp Schmidt, Ludwin Richter, G. Clausen, Poeci u. a. Dazu kommen lustige Schatte» riffe und allerlei Kieinschmuck.
— Die DelhagenärKlasingschen Volksbücher, die vortrefflich geschriebenen und mit vielen Bildern auSgestattete» 60-Psennig-Bände, haben ihrer langen Reihe zwei neue Heste zu« gesellt, die gerade in dieser kriegerischen Zeit Beachtung verdienen, In dem einen schildert Victor Oltman» da» seit der Eroberui Antwervens und der Besetzntig Ostende» völlig in »nsern Händ befindliche Belgien; in dem andere» entwirlt Walter Jreih von Rummel ein anziehendes Blld von den, Leben u: Schaffen Zeppelin», deffen geivaltige Lustlchiffe zu de» mächtin» sten Waffenstücken unserer Rüstung zählen. Beide Bücher, wie viele der Sammlung, eignen sich auch in hervorragendem Mage als Lesestoff sür unsere verwundeten Krieger.
— Dr. Bruno Weil, „Elsaß-Lothringen und der Krieg*, Straßburg, Joses Singer Verlag. Der Versätze, lührl in knappen Umriffen in die Molnlisationszeit und ihre Bedeutung sür die Stimmung der Elsaß-Lothringer »ach Straßbura. Ter Schluß bringt eine historisch-politische Abwägung der Zutun* de» Elsaß und schließt mit einem auch in Altdeulschland freudig begrüßten Ausblick aus da«, was nach dem groben Krieg an Ge» sinnung und Reichssreudigkeit in Eisaß-Lothringen zu finden sein wird. _
Artthmogriph.
1 2 8 4 6 6 7 8 9 10 ein Hausgerät.
2 9 8 3 6 3 4 germanischer Volksstamm. 8 10 lö 3 9 8 6 7 ein Komponist.
4 3 9 1 römischer Kaiser.
5 8 8 4 3 Fluß 1» Frankreich.
6 8 6 3 9 1 römischer Staatsmann.
7 1 9 4 ein Musikinstrument.
8 9 3 4 3 weiblicher Vorname.
9 15 3 eine Blume.
10 1 1 9 niederländischer Maler. Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung de» Anagramms in voriger Numui«t Ruhr, Uhr.
Schrlsileltung: Aua. Goetz. - Rotailousdruck und Verlag der Drühi'schen Universitäls-Buch- und Cleindrttckerei, R. Lange, Bietzen.


