Ausgabe 
29.10.1914
 
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Und tmrfliÄ die Mauer gibt nach... Ein« Deffnung ent­steht und eine .Treppe wird sichtbar. Unterdessen haben einig« einen schweren Dchmiedhammer requiriert und mit ein paar mäch­tigen Schlägen fallen die letzten Steine.

Verdammt noch mal... Rauf!" befiehlt der Gefreite.

Und mit geschwinden Schritten hasten acht Mann die Treppe zum Glockenstuhl.... die Tür oben ist verschlossen.. ..

Krach, da fliegt sie auf und den erstaunten Augen bietet sich Pin kÄtsamer Anblick:

Drei Herren, in der Uniform englischer Generalstäbler hocken am Boden mit kr ei beweisen Gesichtern und strecken die Hände in die Höhr. Mit einem Satz lind die acht in dem Raum und triumphierend schleppen sie die drei in den Schützengraben zurück. '

Leicht enden Auges vernimmt der Herr Hauptmann den Be­richt seines Gefreiten: -

......Auf Monate waren die Kerle verproviantiert, Tele­phon batten die Brüder, gemein, so was I" '

Na, also regen Sie sch Mal nicht aus, Gefreiter," be­schwichtigt der Hauptmann,holen Sie mal den Musketier Schneider." l

Schneider, Ihr« Wachsamkeit hat uns drei englische Gene- ralstabSosfiziere in die Hände gegeben. Sie haben dem Bater- lande dadurch viel genützt uud Ihr Diensteifer soll nicht unbe- lohnt bleiben: ch werde Sie fürs Eiserne Kren» Vorschlägen."

Streifziige an der belgischen Nüste.

Aehnlich wie in den Tagen vor dem Falle Antwerpens an der belgischen Nordgrenze sieht es jetzt an der Küste au«, nur ist das Mild der Verwirrung noch viel größer, denn die fliehenden Zivil­personen und das Militär bildeten in den letzten Tagen ein un­entwirrbares Durcheinander. Einer der Kriegsberichterstatter des Nieuwe Rotterdamsche Courant" ist in den Tagen vor der Be­setzung Ostendes und Brügges durch die Deutschen mit dem Auto­mobil an diesem Küstenstriche umhergestreist, und dieser Tage hat das Rotterdamsche Blatt seinen Bericht erhalten, aus dem wir im Folgeitden ein paar besonders seflelnde und bezeichnende Stel­len übernehmen. Ganz Ostende glich einem Flüchtlingslager, so beginnt der Holländer seinen Bericht. Dann kommt er sogleich auf den Bürgermeister von Evers, eines Dorfes zwischen Mecheln und Löwen, dessen Leidensgeschichte er erfuhr. Der Holländer wunderte sich nämlich darüber, daß ein so gebildeter Mann, wie der Bürger­meister es ist, von der allgemeinen Panik ergriffen werden konnte. Als die Deutschen in Evers ankamen, zogen sie ganz ordentlich ein, ein Offizier unterhielt sich höflich mit dem Bürgermeister, es schien alles ungefährlich zu sein, und so ging der Bürgermeister in seinen Garten. Plötzlich erscholl ein Schuß, Gewehrsalven folg­ten, und alsbald tauchten deutsche Offiziere vor dem Bürgermeister- Hause auf, der Bürgermeister mußte herauskommen, die Ossiziere hielten ihm ihre Revolver bedrohlich nahe vors Gesicht und fragten, was das Schießen bedeute. Der Bürgermeister wußte es nicht, meinte jedoch, es sei wohl abrückendes Militär. Damit gaben die Off­ziere sich zufrieden, doch drohten sie, das Dorf niederzubrennen, wenn die Schießerei sich wiederhole. Ein paar Stunden später ging daS Geknalle tatsächlich von neuem los, die deutschen Sol­daten schossen in afle Fenster, und nun floh der Bürgermeister mit seiner Familie Hals über Kopf. Der wohlhabende Mann konnte nur wenig von seinein Besitztum mitnehmen: erst floh er nach Blankenberghe, da aber dort keine Lebensmittel mehr aufzutreiben waren, flüchtete er weiter nach Ostende. Hier bot ihm der Hol- flinder an, die Frauen seiner Familie in seinem Auto mit nach Holland zu nehmen, aber er erhielt die Amwort:Wenn wir denn sterben wollen, sterben wir zusammen." Hierzu sagt der holländische Kriegsberichterstatter wörtlich:Dos ist der Geist, der sie beseelt und man kann ihnen nicht ausreden, daß sie sterben müssen, wenn die Deutschen kommen."

Während der Hofländer im Gasthause saß, erschien plötzlich ein Polizeikommissar, der dem Holländer, dessen Papiere durchaus in der Ordnung befunden wurden, dann erzählte, wodurch er sich verdächtig gemacht habe: er hatte nämlich einein Jungen, den er nack> dem Wege gefragt hatte, eine Mark geschenkt. Das Aus- kauchen des deutschen Geldes in Ostende war sofort der Polizei gemeldet worden und diese hatte sogleich nach Deutschen in Ostende gesuckst. Für einen Holländer war es nun freilich nicht gefährlich, deutsches Geld zu verausgaben, das er von Brüssel her gewohn­heitsmäßig neben dem belgischen in der Tasckze hatte. Während der Nacht, di« der Holländer in Ostende verbrachte, hielt die Majsen- fluckst an; Zivilpersonen und Soldaten flohen durcheinander, und anr Abend fuhr das letzte Schiff mlt 'belgischen Truppen nach L«

. T"Ss darauf suchte der Holländer für sein Automobil nach Benzin. Er bekam leicht alles, ioas er brauchte, Benzin,

. und Kalziumkarhid, ja inan bot ihm sogar ein Auto oder em "otorrao an, und schließlich kam ihm die Sache verdächtig vor. aiii belgischer Sergeant verschaffte ihm nämlich alles, was er nur wollte. und es stellte sich heraus, daß er eine» Gegen- oleiflt erwartet«: der Holländer sollt« ihn nach Holland niitnehmen. Ta» tat er auch, natürlich mußte der Sergeant seine Uniform

au »ziehen ,md als Zivilperson reisen. Während der ganzen Auto, fahrt begegneten dem Hofländer übevafl Truppen. Die meist« Soldaten hatten keine Gewehre inebr. Ajuch zahlreiche militäv- besetzte Autos ratterten in der Richtung nach Nieuport vorbei und die Wege waren vofl von Flüchtlinge», die nicht wußten, wohin sie wollten. Inmitten des Gedränges bot ein Zeitung», Verkäufer seine Ware aus, der Holländer kanste sich die neuest« Ausgabe desNord Maritime" und laS gleich am Anfang, Wieder- ein zufriedenstellender und trostreicher Tag. Ter Feind ist überall bei seinen Tag- und Nackstangriffen znrückgesclzlag«." So stand da schwarz auf weiß zu ies«. In den Gesichter» bet Flüchtlinge las man allerdings das Gegenteil. Trotzdem wurden di« Zeitungen gierig gekauft. Die Aiutomobllsahrt, deren Ziq Brügge war, konnte nicht auf der "roßen Landstraße erfolgen­den» die Brücken bestanden nicht mehr. Verschiedentlich wurd« der Holländer durch Posten angehalten, die seine Papiere unter­suchten, und daher siel ihm aus, daß der Sergeant in Ztvfl auf Grund seiner Milttärpapiere durchgelassen wurde. Das faß« er ganz rickstig als Beweis dafür auf, daß di« belgisch« Behörde« das Verfahr« gut hießen. Als vorsichtiger Mann rechnete et jedoch damit, daß er bei der Weiterfahrt auch von deutschen Trupp« angehalt« werden würde und diesen sein« Papiere vor­zeig« müßte. Er verlangte daher von dem Sergeanten, daß er seine Militärpapiere vernichtete urrd auf diese Weise sich ou< einem Angehörigen des Soldat«standes in eine wirkliche Zivil» Person unüvandelte, was denn auch gescl-ah. In Brügge kam der Hofländer an, ehe noch die Deutsch« die Stadt besetzt hott«. Die Weiterfahrt nach der hofländtsck-en Grenze ging ganz langsanl vonstattm, weil alle Wege gedrängt vofl von Flüchtling« war«,

vermischte».

' Die Universität Löwen in . . .Cambridge. Kurze Zeit nachdem die Zerstörung LöwenS und belonderS seiner Bibliothek bekannt qeworden war, hat die Nniversstätsbehörde von Cambridge denr Rektor der katholischen Universität Löwen ein» Einladung übermittelt, den Unterricht der Universität während de» nächsten Schuljahres inCamhridge abzuhalten, und Prot. Dan der Ben hat daraus erwidert, daß der Kordinal-Erzbischos von Dlechcln, sowie der Rektor der Univeriiiät Löwen beschlossen habe», der Einladung zu folgen. Die Hochschullehrer von Löwen, die gegenwärtig noch saß alle in Holland weilen, sind ersucht worden, sich sobald wie möglich nach Cambridge z» begeben. Dt« englische Universität wird ihre Hörsäle »nd gemeinsamen Räume kostenlos zur Verlügnng stellen; die Hochschullehrer »nd die Stu­denten von Löwen werde» stch auch aller Htlisinttlcl de« Unter­richtes, belonderS der Bibliotheken und Laboralorten, bedienen können. Wieweit eine solche Verpflanzung der Universität ohne weiteres möglich ist, wird ja die nächste Zukunft lehren.

'Schrapnells vor 300 Jahren. Die Schrapnells' die im gegenwärtigen Kriege eine so grobe Rolle spielen, find in Ihrer heutigen Form bekanntlich die Erfindung des englischen Obersten Sbrapnell, nach dem ste auch genannt sind. Aber wie alle menschlichen Erfindungen hat auch diele Vorläufer gehabt. So wurde, ivie der .Figaro' berichtet, ivährend der Belaaerung von Paris im Jahre 1680 eine Granate erfunden. Als die Pariser nicht mehr genügend Geschosse hatten, um der Artillerie Hein­richs IV. z» antworten, der sie belagerte, packte» sie alle Nägel und Melallstücke, die sie sammeln konnte», in Blethüllen, luden damit die Kanonen und schossen diese merkwürdigen Ladungen auf die Belagerer ab. Weitere Auslührung hat dieser Gedanke da­mals anscheinend nicht gesunden, sondern cS mußten fast 300 Jahre vergehen, bis er wieder ausgenommen wurde.

vüchertisch.

W a s jedermann wissen muß über Deutsch- landSHeer undFlotte" betitelt sich ein von Ernst v. Ltndenau heransgeqebenes Büchelchen, das genaue AnSkunst über Einteilung, Stärke und Standorte der einzelnen Truvpenkörper nebst Vergleich mit de» Heeren unserer Feinde gibt, ferner ei» Verzeichnis unserer Kriegsschiffe, deren Größe, Besatzung rc. enthält. Verlag von Curt Siockhausen in Nürnberg. Preis 30 Psg.

Anagramm.

Ein Fluß bin ich, gar wohlbekannt.

Und fließe durch das Sauerland.

Nimmst dn den Kops mir jetzo sort,

So stnd'st du mich an jedem Ort,

In jeder Stadt, in jedem Ha»S;

Du hörst mich überall heraus.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des VerändernngSrätscls in voriger Nummer: <»ast, lflder, I.and, Vieb, »lnkel, dtaub, IVase: Geldern.

Schristleltung: Aua. Goetz. - RotaiionSdrnck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.