Ausgabe 
29.10.1914
 
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e »gliche ©etuatt. Ich kann nicht anders ich muß!

» dieses Muß kannst nur du nur du selber in mich hineingesenkt haben!"|

In angstvoller Hilflosigkeit faltete sie die Hände. Lang­sam, langsam aber stieg eine stille, leuchtende Zuversicht in ihrem Herzen, in ihren Zügen herauf.

He, Herr Ulan, noch nicht schön genug? Die Toilette dauert aber schauderhast lange," ries da Kau Mehlhorns .Stimme von draußen.

Ist aber beendet!" gab Erdmuthe prompt zurück. Noch ein Blick aen Himmel ein Neigen des blonden Kopfes: Ich fühl' es, dein Segen ist mit mir!"

Gleich darauf sprang sie zur Tüx. Sie öffnete. Frau Mehlhorn prallte zurück.

Bei allen Heiligen!" Sie stand mit offenem Munde. Ich gefalle Ihnen wohl gar?!"

Die Alte schlug, ins Stübchen tretend, schmunzelnd die Hände ineinander.

Schade, daß ich kein Mädel mehr bin." Mit staunend aufgerissenen Augen ging sie in großem Bogen Um den frischgebackenen Ulan her uni.Würd mich gleich verlieben!"

,Zn die Uniform!" Erdmuthe lachte hell auf.Ja, ja! Die Kleider machen Leute!"

Wird man denn aber auch reiten können?" äugte die Mte mißtrauisch.

Reiten?! Wie der Wind! Sonst müßte man kein ost­preußisches Landkind sein!"

In Brüssel, bei Lord Uxbridge, war große Tafel. Lord Wellington, der Oberbefehlshaber der englischen Armee und der dieser eng verbundenen niederländischen, hannöverschen, braunschweigischen und nassauischen Truppen, die seit dem Sturze Napoleons 1814 gemeinsam das Land westlich der Maas besetzt hielten, hatte den Feldmarschall Blücher zur Besichtigung seines Heeres und zur Besprechung gemein­samer Operationen gegen Napoleon in sein Hauptquartier nach Brüssel eingeladen.

Die erlesene Gesellschaft man erblickte außer Blücher und'Wellington den Herzog von Braunschweig, Gneisenau, Major von Scharnhorst, Dörnberg, Generalleutnant Alten, Ompteda und andere war in angeregtester Stimmung. Die gestrige wie die heutige Revue war tadellos verlaufen.

Am gestrigen Tage hatte der Herzog von Braunschweig, der schwarze Herzog, vor dem preußischen Feldherrn sein in bester Verfassung befindliches Kontingent vorbeidefilleren lassen. Und heute hatte Wellington selber seine britische Reservekavallerie und die dazugehörige Artillerie seinem Freunde Blücher aus der weiten Ebene an der Dender vor­geführt. Das Borberwvgen der herrlichen englischen Kaval­lerie, dieser auf den edelsten Pferden berittenen und mit dem vortrefflichsten Material ausgerüsteten Truppe, war ein ebenso imposantes wie erhebendes Schauspiel gewesen. Und im Herzen jedes Augenzeugen war die Hosfninng auf den endlichen Sieg über Napoleon zur Gewißheit geworden.

Wellington erhob sich. Einmal nach dem andern. Seine hohe, hagere Gestalt mit den eisernen, undurchdringlichen Gestchtszügen stand jedesmal kerzengerade, unbeweglich vor seinem Stuhl an der reichgedeckten Tafel. Er brachte rasch nacheinander verschiedene Toaste aus. kurz, knapp. Und klar: ' .

The King!<

Dänni Les Alliss!" und andere. .

Schließlich:

hkoasieur le mardchal Blücher I"

Ein unbeschreiblicher Jubel hallte als Antwort der An­wesenden durch den Saal. DasHip! Hip! Hurra!", dasl Trommeln mit den Gläsern auf den Tischen wollte kein Ende nehmen.

Endlich, als der Sturm sich ein wenig gelegt, erhob sich her greise Held. Seine Hünengestalt eine vaterländische, himmelanstrebende Eiche. Auf dem beweglichen, von wei­ßem, dichtem Haar umrahmten Gesicht schon Spuren des Al­ters, aber verllärt durch den Ausdruck herzerquickender Freundlichkeit, jugendlicher Kühnheit, unwandelbarer Treu«. Und aus den Äugen lodert jene Begeisterung, die ihre Kraft aus dem Himmel holt und sich das Höchste zum Ziele setzt.

,Messieurs messieurs je voudrals vous dire vous dire r ach l" Blüchchr setzte den Champagnerkolcht Jgtt seine Hand umklammert gehalten, mir einem Krach

auf die Tischplatte. Fast lväre das Glas zerbrochen.Meine Herren! Mit Frankreichs Sprache stehe rch wie mit seinem Kaiser auf dem Kriegsfuße. Was ich aus dem Herzen habe, das muß in meiner lieben, deutschen Sprache herunter. Und mein Herz ist voll! Uebervoll! Einmal von Zorn und Groll und Grimm gegen ven Korsen, diesen Höllensohn, der mein Vaterland, der halb Europa sieben bittere Jahre lang hindurch in Ketten geschlagen, oer in einer ans Abenteuer­liche grenzenden Tollkühnheit es wagt, den verbündeten Mächten noch einmal die Stirn zu bieten und die Greuel des Krieges von neuem über Europa herauszubeschwörenl Mit Blut und Tränen ist sein Name in den Blättern des großen Schicksalsbuches eingeschrceven. Aber Gott da droben ist gerecht! All die Tränen, all das Blut, das seinetwegen vergossen, es wird an ihm gerächt werden! Ich bin dessen, gewiß! Die Macht, die er sich angemaßt, ist trügerisches Schein! Wie ein hohler Baum muß sic zusammeiibrechen. Wohl hängt das Heer, das er einst zu Ruhin und Glanz ge­führt, noch in alter Hingebung und Vergötterung an ihm. Aber in der Vendse tobt schon der Bruderkrieg, die gebilde­ten Kreise des ganzen französischen Volkes stehen, kriegs­müde, ihm fremd oder gleichgültig gegenüber ganz Europa hat ihn in die Acht erklärt unv ihm tödliche Feindschaft geschworen! Sein einzigster Bundesgenosse, König Murat, ist in Italien geschlagen und ans der Flucht! Seine Stunde naht. Sie sott uns gewappnet finden. Meine Herren! Mit deni Heere, das mein König die Gnade hatte, mir nochmals anzuvertrauen, das derselbe flammende Geist, der gleiche Not und Tod überwindende Wille wie 18l3 beseelt, mit diesem Heere werde ich gemeinsam mit meinem Bruder Wellington deni Korsen entgegentreten, sobald unsere Ordre es erlaubt. Wir brauchen die zögernd herannahenden Oester­reicher und Russen nicht mehr. Seite an Seite fühlen wir uns an der Spitze unserer vortrefflichen Truppen stark ge­nug, um unseren Todfeind zu vertreten. Und deshalb ist mein Herz nicht nur voll von Groll und Grimms es ist auch übervoll von Dankbarkeit gegen diesen meinen Mitfeld­herrn, der mir in so treuer Kampfbereitschaft die Hand gereicht. Er, der dem damals noch Unbesiegten auf Spa­niens Boden jahrelang Schach geboten, aus den wir als einen Stern der Hoffnung blickten, als noch tiesste Nacht um uns war, er, mein edler Waffenbruder, der Sieger von Vittoria, Herzog Wellington, er lebe hoch!"

Die lauteste Begeisterung brach aus und wollte nicht enden.

(Fortsetzung solgt.)

Die 5prengstoffe des modernen Krieges.

Von Dr. Franz Kittler.

In den Kriegen stüherer Zeit gab es nur einen oinzignw Sprengstoff, das Schwarzpulver, das zu allen möglichen Zwecken dienen mußte. Man schoß damit die Kugel aus dein Ge­wehr sowohl, wie die ans dem Geschütz ab, und füllte auch die Bomben damit. Noch im Kriege 1870/71 spielte es eine wichtig« Rolle. Sein größter Nachteil bestand darin, daß bei der Explosion gewaltige Mengen von weißem Rauch entstanden. Infolgedessen war es überhaupt unmöglich, aus einer verborgenen Stellung zu feuern. Die weißen Rauchwolken des alten Schwarzpulvcrs ver­rieten sie dem Feinde sofort. Bei Massenfeuer jedoch und insbesow- dere bei Schnellseuer muhte das Schießen immer schon nach ver­hältnismäßig kurzer Zeit eingestellt werden, da di« dicken Rauch­schwaden eine undurchsichtige Wolke vor der feuernden Linie bil­deten, die sich erst wieder verziehen mußte, ehe man den Feind von neuem aufs Korn zu nehmen vermochte.

Alle diese Umstände haben dazu geführt, nach neuen Pulver­sorten zu suchen, die die Nachtelle des Schwarzpulpers nicht auf- weisen. Man fand sie in dem heute allgemein gebrauchten rauch, losen oder, genauer ausaedrückt,rauchschwachen" Pulver; denn eine vollkommene Rauchlosigkeit ist nicht erreicht. Der Rauch den diese Pulver entwickeln, ist aber so schtvach, daß er über­haupt nicht tn Betracht kommt. Mam sieht ihn q'chon aus kurze Entfernung nicht mehr. Bet einem abgeschossenen Gewehr gleicht er dem Wölkchen, das ein Zigarettenraucher von den Lippen bläst. Selbst stark feuernde Linien vermag dieses schwache Wölkchen nicht zu verraten. Da das Pulver also jetzt kein Hindernis mehr verborgene Stellungen aufzusuchen, so hat sich mit seiner Eln- sührung das ganze Aussehen des Schlachtfeldes geändert. Man feuert nur noch aus gedeckten Stellungen, tn denen man sich der Sicht des Feindes nach Möglichkeit zu verbergen sucht. Dadurch, sowie daß durch die Verbesserung unserer Feuerwaffen die ge­schlossenen Linien schon auf weitere Entfernungen aefährlicher sind als früher, ist die berühmteLeere deS Schlachtfeldes^ entstanden. Während früher aus dem Schlachtfeld« Kolonnen yerzW-